Kurie
Vatikanisches Geflüster
Die überraschende Absetzung eines Kurien-Erzbischofs ist in Rom Anlaß, über bevorstehende Personalentscheide des Papstes zu spekulieren.
(kreuz.net, Vatikan) Am Freitag wußte die Webseite der ‘Quaderni Radicali’, die der ‘Radikalen Partei’ Italiens nahesteht, in einem Artikel von Maurizio Di Giacomo neues über Personalentwicklungen im Vatikan.

Die kleine ‘Radikale Partei’ bezeichnet sich als liberal, radikal und liberistisch.

Anlaß für den Artikel ist die Ernennung des englischen Kurienerzbischofs Mons. Michael Louis Fitzgerald – Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog – zum Nuntius in Ägypten und vatikanischen Vertreter bei der ‘Arabischen Liga’.

Jetzt vermuten die ‘Quaderni Radicali’, daß der Rat für den Interreligiösen Dialog mit dem Päpstlichen Rat für die Kultur zusammengelegt werden könnte. Letzterer wird vom französischen Kurienkadinal Paul Poupard geleitet.

Kardinal Poupard gehört zu jenen Kurienkardinälen, die das 75. Lebensjahr bereits überschritten haben. Er könnte darum in Kürze abgelöst werden, sofern der Papst nicht beschließt, daß Kurienkardinäle bis zur Vollendung des 78. Lebensjahres im Amt bleiben können.

Auch dem Päpstlichen Rat für die Migranten könnte die letzte Stunde geschlagen haben. Der Rat wird gegenwärtig vom liberalen japanischen Kurienkardinal Fiumo Hamao geleitet.

Vor einigen Jahren unterschrieb Kardinal Hamao einen Appell, in dem er ein Drittes Vatikanisches Konzil verlangte.

Kardinal Hamao, der das 75. Lebensjahr ebenfalls überschritten hat, soll um seinen Rücktritt angesucht haben und möchte nach Japan zurückkehren.

Sein Migrantenrat könnte vom Päpstlichen Rat ‘Justitia et Pax’ geschluckt werden, der vom rührigen Renato Raffaele Kardinal Martino geleitet wird.

Schon länger hört man in Rom, daß der römische Kardinalvikar Camillo Ruini einen Mann für die Nachfolge von Kardinal Poupart im Augen hat.

Es handelt sich um den gegenwärtigen Sekretär des Migrantenrates, Erzbischof Agostino Marchetto (65), der aus Vicenza in Norditalien stammt.

Mons. Marchetto war früher Apostolischer Nuntius in verschiedenen Ländern und spricht vier oder fünf Sprachen. Er hat auch ein schweres Krebsleiden überlebt und darüber ein ergreifendes Büchlein geschrieben.

Im übrigen hat sich Mons. Marchetto auch als solider katholischer Kirchengeschichtler bewährt. Vor einem Jahr publizierte er im ‘Verlag der Vatikanischen Buchhandlung’ eine Sammlung verschiedener Artikel, die sich sehr kritisch mit der liberalen kirchengeschichtlichen Schule von Bologna und ihrem Hauptvertreter Giuseppe Alberigo befassen.

Die Schule von Bologna will das Zweite Vatikanum als Bruch in der Kirchengeschichte lesen. Das ist eine Interpretation, welcher der Papst selber kritisch gegenübersteht.

Schließlich sprechen die ‘Quaderni Radicali’ von der Nachfolge im Staatssekretariat. Der gegenwärtige Amtsinhaber, Angelo Kardinal Sodano, hat am 23. November 2005 das 78. Lebensjahr vollendet.

Gewöhnlich wird Attilio Kardinal Nicora als Hauptfavorit für die Nachfolge von Kardinal Sodano angegeben. Jetzt nennen die ‘Quaderni’ zwei weitere Namen: den Erzbischof von Genua, Tarcisio Kardinal Bertone, der früher die rechte Hand von Kardinal Ratzinger in der Glaubenskongregation war, und den Patriarch von Venedig, Angelo Kardinal Scola.

Letzterem werden aber auch gute Chancen eingeräumt, die Nachfolge von Kardinal Ruini als Präsident der Italienischen Bischofskonferenz anzutreten.
      
2 Lesermeinungen
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#2   ExBochumer †   15:19:08 | Montag, 20. Februar 2006
Und was ist …
mit dem Hochw. Herrn Freimaurer, dem Zeremonienmeister?
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#1   Benedikt   15:08:05 | Montag, 20. Februar 2006
Partei
Die kleine ‘Radikale Partei’ bezeichnet sich als liberal, radikal und liberistisch.
Diese Partei hat vermutlich nur diese Möglichkeit um sich bekannt zu machen.
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