Weihnachten
„Syt willekomme heirre kirst“
Das älteste deutsche Weihnachtslied mit Notenschrift hat eine lange Tradition. Verfaßt wurde es im 14. Jahrhundert in einem goldenen Evangeliar, das niemand geringerem als einem Kaiser gehörte.
(kreuz.net/SISA, Aachen) Das älteste deutsche Weihnachtslied steht im ottonischen Evangeliar des Aachener Domschatzes. Noch heute singt man dieses uralte Lied, das eine unbekannte Hand im 14. Jahrhundert in das goldene Evangeliar Kaiser Ottos III. schrieb.

„Syt willekomme heirre kirst“ ist das älteste deutsche Weihnachtslied, das mit Noten verzeichnet ist. Viel älter freilich ist das Evangelienbuch selbst. Vor dem Jahre 1000 entstand es mit kunstvoller Feder durch die Mönche der Reichenau für den Kaiser, der das Evangeliar dem Aachener Stiftskapitel geschenkt hat.

Das alte Lied ist hinter dem Weihnachtsevangelium verzeichnet. Das hat seinen bestimmten Grund, denn durch die Jahrhunderte zogen die Schöffen der freien Reichsstadt Aachen in der Christnacht zum Dom, wo sie nach dem Evangelium eben jenes alte Lied anstimmten. Bis zur Franzosenzeit ist das so gewesen.

Noch „des Königlichen Stuhls und der Kaiserlichen freyen Reichs-Stadt Aachen Rathsund Staats-Kalender oder Schematismus auf das Jahr Christi 1794“ verzeichnet für den 25. Dezember: „Scheffen-Stuhl wohnet dem ersten Hoch- Amt um 4 Uhr Morgens in der Kron-Kirche bei“.

Es ist allerdings nicht anzunehmen, daß sich die Schöffen an Weihnachten 1794 tatsächlich zum heiligen Hochamt versammelt haben. Denn fünf Tage vorher hatten die revolutionären „Sansculotten“ im heutigen alten Kurhaus den „Tempel der Vernunft“ eröffnet. Längst war damals bereits das Bleidach des Aachener Münsters von den Horden der französischen Revolution abgedeckt und – wie Altarbilder, Wolf und Pinienzapfen, Proserpina-Sarkophag und die Karlsstatue des Marktbrunnens – nach Paris entführt worden.

Der Kalender war mit seinen gewohnten Eintragungen gerade noch in den wenigen Monaten erschienen, die zwischen dem ersten und dem zweiten Einmarsch der Franzosen lagen.

Der alte Brauch des Schöffengesanges in der Christnacht endete mit der freien Reichsstadtherrlichkeit Aachens, das Lied aber überdauerte die Zeiten und wird auch heute noch gesungen: „Sei uns willkommen, Herre Christ“ (GL 131):

Sei uns willkommen, Herre Christ,
der du unser aller Herre bist.

Sei willkommen lieber Herre,
hier auf Erden recht mit Ehren.
Kyrieleis.


© SINFONIA SACRA
      
Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
Weiterlesen:
WeihnachtenDas neueste liturgische Kombimöbel
RSS Feed  •  News Ticker  •  Werbebanner  •  Visitenkarte  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net