13:48:36 | Dienstag, 28. Februar 2006
Was haben Matin Luther, Popst Küchl und Kardinal Rantziger gemeinsam? Richtig getippt: Es handelt sich – im besten Fall – um Vertippungen. Die humorvollsten Tippfehlermeldungen auf der coolen Kultwebseite ‘kreutz.net’.
(kreuz.net) Jedes Gewerbe hat seine besonderen Schwierigkeiten. Besonders problematisch ist es, wenn ein
katholisches Medium – besonders die engstirnige Desinformationsseite ‘kreuz.net’ – meint, über andere
religiöse Gruppen und Gemeinschaften berichten zu müssen.
Dann wird der Methodistenpastor zum „Methodisten
pator“
und die „Krischna-Sekte“ zur
Kirschna-Sekte“ hochkatholiziert. Es bleibt dem Pater überlassen, das Glas
auf eine gute interkonfessionelle Zusammenarbeit zu heben.
Doch auch die eigene Religion ist oft komplizierter
als die Wichtigtuer von ‘kreuz.net’ denken und schreiben können.
Mit dem
Primat von Irland war eigentlich
kein höher gestelltes Säugetier oder gar ein Darwinischer Verwandter des Menschen gemeint, sondern der
Vorsitzende der irischen Bischofskonferenz, der immerhin Erzbischof ist und die Frommen seines Landes
als Primas lenkt.
Daß das Wort Propst weder von „probieren“ noch von „Papst“ kommt, also nicht
Probst
und auch nicht
Popst heißt, hat die unterbelichtete Redaktion von ‘kreuz.net’ nur gaaanz langsam und
nach verschiedenen erfolglosen Versuchen gelernt.
Daß es an den Grundlagen fehlt, zeigt auch die Tatsache,
daß auf ‘kreutz.net’ sogar Probleme mit dem Stellvertreter Christi auf Erden auftauchten.
Vor der Papstwahl
sprach ‘kreutz.net’ mit unbelehrbarer Selbstsicherheit von Kardinal
Rahtzinger. Man darf es den Unbedarften
verzeihen. Schließlich war der Kardinal damals ja noch nicht so bekannt wie heute.
Doch ganz durcheinander
kam die Redaktion, als in der
Weihnachtsansprache des israelischen Ministerpräsidenten die Variante
Rantziger –
oder war es Rauntziger? – auftauchte.
Was haben dazu wohl die Freunde im
Kardinalskollegen gedacht?
Kräftig ins
Fettnäpfen oder auf den Saum der bischöflichen Cappa magna trat die reaktionäre Redaktion,
als sie der Welt mitteilte, daß Streit vom
Zaum gebrochen wird.
Von der angeblichen Anklage der
sexuellen
klerikalen Unzucht dreier Minderjähriger schweigt des Hofrats Heiserkeit.
Verwirrung stiftete auch die
geschlechtsneutralisierende Halbwahrheit, wonach „Eamon Duffy
eine bekannter britischer Kirchenhistoriker
ist“.
Ob Duffy nun „eine männliche oder ein weiblicher Kirchenhistoriker“ sei, fragte daraufhin ein
gewitzter Leser.
Abgesehen von sprachlichen Verwirrungen und ausdrücklichen Irrungen, scheint die Redaktion
auch mit dem Einmaleins Probleme zu haben. In einem Artikel versuchte ‘kreuz.net’ das Material in sechs
durchnumerierten Schritten zu ordnen.
Danach schrieb ein Leser: „Sechs Schritte: 1. 2. 3. 4. 6. Und der
fünfte???“
Noch weniger mit Mathematik am Hut als das kreutz.net-Team haben die
Nummerarier – die unverheirateten
Mitglieder der katholischen Gemeinschaft Opus
Die.
Schmerzliche Erinnerungen an den verblaßten – und
offensichtlich verschlafenen – Grundschulalltag kamen hoch, als die Redaktion davon Wind bekam, daß das
Wach
komma nichts mit einer korrekten Interpunktion im Satz zu tun hat. Ebenso sei es ein Gerücht, daß
der
Kornzeuge – da lachten sogar die Hühner – und das Rück
grat in der Biologie behandelt würden.
Doch
‘kreutz.net’ ließ sich nicht von falschen biologischen Minderwertigkeitskomplexen beirren.
Haben Sie
zum Beispiel gewußt, daß sich Geburten im Land der unbeschränkten Möglichkeiten jetzt schon
„bis zum
16. Schwangerschaftsmonat“ hinausziehen können. Wenn nicht, dann sollten sie häufiger – und vor allem
aufmerksamer – ‘kreutz.net’ lesen, denn ‘kreutz.net’ weiß mehr.
Wenn Sie wissen wollen, was sie nicht
wissen, dann sollten Sie wissen, daß es ‘kreuz.net’ gibt (danach werden Sie sogar wissen, was sie gar
nicht wissen wollten).
Französisch lernt man am besten am Morgen – „matin“ auf Französisch. Dennoch
sei daran erinnert, daß der auf ‘kreutz.net’ erwähnte Refromator
Matin Luther aus Deutschland stammte
und eigentlich gar nicht so fromm war.
Außerdem sitzt der hochwürdigste Herr Bischof von Neu Ulm nicht
im gleichnamigen – bayerischen – Städtchen – 60 Kilometer westlich von Augsburg – sondern im US-Bundesstaat
Minnesota.
Neben vielen anderen Neuerungen auf der Landkarte informierte die eifrige Redaktion ihre Leser
auch über die polnische Hauptstadt
Kraukau und über den bedeutenden Ort
„Lyon in Westfrankreich unweit
von Genf“.
Aber wen wundert es. Eigentlich war schon lange klar, daß die kreuz.net-Schreiber ein bißchen
die Orientierung verloren haben oder ihre Leser aufs Kreuz legen wollen.
In diesem Sinne
„verbleicht“
‘kreutz.net’ –
um die Worte eines berüchtigten Wiener Abtreibers zu zitieren – und dankt allen, die in
der Vergangenheit dazu beigetragen haben, wertvolle Wortschöpfungen wie
„konkurrenzierend“ und
„Familienbanden“
in die elektronische
Mühltonne zu befördern.
Überhaupt. Was ist dieses ‘kreuz.net’ eigentlich? Vielleicht
eine Kreuzung zwischen kath.net und der Kronenzeitung?
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