Benedikt XVI.
Der Papst vermißt die alten Lesungen
„Es hat mir ein bißchen leidgetan, daß man uns den Zusammenhang zwischen den Stationskirchen und den Meßlesungen genommen hat.“
(kreuz.net, Vatikan) Das jährliche Fastentreffen des Papstes mit dem römischen Klerus fand am letzten Donnerstag vormittag im Apostolischen Palast statt.

Am vergangenen Freitag publizierte der Vatikan ein neunseitiges Transkript der frei gesprochenen Worte des Papstes. Darin kam Benedikt XVI. auch auf die Auslegung des Zweiten Vatikanums zu sprechen.

Schon vor Weihnachten habe er erklärt, daß das Konzil nicht in einer Hermeneutik – Auslegung – des Bruches mit der Vergangenheit, sondern in einer Hermeneutik der Erneuerung und des Vorwärtsschreitens in Kontinuität verstanden werden müsse.

Eine solche Haltung scheine ihm auch in der Liturgie „sehr wichtig“ zu sein.

„Ich nehme ein konkretes Beispiel, das mir gerade heute bei einer kurzen Betrachtung über den Tag gekommen ist. Die Stationskirche von heute – Donnerstag nach Aschermittwoch – ist [die römische Kirche] San Giorgio [in Velabro].“

In Übereinstimmung mit der Gestalt des heiligen Soldaten St. Georg († 305) habe es in der früheren Stationsmesse des Tages zwei Lesungen gegeben, in denen es um zwei heilige Soldaten gegangen sei, erklärt der Papst mit Bezug auf das alte Missale Romanum von Papst Johannes XXIII.

„Die erste Lesung [im Alten Meßbuch] spricht von König Hiskija, der krank und dem Tode geweiht, weinend zum Herrn betet: „Gib mir noch ein wenig zu leben!“ Der Herr ist gut und gewährt ihm 15 weitere Lebensjahre. Es handelt sich folglich um eine schöne Heilung und um einen Soldaten, der sein Geschäft wieder aufnehmen kann.“

Das anschließende Evangelium berichtet – so der Papst – vom gläubigen Hauptmann mit seinem kranken Diener und enthält zwei Motive: das der Heilung und das des Kriegsdienstes für Christus.

Dagegen finde man in der aktuellen Liturgie zwei ganz verschiedene Lesungen, aus dem Buche Deuteronomium zum Thema „Wähle das Leben“ und aus dem Lukasevangelium zum Thema der Kreuzesnachfolge. Das Evangelium könne als Interpretation des Deuteronomiumstextes verstanden werden.

„Ich muß bekennen, daß ich die Liturgie immer sehr geliebt habe“, fährt der Papst weiter:

„Ich war in die Fastenliturgie mit den Stationskirchen und den Lesungen, die mit diesen Kirchen verknüpft sind, regelrecht verliebt. Das ist eine Geographie des Glaubens, die zu einer geistlichen Geographie der Pilgerfahrt mit dem Herrn wird.“

„Es hat mir ein bißchen leidgetan, daß man uns den Zusammenhang zwischen den Stationskirchen und den Lesungen genommen hat.“

„Heute sehe ich, daß gerade diese Lesungen sehr schön sind und das Programm der Fastenzeit zum Ausdruck bringen: das Leben wählen, das heißt, das Ja der Taufe erneuern, was eine Lebenswahl darstellt.“

„In diesem Sinn gibt es eine intime Kontinuität – scheint mir –, die wir aus diesem Beispiel – das nur ein winziges Beispiel im Bereich Bruch und Kontinuität ist – lernen können.

„Wir müssen die Neuheit annehmen, aber auch die Kontinuität lieben und das Konzil in dieser Optik der Kontinuität sehen. Das wird uns auch helfen, zwischen den Generationen und ihrer Weise, den Glauben weiterzugeben, zu vermitteln.“
      
10 Lesermeinungen
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#10   Hrodgar   14:28:13 | Mittwoch, 29. März 2006
@ Timpressum
09. März 2006 11:42timpressum:
„Kriegsdienst“ für Christus
*würg*
Ekeliges Vokabular – erinnert an Kreuzzüge, Waffensegnungen und ähnlichen Irrungen der Kirchen…
Wie der Papst schon sagte: Hermneutik der Kontinuität…
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#9   Toby   15:41:37 | Donnerstag, 9. März 2006
@ Robert Kethelhohn
Warum dieser sarkastische Unterton? Ich bin durchaus Realist.
Aber die Frage der kirchenpolitischen Durchsetzbarkeit von theolgisch in rechter Weise gewonnenen Einsichten muss doch erlaubt sein.
Man kann über Vieles auf einer akademischen Metaebene philosophieren, aber was nutzt das endlich, wenn man es in der pastoralliturgischen Praxis nicht erleben kann?
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#8   timpressum †   11:42:39 | Donnerstag, 9. März 2006
„Kriegsdienst“ für Christus
*würg*
Ekeliges Vokabular – erinnert an Kreuzzüge, Waffensegnungen und ähnlichen Irrungen der Kirchen…
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#7   Robert Ketelhohn   18:30:52 | Mittwoch, 8. März 2006
Fritzens Luftschlösser
Einige hier unterliegen offenbar dem Mißverständnis, der römische Bischof sei eine Art Puppenspieler, der bloß an den rechten Fäden zu ziehen brauche, und schon tanze Pinocchio nach seiner Weise, wende der Jordan sich rückwärts und hüpften die Berge wie Widder. – Träum weiter, Klein-Fritzchen.
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#6   Toby   17:35:22 | Mittwoch, 8. März 2006
Hervorragende Analyse Seiner Heiligkeit …
… aber was meinter mit der Aussage: Wir müssen die Neuheit annehmen, aber auch die Kontinuität lieben …?
Hinsichtlich der praktischen Umsetzung des Erkannten hapert es offenbar ein bisschen.
Auch in früheren Büchern Kardinal Ratzingers gab es schon vrtreffliche Analysen, ich denke da beispielsweise an das „Fest des Glaubens“ oder den „Geist der Liturgie“. In dem letztgenannten Buch hat er ganz vortreffliche Aussagen zur Zelebrationsrichtung gemacht.
Nur: Irgendwelche praktischen Konsequenzen haben die AUsführungen des Präfekten der Glaubenskongregation nie gezeitigt. Und nu isser Papst …
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#5   Rudolphus   17:20:53 | Mittwoch, 8. März 2006
@Sirilio
Diesen Eindruck könnte man manchmal tatsächlich haben, ob Seine Heiligkeit schon realisiert hat, daß Sie inzwischen selbst der Papst ist.
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#4   Sirilo   17:17:36 | Mittwoch, 8. März 2006
@Rudolphus
Kreuz.net freut sich sicher über Ihre Auffassung, daß Benedikt XVI. hier im kreuz.net-Forum mitliest.
Und Seine Heiligkeit ist Ihnen sicher dankbar für den Hinweis, daß er jetzt Papst ist. Womöglich hat er das bisher noch gar nicht gemerkt!
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#3   Rudolphus   16:27:00 | Mittwoch, 8. März 2006
@Papst Benedikt XVI.
Grüß Gott nach Rom, Heiliger Vater!
Vergessen Sie nicht: Sie sind jetzt Papst, nicht mehr Paul VI. oder Johannes Paul II.
Wir schreiben das erste Jahr IHRES Pontifikates, Sie erfreuen sich der absoluten Macht des Statthalters Christi auf Erden, Sie sind nicht mehr zweiter Mann, sondern der ERSTE Mann der Hl. Kirche Gottes auf Erden.
Wir schließen uns gerne Ihrer Klage an; derjenige, der etwas ändern kann, ist aber nur Eure Heiligkeit selbst.
Mit ergebensten Grüßen und der Bitte um Ihren apostolischen Segen!
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#2   Evelin   15:06:40 | Mittwoch, 8. März 2006
Ganz einfach
„Es hat mir ein bißchen leidgetan, daß man uns den Zusammenhang zwischen den Stationskirchen und den Lesungen genommen hat.“
Man zelebriere in der Fastenzeit in Rom den immerwährenden römischen Ritus.
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#1   Rocky   12:26:10 | Mittwoch, 8. März 2006
Klartext
Das ist Klatext über die echte Liturgiereform, wie sie von Pius X. bis Johannes XXIII. durchgeführt wurde! Hoffen wir, dass der Hl. Vater dem sog. „Messbuch 1962“ von Johannes XXIII. wieder jenen Platz, jene Ehre in der Kirche verschafft, wie das dem EÖMISCHEN Missale von Natur aus entspricht. Auch wenn der Hl. Vater sehr behutsam vorgeht – die gerade Linie in liturgicis ist nicht zu verkennen!
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