18:01:13 | Montag, 6. März 2006
Im Bistum Fulda ist man eifrig dabei, Laien für die Abhaltung von sogenannten Wort-Gottes-Feiern auszubilden. Leider ist die Initiative nicht frei von kirchenpolitischen Hintergedanken.
(kreuz.net, Neuhof) In der Pfarrei Neuhof bei Fulda halten Laien Gottesdienste. Das ganze wird als „Pilotprojekt
»Lebendige Liturgie«“ verkauft.
Alles beginnt wie eine richtige Messe mit Glocken und brennenden Kerzen
am Altar. Doch als die kleine Glocke am Ausgang der Sakristei erklingt, zieht eine Frau in den Chorraum
ein und eröffnet einen Gottesdienst. Er nennt sich „Wort-Gottes-Feier“.
Die katholische Pfarrgemeinde
St. Michael in Neuhof hat sich zum Vorreiter eines Projekts zur Umsetzung des so genannten „Pastoralen
Prozesses“ im Bistum Fulda gemacht.
Neuhof liegt 15 km südwestlich von Fulda.
Zur Pfarrei unter der
Verantwortung von Pfarrer Bernhard Axt zählen auch die Filialgemeinden in den drei Neuhofer Ortsteilen
Dorfborn, Tiefengruben und Rommerz.
Im Herbst 2005 trafen sich erstmals zwölf Personen zusammen mit
Pfarrer Axt zur Konstituierung eines pfarrübergreifenden Arbeitskreises „Lebendige Liturgie“.
Vorausgegangen
war ein erster diözesanweiter Praxiskurs unter dem gleichnamigen Arbeitstitel „Lebendige Liturgie“. Dabei
wurden katholische Laien zur Leitung sogenannter „Wort-Gottes-Feiern“ ausgebildet.
Inzwischen ist bereits
der zweite Praxiskurs unter der Verantwortung der „Diözesanbeauftragten für die liturgische Ausbildung
von Laien im Rahmen des Pastoralen Prozesses“, Frau Dr. Maria-Regina Broj, im Bistum Fulda angelaufen.
Beim jüngsten Studientag Anfang Februar im Bonifatiuskloster Hünfeld sind mehr als 140 „Teilnehmerinnen
und Teilnehmer“ aus den Pfarreien der gesamten Region Fulda zusammengekommen.
Das Bistum Fulda gliedert
sich in die vier Regionen Hanau, Fulda, Kassel und Marburg.
Unter den Absolventen des Studientages befinden
sich Personen aller Alterstufen. Frauen bilden die Mehrheit.
„Es ist der bislang stärkste Studientag“,
bemerkt Frau Dr. Broj „mit Stolz“.
Dies zeige, daß die Gläubigen im Bistum Fulda die Zeichen der Zeit
erkannt hätten und „sich ihrer aus Taufe und Firmung erwachsenen Verantwortung bewußt“ seien, zeigt
sich Frau Broj überzeugt.
Unterstützt wird diese Ausbildung von Gottesdienstleitern auch von führenden
Mitgliedern des sogenannten „Fuldaer Kreises für eine offene Kirche“, beispielsweise vom Hünfelder Stadtpfarrer
Alfons Gerhardt, einem Gründungsmitglied des „Fuldaer Kreises“, der ähnliche Ziele verfolgt wie die
kirchenkritischen Initiativen „Kirche von unten“ und „Wir sind Kirche“.
Eine Kursteilnehmerin:
„Wir wollen
so die Gemeinde daran gewöhnen, daß es künftig Gottesdienste ohne Pfarrer geben kann.“
„Wir wollen so
die Gemeinde daran gewöhnen, daß es künftig Gottesdienste ohne Pfarrer geben kann. Dies wird umso bedeutungsvoller
sein, wenn nicht immer in der Woche die Eucharistie gefeiert werden kann. Dann können wir den Gemeindemitgliedern
‘Wort-Gottes-Feiern’ für die liturgische Zusammenkunft anbieten“, so eine Kursteilnehmerin.
Basierend
auf dieser Ausbildung ist nun in Neuhof als „Pilotprojekt“ ein pfarrübergreifender Arbeitskreis für
„Lebendige Liturgie“ aufgebaut worden.
Die Ergebnisse dieses Arbeitskreises werden
im Internet dokumentiert.
Verantwortlich für die Durchführung des Projekts zeichnet sich neben Pfarrer Axt der aus Neuhof-Rommerz
stammende Hanauer Klinikpfarrer Werner Gutheil.
Schon in der Urkirche sei es üblich gewesen, daß während
der Woche Laien „Wort-Gottes-Feiern“ leiteten, während sich die Gemeinde nur an Sonntagen „zum gemeinsamen
Brotbrechen mit einem Priester“ getroffen hätte, weiß Klinikpfarrer Gutheil zu berichten.
Daß die
Wertschätzung der Eucharistie vor diesem Hintergrund keine allzu große Rolle spielt, kann nicht sonderlich
verwundern.
Seit einigen Jahren gibt es Klagen über liturgische Sonderwege und Mißbräuche in der Neuhofer
„Pilotpfarrei“, die von der Fuldaer Diözesanleitung offenbar gerne überhört werden.
So sei es beispielsweise
unter der Verantwortung von Pfarrer Bernhard Axt üblich geworden, daß die Gläubigen am Gründonnerstag
die Kommunion unter beiden Gestalten empfingen.
Dabei tunkten die Kommunikanten die Heilige Hostie selber
in den Kelch mit dem Blut Christi und empfingen die eingetunkte Hostie mit der Hand.
Diese Praxis stellt
jedoch nicht nur ein Ärgernis dar, sondern widerspricht der kirchlichen Ordnung – auch dem Direktorium
der Diözese Fulda 2006 (Seite 56).
Pfarrer Axt ist zugleich geistlicher Leiter der sogenannten „Charismatischen
Erneuerung“ im Bistum Fulda.
In den in der Pfarrei Neuhof regelmäßig stattfindenden charismatischen
„Lobpreisgottesdiensten“ ist die Selbstbedienung beim Empfang der Hostie und das Eintunken in den Kelch
ebenfalls der Normalfall.
Vor diesem Hintergrund ist zweifelhaft, ob die dem Sakrament geschuldete Ehrfurcht
eingehalten wird und die Gläubigen in rechter Weise über den Sinn der Kelchkommunion unterwiesen werden.
Die römische Liturgie-Instruktion „Redemptionis Sacramentum“ vom 25. März 2004 bestimmt unter dem Punkt
104:
„Es ist dem Kommunikanten nicht erlaubt, selber die Hostie in den Kelch einzutauchen oder die eingetauchte
Hostie mit der Hand zu empfangen.“Bei der Kelchkommunion durch Eintauchen der Hostie dürfen die Gläubigen
das Sakrament also nur mit dem Mund empfangen.
Die ‘Allgemeinen Einführungen ins Römische Meßbuch’
bestimmen auch, daß es den Gläubigen freigestellt bleiben muß, nur den Heiligen Leib Christi zu empfangen
(Nr. 281-287).
Mit liturgischen Vorschriften nimmt man es in der „Pilotpfarrei“ St. Michael in Neuhof
also nicht so genau.
Ob die Ausbildung von Laien zu Gottesdienstleitern die in sie gesteckten Erwartungen
erfüllen oder gar zu einer geistlichen Erneuerung beitragen wird, kann zu Recht bezweifelt werden.
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