Benedikt XVI.
Der Fehlbarkeit überführt
Kürzlich hat die Deutsche Bischofskonferenz die jüngste Enzyklika von Benedikt XVI. durchgeforstet und darin massenweise Fehler gefunden.
(kreuz.net, Vatikan) Noch heute sei der gottesfürchtige Katholik stolz darauf, daß vor gut zehn Jahren die Kleinschreibung des „heiligen Vaters“ habe verhindert werden können. Das schrieb kürzlich Reinhard Markner in der ‘Berliner Zeitung’.

Trotzdem habe sich der deutsche Papst der Reform der Rechtschreibung seiner Muttersprache nicht entziehen können.

Das ist der Deutschen Bischofskonferenz zu verdanken. Diese korrigierte vor der Veröffentlichung der deutschen Originalversion der Enzyklika ‘Deus caritas est’ rund drei Fehler pro Seite.

Erst nach dieser mühsamen Kleinarbeit und der Korrektur der päpstlichen Verschreiber im Sinne der deutschen Kultusminister konnte die Unfehlbarkeit des Pontifex Maximus wiederhergestellt werden.

In einem Kommentar auf der Homepage ‘Schrift und Rede’ erklärt ein gewisser R.M., daß die Enzyklika ‘Deus caritas est’ von Papst Benedikt XVI. in herkömmlicher Rechtschreibung geschrieben und vom Vatikan auch so veröffentlicht worden sei.

Die Deutsche Bischofskonferenz habe das Lehrschreiben hingegen in einer konvertierten Fassung verbreitet.

Der Text der Enzyklika bestehe – ohne Anmerkungen – aus etwa 14.100 deutschen Wörtern.

Die von den Deutschen Bischöfen reformierte Version enthalte 172 „neue“ ss, davon allein 107 „dass“. Darüber hinaus seien zwölf weitere Schreibungen verändert worden.

Damit habe die nachträglich durchgeführte Reform insgesamt zur Veränderung von 1,3 % aller Wörter oder Wortformen geführt. Dabei würden 93 % der Änderungen auf die ss-Schreibung zurückgehen.

Die orthographische Konvertierung der Enzyklika sei mit vergleichsweise großer Sorgfalt durchgeführt worden. Trotzdem findet der Kommentator noch Fehler im verbesserten Text.

Die Getrenntschreibung „hinein genommen“ oder drei stehengebliebene Zusammenschreibungen – zum Beispiel „Hoheslied“ – würden nicht den Reformregeln entsprechen.

„In Texten orthographisch unsicherer Autoren kann der Anteil der Übergeneralisierungen und weiterer reformbedingter Fehler deutlich höher liegen; hinzu kommen dann gewöhnlich ss-Fehler, von denen die Enzyklika frei ist“, heißt es im Kommentar.

Auch bei den Trennungen gibt es einige Schönheitsfehler:

„Im Falle der Enzyklika sind von elf reformgemäßen Trennungen fünf – auszudrü|cken, Exis|tenz usw. – zwingend so vorgeschrieben, die anderen sechs – heb|räisch, da|rüber usw. – sind es nicht.“

Meint ein anderer reformkritischer Kommentator auf der gleichen Seite:

„Jetzt fehlt nur noch der päpstliche Segen »Urbi et Orbi«, der den Sprachzerstörern den vollkommenen Ablass ihrer Sünden gewährt!“
      
22 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#22   Romulus   20:54:53 | Dienstag, 7. März 2006
@Ansgar
Sie haben es richtig bemerkt, Ansgar. Ayumu hat keine Ahnung :-) Wir sollten ihn bei seinem Glauben lassen. :-))
Redaktion benachrichtigen
#21   Christin   15:26:47 | Dienstag, 7. März 2006
Kein Wunder bei der dauernd sich ändernden Rechtschreibreform:
Ich hab keine Fehler bemerkt.
Wer Fehler findet darf sie behalten.
Wer fehlerlos ist werfe den ersten Stein!
Redaktion benachrichtigen
#20   Ansgar   13:20:33 | Dienstag, 7. März 2006
@ Ayumu
Luther – Spätmittelalter? Sie sind wohl noch im Proseminar. Selbst großzügige Epochenmarkierungen lassen das Spätmittelalter 1517 enden. Luther übersetzte die Bibel 1521. Also in der Frühen Neuzeit, junger Freund. Eine Sprachreform war das trotzdem nicht, eher Ansätze einer Normierung. Die Reformen begannen ein Jahrhundert später mit den sog. Sprachgesellschaften, allen voran der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ um Martin Opitz.
So, möge dieses kleine Privatissimum fruchtbringend für Sie sein. Glückauf, mit etwas Fleiß schaffen Sie es!
Redaktion benachrichtigen
#19   Ayumu   12:08:56 | Dienstag, 7. März 2006
Ach, Ansgar.
Mit welcher Note haben Sie denn ihr Magister bestanden? :-D Dann solltest Sie doch noch mal genauer lesen. Martin Luther hat im Spätmittelalter das Meißner Deutsche als Standardsprache eingeführt und es somit zu einer Normung der deutschen Schriftsprache gebracht. Das zählt offziell, nach Peter Ernst et al., als Normung und Reform. Aber das war ja schließlich der böse Luther, also wird es für sie ja so oder so nicht interessieren.
Redaktion benachrichtigen
#18   Sirilo   12:02:21 | Dienstag, 7. März 2006
@Romulus
„Die sogenannte Rechtschreibreform war der Versuch linker Phantasten die Identifikation mit der Schriftspache zu zerstören. (…) Es sei daran erinnert, dass die DDR mal vorhatte, die Groß- und Kleinschreibung abzuschaffen.“
Einspruch, Euer Ehren! Die RSR stammte nicht von „linken Phantasten“, sondern von einer Kommission aus kultusministerialen Bürokraten und sogenannten Rechtschreibdidaktikern. Die Phantasten (Schriftsteller, Journalisten, Publizisten) gleich welcher Couleur wurden überhaupt nicht gefragt.
Und der Vorschlag zur Einführung der sog. „gemäßigten“ Kleinschreibung stammte von derselben Kommission, allerdings einige Jahre früher. Der damalige Reformvorschlag wurde in der Öffentlichkeit abgelehnt. Da die Kommission leider nicht rechtzeitig aufgelöst wurde, tüftelte sie einen neuen Vorschlag aus, eben die seit einem Jahrzehnt diskutierte RSR, und die enthielt auf einmal mehr Großschreibung als früher…
Redaktion benachrichtigen
#17   Ansgar   10:21:38 | Dienstag, 7. März 2006
@ Ayumu
Geben Sie Ihr Studium auf, Ayumu. Im Mittelalter hat es niemals „Rechtschreibreformen“ gegeben.
Fakultäten-Gruß, Ansgar M.A. (Germanist)
P.S. Mir fällt auf, daß Sie die kreuz.net-Gemeinde schon wiederholt mit solchen Postulaten für dumm verkaufen wollten. Lassen Sie das.
Redaktion benachrichtigen
#16   Ayumu   00:19:46 | Dienstag, 7. März 2006
@Romulade
Ein Werk linker Phantasten? Ach, jetzt kommt wieder die allwissende Essenz aus Ihrem Gehirn. Rechtschreibreformen gibt es schon seit dem Mittelalter. Und genau diese haben es möglich gemacht, dass Sie ihren Nachbarn 100 Kilometer weiter auch verstehen. Eine Normung der Sprache wird es immer geben müssen – auch wenn sie vielleicht nicht immer ganz gelingt und es nicht jedem Recht machen kann. Das hat absolut nichts mit irgendwelchen politischen Ausrichtungen zu tun. Aber Sie scheinen ja die deutsche Sprache bis ins kleinste Detail studiert zu haben. Deshalb werde ich wohl mein Germanistikexamen abgeben und mich ergeben vor ihrem Allwissen beugen.
Redaktion benachrichtigen
#15   Evelin   00:18:53 | Dienstag, 7. März 2006
@ efrinn
… gestern der „vorauseilende Gehorsam“, heute die „Fehlbarkeit des Papstes“: was ist in kreuz.net gefahren? Das sind zwei redaktionelle Verfehlungen.
Keineswegs! Lesen Sie doch einfach wieder im Diskussionsstrang zu Mutter Theresa nach!
Bei der dritten Verfehlung wird der Newsletter gekündigt, frei nach der kreuz.net-Etikette:„Nach der dritten Verfehlung wird der betreffende Kommentarschreiber für einen Monat gesperrt…“
Furchtbar, wir kränken uns schon vorbeugend „sehr“…:-)
Redaktion benachrichtigen
#14   Aurelius   23:46:48 | Montag, 6. März 2006
Romulus
„Ich habe in Leipzig liebe genossen.“ –-> Hat zweierlei Bedeutung:
a) Ich habe in Leipzig liebe Genossen. b) Ich habe in Leipzig Liebe genossen.
Diese ganzen Beispiele, die gerne herangozogen werden, um zu zeigen, daß Groß- und Kleinschreibung notwendig zum Verständnis sind, sind, mit Verlaub, ganz großer Schwachsinn, da sie erstens konstruiert und zweitens aus dem Zusammenhang gerissene Einzelsätze sind.
„der kleine floh aus Ägypten“
Das von Ihnen zitierte Beispiel hat zumindest noch einen gewissen Unterhaltungswert.
Andere Sprachen kommen auch ganz gut ohne Groß- und Kleinschreibung aus.
Redaktion benachrichtigen
#13   efrinn   22:34:54 | Montag, 6. März 2006
kreuz.net-Verfehlungen
… gestern der „vorauseilende Gehorsam“, heute die „Fehlbarkeit des Papstes“: was ist in kreuz.net gefahren? Das sind zwei redaktionelle Verfehlungen.
Bei der dritten Verfehlung wird der Newsletter gekündigt, frei nach der kreuz.net-Etikette:„Nach der dritten Verfehlung wird der betreffende Kommentarschreiber für einen Monat gesperrt…“
Redaktion benachrichtigen
#12   Romulus   21:21:40 | Montag, 6. März 2006
Rechtschreibreform
Die sogenannte Rechtschreibreform war der Versuch linker Phantasten die Identifikation mit der Schriftspache zu zerstören. Geblieben ist jede Menge Verwirrung. Es sei daran erinnert, dass die DDR mal vorhatte, die Groß- und Kleinschreibung abzuschaffen. Als sie dann folgenden Satz lasen, haben sie es lieber gelassen:
„Ich habe in Leipzig liebe genossen.“ –-> Hat zweierlei Bedeutung:
a) Ich habe in Leipzig liebe Genossen. b) Ich habe in Leipzig Liebe genossen.
Das war dann doch zu peinlich.
Redaktion benachrichtigen
#11   MariaGoretti   20:54:06 | Montag, 6. März 2006
Nicht zu fassen
Hat die Deutsche Bischofskonferenz keine anderen Probleme als die Rechtschreibung in der wunderbaren Enzyklika? Wen interessiert denn die Rechtschreibung, wenn der Papst ein Lehrschreiben verfasst?
Die Deutsche Bischofskonferenz täte besser daran, den Inhalt unters katholische Volk zu bringen und dafür zu sorgen, dass sich die Gläubigen danach richten als sich in solchen Lächerlichkeiten aufzuhalten.
Aber das passt!
Redaktion benachrichtigen
#10   Fabianus   20:52:09 | Montag, 6. März 2006
Inhalt
Der Inhalt ist entscheidend, nicht die Rumhampelei der DBK an der Rechtschreibung. Aber mit den Inhalten solcher Schreiben haben sie ja schon immer schwer getan, siehe Redemptionis Sacramentum. Man beschäftigt sich mit solchen Dingen anscheinend lieber, als die Inhalte tatsächlich zu verbreiten, wie man es erwarten könnte.
Hätte die Enzyklika ein Thema wie:„Jugendgottesdienste im Disco-Format“ zum Inhalt gehabt, wäre die inhaltliche Verbreitung sicherlich rasant gewesen.
Redaktion benachrichtigen
#9   Jörg Guttenberger, Köln   20:49:14 | Montag, 6. März 2006
Päpstliche Rechtschreibung
Warum darf der Papst nicht, wie jede deutsche Zeitung und jeder deutscher Verlag, für sich die Freiheit in Anspruch nehmen in Ablehnung der weitgehend unsinnigen Reform bei der alten Rechtschreibung zu bleiben?
Hat der Papst die DBK überhaupt zu ihren „Verbesserungen“ ermächtigt?
Redaktion benachrichtigen
#8   Salz der Erde   18:03:11 | Montag, 6. März 2006
Ist es wichtig?
Ich habe die Enzyklika gelesen und die Fehler haben mir überhaupt nicht gestört. Was ist daran schlimm wenn der Papst rechtschreiblich falsch schreibt ist der Sinn ein Anderer?
Ich kann auch den Papst verstehen. Er war schon so lange in Rom, hat vielleicht die eine oder andere Rechtschreibreform nie gelernt.
Redaktion benachrichtigen
#7   Willi   14:50:36 | Montag, 6. März 2006
Inhalte nicht Rechtschreibung!
Wen interessiert die deutsch Orthographie oder Rechtschreibung in der Enzyklika? Und wer setzt denn Deutschkenntnisse mit Unfehlbarkeit gleich? Wichtig sind doch die Inhalte(!), die vermittelt werden und nicht wie etwas heute geschrieben wird, was nach der nächsten Reform wieder falsch ist.
Redaktion benachrichtigen
#6   Rudolphus   14:48:57 | Montag, 6. März 2006
@Elendester Sünder
In der Großschreibung war es sowieso immer schon Doppel-S.
Was ist eigentlich mit Tätowierungen in alter Orthographie?
Redaktion benachrichtigen
#5   Aurelius   14:21:34 | Montag, 6. März 2006
@ Tridentinus
Auch die Lateinische Version scheint nicht fehlerfrei zu sein. Dies fällt schon einfachen Gymnasiallehrern auf. Veterum sapientia…
Ich weiß nicht, ob ich Sie hier richtig verstanden habe.
„Veterum sapientia“ ist vollkommen in Ordnung.
„Veterum“ ist der Genitiv Plural des Substantives „vetus, veteris, n“. Im Plural bedeutet es soviel wie „alte Zeiten“ oder „die Alten,“ „die Vorväter.“ „Veterum sapientia“ heißt also entweder „die Weisheit der alten Zeiten“ oder die „Weisheit der Vorväter.“
Redaktion benachrichtigen
#4   Beobachterin   14:09:42 | Montag, 6. März 2006
schohn widär noie Rächtschraibunk
Jetzt kann die Deutsche Bischofskonferenz sich wieder an die Arbeit machen; inzwischen haben uns unsere Oberlehrer wieder eine andere Art der Rechtschreibung verordnet.
Das haben die Hohen Herren davon, sich dem Zeitgeist anzupassen. Hoffentlich ziehen sie eine Lehre daraus und halten sich künftig strikt an das, was der Papst schreibt. Dazu sind sie eigentlich auch verpflichtet.
Redaktion benachrichtigen
#3   Elendester Sünder   12:55:24 | Montag, 6. März 2006
Haß mit ss
Endlich wird Haß mit SS geschrieben. Man hatte früher beim Hauswandbekritzeln doch immer ein schlechtes Gewissen, weil es orthographisch nicht in Ordnung war.
Redaktion benachrichtigen
#2   Ansgar   11:16:43 | Montag, 6. März 2006
Was heißt…
: „auch nicht fehlerlos“? Die deutsche Fassung ist fehlerlos. Fehler haben die Kameraden von der BK ‘reingemacht.
Zitat: „Die Deutsche Bischofskonferenz habe das Lehrschreiben hingegen in einer konvertierten Fassung verbreitet.“
In der konvertierten Fassung? Köstlich.
Redaktion benachrichtigen
#1   Tridentinus   11:09:51 | Montag, 6. März 2006
Lateinische Version
Auch die Lateinische Version scheint nicht fehlerfrei zu sein. Dies fällt schon einfachen Gymnasiallehrern auf. Veterum sapientia…
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
Benedikt XVI.Der Papst ernennt neue Kardinäle Benedikt XVI.Neue Regeln schieben einen Riegel vor Benedikt XVI.Erklärungen aus erster Hand Benedikt XVI.Erste Reaktionen Benedikt XVI.Die erste Enzyklika: von Dante inspiriert Benedikt XVI.Im Osterurlaub geschrieben Benedikt XVI.Der Papst in einer schwarzen Soutane Benedikt XVI.Papst freigesprochen Benedikt XVI.Die Probleme des Konzils im Rückblick Benedikt XVI.Benedikt XVI. in den Fußstapfen von Johannes XXIII. Benedikt XVI.Die Erbsünde ist der Gifttropfen in der Seele des Menschen Benedikt XVI.Ins Fettnäpfchen gesprungen und dort ertrunken Benedikt XVI.Ehre wem Ehre gebührt? Benedikt XVI.Absolut nicht zentral Benedikt XVI.Das ging schnell
RSS Feed  •  News Ticker  •  Werbebanner  •  Visitenkarte  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net