16:13:46 | Mittwoch, 8. März 2006
Auf dem letzten Konzil waren die Deutschen Bischöfe die Wortführer der damals siegreichen liberalen Illusion. Jetzt werden sie von der Wirklichkeit eingeholt. Ein Kommentar.
(kreuz.net) Die Kirchen ohne Geld und Gläubige, das Land ohne Gotteshäuser. Das ist der Tenor eines
März-Artikels von Christoph Lumme in der ‘Westdeutschen Zeitung’.
Die finanzielle Krise der christlichen
Konfessionen in Deutschland spitze sich dramatisch zu: „Allein in Nordrhein-Westfalen stehen hunderte
Kirchengebäude vor dem Aus.“
Was Lumme „finanzielle Krise“ nennt, ist nur der letzte Schritt einer jahrelangen
offenen Selbstzerstörung, die von den deutschen Bischöfen tatenlos geleugnet, schöngeredet und als
Chance, Aufbruch oder gar Erneuerung hingestellt wurde.
Kritiker, welche die illusionären Wolkenreiter
auf den Boden der Wirklichkeit zurückholen wollten, galten als eigentliche Staatsfeinde. Sie wurden verleumdet,
ausgegrenzt, lächerlich gemacht und als Vorgestrige in die Verbannung geschickt.
Besonders desolat sei
die Situation im Ruhr-Bistum Essen, weiß Lumme:
„96 seiner 355 Kirchen zwischen Duisburg und dem Sauerland
will Bischof Felix Genn bis 2008 schließen oder abreißen.“
Darunter befinde sich ein stadtbildprägender
historischer Sakralbau im Zentrum von Bochum –
die Marienkirche – sowie die bedeutende Heilig-Kreuz-Kirche
in Gelsenkirchen.
„259 Pfarreien sollen zu 42 Gemeinden mit bis zu 30.000 Mitgliedern zusammengeschlossen
werden.“
Nach einer 40jährigen geistigen und geistlichen Umnachtung der Kirche wird die bittere und
inzwischen unausweichliche Rechnung präsentiert.
Angesichts der zurückgehenden Zahl von Katholiken
und aktiven Priestern sowie drastisch gesunkener Kirchensteuereinnahmen sei man zum Handeln gezwungen,
heißt es aus den Diözesen.
Das stimmt. In der Kirche der Geschwister, der Mitbestimmung, der Mündiggewordenen
und der Befreiung vom alten Joch herrschen Zwang und Ausweglosigkeit.
Auch das Bistum Aachen werde seinen
derzeitigen Bestand von 924 Kirchen nicht halten können, weiß die ‘Westdeutsche Zeitung’: „Wir erwarten
in den nächsten sieben Jahren einen Rückgang der Kirchensteuern um 25 Prozent“, sagte ein Bistums-Sprecher.
„Im gleichen Umfang werden wir 25 Prozent der Gebäude dauerhaft schließen oder umnutzen müssen.“
Die ehrlichen Formulierungen aus Aachen klingen wie die Antithese zum ‘Katechismus der Katholischen Kirche’:
Die Kirche sei der Ort, wo „der Geist blüht“, werden dort die Kirchenväter zitiert.
Was für eine fromme
Illusion. In Aachen und weit darüber hinaus ist die Kirche der Ort, wo
die Kirchensteuer das gute und
das schlechte Wetter macht.
Selbst im finanziell besser gestellten Erzbistum Köln wurden in den vergangenen
15 Jahren 25 Kirchen zugesperrt.
Wie schlimm die Lage in Deutschland inzwischen ist, beweist die Tatsache,
daß sich sogar Politiker der ‘Grünen’ für entwidmete Kirchengebäude einsetzen. Der Grünen-Abgeordnete
und ehemalige Bauminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Michael Vesper, erklärte, daß „jede würdevolle
Nutzung“ in Betracht komme.
Wie erklärt die ‘Westdeutsche Zeitung’ die Lage?
„Die rigide Rotstift-Politik
ist der bisherige Höhepunkt einer seit Jahrzehnten andauernden massenhaften Abkehr der Deutschen von
den christlichen Konfessionen“, heißt es dort.
Das ist eine Feststellung, die sich ein Priester oder
kirchlicher Mitarbeiter noch heute nicht gefahrlos vor seinem Bischof oder in einer kirchlichen Runde
leisten könnte.
Was? War da defätistisch von Massenabfall die Rede?
Nach dem Zweiten Weltkrieg ging
jeder zweite Katholik regelmäßig in den Gottesdienst. Derzeit sind es gut 14 überalterte Prozente.
Noch trauriger ist die Situation bei den Protestanten. Dort zeigen sich noch 3,8 Prozent in den Gemeinden.
Welche Perspektiven hat da noch der Ökumenismus?
Vierzig Jahre nach Ende des Zweiten Vatikanums betonte
die Sprecherin des Bistums Essen:
„Wir stehen mit dem Rücken zur Wand.“
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
#7
Rocky 18:54:39 | Mittwoch, 8. März 2006
#6
k_c 18:50:54 | Mittwoch, 8. März 2006
#2
k_c 16:34:39 | Mittwoch, 8. März 2006