Deutschland
Merkwürdige Medaille
Anfang Februar zeichnete der Erzbischof von Hamburg verdiente Laien aus. Doch die ganze Geschichte erfuhr man erst eine Woche später.
(kreuz.net, Hamburg) Zu Beginn der in Hamburg gefeierten Ansgarwoche ehrte der dortige Erzbischof, Mons. Werner Thissen (67), die ehrenamtlichen Dienste von acht Laien aus seinem Erzbistum mit der Ansgar-Medaille.

Das berichtete die ‘Neue Kirchenzeitung’ – die vom Erzbischof von Hamburg herausgegeben wird – am 5. Februar auf der Titelseite. Die Kirchenzeitung bezeichnete die Geehrten als „Vorbilder im Dienst um die Kirche“.

Mit der Ansgar-Medaille würdigt das Erzbistum „Menschen, die sich im kirchlichen oder karitativen Dienst eingesetzt haben“. Über die genaue Art der Verdienste wurden die Leser nicht aufgeklärt.

In der Ausgabe der ‘Neuen Kirchenzeitung’ vom 5. Februar war ferner zu lesen, daß eine der Preisträgerinnen – die 80jährige Frau B. B. – zwei Tage vor der Auszeichnung ihres „herausragenden Engagementes“ an Krebs gestorben sei. Frau B. sei eine langjährige Mitarbeiterin des ‘Sozialdienstes katholischer Frauen’ gewesen.

Die ganze Wahrheit zu Frau B. wurde in der nächsten Nummer der ‘Neuen Kirchenzeitung’ nachgeliefert.

Darin erschien eine Traueranzeige für die Verstorbene mit einem Leitspruch, welcher der Konzilskonstitution ‘Gaudium et Spes’ entnommen war. Zitat:

„Das Gewissen ist die verborgenste Mitte und das Heiligtum des Menschen, wo er alleine ist mit Gott, dessen Stimme in diesem seinem Innersten zu hören ist.“

Im weiteren Text der Todesanzeige wird mitgeteilt, daß Frau B. „Motor und Gründungsmitglied“ des Vereins ‘Donum vitae in Schleswig-Holstein zur Förderung des Schutzes des menschlichen Lebens’ gewesen sei.

Der Verein ‘Donum vitae’ wurde im September 1999 gegründet. Die Deutschen Bischöfe hatten den katholischen Verbänden ‘Caritas’ und ‘Sozialdienst katholischer Frauen’ zuvor die Ausstellung der Bescheinigung einer Schwangerschaftsberatung untersagt, weil dieser Schein eine Voraussetzung für eine legale Kinderabtreibung ist.

Der damalige Apostolische Nuntius in Deutschland stellte im November 2000 im Auftrag der Glaubenskongregation fest, daß sich der Verein „in offenem Widerspruch zu den Anweisungen des Heiligen Vaters“ befinde und das Zeugnis der katholischen Kirche verdunkle.

Die Mitgliedschaft von Frau B. bei ‘Donum vitae’ wird im Text der Todesanzeige dagegen damit gerechtfertigt, daß die Verstorbene sich den Müttern in Not und den ungeborenen Kindern verpflichtet gefühlt habe.

Bis zuletzt habe sie an allen Vorstandssitzungen des umstrittenen Vereins teilgenommen und die Buchhaltung geführt.

„Für ihr ehrenamtliches Engagement für besondere Verdienste bekam sie posthum die Ansgarmedaille“ – fährt der Text weiter.

Die Todesanzeige ist vom eingetragenen Verein ‘Donum vitae in Schleswig-Holstein’ unterzeichnet.

„Eine Traueranzeige in der Kirchenzeitung als Propagandamittel für »Donum vitae«!“ – empört sich ein Gläubiger des Erzbistums vor ‘kreuz.net’.

Es sei besonders bedenklich, daß mit dem Zitat aus ‘Gaudium et Spes’ nahegelegt werde, daß man mit Gott und seinem Gewissen alleine Entscheidungen über Leben und Tod treffen könne.

Traueranzeigen würden in der ‘Neuen Kirchenzeitung’ im übrigen nur selten veröffentlicht und seien dann zumeist verdienten Priestern gewidmet.

„Anstatt »die Wasser der konfessionellen Flüsse« zu klären, sollte Erzbischof Thissen einmal in Sachen ‘Donum vitae’ für Klarheit in seinem Erzbistum sorgen“, so der Leser.
      
5 Lesermeinungen
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#5   Wolfgang Kugler   09:04:48 | Mittwoch, 22. Februar 2006
Donum Vitae
Ich wünsche mir und allen wahren aufrechten Katholiken, dass Rom zur Kenntnis nimmt, dass sich Bischöfe zu indirekten Zuarbeitern der Kinderschlächterindustrie machen lassen. Nur ein kleines bisschen gegen Abtreibung sein, das geht halt nicht; ansonsten … was hat so jemand in der Katholischen Kirche zu suchen? Ach ja … ich schreibe übrigens unter meinem richtigen Namen. Warum soll Sirilo eigentlich weniger ‘anonym’ sein als Brandenburgis? Ist es nicht das Recht eines jeden, der hier schreibt, dies unter einem Pseudonym statt unter seinem richtigen Namen zu tun?
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#4   Gotthard   23:54:00 | Dienstag, 21. Februar 2006
Nachruf
Ich finde es toll, dass die Hamburger Kirchenzeitung ein jahrzehntelanges ehrenamtrliches Engagement einer Frau erwähnt und lobt und als Beispiel für andere hinstellt.
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#3   Giovanni   11:39:21 | Dienstag, 21. Februar 2006
@Sirilo:Frage
Ist „Sirilo“ Ihr richtiger Name?
Ond persönlich versuche ich es in punkto Medaille vor allem mit der „Wundertätigen Medaille“ zu halten, die auf eine französische Heilige (bzw. deren Vermittlung) zurückgeht, die in beeindruckender Weise anonymes Christsein vorgelebt hat.
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#2   Sirilo   10:17:30 | Dienstag, 21. Februar 2006
„Empört sich ein Gläubiger…“
Wieder ist kreuz.nets anonymer Gläubiger am Werk, der immer dann auftreten muss, wenn sonst kein Argument zur Hand ist…
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#1   Brandenburgis   10:15:48 | Dienstag, 21. Februar 2006
Thissen
Der EB ist seit langem als kirchenfeindlicher Modernist bekannt. Da sollten derartige Aktivitäten nicht verwundern
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