Pastoraler Prozeß
Der Pfarrer kann gehen
In vielen deutschen Diözesen werden derzeit nicht nur größere Seelsorgeeinheiten, sondern auch neue Leitungsstrukturen geschaffen. Jetzt kommt die Administratorenschwemme.
(kreuz.net) In einem offensichtlichen Widerspruch zu der Instruktion der römischen Kleruskongregation aus dem Jahr 2002 mit dem bemerkenswerten Titel „Der Priester, Hirte und Leiter der Pfarrgemeinde“ scheint das Leitungsamt des Pfarrers jetzt in Deutschland zum Auslaufmodell zu werden.

An vielen Orten werden gegenwärtig Seelsorgeteams gebildet, welche die Leitung mehr oder weniger großer Pfarreien und Seelsorgebezirke gruppendynamisch ausüben.

Damit werden viele der augenblicklich amtierenden Pfarrer in ihrer Leitungsfunktion in nächster Zeit überflüssig.

Etliche Priester, die man noch nicht in den Ruhestand verabschieden kann, werden auf Dauer zu Administratoren bestellt, obwohl das der kirchlichen Rechtsordnung entgegensteht.

Die Erfahrung verschiedener Diözesen zeigt, daß durch die neuen Strukturen schon manche Priester bewußt durch Laien verdrängt werden.

Das Netzwerk katholischer Priester warnt seit geraumer Zeit vor trügerischen Strukturreformen und schließt sich der Auffassung von Kurien-Erzbischof Paul Josef Cordes an, daß allein durch veränderte Strukturen keine Erneuerung des kirchlichen Lebens erreicht wird.

Der Text wurde am Dienstag im ‘Newsletter Netzwerk katholischer Priester’ publiziert.
      
19 Lesermeinungen
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#19   katakombus   14:12:40 | Samstag, 4. März 2006
Es geht nicht um Macht, sondern um Glaubensstärke!!!
Immer wieder kommt das alte Geleier von den machtgierigen Priestern, die ihre alten Herrschaftsstrukturen erhalten wollten. Was in Wahrheit hinter dem Aufbegehren gegen diese Strukturreform steckt, ist die tief verwurzelte Sorge guter Priester, daß die Macht des Glaubens, die Kraft der Eucharistie und die Möglichkeit den Menschen als Hirte aus dieser Kraft zu dienen unterwandert wird, weil machthungrige Pastoralmodellierer und ideologische Priesterhasser jetzt in den Ordinariaten am Zug sind. Endlich hat man mit der Finanzmisere einen Weg gefunden, die lästige „Klerisei“ abzuschießen. Von Macht sprechen immer die, die sie gerne hätten, nicht diejenigen, die sie vermeintlich haben. Wenn man jetzt wie im Bistum Berlin einen Priesterüberschuß hat und sogar Priester in andere Diözesen abwandern, weil man sie nicht mehr brauchen kann,dann frage ich mich, was hier eigentlich passiert! Das ist, wie wenn jemand seine paar Groschen in eine kleinere Geldböse tu, diese dann wieder voll ist, und er dann lauthals schreit: „Hurra, ich bin reich!“ Täuschungen über Täuschungen. Wer fragt bei diesen Modellierungen überhaupt nach der Berufungspastoral? Wer fragt nach, welche Zustände in den Priesterseminaren herrschen? Gläubige und Priester werden dadurch erst scharf gemacht, sie werden radikal, weil ihnen keine Wahl bleibt. Doch dann zeigt man mit dem Finger auf sie und brandmarkt sie als kommunikationsgestörte Fundamentalisten!
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#18   Romulus   14:00:23 | Freitag, 3. März 2006
Heiße Luft
Also, wenn ich mir die Postings der vermeintlich katholischen Schreiber hier so durchlese, verstehe ich immer mehr die Worte des Hl. Vaters, dass ein einfaches Zurück vor das Konzil nicht die Lösung des Problems sein kann. Die sich hier so hervortun haben keine Ahnung von Theologie oder Menschenführung oder oder… Es ist einfach nur heiße Luft.
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#17   PetrusII   12:49:13 | Freitag, 3. März 2006
@Wiener
ist ihr beitrag als aufruf zur apostasie zu verstehen?Oh Wiener, oh Wiener sei gläubig und nicht ungläubigIch frage euch wer befindet sich in der Apostasie? Die Priester und Gläubige, welche schon immer dass geglaubt haben was unser Herr gelehrt hat, oder DIESE welche sich vom Glauben entfernt haben. Es ist nicht gut wenn man wegen seiner Lauheit sich bei Sekten im Glauben wähnt. Lieber Wiener die Apostasie ist das Verlassen des Glaubens und der Kirche. Verdrehen Sie bitte die Geschichte nicht
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#16   Sulpicius   11:04:02 | Freitag, 3. März 2006
Treffend formuliert
Viel schöner ist das Pfarrerleben doch, wenn man es sich im Pfarrhaus gemütlich machen kann in fröhlicher Runde mit einigen handverlesenen „Oberlaien“ im Team, Steuergelder vergeuden und Bauprojekte planen.
So sieht es bei 80 % des heutigen deutschen Klerus aus.
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#15   Dr. Otterbeck   10:58:51 | Freitag, 3. März 2006
Der Selbstbetrug
der deutschen Diözesen reicht vermutlicht weit in die Vorkonzilszeit zurück. Anders ist der Zusammenbruch des Priestertums nach 1968 (Boykott der Enzyklika H.V., Essener Kath.tag) nicht zu begreifen. Genauso wie praktizierende Katholiken längst Sartre lasen, als das noch verboten war, hatten praktizierende Kleriker längst die Faxen dicke von Ursünde, Erbsünde, Buße, Beichte und Ablass. Viel schöner ist das Pfarrerleben doch, wenn man es sich im Pfarrhaus gemütlich machen kann in fröhlicher Runde mit einigen handverlesenen „Oberlaien“ im Team, Steuergelder vergeuden und Bauprojekte planen. Und in der Predigt wird dann Nietzsche zitiert, anstatt das Evangelium zu verkünden (das ja nach fast allgemeiner „Meinung“ ein Konstrukt aus der Zeit nach 70 u.Z. sein muss, weil der „historische Jesus“ die Zerstörung des Tempels nicht vorhersehen konnte…) Lebensmüde darf man diese Deutschpastoraal (aalglatt) ja wohl nennen.
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#14   wiener   10:32:00 | Freitag, 3. März 2006
@ petrus2
ist ihr beitrag als aufruf zur apostasie zu verstehen?
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#13   Alumnus   08:22:21 | Freitag, 3. März 2006
Ein Schuss ins Knie
Wenn die Kirche des deutschen Sprachraumes nicht endlich erkennt, dass der Priester in ihrer eschatologischen Dimension von enormer, ja heilsökonomischer Wichtigkeit ist, dann ist es wohl besser, wenn sie aufhört sich römisch-katholisch zu nennen. Dass den Laien Mitarbeit in größerem Umfang „zugetraut“ wird, als das vor dem Vat.II. der Fall war ist ja grundsätzlich nichts schlechtes. Wenn aber Priester systematisch durch Laien und Team-Strukturen verdrängt werden, dann kann das nicht mehr im Sinne der Kirche sein, auch nicht der Konzilskirche. Seminaristen wird ja schon im Seminar doktriniert, „Mitarbeiter“ zu sein. Ja ich wage zu behaupten, dass die Kriese des Priestertums auch damit zusammenhängt, dass der Priester durch solche Aktionen als unnötig und überflüssig karrikiert wird. Die Klerikalisierung unserer Zeit ist nicht unter der Priesterschaft zu finden, sondern unter den Laien. Aber ein Laie, und mag er theologisch noch so qualifiziert sein, kann einen Priester nicht ersetzen!
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#12   Toby   08:19:34 | Freitag, 3. März 2006
@ Gotthard
Bitte etwas genauer lesen, zum Beispiel meinen Beitrag über die „pastoralverträgliche Frühpansionierung“ von rüstigen Pfarrern im Bistum Fulda. Auch das sind Entlassungen im schlechten Sinne des Wortes!
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#11   catharina   07:54:45 | Freitag, 3. März 2006
Curé d’Ars
Faktisch erleben wir schon lange die „Entsazerdotalisierung“ von Liturgie und kirchlichem Leben. Jetzt werden auch im organisatorischen Bereich die Konsequenzen gezogen.
Der hl. Pfarrer von Ars war der Meinung, wer die katholische Kirche zerstören wolle, richte seine Angriffe vor allem gegen das Priestertum.
Hätte man diesen Pfarrer übrigens durch ein Seelsorgsteam – und wäre es auch noch so „dynamisch“ – ersetzen können?
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#10   Gotthard   23:37:35 | Donnerstag, 2. März 2006
es gibt einen Fall!
und es gibt auch welche, die entlassen wurden. Ich erinnere mich z.B. an einen Fall nähe Houston,
Bis in die USA muss man gehen, bis man einen Fall entdeckt…
Ob dieses kath. Pfarrer-Kränzchen diesen Fall auch kannteß
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#9   Toby   22:32:13 | Donnerstag, 2. März 2006
@ Gotthard
Im Bistum Fulda werden Pfarrer entgegen den kanonischen Bestimmungen bereits mit 70 Jahren zwangspensioniert. Das ist eine vorzeitige Entlassung aus dem aktiven Dienst … beispielsweise zugunsten von Laien als Gottesdienstleitern … was dann wiederum mit dem angeblichen „Priestermangel“ begründet wird … Verkehrte Welt!
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#8   Evelin   20:53:59 | Donnerstag, 2. März 2006
@ Gotthard
selbstverständlich gibt es solche Fälle. Das beginnt schon mit Seminaristen, die wegen ihrer zu konservativen Haltung nicht geweiht werden. Werden auf Zwangsurlaub, in Pension geschickt, nicht in Diözesen übernommen, nicht zum Pfarrer, nur zum Moderator oder Administrator bestellt, suspendiert, zum Rücktritt gezwungen.
und es gibt auch welche, die entlassen wurden. Ich erinnere mich z.B. an einen Fall nähe Houston, wo ein Priester entlassen wurde, weil er die alte Messe las.
Der Gatte Evelin
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#7   Konrad   20:31:07 | Donnerstag, 2. März 2006
Personalgemeinden, das wäre mit Romulus
okay. Aber es soll „Teamgemeinden“ geben – ein Kollektiv statt Person des Pfarrers als „Hirten und Leiter der Pfarrgemeinde“ (Kleruskongregation 2002). Damit wird die Feier der Eucharistie in eine anonym-esoterische Ecke geschoben. Noch zu Gotthard, dem „advokatus diaboli“, der seine modernistische Rolle ja ganz schön beherrscht: natürlich werden Priester entlassen, nämlich in den Zwangsruhestand oder vom Pfarrer zum „Teamseelsorger“ degradiert.
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#6   Gotthard   19:51:54 | Donnerstag, 2. März 2006
Unfug
Die Kirche beklagt sich um den Priestermangel und an der anderen Stelle werden Priester entlassen.
Wo werden Priester entlassen? NIRGENDWO!!!!!!!!!
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#5   Stefan M.   18:50:17 | Donnerstag, 2. März 2006
Pfarrer muss gehen
In was für einer Kirche leben wir eigentlich noch? Die Kirche beklagt sich um den Priestermangel und an der anderen Stelle werden Priester entlassen. Die modernen Gemeindemodelle haben so wie so keine Chance! Wenn wir nicht zurück zur kath. Tradition kommen nützen uns die besten Konzepte nichts. Und wieder einmal hatte Erzbischof Lefebvre Recht,wenn er sagte, dass der Modernismus die Kirche vernichten wird.
Buch-Tipp: Offener Brief an die ratlosen Katholiken, ISBN: 3-932691-33-4.
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#4   Gotthard   18:15:02 | Donnerstag, 2. März 2006
Angst
An vielen Orten werden gegenwärtig Seelsorgeteams gebildet, welche die Leitung mehr oder weniger großer Pfarreien und Seelsorgebezirke gruppendynamisch ausüben.
Wovor haben diese Netzwerker denn Angst?
Vor dem Verlust ihrer autoritären Macht?
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#3   PetrusII   16:55:36 | Donnerstag, 2. März 2006
Der Pfarrer kann gehen
Die Priester werden gehen müssen. Nicht nur ältere, sondern vor allem die jüngeren. Warum gerade die jüngeren? Ist doch ganz klar. Die Jugend findet immer mehr gefallen am überlieferten Glauben. Die „60er“ werden natürlich versuchen dies zu verhindern. Es gibt nur eine Lösung: Die Erneuerung in Christus. Sprich, die Priester müssen sich zum überlieferten Glauben retten. Sie müssen den Mut des Pfingstfestes aufbringen und sich zu Christus und seiner Kirche im überlieferten Glauben bekennen. Nur so kann und wird den Gläubigen geholfen. Deshalb meine Bitte an alle Priester der katholischen Kirche. Haben Sie und zeigen Sie Mut den grossen Schritt für Christus zu tun
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#2   Botschafter   16:38:39 | Donnerstag, 2. März 2006
Seelsorgeteams
Seelsorgeteams=Tod des Priesters=Tod der Eucharistie=Tod der Kirche!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
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#1   Romulus   16:30:17 | Donnerstag, 2. März 2006
Ortsprinzip ist Vergangenheit
Das traditionelle Pfarrprinzip der Barock- und Aufklärungszeit hat sich überlebt in Zeiten zunehmender Mobilität. Es wird abgelöst vom Personalprinzip, d.h. wir werden es mit Personalgemeinden zu tun bekommen. Gerade unsere Tradis hier fahren doch zum Teil sehr weite Strecken, um mal in eine Hl. Messe zu kommen. Da ist ihnen ihre Heimatpfarrei auch ziemlich wurscht. So richtet sich die Personalgemeinde z.B. nach der Gottesdienstzeit, bzw. nach einem bestimmten Priester; andere suchen eine bestimmte theologische Linie und wieder andere fahren lieber in Wallfahrtsort. Und man stelle sich vor: Sie alle haben ihre Sonntagspflicht erfüllt und die Heimatpfarrgemeinde und der Hochwürden wissen nix davon.
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