St. Pölten
St. Pöltener Domkapitel bläst zum Sturm
Bei einer Skitour in seiner Vorarlberger Heimat wurde der Bischof von St. Pölten jüngst von einem Schneesturm überrascht. Er geriet in Bergnot und konnte nur knapp gerettet werden. Jetzt scheinen sich auch über seiner Bischofskirche dunkle Wolken zusammenzuballen.
(kreuz.net, St. Pölten) Kühl, mitunter sogar eisig, war das Verhältnis zwischen dem im Herbst 2004 zurückgetretenen St. Pöltener Bischof Kurt Krenn und seinem von ihm ernannten Domkapitel.

Der von Bischof Klaus Küng ausgerufene „glaubwürdige Neubeginn“ brachte das lang ersehnte Tauwetter. Der Bischof tat, was das selbstbewußte Domkapitel immer schon gewollt hatte und ließ den Zeitgeist munter wehen.

Ein deutliches Signal für diesen radikalen Kurswechsel war die bedingungslose Wiedereinsetzung des altgedienten Papst- und Bischofsgegners Pater Udo Fischer als Pfarrer von Paudorf im Frühjahr 2005.

Als der rebellische Pater 1998 von Mons. Krenn seines Amtes enthoben wurde, verkündigte das Domkapitel in einer Presseerklärung trotzig, daß die Abberufung des Benediktinerpaters ohne die Zustimmung der Domherren erfolgt sei.

Derart stürmische Zeiten schienen unter Bischof Küng endgültig der Vergangenheit anzugehören. Mit einem Mal gaben sich die Domherren sogar wieder bei Bischofsmessen die Ehre.

Auch die St. Pöltener Kirchenzeitung ‘Kirche bunt’ machte mit einem Mal ihrem Namen alle Ehre und ließ schon fast vergessene Blüten sprießen. Während Bischof Krenn kaum mehr darin zu sehen gewesen war, durfte sein Nachfolger Woche für Woche von den Hochglanzseiten lächeln.

Herausgeber der St. Pöltener Kirchenzeitung ist der mittlerweile im 79. Lebensjahr stehende Domherr Josef Eichinger.

Mit ihm haben noch zwei weitere Kapitulare die Altersgrenze von 75 Jahren überschritten: Prälat Alois Hörmer (80) und der emeritierte Weihbischof Heinrich Fasching (76), der dem Kapitel noch immer als Dompropst vorsteht.

Ein viertes Kanonikat wird in Kürze vakant. Denn kürzlich gab Dompfarrer Wolfgang Reisenhofer überraschend bekannt, daß er sich von seinem Amt zurückziehen und auf Wunsch des Bischofs einer Therapie in einem deutschen Kloster unterziehen werde.

Damit noch immer nicht genug. Domherr Gerhard Fahrnberger (65), Leiter des Diözesangerichts, wurde aus gesundheitlichen Gründen ebenfalls beurlaubt.

Das sich aus insgesamt acht Mitgliedern zusammensetzende Domkapitel von St. Pölten steht demnach vor einem massiven Generationenwechsel.

Abgesehen von den drei Domherren – Neutestamentler Ferdinand Staudinger (72), Ex-Regens Franz Schrittwieser (65) und Generalvikar Leopold Schagerl (64) – hat Bischof Küng die Möglichkeit, in absehbarer Zeit das gesamte Kapitel auszuwechseln.

Das scheint der Grund zu sein, daß die anfänglichen Frühlingsgefühle zwischen Bischof und Kapitel einer neuen Eiszeit weichen. Während die Domherren ihre neu gewonnene Machtposition weiter auszubauen beabsichtigen, wünscht sich der Bischof natürlicherweise ein eher schwaches Domkapitel, mit dem er leichter zusammenarbeiten kann.

Einstweilen hat die neue Eiszeit dazu geführt, daß sich jene Domherren, die die Altergrenze bereits hinter sich gelassen haben – allen voran der emeritierte Weihbischof Heinrich Fasching – weigern, in den Ruhestand zu treten.

Darüber hinaus scheint das Domkapitel dem Vernehmen nach in eine Art Streik getreten zu sein und sich zu weigern, liturgische Dienste im Dom zu übernehmen. Mehrfach soll Mons. Küng in den letzten Tagen keine andere Möglichkeit gesehen haben, als selber aushilfsweise im Dom die Messe zu feiern. Angeblich wollen die Domkapitulare auch den zurückgetretenen Dompfarrer zurück.

Bislang sind es nur dunkle Wolken, die sich um den St. Pöltener Domturm zusammenballen.

Sollte der Sturm losbrechen, werden vielleicht schon bald im Vatikan die Alarmglocken läuten, um für einen bedrängten St. Pöltener Diözesanbischof – der im Umgang mit der kirchlichen Linken die Zügel ebenfalls hat schießen lassen – eine Rettungsaktion zu starten.
      
14 Lesermeinungen
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#14   Finthen   14:00:21 | Samstag, 4. März 2006
@jean
Wenn ich mir kreuz.net antue, habe ich immer einen schlechten Tag.
Sie mögen zwar sonst recht gutgläubig sein, mir aber können Sie nicht glauben, dass ein Bischof seine andersdenkenden Pfarrer mit Kürzung der Altersbezüge abstraft? Dann fragen sie doch einmal bei Pfr. Felber und Pfr. Trimpl selber an.
Dass ein Bischof eine Art Größenwahn an den Tag legt, mit dem er seine Minderwertigkeitskomplexe und seine soziale Inkompetent kaschieren muss, ist auch schwer zu glauben.
Hätte die Kirche von Regensburger eine Wahlmöglichkeit gehabt, wie sie für Papst Leo I (+461 „Wer allen vorsteht, soll auch von allen gewählt werden!“) selbstverständlich war, kaum jemand wäre auf so einen Bischofskandidaten gekommen, und wenn er selber noch so sehr das Bischofsamt angestrebt hätte.
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#13   franziskus   19:27:04 | Dienstag, 28. Februar 2006
Mittelstürmer
Ein Bischof hat es nicht leicht. Rücksicht nach oben und unten zugleich.
sportlich gesehen ist er der Mittelstürmer im Team.
Aber ohne rechten und linken Flügel geht es nicht.
Hätte er nicht den linken Flügel, wäre er kein Mittelstürmer. Den rechten hat er gut einzementiert z.B. als Domkapitel mit golden Brustkreuzen, die vom Kaiser gestiftet wurden. Nostalgie pur, wenn man bedenkt, dass die gewaltsame, aber klare Scheidung oder Degradierung der Mutter Kirche von Vater Staat jetzt schon bald 68 Jahre her ist.
Es gibt viele Relikte oder Strukturen der guten alten staatskirchen Zeit von denen man sich nicht trennen kann oder will.
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#12   Rudolphus   14:41:16 | Montag, 20. Februar 2006
Aus einer Mücke …
… einen Elefanten machen, nennt man derartige Artikel.
Dem Dompfarrer wünsche ich gute Therapie – vielleicht eine gute Gelegenheit, ihm näher an das Wesen des katholischen Priestertums heranzuführen.
Ein „geweihter Sozialarbeiter“ gerät irgendwann früher oder später in eine Berufungskrise!
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#11   Jean   12:19:35 | Montag, 20. Februar 2006
@ finthen
Hören Sie doch auf mit Ihrer primitiven Dreckschleuderei. Ich habe mir Ihre übrigen Beiträge angesehen, um zu sehen, ob Sie heute einfach einen schlechten Tag haben. Aber leider, leider, von daher gab es keine Entlastung für Sie.
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#10   Finthen   11:25:57 | Montag, 20. Februar 2006
@bonifatius
Den Bischof G.L. Müller könnt ihr von Regensburg gratis und mit Handkuss bekommen. Wenn ihr ihm noch mit einen Dr.h.c. winkt, dann bringt er erkleckliche Summen Kirchensteuermittel mit, die er ja anderweitig eingespart hat, z.B. durch Kürzungen des Ruhestandsgeldes bei ausgedienten Pfarrern, die etwas anderes als er zu denken gewagt haben und so die ‘Freude am Glauben’ getrübt haben.
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#9   Gotthard   23:34:33 | Sonntag, 19. Februar 2006
Auskennen
Da kennt sich wohl jemand besonders gut aus: die Domkapitulare wählen nur in der ED Salzburg aus einem Dreier-Vorschlag des Papstes den neuen Bischof.
na ja… Österreich kenne ich halt nicht. Im Bereich des alten Preußen stimmt meine Aussage 100%ig.
Dieses freie Ernennungsrecht des Papstes halte ich für eine falsche Art der Bischofsernennung.
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#8   Nikolaus   23:21:44 | Sonntag, 19. Februar 2006
Gotthard
Da kennt sich wohl jemand besonders gut aus: die Domkapitulare wählen nur in der ED Salzburg aus einem Dreier-Vorschlag des Papstes den neuen Bischof. In allen anderen Diözesen hat der Papst das freie Ernennungsrecht.
Im Übrigen ist das Domkapitel nicht nur für die Domliturgie zuständig. Sie sind das engste Beratergremium, das meist monatlich mit dem Bischof tagt und wo alle wichtigen Fragen behandelt werden, die eine Diözese betreffen. Priesterrat, Dechantenrat,… tagen im Gegensatz meist nur zweimal im Jahr.
Nun zu einigen Falschmeldungen im Bericht selber: auch beim Vorgängerbischof waren immer Domkapitulare bei der Bischofsliturgie anwesend. Nur ist es so, dass einer der Kapitulare selber auch eine eigene Pfarre betreut. Die übrigen Domherren übernehmen durchaus auch Aushilfen oder haben fixe Orte, wo sie zelebrieren.
Bischof Küng hat nicht erst seit dem Weggang des Dompfarrers Messen im Dom übernommen, sondern tut dies an Sonntagen seit seinem Amtsantritt im November 2004 immer wieder, wenn er nicht auswärts zelebriert.
Dass sich das Domkapitel den zurückgetreten Dompfarrer zurückwünscht, gehört ins Reich der Märchen. Genau das Gegenteil ist der Fall.
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#7   Gotthard   20:53:34 | Sonntag, 19. Februar 2006
Domkapitel
Ein Domkapitel hat nur eine untergeordnete Bedeutung in einem Bistum – zumindest in Deutschland.
Es ist verantwortlich für die Gottesdienste an der Domkirche.
Es wählt den Bischof aus einer römischen Dreier-Liste.
Ansonsten sind die Räte viel wichtiger: Priesterrat, Diözesanrat, Kirchensteuerrat … (Regensburg macht da eine unrühmliche Ausnahme, da dort wieder ein Fürstbischof ohne Land regiert).
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#6   Chris   20:36:02 | Sonntag, 19. Februar 2006
Domherren???
Kann jemand mal die Ordnung in einem Bistum mit seinen Mitgliedern kurz definieren. Zum ersten Mal höre ich was von Domherren. Gibt es die in allen deutschsprachigen Bistümern? Und welche Aufgabe haben sie?
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#5   bonifatius   17:28:21 | Sonntag, 19. Februar 2006
Der Fisch stinkt vom Kopf her
Wie kann ein Katholik in der Diözese ST. Pölten sich noch zuhause fühlen. Mir scheint das Domkapitel fast wie eine Räuberhöhle voller Intrigantentum und stinkender Treulosigkeit zu sein. Der Fisch stinkt vom Kopf her.
Ein Bischof Müller (Regensburg) täte ihnen gut.
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#4   Ottawiani   16:00:25 | Sonntag, 19. Februar 2006
omnia ossa iam tremunt …
Omnia luxati corporis ossa tremunt. Quomodo putredo aggravat mentem multum intrigantem!
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#3   ottaviani   13:38:42 | Sonntag, 19. Februar 2006
Exz.Küng
ich wünsche dem Bischof viel spaß mit den in unehren ergrauten modernisten allen voran herr fasching
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#2   Benedikt   13:02:15 | Sonntag, 19. Februar 2006

Mit einem Mal gaben sich die Domherren sogar wieder bei Bischofsmessen die Ehre.
Das Schlimme ist: So eine Meldung wundert mich schon gar nicht mehr.
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#1   Bernieboy   12:25:50 | Sonntag, 19. Februar 2006
Was Kreuz.net schreibt…
…stimmt nicht immer,wie bei anderen Medien auch.Wenn es aber stimmt,finde ich das schlimm.Man muß immer treu zum Papst sein und darf sich gegen ihn nicht auflehnen.Gleiches gilt für den Gehorsam zum Bischof und den Priestern.Vorbilder sind auch die Heiligen.
Katholiken,die auf dem richtigen Weg sind,erkennt man an ihrem aufrichtigen und ungeteilten Gehorsam.
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