40 Tonnen Sand im Kirchenraum
„Jugendkirche ist ein Ort, wo dich deine Freunde hin abschleppen, du abgefahrene Aktion erlebst, Partys feierst“. Von Hubert Hecker.

Die Stadt Limburg an der Lahn befindet sich im Bundesland Hessen rund 50 km nordwestlich von Frankfurt am Main.
Die betreuende Jugendfachstelle warb im Frühjahr 2005 mit folgendem Prospekt: „Jugendkirche ist ein Ort, wo dich deine Freunde hin abschleppen, du abgefahrene Aktion erlebst, Partys feierst. Dort kannst du skaten, sprayen, abtanzen, feiern, Theater, Musical, Bandauftritte, HipHop – Gottesdienst, chill out … Der Preis für den Knaller-Namen winkt schon.“
Der Knaller-Name der Limburger Jugendkirche wurde dann „cross over“, also ‘über Kreuz’, ‘Kreuz über’ oder auch ‘drunter und drüber’, jedenfalls geht es so ab im Kirchenraum.
Schon bei der Einrichtung der Jugendkirche werden Jugendliche angeleitet, den Kirchenraum zu entsakralisieren. Insbesondere wurden Kniebänke und Tabernakel entfernt und das Allerheiligste in einem kleinen Nebenraum deponiert, der nun als „Raum der Stille“ firmiert.
Alles, was in der Jugendkirche abgeht, findet konsequent im Kirchenraum statt. Die Veranstaltungen werden nach dem Vorbild von erlebnisorientierten Werbe- und Verkaufsveranstaltungen als „Event“ gestaltet.
Mit professioneller Beschallung und Lichteffekten gehen Breakdance und HipHop über die Bühne, werden Musicals und Kinoabende organisiert.

Der Ort Oberhausen befindet sich knapp 200 km nördlich von Frankfurt und gehört kirchlich zum Bistum Essen.
In Oberhausen ist die erste der deutschen Jugendkirchen überhaupt vor circa 5 Jahren eingerichtet worden. Die Jugendkirchen im Bistum Limburg orientieren sich an deren Konzept.

Selbst Bischof Kamphaus wurde beim „Kick off“ der Wiesbadener Jugendkirche vorgezeigt. Nach dem Gottesdienst mit Sacropop und Lightshow relaxte er in der „chill-out-Area“ der Kirche.
Die Jugendkapläne rechtfertigen diese Anbiederung an den Geschäftsgeist der Zeit als „authentische Jugendkultur“.
Ein Teil der jungen Leute fährt auf diesen modernen Event-Kitsch
ab: „Das macht voll Spaß“, schwärmt Alina (14), und Alexandra pflichtet bei: „Ist mal was ganz anderes
hier.“
Die Werbetrommler der Wiesbadener Jugendkirche haben aber auch kritische Stimmen gehört: Bloß kein Breakdance oder Discoeffekte im Gottesdienst, empört sich Max:
„Kirche muß echt bleiben und nicht zum Partyraum werden“, so die vielfach geäußerte Forderung von Wiesbadener Schülern.
Durch solche kritische Stimmen lassen sich die klerikalen Berufsjugendlichen nicht von ihrer Linie abbringen, schließlich haben sie moderne Pädagogikautoren auf ihrer Seite. Das hört sich dann so an:
„Erlebnispädagogische Interaktionen, handlungsorientierte Identifikationen und bewegungsintensive Angebote wirken über Emotionen auf den Deutungsrahmen der Jugendlichen und trainieren soft skills, indem sie die Grundideen der Jugendpastoral in einer enormen Dichte umsetzen“ (cross-over-Konzept S. 10f).
Eine Firmgruppe nimmt das Angebot der Jugendkirche zum Thema „Gottesglaube“ an.
Die 40 Jugendlichen versammeln sich um den Altarraum, von dem eine Strickleiter nach oben führt. Der Jugendkaplan entzündet in einem Tontopf ein Lagerfeuer und erzählt – „wie damals die Beduinen“ – die Geschichte von Jakobs Traum und Himmelsleiter.
Die Aufgabe der Gruppe besteht nun darin, aus Styropor Himmelsleitersprossen zu sägen (handlungsorientiert), diese dann bunt anzumalen (emotional-ästhetische Bildung) und schließlich diese Sprossen zu einer Leiter zu verbinden (soft skill Teamfähigkeit etc.).
Alle Bastelarbeiten geschehen in der Kirche.
Die Strickleiter
wird anschließend beim Gottesdienst im Nebenraum aufgehängt. Eine Auslegung oder Katechese zu der Stelle
findet nicht statt.
Die Inhalte der Bibel sowie Lehre und Liturgie der Kirche zu vermitteln sind ausdrücklich nicht Lernziele der Jugendkirchen, sondern bestenfalls Anlässe, um in Auseinandersetzung damit das „Selbst“ der Jugendlichen zu verwirklichen.
Insofern verwundert es nicht, wenn Gottesdienste mit „experimentellem Charakter“ nur alle zwei oder vier Wochen stattfinden, auch wenn großspurig vom „liturgischen Pulsschlag“ gesprochen wird, der „den roten Faden des Projektes“ bilden soll.

Selbstverwirklichung ereigne sich in „love“ und „fun“, sagen die Jugendkirchenmacher.
Unter dem Motto: „no love, no fun“ bietet die Jugendkirche Limburg „workshop an den Tagen der Orientierung“ für Schulabgänger an.

Auch diese flache love-Philosophie steht im krassen Widerspruch zur christlichen Lehre, wie sie Papst Benedikt XVI. in seiner Enzyklika ‘Deus caritas est’ darlegt (Kap. 5,6,7).
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Montag, 16. Juli 2007 18:45
Samurai: @ Ein Gläubiger
Hallo,
sicherlich sind in den Jugendkirchen(projekten) auch manche Fehler gemacht worden, keine Frage.
Aber- und damit scheinen hier einige Probleme zu haben –, solange durch einen guten Jugendgottesdienst, in dem den „Kids“ verdeutlicht werden kann, daß der Glaube etwas mit ihrem Leben zu tun hat, Jugendliche dazu gebracht worden sind, sich mit dem GLauben auseinanderzusetzen, dann ist das ok.
Und mir ist ein Gottesdienst, in dem moderne Musik benutzt wird, und der Gottesdienst in der Sprache der Kids ‘rüberkommt und die Jugendlichen merken: Ja, da kann ich hinkommen mit mehreren Ohrringen und/oder einem Tatoo, ohne dumm angegafft zu werden lieber als eine „traditionelle“ Messe, in der die Jugendlichen sich erst äusserlich „verkleiden“ müssen, um überhaupt akzeptiert zu werden.
samurai
sicherlich sind in den Jugendkirchen(projekten) auch manche Fehler gemacht worden, keine Frage.
Aber- und damit scheinen hier einige Probleme zu haben –, solange durch einen guten Jugendgottesdienst, in dem den „Kids“ verdeutlicht werden kann, daß der Glaube etwas mit ihrem Leben zu tun hat, Jugendliche dazu gebracht worden sind, sich mit dem GLauben auseinanderzusetzen, dann ist das ok.
Und mir ist ein Gottesdienst, in dem moderne Musik benutzt wird, und der Gottesdienst in der Sprache der Kids ‘rüberkommt und die Jugendlichen merken: Ja, da kann ich hinkommen mit mehreren Ohrringen und/oder einem Tatoo, ohne dumm angegafft zu werden lieber als eine „traditionelle“ Messe, in der die Jugendlichen sich erst äusserlich „verkleiden“ müssen, um überhaupt akzeptiert zu werden.
samurai
Donnerstag, 5. Oktober 2006 22:53
Chrysostomos: Sand im Kirchenraum – Balken im eigenen Auge
Ja leider – Sie haben völlig recht! Es gibt so viele Gehässigkeiten hier, dass ich mich oft frage, ob es sich hier um katholische Christen handelt oder Menschen, die einfach ihr böses Herz nach außen kehren und Gehässigkeit an Gehässigkeit reihen! Nicht was von außen in den Menschen hereinkommt, macht ihn unrein, sondern im Herzen sitzen die bösen Gedanken! Manche haben eben nicht verstanden, dass nur die Liebe imstande ist, wahre Umkehr zu wirken – im Glauben, in der Moral, in der Liturgie!
Montag, 10. April 2006 22:45
ups: Wo bin ich denn hier gelandet???
Ich bin heute das erste Mal Gast in diesem Forum. Und ich muss ehrlich sagen, dass ich entsetzt bin. Ich fand es bisher gar nicht so schlimm katholisch zu sein. Was aber hier unter der Überschrift „kreuz.net“ – katholische Nachrichten verbreitet wird, geht ja so was an der Sache vorbei, dass ich mich fast schäme katholisch zu sein. Ich lese nun schon seit einer Stunde Leserbriefe und Lesermeinungen dazu und meine Augen haben nicht viel mehr als Gehässigkeiten gesehen. Wo bleibt denn hier unsere christliche Einstellung? Ich denke, wir sollten hier mal wieder auf den Punkt kommen und uns auf den Sinn unseres Lebens erinnern. Wisst Ihr noch um was es geht?
Freitag, 10. März 2006 08:49
Ein Gläubiger: @ Benedikt
Natürlich gibt es ein Copyright und ich kann Bilder von Webseiten nicht einfach auf anderen Seiten weiterverwenden.
Die Praxis mag vielfach anders aussehen. Ich finde es aber durchaus seltsam, wenn der Betreiber einer
Webseite Bilder einer anderen Webseite auf seiner Seite einstellt und dann noch dick darüber schreibt,
dass er das Copyright hätte. Da stimmt ja wohl was nicht.
Was das Erreichen der Fernstehenden betrifft, liegt das Besondere der Jugendkirchen meines Erachtens darin, dass Jugendliche dort eben nicht nur Kletterseile und „andere Spiele“ sehen, sondern die Kirche als solche mit Altar, Tabernakel, Kreuz und allem.
Vor kurzem konnte ich selbst erleben, wie gerade eine Kirche als Gebäude fernstehende Besucher zum Nachfragen angeregt hat, weil sie wissen wollten, was die jeweilige Bedeutung ist. Da wird das Kirchengebäude selbst zum Evangelium und darum sind Jugendkirchen ganz bewusst auch Kirchengebäude und nicht irgendwelche Räume. Es geht doch darum, überhaupt einen ersten Zugang zur Kirche schaffen.
Was das Erreichen der Fernstehenden betrifft, liegt das Besondere der Jugendkirchen meines Erachtens darin, dass Jugendliche dort eben nicht nur Kletterseile und „andere Spiele“ sehen, sondern die Kirche als solche mit Altar, Tabernakel, Kreuz und allem.
Vor kurzem konnte ich selbst erleben, wie gerade eine Kirche als Gebäude fernstehende Besucher zum Nachfragen angeregt hat, weil sie wissen wollten, was die jeweilige Bedeutung ist. Da wird das Kirchengebäude selbst zum Evangelium und darum sind Jugendkirchen ganz bewusst auch Kirchengebäude und nicht irgendwelche Räume. Es geht doch darum, überhaupt einen ersten Zugang zur Kirche schaffen.
Mittwoch, 8. März 2006 16:51
Sulpicius: Hallo Mädchen,…
die Eucharistiefeier war für die Christen von Beginn an eine so wertvolles Begängnis (repraesentatio Christi = Vergenwärtigung Christi im Kreuzesopfer), das sie immer peinlichst darauf achteten, es von normalen Mahlzeiten bzw. Feiern zu unterscheiden. Sie war immer schon eine würdige, dem Wesen der Eucharistie angemessene rituelle Feier. Sie sah auf keinen Fall so aus, wie heute häufig Jugend-Gottesdienst gefeiert werden. Nach der Eucharistiefeier wurde eine sog. Agape abgehalten, die Deiner Vorstellung von „gemeinsamen Mahl“ näherkommt. Diese hat aber nichts mit der hl. Messe zu tun. Jeder Liturgiewissenschaftler wird Dir das bestätigen.
Mittwoch, 8. März 2006 16:36
Mädchen: @Sulpicius
Du mußt nicht alles glauben, was Dir Dein Jugendpfarrer erzählt…
Wie denn dann?
Wie denn dann?
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