19:00:44 | Donnerstag, 23. Februar 2006
Ein Kirchgemeinderat probte den Aufstand gegen den Pfarrer. Dieser hatte sich – im Gegensatz zu den Aufständischen – nichts zuschulden kommen lassen. Das half ihm aber nicht. Von Annemarie Wenzin, Domat/Ems.
(kreuz.net, Domat/Ems) Ende Januar wurde Hw. Matthias Rey, der Pfarrer der Schweizerischen Kirchgemeinde
Domat/Ems,
von einer manipulierten Kirchgemeindeversammlung abgewählt.
Die 7000-Seelen-Gemeinde Domat/Ems
befindet sich in der Südostschweiz, knapp acht Kilometer westlich der Bischofsstadt Chur.
Ob der Schritt
der Kirchgemeindeversammlung rechtens war, ist bis jetzt unklar.
Dennoch wurde unser Pfarrer am vergangenen
Samstag, dem 18. Februar, zum Bischof von Chur, Mons. Amédée Grab (76), zitiert. Der Prälat händigte
dem jungen Priester kurzerhand ein Bestätigungsschreiben aus, daß er seine Pfarrei auf den 30. Juni
2006 verlassen müsse.
Damit ist es dem Kirchgemeinderat gelungen, den Priester
nach einer langen Schmierkampagne
loszuwerden.
Der Kirchgemeinderat ist in der Schweiz ein staatskirchliches Gremium, das im Kirchenrecht
nicht vorgesehen ist und sich um Verwaltungsaufgaben im Zusammenhang mit der Kirchensteuer kümmert.
Der Pfarreirat ist ein vom Kirchenrecht vorgesehenes Gremium, das den Pfarrer in der Seelsorgearbeit unterstützt.
Um die Entlassung des Priesters zu verhindern, begaben sich der Pfarreiratspräsident und einige Mitglieder
des Pfarreirates deshalb noch am gleichen Samstag nach der Vorabendmesse ins acht Kilometer entfernte
Chur, um mit dem Bischof zu sprechen. Dort wurde ihnen gesagt, daß sie warten sollten, bis Bischof Amédée
Zeit habe.
Die Leute warteten eineinhalb Stunden. Dann wurde ihnen mitgeteilt, daß sie der Bischof an
diesem Abend nicht empfangen könne. Er habe morgen Firmung in Thusis, vielleicht könnten sie da versuchen,
ihn zu erreichen.
Die Ortschaft Thusis befindet sich 16 km südlich von Domat/Ems.
Die Pfarreiratsmitglieder
fuhren darum am Sonntag nach Thusis und warteten vor der dortigen Sakristei auf den Gnädigen Herrn.
Nachdem sie Bischof Amédée ihre Sicht der Dinge kundgetan hatten, war dieser sehr aufgebracht. Er sagte,
Pfarrer Rey müsse fort von Domat/Ems, sonst gebe es in dieser Pfarrei nie Frieden.
Die Vertreter der
Pfarrei gaben nicht klein bei. Sie versuchten, den Bischof umzustimmen und baten ihn, die Abberufung des
Pfarrers nicht am Montag in der Presse erscheinen zu lassen.
Der Bischof rief ihnen zum Schluß – wortwörtlich –
zu: „Beten Sie für mich, daß ich sterben kann!“ Mit diesen Worten verschwand er in der Sakristei.
Die
Pfarreiratsleute kehrten dann nach Hause zurück. Am Dienstag wurde die Abberufung von Herrn Pfarrer Rey
groß in allen Tageszeitungen sowie im Lokalfernsehen bekanntgegeben.
Jetzt hat Pfarrer Rey sein Amt
zurückgelegt, obwohl er den Entscheid seines Bischofs mit großer Traurigkeit aufgenommen hat.
Zwei
Mitglieder der Pfarrei haben zwischenzeitlich an Papst Benedikt XVI. geschrieben. Aber wahrscheinlich
wird das auch nichts nützen.
Einer der aggressivsten Feinde des Pfarrers ist die örtliche Katechetin.
Bereits vor zwei Wochen sagte sie dem Pfarrer ins Gesicht, daß sie den Religionsunterricht-Stundenplan
für das neue Schuljahr ohne Berücksichtigung von Herrn Pfarrer Rey aufstellen werde. Er brauche keinen
Religionsunterricht mehr zu erteilen.
Sie tat das zusammen mit einem Laientheologen, der unsere Pfarrei
so gerne leiten würde. Nun haben die beiden Intriganten ihr Ziel erreicht.
In unserem Dorf herrscht
gegenwärtig eine Krisenstimmung. Viele können nicht begreifen, daß der Bischof das Unrecht unterstützt.
Mit diesem Entscheid wird alles noch schlimmer kommen. Andere Pfarreien werden ermutigt, ebenso zu handeln.
Der Bischof gibt ja sowieso nach.
Die sogenannten Progressiven unserer Pfarrei versammeln sich nun um
die beiden Religionslehrer. Die treuen Kirchgänger sind die Leidtragenden.
Bischof Amédée hat hier
meines Erachtens total falsch gehandelt.
Vielleicht stimmen die Gerüchte, wonach Bischof Amédée diese
Entscheidung aus materiellen Gründen gefaßt hat, weil er befürchtet, die beiden Geldgeber – nämlich
die Landeskirche und die Kantonsregierung – zu verlieren. Die Landeskirche hat bei uns sehr große Macht.
Das bringt leider das staatskirchenrechtliche System der Schweiz, welches man unbedingt ändern sollte,
mit sich.
Am Anfang der Krise hatte der Bischof noch erklärt und wurde auch so überall in der Presse
zitiert: Er werde abwarten, bis der neue Kirchegemeindevorstand gewählt ist und dann schauen, wie Pfarrer
Rey mit diesem auskomme.
Jetzt plötzlich diese Eile! Etwas ist faul im Staate Dänemark.
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