15:27:14 | Donnerstag, 16. Februar 2006
„Jugendkirche ist ein Ort, wo dich deine Freunde hin abschleppen, du abgefahrene Aktion erlebst, Partys feierst“. Von Hubert Hecker.
(kreuz.net, Limburg) Im Bistum Limburg sind im letzten Jahr drei so genannte Jugendkirchen eingerichtet
worden.
Die Stadt Limburg an der Lahn befindet sich im Bundesland Hessen rund 50 km nordwestlich von
Frankfurt am Main.
Die betreuende Jugendfachstelle warb im Frühjahr 2005 mit folgendem Prospekt: „Jugendkirche
ist ein Ort, wo dich deine Freunde hin abschleppen, du abgefahrene Aktion erlebst, Partys feierst. Dort
kannst du skaten, sprayen, abtanzen, feiern, Theater, Musical, Bandauftritte, HipHop – Gottesdienst, chill
out … Der Preis für den Knaller-Namen winkt schon.“
Der Knaller-Name der Limburger Jugendkirche wurde
dann „cross over“, also ‘über Kreuz’, ‘Kreuz über’ oder auch ‘drunter und drüber’, jedenfalls geht
es so ab im Kirchenraum.
Schon bei der Einrichtung der Jugendkirche werden Jugendliche angeleitet, den
Kirchenraum zu entsakralisieren. Insbesondere wurden Kniebänke und Tabernakel entfernt und das Allerheiligste
in einem kleinen Nebenraum deponiert, der nun als „Raum der Stille“ firmiert.
Alles, was in der Jugendkirche
abgeht, findet konsequent im Kirchenraum statt. Die Veranstaltungen werden nach dem Vorbild von erlebnisorientierten
Werbe- und Verkaufsveranstaltungen als „Event“ gestaltet.
Mit professioneller Beschallung und Lichteffekten
gehen Breakdance und HipHop über die Bühne, werden Musicals und Kinoabende organisiert.
Legendär sind
die Events der Jugendkirche Oberhausen, etwa das Skater-Projekt, der Hochseilgarten in der Jugendkirche
oder die Wüsten- bzw. Stranderfahrung bei 40 Tonnen Sand im Kirchenraum. „Hol dir den Kick“ ist das neue
Halbjahresprogramm von „cross over“ überschrieben.
Der Ort Oberhausen befindet sich knapp 200 km nördlich
von Frankfurt und gehört kirchlich zum Bistum Essen.
In Oberhausen ist die erste der deutschen Jugendkirchen
überhaupt vor circa 5 Jahren eingerichtet worden. Die Jugendkirchen im Bistum Limburg orientieren sich
an deren Konzept.
Man sieht, die Jugendkirchen wollen der professionellen Freizeitindustrie Konkurrenz
machen, und zwar in den gleichen Formen und der Werbesprache, mit der die jungen Leute von der Jugendindustrie
geködert werden.
Selbst Bischof Kamphaus wurde beim „Kick off“ der Wiesbadener Jugendkirche vorgezeigt.
Nach dem Gottesdienst mit Sacropop und Lightshow relaxte er in der „chill-out-Area“ der Kirche.
Die Jugendkapläne
rechtfertigen diese Anbiederung an den Geschäftsgeist der Zeit als „authentische Jugendkultur“.
„Kick
off“ der Wiesbadener Jugendkirche:
Nach dem Gottesdienst mit Sacropop und Lightshow relaxte der Bischof
von Limburg in der „chill-out-Area“ der Kirche
Ein Teil der jungen Leute fährt auf diesen modernen Event-Kitsch
ab: „Das macht voll Spaß“, schwärmt Alina (14), und Alexandra pflichtet bei: „Ist mal was ganz anderes
hier.“
Die Werbetrommler der Wiesbadener Jugendkirche haben aber auch kritische Stimmen gehört: Bloß
kein Breakdance oder Discoeffekte im Gottesdienst, empört sich Max:
„Kirche muß echt bleiben und nicht
zum Partyraum werden“, so die vielfach geäußerte Forderung von Wiesbadener Schülern.
Durch solche
kritische Stimmen lassen sich die klerikalen Berufsjugendlichen nicht von ihrer Linie abbringen, schließlich
haben sie moderne Pädagogikautoren auf ihrer Seite. Das hört sich dann so an:
„Erlebnispädagogische
Interaktionen, handlungsorientierte Identifikationen und bewegungsintensive Angebote wirken über Emotionen
auf den Deutungsrahmen der Jugendlichen und trainieren soft skills, indem sie die Grundideen der Jugendpastoral
in einer enormen Dichte umsetzen“ (cross-over-Konzept S. 10f).
Jugendkirchen in Deutschland

Eröffnung
der Jugendkirche Wiesbaden Ende Juni 2005

Eröffnung der Jugendkirche Wiesbaden Ende Juni 2005
Eine Firmgruppe
nimmt das Angebot der Jugendkirche zum Thema „Gottesglaube“ an.
Die 40 Jugendlichen versammeln sich um
den Altarraum, von dem eine Strickleiter nach oben führt. Der Jugendkaplan entzündet in einem Tontopf
ein Lagerfeuer und erzählt – „wie damals die Beduinen“ – die Geschichte von Jakobs Traum und Himmelsleiter.
Die Aufgabe der Gruppe besteht nun darin, aus Styropor Himmelsleitersprossen zu sägen (handlungsorientiert),
diese dann bunt anzumalen (emotional-ästhetische Bildung) und schließlich diese Sprossen zu einer Leiter
zu verbinden (soft skill Teamfähigkeit etc.).
Alle Bastelarbeiten geschehen in der Kirche.
Bastelarbeiten
in der Kirche:
Die Inhalte der Bibel sowie Lehre und Liturgie der Kirche zu vermitteln sind ausdrücklich
nicht Lernziele der Jugendkirchen
Die Strickleiter wird anschließend beim Gottesdienst im Nebenraum aufgehängt.
Eine Auslegung oder Katechese zu der Stelle findet nicht statt.
Die Inhalte der Bibel sowie Lehre und
Liturgie der Kirche zu vermitteln sind ausdrücklich nicht Lernziele der Jugendkirchen, sondern bestenfalls
Anlässe, um in Auseinandersetzung damit das „Selbst“ der Jugendlichen zu verwirklichen.
Insofern verwundert
es nicht, wenn Gottesdienste mit „experimentellem Charakter“ nur alle zwei oder vier Wochen stattfinden,
auch wenn großspurig vom „liturgischen Pulsschlag“ gesprochen wird, der „den roten Faden des Projektes“
bilden soll.
Die tatsächliche Leitidee der Jugendkirchen ist das Konzept der Selbstverwirklichung. Sie
ist der eigentliche rote Faden, der sich seit der Würzburger Synode durch die kirchliche Jugendarbeit
zieht und der heute in die Jugendkirchen ausfranst. Dieses Konzept steht im diametralen Gegensatz zur
Jugendpastoral des Weltjugendtages.
Selbstverwirklichung ereigne sich in „love“ und „fun“, sagen die
Jugendkirchenmacher.
Unter dem Motto: „no love, no fun“ bietet die Jugendkirche Limburg „workshop an
den Tagen der Orientierung“ für Schulabgänger an.
Die Frankfurter Jugendkirche betreibt das Projekt
„Jona in love“. „Erotica“, ein Musical im Rotlichtmilieu, wurde am vergangenen 12. Februar in den Räumen
der Jugendkirche aufgeführt. Das Musical stammt von Akteuren der Oberhausener Jugendkirche.
Auch diese
flache love-Philosophie steht im krassen Widerspruch zur christlichen Lehre, wie sie Papst Benedikt XVI.
in seiner
Enzyklika ‘Deus caritas est’ darlegt (Kap. 5,6,7).
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