Ernennungen
Die CSU ärgert sich
Einer der vom Papst kürzlich ernannten Kardinäle scheint aus den Köpfen bayrischer Christdemokraten Rauch aufsteigen zu lassen. Ein Kommentar.
(kreuz.net, München) Der deutsche Papst sei immer gut für Überraschungen, die gelegentlich auch böse sein könnten, meinte Claudia Möllers am Mittwoch in einem Artikel für die Tageszeitung ‘Oberbayrisches Volksblatt’.

Denn einer der jüngst von Benedikt XVI. ernannten Kardinäle rufe bei 34 ehemaligen Landtagsabgeordneten der CSU keine schönen Erinnerungen hervor.

In der Gruppe der 15 Kandidaten, die am 24. März den Kardinalshut erhalten werden, befindet sich nämlich auch der Erzbischof von Bologna, Mons. Carlo Caffarra (67).

Die Stadt Bologna befindet sich in Mittelitalien am Rand der Poebene und ist ein traditioneller Kardinalssitz.

Vor fast 18 Jahren habe dieser Anwärter auf die Kardinalswürde 34 CSU-Abgeordnete so sehr „in Weißglut“ versetzt, daß es sogar zu einem Briefwechsel mit dem damaligen Präfekten der Glaubenskongregation gekommen sei.

Damals war der jetztige Erzbischof von Bologna noch Präsident des ‘Päpstlichen Instituts für Studien über Ehe und Familie’ an der Römischen Lateranuniversität.

Im November 1988 hatte er bei einer moraltheologischen Tagung einen – inhaltlich präzisen – Vergleich angestellt:

„Wer Verhütungsmittel benutzt, will nicht, daß neues Leben entsteht, weil er ein solches Leben als ‘Übel’ betrachtet. Das ist dieselbe Einstellung wie die eines Mörders, der es als ‘Übel’ ansieht, daß sein Opfer existiert.“

Diese Aussage ließ die ansonsten recht dickfelligen CSU-Abgeordneten die Palme hochgehen. Nach Angaben des ‘Volksblattes’ wurde die Aussage des Professors von empörten Abgeordneten für eine „Diffamierung der vielen katholischen Eheleute“ gehalten.

Einer der „leidenschaftlichen Kämpfer“ für die angebliche „Ehre der Eheleute“ war damals der CSU-Abgeordnete Peter Widmann aus Steingaden in Oberbayern.

Der Ex-Abgeordnete scheint den 18jährigen Schock offensichtlich immer noch nicht aufgearbeitet zu haben.

Er sei „tief verärgert“, seitdem er von der Ernennung von Erzbischof Caffarra zum Kardinal gehört habe, beichtete Widmann vor dem ‘Volksblatt’ und doppelt unversöhnlich nach:

„Das ist ein weiterer Schlag ins Gesicht aller Eheleute, daß dieser Ehrabschneider vom Papst zum Kardinal ernannt wird“, schäumt der Ex-Abgeordnete, dessen Wut offensichtlich einen langen Atmen hat.

Doch in welcher Welt lebt der Ex-Abgeordnete?

Angesichts eines apokalyptischen Einbruchs der Geburten in der Bundesrepublik Deutschland, wird von Tag zu Tag deutlicher, daß auch der gute Professor Caffarra damals das Ausmaß der Katastrophe nicht erkannt hat.

Im Licht der Gegenwart hätte er nämlich im Kontext der tödlichen Verhütungs- und Sterilisationsmentalität nicht von Mord, sondern von Völkermord sprechen müssen.

Aber das wird die CSU erst kapieren, wenn es zu spät ist.
      
19 Lesermeinungen
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#19   Abu   11:00:12 | Mittwoch, 8. März 2006
Mörder oder Frauenversteher?
Die seinerzeitigen Äüßerungen Caffaras waren auch umstritten hinsichtlich dessen, ob sie genau wiedergegeben wurden. Was hat er gemeint? Die Mentalität, Sex von Zeugung abzukoppeln, ist die des Machers. Man will herrschen. Verhindert werden soll das Entstehen eines Menschen. Klappt es nicht, wird korrigiert: der Mensch beseitigt. Das ist die Mentalität.
Und liebe Damen: Ihr mögt Euch in noch so prekären Situationen befinden –- die Tötung eines Embryos ist Euch nicht gestattet. Auch nicht gestattet, wenngleich weniger verwerflich, ist praktizierte Sexualität unter Ausschaltung der Zeugungsmöglichkeit. Zudem eine problematische Mentalität (siehe oben) …
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#18   Yersinia   13:42:04 | Sonntag, 5. März 2006
@Josefus: wie belegst du deine Behauptungen?
hast du Kinder zu versorgen? erlebst du die Situation von Frauen, von Männern mit, die sich Kinder wünschen? Bist du den Anforderungen der heutigen Arbeitswelt ausgesetzt? ein Link: diestandard.at/?url=/?id=23351…
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#17   Josefus   21:41:02 | Mittwoch, 1. März 2006
Feinbild Kind
Falsch, der Geburtenrückgang ist in erster Linie auf die Verhütungsmentalität, die mit der Pille Einzug hielt, zurückzuführen. Das Feinbild Kind wurde geschaffen. Diese Verhütungsmentaltät führte schließlich auch zu der heutigen Abtreibungsmentalität.
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#16   Yersinia   20:24:07 | Mittwoch, 1. März 2006
@bonifatius: die westeuropäische Gesellschaft hat sich seit den50ern
wohl in wesentlich mehr Punkten und wesentlich komplexer geändert, als dass der Rückgang der Geburtenrate allein auf „die Pille“ zurückzuführen wäre – und genau darum gehts: diese Vielfalt der Änderung zu bedenken, stat sich an einem (konstruierten) Feindbild zu delektieren;
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#15   Benedikt   12:49:11 | Mittwoch, 1. März 2006
Unsinn
Im Licht der Gegenwart hätte er nämlich im Kontext der tödlichen Verhütungs- und Sterilisationsmentalität nicht von Mord, sondern von Völkermord sprechen müssen.
Also sorry, aber was ist denn das für ein Unsinn? Genauso könnte man es als Mord bezeichnen, dass eine Frau während ihrer fruchtbaren Zeit nicht immer schwanger ist.
Mord ist, wenn ein Mensch getötet wird. Bei einer Verhütung wird kein Mensch getötet, ergo ist es kein Mord.
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#14   methusalix †   09:54:48 | Mittwoch, 1. März 2006
Die „Verhütungsmentalität“
die Dr. Otterbeck beschreibt wurde in Frankreich, Schweden und, man höre und staune! in der DDR sehr erfolgreich konterkariert; einfach dadurch, dass man den Frauen Sicherheit gab.
Sicherheit, ihr Leben mit oder ohne Kindern selbstbestimmt zu führen, ohne auf Gedeih und Verderb von einem Mann abhängig zu sein.
Als diese Sicherheit in der DDR durch den Anschluss an die BRD verloren ging, rauschte die Geburtenrate um neunzig Prozent in den Keller, ganz ohne eine katholische, protestantische oder sonstwie geartete „Verhütungsmentalität“.
Und die Moral von der Geschicht’? Solange Sie den Frauen das Recht auf selbstbestimmtes Leben, egal ob mit oder ohne Mann, in der Erwerbstätigkeit oder im Beruf Hausfrau, nicht uneingeschränkt zugestehen, werden die Frauen darauf mit „Verhütungsmentalität“ antworten.
Angesichts der bornierten Verteidigung der Hausfrauenehe seitens der Regierung der alten Männer in der Kirche, haben wir bei den jungen Frauen heute allerdings keinerlei Chance.
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#13   Dr. Otterbeck   08:28:07 | Mittwoch, 1. März 2006
„Mord“
setzt nach deutschem Strafrecht nicht nur Vorsatz voraus, sonbdern auch noch bestimmte „Mordmerkmale“; man sollte nicht vorschnell mit Begriffen des Strafrechts „argumentieren“. Die Verhütungsmentalität als solche kann vermutlich nicht einmal mit fiskalischen Anreizen und „Familienpolitik“ überwunden werden, sondern erst dann, wenn das Glaubensleben der Christen andere überzeugt; „la foi, c’est la vie, parce qu’elle est relation…“ (J. Ratzinger, Lyon 1983).
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#12   Chris   21:31:08 | Dienstag, 28. Februar 2006
CDU/CSU Kath. Kirche
„Ein guter Katholik kann heute guten Gewissens keine derzeitige Partei wählen“. Stimmt. Das Problem liegt bei Kirche selber, sie will keine politische Verantwortung übernehmen (siehe Deus Caritas), d.h. sie braucht einen Fürsprecher (Partei), die ihre Anliegen berücksichtigt, aber das tut CDSU nicht. Nun müsste die Partei abgestraft werden, aber das geht nicht, weil wen wählen? PDS? Grüne? FDP? Nächstes Problem, das einzigste Organ das die Kath. Wählerschaft gleichschalten könnte wäre das ZdK, aber da sitzen ja CDU-Leute! Nächstes Problem, die Bischöfe sind ja noch nicht einmal politisch unter sich einig! Hauptproblem: Ich kann nur Druck auf CDSU ausüben wenn ich eine 100.000-fache Wählerschaft steuern kann, aber wohin, wenn ich keine Polt. Partei habe?
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#11   Bernieboy   04:24:58 | Dienstag, 28. Februar 2006
Abtreibung
ist Mord,Kontrazeptiva jedoch nicht(Ausnahme:Die Pille,sie wirkt manchmal frühabtreibend).
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#10   bonifatius   22:05:47 | Montag, 27. Februar 2006
Claudia Mölders
Ach, Claudia Mölders ist auch so eine „relative Katholikin“, die über Donum vitae, ZdK, Frauenordination und „wir sind Kirche“ immer wohlwollend berichtet hat, demgegenüber aber immer schon Rom und derzeit Regensburg „kritisch hinterfragt“. Und die CSU? Ein guter Katholik kann heute guten Gewissens keine derzeitige Partei wählen, auch nicht das geringere Übel.
O, Yersinia, sie blicken gut in die Schlafzimmer! Gab es vor der Antibabypille nicht doch mehr Babies oder ist die damals ausgewiesene höhere Geburtenrate eine statistische Lüge?
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#9   Sirilo   21:54:17 | Montag, 27. Februar 2006
Schwäche im Denken
„Wer Verhütungsmittel benutzt, will nicht, daß neues Leben entsteht, weil er ein solches Leben als ‘Übel’ betrachtet.“
Die Logik des Herrn Kardinal schwächelt hier etwas. Wer verhütet, betrachtet keineswegs das potentielle Leben als Übel, sondern er sieht sich vielleicht (aus Armut) nicht in der Lage, das neue Leben zu unterhalten, oder sie (die Frau) ist vielleicht aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage, das neue Leben zu gebären. Oder die Eheleute haben schon sechs Kinder und haben für ein siebtes weder Platz noch Geld.
Dürers Mutter mußte noch 17 Kinder gebären, damit drei von ihnen das Erwachsenenalter erreichten. Doch die Zeiten haben sich geändert. Heute reichen in der Regel drei Geburten für drei erwachsene Nachkommen.
Alle Eltern, die verantwortet mit ihrer Elternschaft umgehen, als „Mörder“ zu bezeichnen ist arg simpel. Sind dann auch alle Ehepaare, die nach Knaus-Ogino verhüten, Mörder? Und wie ist es mit den Ehepaaren, bei denen die Frau schon die Menopause erreicht hat? Sind die auch Mörder, wenn sie weiter miteinander „schlafen“?
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#8   methusalix †   19:21:41 | Montag, 27. Februar 2006
Verhütung als Analogon zu Mord
darzustellen ist ungefähr so daneben, wie die Verweigerung eines Schwangerschaftsabbruches aus medizinischen oder kriminologische Indikation heraus als Totschlag, Mord oder Körperverletzung mit Todesfolge zu bezeichnen.
Für diese Straftaten gibt es in unserer Zivilisation, die von der römisch-katholischen Kirche massgeblich mit aufgebaut wurde (Gott sei Dank!) genau definierte Merkmale. Wer sich an diesen Merkmalen in bösartiger Weise vergreift, macht sich selbst schwersten Unrechts schuldig.
@yersin. Vergessen Sie’s mit A. zu diskutieren. Wenn er nicht mehr weiter weiss, weil ihm die Argumente ausgegangen sind, schlägt er um sich wie der letzte Rüpel. Ich empfehle zu ignorieren.
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#7   Yersinia   18:35:05 | Montag, 27. Februar 2006
@Athanasius: was sollte der Vatikan denn tun können?
was anderes als Reden halten und Papier absondern ist weder dem Vatikan noch den diversen „Lebensrechtsaktivisten“ gegeben; schlimm nur, wenn diese Plauschereien noch dazu von falschen Konstrukten ausgehen und sich durch diese Konstrukte noch dazu selber am Leben erhalten;
und nachdem du für eine inhaltliche Replik nicht fähig zu sein scheinst, mußt du dich offensichtlich mit Untergriffen behelfen?
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#6   Athanasius   18:27:23 | Montag, 27. Februar 2006
@Yersinia
Quatschen Sie nur weiter und verteidigen Sie doch bitte den Untergang des Abendlandes – demographischerweise.
Leider ist der Vatikan nur noch allzu viel ein Papiertiger, ohne wirkliche Vornehmen der Lebensfeindlichkeit ein Ende zu setzen, wenigsten in katholischen Kreisen. Die meisten Bischöfe die ja gerade in dieser Sache gegen die „Linie des ‘konservativen’ Roms“ verstössten, wurden auch zum Kardinalat erhoben, darunter Kasper.
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#5   Yersinia   17:43:04 | Montag, 27. Februar 2006
die Frage ist wohl eher
ob die katholische Kirche in diesen Fragen ernst genommen werden will oder nicht? wenn das kirchliche Lehramt in Fragen der Sexualmoral vor allem „lebensweltlich gebrochene“ Ansagen abliefert, die empirisch so einfach nicht nachzuvollziehen sind, manövrieren sie sich selber ins „Out“ – was wegen auch druchaus vorhandener guter Aussagen schade ist; nb: in Japan wurde „die Pille“ erst 1995 erlaubt, in Irland waren Verhütungsmittel bis in die 90er Jahre verboten; noch ein „Nebenbei“: wären Verhütungsmittel verboten, gäbe es erstens einen Schwarzmarkt, zweitens ganuz einfach weniger Geschlechtsverkehr – aber kaum mehr Babies; dazu braucht es einen gesellschaftlichen Wandel (siehe Frankreich und die skandinavischen Länder; übrigens, die Geburten der Einwanderer in Frankreich steuern gerade mal 2% zur französischen Geburtenrate bei);
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#4   catharina   17:32:21 | Montag, 27. Februar 2006
Bologna
Kardinal Biffi scheint einen würdigen Nachfolger erhalten zu haben.
Natürlich hinkt der Vergleich zwischen Verhütung und Mord, sonst wäre es ja kein Vergleich, sondern eine Gleichsetzung. Aber im wesentlichen liegt der Theologe richtig.
Das wird nicht zuletzt dadurch erhärtet, daß dieselbe Mentalität hinter der Emfängnisverhütung und der Abtreitung (eindeutig Tötung eines Unschuldigen = Mord) steht.
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#3   Gotthard   17:13:27 | Montag, 27. Februar 2006
ungeheuerlich
Es ist schon unglaublich, zu welchen Vergleichen hohe Kirchenleute greifen … zwischen Verhütung und Mord gibt es auch gedanklich keine Brücke
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#2   Irenäus   16:08:20 | Montag, 27. Februar 2006
Völkermordorganisation CSU (?)
Bei der Pille wird ja tatsächlich der Tod eines Menschen in Kauf genommen; jedenfalls sollte sich ja schon herumgesprochen haben, daß CDU/CSU für Christen unwählbar ist.
PS:Kennt ihr schon den?
Was ist der Unterschied zwischen CSU und Mafia?
Die Mafia hat einen Ehrenkodex!
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#1   Romulus   16:03:09 | Montag, 27. Februar 2006
Narrenschiff
„Das ist ein weiterer Schlag ins Gesicht aller Eheleute, daß dieser Ehrabschneider vom Papst zum Kardinal ernannt wird“, schäumt der Ex-Abgeordnete
Typisch deutsch. Typisch Bier. Typisch frech. Typisch… Ich möchte nicht wissen wieviele Lebensfeinde in der CSU untergekrochen sind. Die Aussage von diesem Abgeordneten zeigt mehr als deutlich, dass wir auf einem Narrenschiff leben.
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