13:37:04 | Dienstag, 14. Februar 2006
In der Heimat von Papst Johannes Paul II. hat ein billiges Boulevardmagazin die Gottesmutter von Tschenstochau geschändet. Von Przemyslaw Bentkowski.
(kreuz.net, Posen) Scharen von Katholiken innerhalb und außerhalb von Polen nehmen seit Anfang Februar
an der bisher größten Boykott-Aktion des Landes teil.
Die Aktion richtet sich gegen die Zeitschrift
‘Machina’, die in ihrer Nullausgabe auf der Titelseite das Bild der Schwarzen Madonna von Tschenstochau
geschändet hat.
In die Darstellung der Schwarzen Madonna wurden per Photomontage das Konterfei der Popsängerin
Madonna und ihrer Tochter eingefügt.
Die Zeitschrift ‘Machina’, die dem Bereich der Popkultur zuzurechnen
ist, kehrt nach einer Unterbrechung von vier Jahren wieder auf den Markt zurück.
Der Herausgeber des
Magazins – die Firma Point Group – hat sich offenbar zum Ziel gesetzt, den Verkauf der Nullnummer durch
einen Skandal zu fördern.
Darum wurde zweifellos mit Empörung und Protesten gerechnet. Doch offenbar
ist der Herausgeber vom Ausmaß und Charakter der jetzigen Protestaktion überrascht.
Eine Gruppe von
jungen Katholiken, die sich spontan gebildet hat, eröffnete im Internet eine eigene Webseite –
www.tolerancja.net –
und ruft jetzt zum Boykott des Herausgebers und der in der Zeitschrift werbenden Firmen auf.
Auf der
Internetseite sind Muster von E-Mails veröffentlicht, die ein Boykott-Teilnehmer nur zu kopieren und
im eigenen Namen an die jeweilige Firma zu schicken braucht.
Das haben bereits Tausende von Internetnutzern
getan.
Nach dem zweiten Tag der Kampagne haben zwei große Firmen, Philips und Orange – ein Handynetzbetreiber –
angekündigt, keine weiteren Werbeschaltungen in der Zeitschrift mehr in Auftrag zu geben. Die Firmen
erklärten auch, vom umstrittenen Titelblatt nichts gewußt zu haben.
Eine dritte große Firma – Procter &
Gamble – erklärte, daß ihre Produkte von der Zeitschrift im Redaktionsteil erwähnt worden seien. Die
Firma selber habe nicht die Absicht, Werbeinhalte in der Zeitschrift zu publizieren.
Seit Anfang des
Boykotts ist die Webseite des Herausgebers von ‘Machina’ außer Betrieb.
Der Herausgeber scheint nur
beschränkt zur Einsicht gekommen zu sein. Er hat in der Zwischenzeit sogar versucht, die Teilnehmer am
Boykott bei den werbenden Firmen zu diffamieren.
Einige Firmen – wie Adidas, Beck’s-Produzent, Levi Strauss
und Pepsi – haben trotz des Skandals ihre Werbeaufträge bei der Zeitschrift nicht gekündigt.
Auch die
Pauliner, die das Heiligtum von Jasna Góra betreuen, wo das Bild der Schwarzen Madonna von Tschenstochau
verehrt wird, haben gegen die Schändung der weltberühmten Muttergottesdarstellung protestiert.
Der
Pressesprecher des Heiligtums solidarisierte sich mit allen Menschen, die sich durch diese Werbung beleidigt
fühlen:
„Jeden der bedauernswürdigen Autoren und Unterstützer dieser Werbung rufen wir auf: Kommt
zur Vernunft!“, schreibt Pater Stanislaw Tomon in einer Erklärung.
Der polnische ‘Rat für Medienethik’
hat festgestellt, daß die Zeitschrift ‘Machina’ gegen die Bestimmungen der sogenannten „Ethikkarta der
Medien“ verstoßen habe. Erwähnt wird der Abschnitt, wo über „Achtung, Toleranz und den vorrangigen
Stellenwert des Wohls jedes Medienkonsumenten“ gesprochen wird.
Eine ähnliche Stellungnahme kam vom
Pressesprecher der Polnischen Bischofskonferenz, Hw. Józef Kloch. Er erklärte, daß die Bischöfe alle
Formen von Respektlosigkeit gegenüber den Zeichen, Symbolen und religiösen Werten – insbesondere jener,
die im Christentum eine besondere Rolle spielten – mit Nachdruck ablehne.
Leider haben sich nicht alle
katholische Medien am Boykott beteiligt.
Einige große katholische und christliche Internetportale haben
sogar Einträge, die zum Boykott der Muttergottesschänder aufriefen, entfernen lassen oder sich geweigert,
Banner mit Informationen über die Aktion zu platzieren.
Die größte Unterstützung kam von Seiten des
Internetforums
der Zeitschrift ‘Fronda’.
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