kreuz.net Katechismusklasse: Das Dogma der Unbefleckten Empfängnis
Muttergottes, warum bist Du ohne jede Schuld? Wenn jene, die der Sitz der Weisheit ist, auf Kinderfragen antwortet, spitzt selbst Salomon die Ohren. Kann unverständliches Zeug aus dem alten Griechenland Klarheit ins babylonische Sprachengewirr rund um die Immakulata bringen? Die Muttergottes wagt den Versuch.
(kreuz.net) Am 8. Dezember des Jahres 1854 verkündete der selige Papst Pius IX. das Dogma von der Unbefleckten
Empfängnis Mariens. Dieses Dogma löst in manchen von uns Fragen auf. Ein erklärender Dialog.
Frage:
Muttergottes, was bedeutet Deine Unbefleckte Empfängnis?
Muttergottes: Meine Unbefleckte Empfängnis
bedeutet, daß ich seit meiner Zeugung ohne jede Schuld bin.
Frage: Warum bist Du ohne jede Schuld?
Muttergottes: Weil der allmächtige Gott es so gewollt hat.
Frage: Jetzt bin ich genauso schlau, wie
vorher. Kannst Du das erklären?
Muttergottes: Gerne. Der griechische Philosoph Aristoteles († 322 v.
Chr.) gibt dazu einige Erklärungshilfen.
Frage: Wie kommt es, daß ein vorchristlicher Heide etwas zur
Erklärung der Unbefleckten Empfängnis beitragen kann?
Muttergottes: Der vorchristliche heidnische Philosoph
Aristoteles hat einige Begriffe eingeführt, die auch heute noch nützlich sind. Er spricht- nicht erschrecken –
von „causa efficiens“, „causa meritoria“ und „causa finalis“. Diese Begriffe helfen, um Ordnung und Licht
in das theologische Durcheinander um die Unbefleckte Empfängnis zu bringen.
Frage: Diese unverständlichen
lateinischen Begriffe sollen Klarheit schaffen?
Muttergottes: Du sagst es. „Causa efficiens“ kann man
auf Deutsch mit ‘Wirkursache’ übersetzten. Jedes Ding, das etwas bewirkt, ist eine Wirkursache. Zum Beispiel.
Die Sonne ist die Wirkursache dafür, daß es am Tage hell ist. Der Zucker ist die Wirkursache dafür,
daß der Kaffee süß ist. Auf die Unbefleckte Empfängnis angewendet: Der allmächtige Gott ist die Wirkursache
dafür, daß ich, die Muttergottes, seit meiner Zeugung ohne die Schuld bin, die seit Adam und Eva auf
der Menschheit lastet.
Frage: Bist Du sicher, daß die Erklärungen des vorchristlichen heidnischen Philosophen
Aristoteles wirklich dazu beitragen, Deine Unbefleckte Empfängnis besser zu verstehen?
Muttergottes:
Nur Geduld, kleiner Mann. Höre den weisen Philosophen Aristoteles bis zum Schluß. Denn der Anfang ist
nur die Hälfte des Ganzen.
Frage: Gut, dann weiter mit deiner „causa efficiens“. Was ist ‘causa’?
Muttergottes:
‘Causa’ ist lateinisch und bedeutet ‘Ursache’. Jede ‘Ursache’ bewirkt eine Wirkung. Ist zwar häßliches
Deutsch, aber im Grunde sehr einfach. Von der Auswirkung kann man auch auf die Ursache schließen. Du
siehst Rauchzeichen (‘Auswirkung’) und schließt auf die Anwesenheit eines Indianerstammes (‘Ursache’).
Die Wirkung ist meine Bewahrung vor der Erbsünde, die Ursache ist der liebe Gott.
Frage: Was war der
nächste Ausdruck, den Du genannt hast?
Muttergottes: Das war – entschuldige das Latein – die ‘causa
meritoria’. Auf Deutsch: die ‘Verdienstursache’. Für jeden Menschen – auch für mich – muß die Erlösung
verdient werden. Jener, der die Erlösung verdient, ist die ‘Verdienstursache’. Jesus Christus hat für
jeden Menschen – auch für mich – die Erlösung verdient. Er ist die ‘Verdienstursache’. Oder wie man
normalerweise sagt: der Erlöser, dein Erlöser und mein Erlöser.
Frage: Jetzt sind wir im Dschungel
der Widersprüche gelandet. Erstens. Du hast gesagt, daß Du ohne Schuld gezeugt wurdest. Wer keine Schuld
hat, braucht keine Erlösung. Wer keine Erlösung braucht, braucht keinen Erlöser, keine ‘Verdienstursache’.
Zweitens. Selbst wenn Du, o Allerseligste, einen Erlöser gebraucht hättest: Wie kann Dich Christus erlösen,
da Du doch unbefleckt empfangen wurdest, bevor er auf die Welt kam?
Muttergottes: Zur ersten Frage. Auch
ich bin erlöst worden. Jedoch auf eine vollkommenere Weise. Die in der Erbsünde gezeugten Menschen werden
durch Christus von der Erbsünde befreit. Ich bin von Christus vor der Erbsünde bewahrt worden.
Frage:
Was für schwierige Unterscheidungen.
Muttergottes: Geduld, mein Freund. Ich bin gerade dabei, es zu
erklären. Auch ich bin durch die ‘Wirkursache’, den Erlöser Jesus Christus, erlöst worden. In meinem
Fall war die Erlösung schneller als die Erbsünde. Bei den übrigen Menschen kam zuerst die Erbsünde,
dann erst wurde sie von Jesus Christus in der Taufe weggenommen.
Frage: Vorher, nachher. Letztlich kommt
doch beides auf das gleiche heraus?
Muttergottes: Nicht ganz. Denn ich bin auch von den Folgen der Erbsünde
befreit. Die übrigen Menschen sind wie ein geflicktes Unfallauto. Sie werden zwar von der Schuldhaftigkeit
der Erbsünde befreit. Aber ein Unfallauto bleibt ein Unfallauto. Bestimmte Schäden, welche die Erbsünde
verursacht hat, bleiben im Getauften zurück.
Frage: Zum Beispiel?
Muttergottes: Ein Schaden, der seit
der Erbsünde auch im getauften Menschen ist, ist seine Geneigtheit zum Bösen. Ich aber bin nie zum Bösen
geneigt gewesen. Diese Neigung führt dazu, daß der Mensch sündigt. Ich aber habe nie auch nur eine
einzige persönlich Sünde begangen.
Frage: Keine einzige?
Muttergottes: Keine einzige. Ich bin auch
Jungfrau geblieben vor, in und nach der Geburt.
Frage: Welche Frau kann ohne Verletzung der Jungfräulichkeit
ein Kind bekommen?
Muttergottes: Nur ich konnte es. Denn Christus, den ich gebar, ist nicht gekommen
zu zerstören und zu verletzen, sondern um jene zu heilen, die zerstört und verletzt sind.
Frage: Warum
hat Gott dich vor der Befleckung der Erbsünde bewahrt?
Muttergottes: Eine gute Frage. Damit schneiden
wir den dritten Punkt der heutigen Lektion: die ‘causa finalis’. Die ‘causa finalis’ wird im deutschen
‘Zweckursache’ genannt. Sie ist der ‘Grund, warum etwas geschieht’. Wer eine Warum-Frage stellt, stellt –
philosophisch gesprochen – die Frage nach der ‘causa finalis’.
Frage: Sehr schön. Also, warum hat dich
Gott von vornherein erlöst?
Muttergottes: Gott hat mich von vornherein erlöst, damit ich die Gottesmutter
werde. Der Sohn Gottes hat meinen Schoß für seine Menschwerdung vorbereitet.
Frage: Als Frau bist Du
bestimmt ein bißchen Stolz auf diese Bevorzugung?
Muttergottes: Kein bißchen. Ich habe das Freisein
der Erbsünde nicht selbst verdient. Die Gnade Gottes hat mir alles geschenkt. Alles ist reine Gnade.
Frage: Das heißt, daß wir trotz der Bußzeit des Adventes an deinem Hochfest Wein trinken können?
Muttergottes: Kein Fasten am Hochfest, ganz richtig. Dafür kannst Du mir zum Fest einen Wunsch gewähren
und Dir folgendes fest hinter die Ohren schreiben: Was mein Sohn Dir sagt, das tue!
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2 Lesermeinungen
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Maria Muttergottes Entschuldigt bitte tausendmal, aber obige Frage-Antwort Konstruktion finde ich schlecht,
unklar, blumig und ehrfurchtlos vor der von Jesus Christus verehrten, daher von uns zu heiligenden Muttergottes
und Himmelskönigin. Ich stelle folgende Umstellung anheim: Frage: Was bedeutet Unbefleckte Empfängnis?
Antwort: Unbefleckte Empfängnis bedeutet, ohne Erbsünde geboren. Frage: Warum ohne Erbsünde geboren?
Antwort: Weil Gott wusste, dass Maria nie sündigen wird. Jeder Geburt geht eine Empfängnis voraus, durch
einen mit der Erbsünde belasteten Menschen. Diese Erbsünde wurde bei Zeugung Mariens nicht weitergegeben,
weil Gott sie aus obigem Grund wegnahm. Den Leib empfängt der Mensch von den Eltern, die Seele von Gott.
Bei der Geburt Jesu empfing Jesus Seinen menschlichen Leib von Maria. Da Er aber immer war – lange vor
Seiner Geburt als Erlöser, bekam Er seine Seele, die das SEIN ist, hier neu aus dem Willen des Dreieinigen
Gottes heraus. Bei der Verkündigung der Ankunft Jesu (Lk 1,26ff) der Schwangerschaft Mariens – hätte
Maria durchaus NEIN sagen können – Gott zwang sie nicht. Sie aber sagte: MIR GESCHEHE NACH DEINEM WILLEN.
Somit ist das Jawort Mariens von entscheidender Bedeutung für die Erlösung. Wie durch das NEIN von Eva
(ungeachtet der Symbolik der Genesis), dem Menschen die Heiligmachende Gnade verloren ging, wurde durch
das JA Mariens die Erlösung eingeleitet. Da dieses Jesuskind Gott war – der durch Maria hindurch Mensch
wurde, ist unfassbar, dass diese Geburt überhaupt möglich war, ohne Maria zu verbrennen – sagte Ephräm
der Syrer der um 373 nChr starb. Maria fragte zwar, wie das geschehen kann ohne einen Mann zu kennen und
Engel Gabriel antwortete: DER GEIST GOTTES WIRD AUF DICH HERABKOMMEN (Lk 1,35) Dem Gläubigen eine Selbstverständlichkeit,
dem Zweifler eine Torheit. Beide werden sehen und erkennen. Ganz selbstverständlich, dass Gott, als geborener
Mensch und Gott zur Erlösung zu uns kommend, nicht durch menschliche Zeugung, sondern durch Gottes Wille
geboren wurde. Der Leib der Frau aber, die vollkommen erlöst, von Gott vor der Erbsünde bewahrt, für
dieses Ereignis als Gefäß dienen durfte, nicht der Verwesung anheim fiel, sondern natürlich in den
Himmel aufgenommen wurde nach dem Sterben Mariens. Dem Gläubigen tausendfach begründete Selbstverständlichkeit.
Maria ist ganz real und wahrlich Muttergottes, denn sie gebar Jesus der Gott ist und vor Abraham war (Joh
8,58) Ebenso natürlich ist dem in Gott Lebenden, dass Maria keine Kinder nach Jesus Christus hatte. Tatsächlich
hochgradig beschränkt, wer all dies ausschließlich in der Beschränkung auf biologische und und aus
Anschauung bekannte Naturgesetze sehen kann. Diese Selbstbeschränkung des Geistes und der seelischen
Entfaltungsmöglichkeiten; somit der Ablehnung Gottes, ist selbstgewähltes Gefangensein in der Höhle
unverstandenen Seins – bis zum unausweichlichen Erkennen Gottes nach dem Tod, der dann allerdings ewig
erlebt werden muss.
Den Modernisten ein Ärgernis Der Lehrsatz, den die Kirche heute feiert, ist wohl einer der kompliziertesten.
Es ist sehr freundlich, daß uns Unsere Liebe Frau heute dessen Inhalt persönlich erklärt. Selbstverständlich
schreibe ich – in Übereinstimmung mit den Decreten Seiner Heiligkeit Papst Urbans VIII. – diesem Interview
keinen übernatürlichen Ursprung zu, bis nicht die Kirche das Gegenteil festgestellt hat. Dank sei Gott
für die Dogmatisierung durch den seligen Pius IX. Hätte er es nicht getan, hätten die heutigen Theologen
uns weisgemacht, daß diese Lehre eine überholte Idee wäre (was die Modernisten auch so schon tun, aber
das Dogma bekommen sie auch nicht mehr weg, das macht ihr Wegleugnen bedeutend schwieriger).