Interreligiöser Dialog
Der Glaube versetzt Erzbischöfe
Noch vor wenigen Wochen galt er als sicherer Kandidat für den Kardinalshut. Jetzt wurde er nach Ägypten ernannt.
(kreuz.net, Vatikan) Am 15. Februar ernannte Papst Benedikt XVI. den englischen Kurienerzbischof Michael Fitzgerald zum Apostolischen Nuntius in Ägypten.

Unisono wurde diese Versetzung – mit Ausnahme von Radio Vatikan – in den italienischen Medien als Degradierung bezeichnet.

Mons. Fitzgerald war bisher Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog und Sekretär des Rates für die Beziehungen zum Islam.

Mit ihm ist nach den Worten des Vatikanisten der linksliberalen Tageszeitung ‘La Repubblica’ „der erste Kopf in der Kurie gerollt“.

Der Grund dafür scheint nicht zuletzt die theologische Position des Erzbischofs gewesen zu sein.

Bereits im Jahr 1997 war Mons. Fitzgerald einer der Redner bei der Vorstellung des umstrittenen Buches „Zu einer christlichen Theologie des religiösen Pluralismus“ von Pater Jacques Dupuis.

Der Jesuitenpater Dupuis lebte 36 Jahre in Indien und starb im Dezember 2004 in Rom. Er unterrichtete zuletzt an der Päpstlichen Universität Gregoriana.

In den letzten Jahren seines Lebens beschäftigte er sich mit der Frage nach der Funktion der anderen Weltreligionen im Heilsplan Gottes.

Das Buch von Pater Dupuis geriet schnell ins Kreuzfeuer der Kritik, weil es unter anderem die einzigartige Erlöserrolle Christi relativierte.

Schließlich landete das Werk bei der Glaubenskongregation. Diese kam im Januar 2001 zum Schluß, daß das Buch „bemerkenswerte Zweideutigkeiten und Schwierigkeiten in wichtigen Punkten der Lehre“ enthielt:

„Diese Punke betreffen die Auslegung der einzigen und universalen Heilsmittlerschaft Christi, die Einzigartigkeit und Vollständigkeit der Offenbarung Christi, die universale Heilswirkung des Heiligen Geistes, die Ausrichtung aller Menschen auf die Kirche und den Wert und die Bedeutung der Heilsfunktion anderer Religionen.“

Pater Dupuis akzeptierte die Korrekturen und erklärte sich bereit, sie bei eventuellen weitern Auflagen des Buches mitabzudrucken.

Dann wurde im April 2001 die 450. Jahresfeier der Universität Gregoriana begangen. Bei dieser Gelegenheit lobte Erzbischof Fitzgerald den eben erst gemaßregelten Pater für seine angebliche „Pionierarbeit“.

Mons. Fitzgeralds Erklärung wurde als Seitenhieb auf die Glaubenskongregation verstanden und soll bei deren damaligem Präfekten keine Begeisterung hervorgerufen haben.

Dem Papst war es schon als Kardinal ein Anliegen, die Relativierung der Heilsrolle Christi und seiner Kirche zu bremsen, die sich in den letzten Jahrzehnten im katholischen Klerus massiv ausgebreitet hat.

In diesem Anliegen publizierte er als Präfekt der Glaubenskongregation im August 2000 das damals innerkirchlich heißbekämpfte Dokument ‘Dominus Jesus’, das die einzigartige Erlöserrolle Jesu Christi und die Bedeutung der Kirche unterstreicht.

Doch schon viel früher hat der damalige Kardinal Ratzinger Zeichen in diese Richtung gesetzt. Im Jahre 1986 fiel seine Abwesenheit während des von Papst Johannes Paul II. in Assisi gewollten interreligiösen Gebetstreffens auf.
      
10 Lesermeinungen
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#10   Toby   11:30:11 | Donnerstag, 2. März 2006
Fatima
Wie schon gesagt, war Mons. Fitzgerald maßgeldblich an der Ausrichtung jenes ominösen interreligiösen Kongresses beteiligt, der im Oktober 2003 in Fatima stattfand. Dieser Kongress gilt als Ausgangspunkt einer Neuinterpretation Fatimas und Ausweitung des wallfahrtsortes zu einem multireligiösen Heiligtum. Unter dem Beifall Fitzgeralds und anderer ranghoher kirchlicher Würdenträger konnte Pater Jacques Dupuis auf dem Kongress zuletzt seine umstrittenen Thesen zum besten geben.
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#9   Dr. Otterbeck   08:42:09 | Mittwoch, 1. März 2006
Kuriale
Erfahrung scheint dazu zu motivieren, in der Personalpolitik behutsam zu agieren. Schon möglich, dass BXVI keinen eigenen Rat f.d. Religionsdialog mehr will, aber die Weiterverwendung des Präsidenten in Ägypten ist doch sehr vernünftig.
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#8   Yersinia   18:09:08 | Dienstag, 28. Februar 2006
und ich dachte, Dienen, Demut und die Verkündigung des Glaubens
seinen wichtiger als jegliche „karrieretechnische“ Schritte?
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#7   Bernieboy   04:20:48 | Dienstag, 28. Februar 2006
Meine Meinung ist:
Es ist egal,wo Erzbischof Fitzgerald arbeitet.Was wissen wir schon,wer wen nicht mag?Alle sollten miteinander solidarisch sein.
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#6   Gotthard   17:27:05 | Montag, 27. Februar 2006
gute Wahl
Es ist sehr zu begrüßen, dass ein ausgewiesener Kenner des Islam als Nuntius nach Ägypten und bei der arabischen Liga ernannt wurde. In diesen Zeiten können wir es als Kirche nicht erlauben, im Islam unbewanderte Nuntien in die wichtigsten islamischen Staaten zu entsenden.
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#5   Beobachterin   15:53:19 | Montag, 27. Februar 2006
Hohepriesterin Maria Jepsen
Maria Jepsen hat in 2003 die „Schirmfrauschaft“ über die Homosexuellen-Parade in drei schleswig-holsteinischen Städten übernommen. Zuvor war Jepsen auch Schirmfrau des CSD in Kiel, der unter dem Motto „LesBISchwul – sichtbar und selbstbewußt“ stand.
Der Sprecher des Runden Tisches für Bibel und Bekenntnis in der nordelbischen Kirche, Pastor Dieter Müller (Kiel), äußerte sich entsetzt. Er fragte in einer Stellungnahme: „Merkt die Hamburger Bischöfin in ihrer Bischofskanzlei nicht mehr, dass viele treue Gemeindeglieder den Eindruck gewinnen, sie sei eine Hohepriesterin sexueller Beliebigkeit?“
Bei diesem Verhalten von Frau Jepsen wird es mit der Ökomene so schnell nichts!
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#4   Irenäus   15:46:16 | Montag, 27. Februar 2006
vorsichtig optimistisch…
Es ist vielleicht etwas voreilig; aber könnte dieser begrüßenswerter Schritt nicht vielleicht der Anfang oder zumindest die Vorwehen der erhofften Rückkehr Roms zu seiner eigenen Tradition sein?
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#3   Benedikt78   15:09:20 | Montag, 27. Februar 2006
Sehr schön!
Die Versetzung ist endlich ein Schritt in die richtige Richtung. Es bleibt zu hoffen, dass viele weitere Schritte folgen werden und die reine katholische Lehre wieder Auftrieb erhält. Es hat im Vatikan noch zu viele geistige 68iger und Modernisten!
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#2   Bruder Konrad   15:04:15 | Montag, 27. Februar 2006
Peinliche Situationen
konnte der Heilige Vater als Kardinal nicht immer verhindern. So mußte er einmal im Hamburger Mariendom neben der evangelischen Bischöfin Maria Jepsen einen ökumenischen Gottesdienst zelebrieren.
Wieso konnte er nicht? Hätte man ihn sonst erschossen?
Na und, dann wäre er als Marthyrer gestorben!
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#1   Ansgar   14:11:42 | Montag, 27. Februar 2006
Peinliche Situationen…
… konnte der Heilige Vater als Kardinal nicht immer verhindern. So mußte er einmal im Hamburger Mariendom neben der evangelischen Bischöfin Maria Jepsen einen ökumenischen Gottesdienst zelebrieren. Mit Leidensmiene. Frau Jepsen hingegen wird verständlicherweise nicht müde, dieses Ereignis dauernd zu erwähnen, um ihre vermeindliche Position „auf Augenhöhe“ zu unterstreichen.
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