Nicht nur die Päpste besaßen Humor, auch die ehrwürdigen Mitglieder des Kardinalskollegium verfügten über ihn – oder wurden seine Opfer. Von Ulrich Nersinger.
(kreuz.net) Kardinal Luigi d’Este sagte bei jedem Konklave, aus dem er nicht als Papst hervorging, er
gebe die Hoffnung nicht auf, denn sein Wappenspruch laute: „Cum tempore – Mit der Zeit“.
Als man Papst
Clemens VII. den Tod des Kardinals Pompeo Colonna, der auf ihn immer einen Druck auszuüben versucht hatte,
meldete, soll er erleichtert ausgerufen haben: „Jetzt kann ich endlich sagen, daß ich der Papst bin“.
Kardinal Carpegna, der als ein übermäßig starker Esser bekannt war, beklagte sich beim seligen Papst
Innozenz XI., daß man über ihn Witze mache. Da meinte der Papst: „Wer ißt, muß auch schlucken können!“
Im fernen Frankreich parierte ein Purpurträger äußerst gekonnt die Angriffe auf seine Leibesfülle.
König Ludwig XV., der es liebte, allen Leuten Unangenehmes zu sagen, bemerkte zum Kardinal von Luynes,
der klein und dick von Gestalt war:
– „Ihren Großvater hat der Schlag getroffen, Ihren Vater und Oheim
desgleichen. Sie sehen ganz so aus, als ob es Ihnen einmal ebenso ergehen müßte“.
– „Majestät“, gab
der Kardinal zurück, „zum Glück leben wir nicht mehr in den Zeiten, da die Könige auch Propheten waren“.
Überhaupt verstanden sich die unter dem Lilienbanner dienenden – oder vielmehr herrschenden – Kardinäle
auf einen schlagfertigen Humor.
Ein französischer Edelmann, der weder unter König Heinrich IV., noch
unter König Ludwig XIII. gedient hatte, bat um die Verleihung des Heilig-Geist-Ordens.
Kardinal Richelieu
gab ihm zur Antwort: „Sie haben weder dem Vater noch dem Sohne gedient; ich bin erstaunt, daß sie jetzt
an den Heiligen Geist denken“.
Anna von Österreich, die Königin von Frankreich, soll eine so zarte
Haut gehabt haben, daß ihr auch das feinste Leinen unerträglich war, weshalb für sie ein ganz besonders
dünnes und zartes Linnen gewebt werden mußte. „Falls Eure Majestät in die Hölle kommen sollte“, meinte
Kardinal Mazarin, „bedarf es für Sie keiner anderen Qual, als daß Sie auf Laken aus grober Leinwand
schlafen müssen“.
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2 Lesermeinungen
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#2 timpressum † 21:25:38 | Samstag, 25. Februar 2006
Noch eine… „Johannes XXIII. visierte Hindernisse und Hürden immer sehr bedächtig an. Widersacher wurden
durch seine Güte reuevolle Bekenner. Auch die kleinste Aufgabe, das kleinste Anliegen löste in ihm höchste
Aufmerksamkeit aus. Mehr als jemals zuvor in seinem Leben fühlte Johannes als Papst die ihm auferlegte
Verantwortung. Sie war ihm aber keine Last, wie er seiner Umgebung oftmals versichert hatte, sondern eine
gottgewollte Bürde, die es deshalb mit Freuden zu tragen galt. So konnte Johannes fast alle Klippen leicht
nehmen und umgekehrt nur schwer verstehen, wie hohe geistliche Würdenträger Klage führen konnten, wenn
sie unter den seelsorgerischen oder kirchenamtlichen Aufgaben und Pflichten stöhnten. Zunächst einmal,
pflegte er zu sagen, hat der heilige Geist einen Menschen zum Priester bestimmt; sodann aber fällt der
betreffende Mensch in eigener Verantwortung die Entscheidung, Nächstenliebe zu predigen und vorzuleben.
Ein neuernannter Bischof beklagte sich in der ihm von Johannes XXIII. erstmals gewährten Privataudienz,
daß die neue Bürde ihn nicht mehr schlafen lasse. ‘Oh’, machte Johannes in mitleidsvollem Tone, ‘mir
ging es in den ersten Wochen meines Pontifikats genau so, aber dann sah ich einmal im Wachtraum meinen
Schutzengel, der mir zuraunte: ,Giovanni, nimm dich nicht so wichtig… Seitdem schlafe ich wieder