13:39:07 | Montag, 20. Februar 2006
Die überraschende Absetzung eines Kurien-Erzbischofs ist in Rom Anlaß, über bevorstehende Personalentscheide des Papstes zu spekulieren.
(kreuz.net, Vatikan) Am Freitag wußte die Webseite der ‘Quaderni Radicali’, die der ‘Radikalen Partei’
Italiens nahesteht, in einem Artikel von Maurizio Di Giacomo neues über Personalentwicklungen im Vatikan.
Die kleine ‘Radikale Partei’ bezeichnet sich als liberal, radikal und liberistisch.
Anlaß für den
Artikel ist die
Ernennung des englischen Kurienerzbischofs Mons. Michael Louis Fitzgerald – Präsident
des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog – zum Nuntius in Ägypten und vatikanischen Vertreter
bei der ‘Arabischen Liga’.
Jetzt vermuten die ‘Quaderni Radicali’, daß der Rat für den Interreligiösen
Dialog mit dem Päpstlichen Rat für die Kultur zusammengelegt werden könnte. Letzterer wird vom französischen
Kurienkadinal Paul Poupard geleitet.
Kardinal Poupard gehört zu jenen Kurienkardinälen, die das 75.
Lebensjahr bereits überschritten haben. Er könnte darum in Kürze abgelöst werden, sofern der Papst
nicht beschließt, daß Kurienkardinäle bis zur Vollendung des 78. Lebensjahres im Amt bleiben können.
Auch dem Päpstlichen Rat für die Migranten könnte die letzte Stunde geschlagen haben. Der Rat wird
gegenwärtig vom liberalen japanischen Kurienkardinal Fiumo Hamao geleitet.
Vor einigen Jahren unterschrieb
Kardinal Hamao einen Appell, in dem er ein Drittes Vatikanisches Konzil verlangte.
Kardinal Hamao, der
das 75. Lebensjahr ebenfalls überschritten hat, soll um seinen Rücktritt angesucht haben und möchte
nach Japan zurückkehren.
Sein Migrantenrat könnte vom Päpstlichen Rat ‘Justitia et Pax’ geschluckt
werden, der vom rührigen Renato Raffaele Kardinal Martino geleitet wird.
Schon länger hört man in
Rom, daß der römische Kardinalvikar Camillo Ruini einen Mann für die Nachfolge von Kardinal Poupart
im Augen hat.
Es handelt sich um den gegenwärtigen Sekretär des Migrantenrates, Erzbischof Agostino
Marchetto (65), der aus Vicenza in Norditalien stammt.
Mons. Marchetto war früher Apostolischer Nuntius
in verschiedenen Ländern und spricht vier oder fünf Sprachen. Er hat auch ein schweres Krebsleiden überlebt
und darüber ein ergreifendes Büchlein geschrieben.
Im übrigen hat sich Mons. Marchetto auch als
solider
katholischer Kirchengeschichtler bewährt. Vor einem Jahr publizierte er im ‘Verlag der Vatikanischen
Buchhandlung’ eine Sammlung verschiedener Artikel, die sich sehr kritisch mit der liberalen kirchengeschichtlichen
Schule von Bologna und ihrem Hauptvertreter Giuseppe Alberigo befassen.
Die Schule von Bologna will das
Zweite Vatikanum als Bruch in der Kirchengeschichte lesen. Das ist eine Interpretation, welcher der Papst
selber kritisch gegenübersteht.
Schließlich sprechen die ‘Quaderni Radicali’ von der Nachfolge im Staatssekretariat.
Der gegenwärtige Amtsinhaber, Angelo Kardinal Sodano, hat am 23. November 2005 das 78. Lebensjahr vollendet.
Gewöhnlich wird
Attilio Kardinal Nicora als Hauptfavorit für die Nachfolge von Kardinal Sodano angegeben.
Jetzt nennen die ‘Quaderni’ zwei weitere Namen: den Erzbischof von Genua, Tarcisio Kardinal Bertone, der
früher die rechte Hand von Kardinal Ratzinger in der Glaubenskongregation war, und den Patriarch von
Venedig, Angelo Kardinal Scola.
Letzterem werden aber auch gute Chancen eingeräumt, die Nachfolge von
Kardinal Ruini als Präsident der Italienischen Bischofskonferenz anzutreten.
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#2
ExBochumer † 15:19:08 | Montag, 20. Februar 2006
#1
Benedikt 15:08:05 | Montag, 20. Februar 2006