Kirchenverkauf
Was wird aus St. Georg werden?
Die Pfarrei St. Georg in Gelsenkirchen kämpft seit längerem gegen die beschlossene Aufgabe des Gotteshauses. Jetzt hat der Bischof geantwortet. Bilder.
(kreuz.net, Gelsenkirchen) Im Juni 2005 beschloß die Diözese Essen, die neuromanische St. Georg-Kirche in Gelsenkirchen zu erhalten und als Filialkirche der Nachbarpfarrei weiterzuverwenden.

Die Stadt Gelsenkirchen befindet im Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen.

Doch im Januar kam überraschend eine kalte Dusche. St. Georg – eine der größten Kirchen im Bistum Essen – soll dennoch aufgegeben werden. Dagegen entbrannte in der Gemeinde ein Sturm der Entrüstung. Mahnwachen wurden organisiert.

Mitte Februar nahm der Bischof von Essen, Mons. Felix Genn, in einem Brief an die Unterzeichner eines Protestschreibens Stellung zu den Ereignissen.

In seiner Antwort erklärt der Bischof, daß er die Reaktionen aus St. Georg verstehen könne. Er wehre sich aber gegen die Behauptung, daß die Vorgangsweise der Diözese ein gezieltes Täuschungsmanöver gewesen sei.

Richtig sei vielmehr, „daß wir es versäumt haben, mit Ihrem Pfarrer und den Verantwortungsgremien Ihrer Gemeinde über die veränderte Planung vor der endgültigen Entscheidung zu reden und eine Rückmeldung zu erbitten“ – so der Bischof. Dafür wolle er sich entschuldigen.

Bereits bei der Erarbeitung des Juni-Vorschlages sei darüber diskutiert worden, ob St. Georg wegen der Nähe zu den Pfarreien St. Augustinus und St. Joseph sowie wegen ihrer Größe und der damit verbundenen hohen Kosten erhalten werden sollte.

Im Zuge der Beratungen sei die Diözesanleitung immer stärker mit der Frage konfrontiert worden, ob die zukünftige Pfarrei St. Augustinus angesichts des Geld- und Personalmangels die St. Georgs-Kirche wirklich erhalten könne und angesichts der Nähe zu anderen Kirchen erhalten müsse.

Diese Überlegungen hätten zur Planungsänderung geführt: „Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen“ – so Bischof Genn.

Der Bischofsrat habe davon gesprochen, mit den Verantwortlichen aus St. Georg, der Stadt Gelsenkirchen und anderen möglichen Partnern über sinnvolle Nutzungsmöglichkeiten ins Gespräch zu kommen.

Kirche St. Georg in Gelsenkirchen
Die Anfänge der Kirche in Gelsenkirchen gehen zumindest ins 11. Jahrhundert zurück. So ist in Münster eine Aufzeichnung über eine Kirche "St. Georg" in Gelsenkirchen aus dem Jahre 1073 urkundlich nachweisbar.Die heutige Kirche im neuromanischen Stil wurde im Juli 1908 durch den damaligen Paderborner Erzbischof Wilhelm Schneider († 1909) geweiht.Im Januar 2006 hieß es, St. Georg soll aufgegeben werden. Dagegen entbrannte in der Gemeinde ein Sturm der Entrüstung. Mahnwachen wurden organisiert.

Leider sei dieser Schritt nicht sofort weiterverfolgt worden, so daß die „jetzige mißliche und sehr bedauerliche Situation“ eingetreten sei.

Doch wegen der geschichtlichen Bedeutung und des Erscheinungsbildes der Kirche St. Georg müßten die weiteren Nutzungsmöglichkeiten für dieses Gotteshaus sorgfältig geprüft und entwickelt werden.

Er möchte als Bischof die besondere Zusage betonen, daß die Kirche St. Georg nicht einfach „dicht gemacht“ werde, sondern daß gewissenhaft und gemeinsam weitere Überlegungen angestellt werden müßten: „Das möchten wir mit Ihnen gemeinsam tun!“

Um die Ernsthaftigkeit seiner Zusage zu verdeutlichen und einen zeitlichen Druck aus der Planung herauszunehmen, habe er als Bischof entschieden, St. Georg so lange als Filialkirche der Pfarrei St. Augustinus zuzuweisen, bis ein neuer Zweck für die Kirche gefunden sei.

„Damit verbinde ich allerdings die Erwartung, daß alle Verantwortlichen bald und ernsthaft über Möglichkeiten einer neuen Nutzung der Kirche nachdenken.“
      
13 Lesermeinungen
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#15   johannes-maria   18:18:55 | Samstag, 4. März 2006
Dismas
Ich kann Dismas nur zustimmen.
Wenn das Bistum noch nicht mal mehr Geld hat um seine Priester zu bezahlen, soll es doch auch gleich das Priesterseminar schließen. Wozu werden Kirchensteuergelder in die Priesterausbildung gesteckt, wenn anschließend kein Geld vorhanden ist, um sie zu bezahlen? Meiner Meinung nach fehlt aber wohl eher das Geld für Priester, die sich für den wahren Glauben einsetzen, denn das sind doch diejenigen, die vom Bistum kalt gestellt werden. Wenn das Bistum weiter so vorgeht, wird es sicher noch viel mehr Gläubige verlieren.
Mittlerweile braucht sich doch kein Priester mehr an die Anordnungen aus Rom halten, ganz im Gegenteil, die, die es tun werden abserviert.
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#14   Dismas   17:09:13 | Samstag, 4. März 2006
Wer sich auf das Wort von Bischof Dr. Genn verlässt, der ist…
Bischof Dr. Genn sollte anfangen in seinem engsten Umfeld zu sparen. Der Artikel „Neues vom Konzilsfrühling“ hat Aufmerksamkeit erregt.
Bischof Dr. Genn sollte es seinem Amtsbruder Herrn Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller aus Regensburg gleichtun – und sofort keinen Cent mehr für das ZDK zur Verfügung stellen. Eine nicht unerhebliche Summe die das Bistum einsparen kann. Nicht nur an dieser Stelle!
Aber wer glaubt schon einem Bischof, der selbst seiner Fürsorgepflicht gegenüber „seinen“ Priestern im Bistum nicht nachkommt. Der beste Fall hierzu ist der beim Arbeitsamt Bochum gemeldete junge Priester des Bistums Essen – für den Herr Bischof Genn kein Geld hat um ihn sinnvoll einzusetzen. (Rausklagen…Zwangsruhestand für die frommen Priester im Bistum sind an der Tagesordnung)
Geld für marode Kirchen ist selbstverständlich vorhanden. Betet für diesen Bischof und sein Umfeld um die Gabe des Glaubens!
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#12   Beobachterin   09:23:38 | Samstag, 4. März 2006
Moscheen statt Kirchen
Lieber Benedikt, zu Ihrer Frage:
Ich habe nicht geschrieben, daß Kirchen zu Moscheen gemacht werden. Das ist m.E. ausdrücklich ausgeschlossen worden.
Es werden aber immer mehr Groß-Moscheen in Deutschland gebaut, es dürften so an die hundert pro Jahr sein (habe im Moment keine Zeit, das gründlich zu recherchieren). Zum Teil geschieht der Bau dieser islamischen Zentren (etwas anderes ist eine Moschee nicht) gegen den erbitterten Widerstand der einheimischen Bevölkerung.
Umgekehrt werden immer mehr Kirchen geschlossen bzw. einer anderen Verwendung zugeführt. Zuletzt hörten wir im Bistum Essen über die geplante Schließung von mehreren Kirchen.
Bei den derzeit schon vor sich gehenden und noch bevorstehenden demoskopischen Veränderungen wird dies auch gar nicht anders möglich sein. Die Zahl der Muslime wird – wenn sich nichts ändert – stetig und überproportional zunehmen, und zwar durch immer weiter erfolgende Einwanderung und eine höhere Geburtenrate bei Muslimen.
Damit werden dann auch gewissen Diskussionen, die wir hier dauernd führen, eine ganz andere Tendenz erhalten – was ich überhaupt nicht begrüße. Ich setze mich mit Homosexuellen lieber selbst auseinander als daß ich diese Diskussion Muslimen überlasse. Der Islam hat eine Meinung über Homosexuelle und einen Umgang mit ihnen, die ich nicht teile und auch nicht für gut halte.
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#11   Benedikt   22:34:47 | Freitag, 3. März 2006
@ Thomas A. Höck
Wäre nicht sogar eine gemeinsame „Bewirtschaftung“ der neoromanischen Kirche (etwa mit alternierendem Einsatz der Zelebranten aus den beiden Bruderschaften) möglich? Dies wäre doch allemal besser als eine Profanierung!
Besser als eine Profanierung sowieso, nur: Wie aus Ihrem Beitrag hervorgeht findet in dem Kinderheim nur eine Messe im Monat statt. Woran liegt das? Falls es an personellen Gründen liegt wäre zu fragen, in wie weit es sinnvoll ist eine so große Kirche zu übernehmen in der dann dermaßen selten eine Messe stattfindet. Natürlich ist es besser als nichts, aber ich glaube kaum, dass sich jemand unter diesen Umständen so etwas aufbürdet. Leider.
@ Beobachterin
Welche Kirchen wurden denn in Deutschland zu Moscheen?
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#10   Jörg Guttenberger, Köln   21:03:35 | Freitag, 3. März 2006
Profanisierung von Kirchen
Das Verhalten zumindest einiger Bistümer ist tatsächlich ein Skandal!
Das Redemptoristenkloster Geistingen (bei Hennef/Sieg, in der Nähe von Siegburg) ist bereits aufgelöst. Die sehr schöne Kloserkirche vom Anfang des 20. Jahrhunderts ist Anfang Januar zugunsten eines geplanten Wellness-Centers profanisiert worden.
Hierzu wird vom ernsthaften Interesse der Pius-X-Brüder an Kirche und Kloster berichtet. Kardinal Meisner soll den Verkauf an die Bruderschaft verboten haben, dementiert
jedoch. Eine Internet-Anfrage im noch vorhandenen Gästebuch des Klosters ist zwar als erhalten bestätigt, aber bisher unbeantwortet. Vermutlich hat der Kölner Erzbischof den Redemptoristen einen Maulkorb verpaßt!
Es scheint wichtig, gerade wo es jetzt um Geld geht, die Verhältnisse hinter den Kulissen besonders scharf zu beobachten:
In Köln wurde das Haus Burgmauer 1 (Residenz des noch recht jugendlichen Generlvikars) aufwendigst mit einem angebauten Außenaufzug mit verkleideten Glaswänden renoviert, während die Pfarren wirtschaftlich stranguliert werden. Glaubwürdiger macht sich die Kirche dadurch sicher nicht!
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#9   Beobachterin   16:14:40 | Freitag, 3. März 2006
Kirchen raus – Moscheen rein
Es wird leider in immer mehr Gemeinden heißen: Kirchen raus – Moscheen rein.
Die Kirchen, die wegen Veränderung der Bevölkerungsstruktur nicht mehr gebraucht werden, können sicher aus finanziellen Gründen nicht auf Dauer unterhalten werden.
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#7   MK28   13:19:28 | Freitag, 3. März 2006
FSSPX
Es mag zwar sein, daß das Bistum die Kirche nicht an die FSSPX abgibt. Aber wenn der dt. Distrikt einen Brief an die Pfarrgemeinde sendet und anbietet, die Kirche zu übernehmen, dürfte die iözese ganz schnell von ihren Schließungsplänen abrücken.
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#6   Benedikt   13:05:00 | Freitag, 3. März 2006
@ Athanasius
Ich gehe nicht davon aus, dass diese Kirche abgerissen werden darf. Sie dürfte unter Denkmalschutz stehen. Auch FSSP und FSSPX müssten natürlich darlegen, wie sie den Erhalt der Kirche garantieren könnten. Dürfte nicht einfacher sein als für die „Stammgemeinde“. ME muss es doch ein Weg geben, so eine große Kirche zu erhalten. Wie groß sind denn diese Gemeinden? Gibts doch wohl nicht. Unser Nachbardorf hat 1400 Einwohner (!) und saniert seine große Kappelle trotzdem in Eigenregie.
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#5   Stimme aus dem Tradiland   13:00:17 | Freitag, 3. März 2006
@ Athanasius – genau so ist es
Die V2-Kirche wird lieber eine Kirche zerstören oder zerstören lassen, als sie der Tradition zur Verfügung zu stellen.
Diese Haltung ist mit Gewißheit eines nicht: katholisch.
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#4   Athanasius   12:56:22 | Freitag, 3. März 2006
Lösung
Eine Lösung für die Katholiken dieser Pfarrei ist ihre Kirche der Priesterbruderschaft St. Petrus (Päpstlichen Rechts) zur Verfügung zu stellen. Es würde die Anzahl der Gläubigen erhöhen und den wahren Glauben fördern.
Aber wahrscheinlich wird die Diözese damit nicht einverstanden sein und die Petrusbruderschaft „verjagen“, wenn sie es machten.
Die Priesterbruderschaft St. Pius X. (seit 1976 vom Vatikan deakt.) ist bestimmt dafür zu finden diese Kirche zzu übernehmen.
Probleme sind oft sowohl die Diözesen die Neubauten erstellen wollen (Gemeinschaftszentren anstatt Tempel), aber auch die „progressiven“ Laienräte der Pfarreien, die lieber die Kirche sprengen würden, als sie dem überlieferten Gottesdienst der Römischen Kirche zur Verfügung zu stellen.
Wählen Sie aber. Auch die Stadtverwaltung soll sich entscheiden. Kirche weg und Betonblock-Community Centre, oder Erhaltung per traditiónem.
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#3   Benedikt   12:44:01 | Freitag, 3. März 2006
Meine Güte…
…so eine schöne Kirche wollen die aufgeben?? Da wird sich doch ein Kirchbauverein finden, der den Unterhalt mitfinanziert!
Sic transit gloria mundi.
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#2   Bernieboy   12:39:13 | Freitag, 3. März 2006
Das Bistum
hat kein Taeuschungsmanoever gemacht.Hoffentlich kann die Kirche erhalten bleiben,am besten in gottesdienstlichem Gebrauch,aber auch anders waere es schoen.Sie ist doch auch ein Baudenkmal.
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#1   ExBochumer †   12:37:18 | Freitag, 3. März 2006
Bischof Genn

wird mir immer unsympathischer.
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Es wurden 2 Lesermeinungen von der Redaktion entfernt
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