[ « 327 328 329 330 331 » ]
Mittwoch, 8. März 2006 13:29
Was denken Sie über den Hinduismus?
Im Jahre 1989 sprach Mutter Teresa von Kalkutta mit dem US-Wochenmagazin ‘Time’. Dabei sprach sie auch über ihr Verhältnis zur Mission und zu anderen Religionen.
Sel. Mutter Teresa von Kalkutta
Sel. Mutter Teresa von Kalkutta
(kreuz.net) Im September 1997 starb Mutter Teresa von Kalkutta. Sie hinterließ eine Kongregation mit 4.000 Schwestern, die in 123 Ländern tätig sind.

Time: Was haben Sie heute morgen getan?

Mutter Teresa: Ich habe gebetet.

Time: Wann haben Sie begonnen?

Mutter Teresa: Um 4.30 Uhr.

Time: Und nach dem Gebet?

Mutter Teresa: Wir versuchen während der Arbeit zu beten, indem wir die Arbeit mit Jesus, für Jesus, auf Jesus hin verrichten. Das hilft uns, unser ganzes Herz und unsere Seele in die Arbeit hineinzulegen. Die Sterbenden, die Krüppel, die psychisch Kranken, die Ungewollten, die Ungeliebten sind Jesus in einer versteckten Form.

Time: Die Menschen kennen Sie als eine Art religiöser Sozialarbeiter. Werden die geistlichen Grundlagen Ihrer Arbeit verstanden?

Mutter Teresa: Ich weiß es nicht. Aber ich gebe den Menschen eine Chance zu kommen und die Armen zu berühren. Jeder muß das erfahren. So viele junge Menschen verlassen alles, um genau das zu tun. Das ist etwas völlig Unglaubliches in dieser Welt, nicht wahr? Und dennoch ist es wundervoll. Unsere Freiwilligen kehren als andere Menschen zurück.

Time: Macht die Tatsache, daß Sie eine Frau sind, Ihre Botschaft besser verständlich?

Mutter Teresa: Ich habe nie so gedacht.

Time: Aber glauben Sie nicht, daß die Welt besser auf eine Mutter anspricht?

Mutter Teresa: Nicht wegen mir sprechen die Menschen an, sondern wegen dem, was wir tun. Früher sprachen die Leute viel über die Armen. Aber jetzt sprechen die Menschen mehr und mehr zu den Armen. Das ist ein großer Unterschied. Das hat unsere Arbeit bewirkt. Die Gegenwart der Armen ist jetzt bekannt, besonders die Gegenwart der Ärmsten der Armen, der Ungewollten, der Ungeliebten, um die sich niemand kümmert. Vorher kümmerte sich niemand um die Menschen auf der Straße. Wir haben 54.000 Menschen von den Straßen Kalkuttas aufgelesen und 23.000 sind in diesem einen Zimmer [in Kalighat] gestorben.

Time: Warum waren Sie so erfolgreich?

Mutter Teresa: Jesus hat sich selber zum Brot des Lebens gemacht, um uns Leben zu geben. Das ist der Ort, wo wir den Tag mit der Messe beginnen. Und wir beenden den Tag mit der Anbetung des Allerheiligsten. Ich glaube nicht, daß ich diese Arbeit auch nur eine Woche lang tun könnte, wenn ich nicht jeden Tag vier Stunden beten würde.

Time: Demütig wie Sie sind, muß es eine außerordentliche Angelegenheit sein, in der Welt ein Werkzeug der göttlichen Gnade zu sein.

Mutter Teresa: Aber es ist Sein Werk. Ich glaube, Gott will seine Größe zeigen, indem Er das Nichts benützt.

Time: Sind Sie ein Nichts?

Mutter Teresa: Ich bin mir dessen gewiß.

Time: Glauben Sie, daß Sie keine besonderen Qualitäten besitzen?

Mutter Teresa: Das glaube ich nicht. Ich beanspruche keinen Teil der Arbeit für mich. Das ist Sein Werk. Ich bin wie ein kleiner Bleistift in Seiner Hand. Das ist alles. Er sorgt für das Denken. Der Bleistift muß nur die Erlaubnis bekommen, gebraucht zu werden. Nach menschlichen Maßstäben sollte unser Werk eigentlich keinen Erfolg gehabt haben, nicht? Das ist alles ein Zeichen, daß es Sein Werk ist und daß er andere als Werkzeuge benützt – alle unsere Schwestern. Keiner von uns hätte das hervorbringen können. Und trotzdem. Schauen Sie, was Er geleistet hat.

Time: Was ist das größte Geschenk Gottes für Sie?

Mutter Teresa: Die armen Menschen.

Time: Wie sind sie ein Geschenk?

Mutter Teresa: Ich habe durch sie die Möglichkeit, 24 Stunden pro Tag mit Jesus zu sein.

Time: Hier in Kalkutta haben Sie eine wirkliche Änderung hervorgebracht?

Mutter Teresa: Das glaube ich. Die Menschen sind sich der Gegenwart bewußt und auch viele, viele, viele Hindus arbeiten mit uns zusammen. Sie kommen und pflegen die Leute. Sie dienen den Menschen. Jetzt sehen wir nie eine sterbende Person auf der Straße. Das hat ein weltweites Bewußtsein für die Armen erzeugt.

Time: Haben Sie darüber hinaus, daß Sie der Welt die Armen gezeigt haben, der Welt auch eine Botschaft vermittelt, wie man mit den Armen arbeiten soll?

Mutter Teresa: Wir müssen ihnen das Gefühl geben, geliebt und gewollte zu sein. Sie sind Jesus für mich. Daran glaube ich viel mehr als daran, für sie große Dinge zu tun.

Time: Was ist Ihre größte Hoffnung hier in Indien?

Mutter Teresa: Allen Jesus zu geben.

Time: Aber Sie evangelisieren nicht im üblichen Sinn des Wortes.

Mutter Teresa: Ich evangelisiere durch meine Liebeswerke.

Time: Ist das der beste Weg?

Mutter Teresa: Für uns ja. Für jemanden anderen etwas anderes. Ich evangelisiere so, wie Gott es für mich will. Jesus sagte: Geh und verkündige allen Nationen. Wir sind jetzt in so vielen Nationen und predigen das Evangelium durch unsere Liebeswerke. „Durch die Liebe, die ihr füreinander habt, werden sie erkennen, daß ihr meine Jünger seid.“ Das ist unsere Predigt und ich glaube, das ist realer.

Time: Einige unserer Freunde sagen, daß Sie enttäuscht sind, daß Ihr Werk in diesem großen hinduistischen Land nicht mehr Bekehrungen hervorgebracht hat.

Mutter Teresa: Die Schwestern [Missionarinnen der Nächstenliebe] denken nicht darüber nach. Sie wollen nur das Wort Gottes verkündigen. Zahlen haben damit nichts zu tun. Aber die Leute setzen das Gebet in die Tat um, indem sie kommen und den Menschen dienen. Ständig kommen Leute, um zu pflegen und zu dienen. Es sind so viele. Gehen Sie und sehen Sie selber. Überall helfen Leute. Wir kennen die Zukunft nicht. Aber die Türe ist bereits für Christus offen. Es mag vielleicht auf diese Weise keine große Konversion geben, aber wir wissen nicht, was in den Seelen geschieht.

Time: Was denken Sie über den Hinduismus?

Mutter Teresa: Ich liebe alle Religionen, aber ich bin in meine eigene verliebt. Keine Diskussion. Das ist es, was wir ihnen beweisen müssen. Wenn sie sehen, was ich tue, dann verstehen sie, daß ich in Jesus verliebt bin.

Time: Und sie sollten auch Jesus lieben?

Mutter Teresa: Natürlich, wenn sie Frieden wollen, wenn sie Freude wollen, dann müssen sie Jesus finden. Wenn die Menschen durch unsere Liebeswerke bessere Hindus, bessere Moslems, bessere Buddhisten werden, dann wächst etwas anderes in ihnen. Sie kommen näher und näher zu Gott. Wenn sie näher kommen, dann müssen sie wählen.

Auszug aus einem Interview mit Mutter Teresa, das 1989 von Edward W. Desmond für das ‘Time Magazine’ durchgeführt wurde. Teile davon erschienen im ‘Time Magazin’. Das volle Interview wurde in der Wochenzeitung ‘The National Catholic Register’ publiziert.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 39 Lesermeinungen:
Dienstag, 14. März 2006 21:00
Athanasius: Proselytismus…
…oder Mission?

Aus der Enzyklika schlussfolgere ich nicht, dass die Bekehrung Andersgläubiger in der ‘Konzilskirche’ nicht länger verpflichtet ist, wie Neo-Katholik Höck. Ich schlussfolgere lediglich, dass man Nächsten nicht nur deswegen charitativ wohltun muss, um ihre Seelen zu „gewinnen“, sondern dieses Liebeswerk soll ohne Wenn und Aber für einen jeden geschehen.

Dennoch entbehrt eines der Enzyklika: die wahre Liebe für den Mitmenschen ist vor erst, ja vor der materiellen Hilfe, die geistliche Hilfe, also der katholische Unterricht und die erfolgende Bekehrung zur hl. römisch-katholischen Kirche. St. Vincent a Paulo bekehrte auf der Strasse, während er zugleich wohltat.

Mutter Teresa war aber vom Ökumenismus verwirrt und übergab sich sogar synkretistischen Initiativen, die sehr gefährlich sind. Ein besserer Hindu kommt nicht in den Himmel, denn Pelagianismus können wir Katholiken uns nicht leisten. Nicht nur die Werke rechtfertigen, sondern vorerst der GLAUBE!
Freitag, 10. März 2006 11:33
_xyz_: Caritas und Proselytismus
Danke, Ansgar u.Tradiland , für den Hinweis auf die Nobelpreisrede! Vielleicht ist auch der folgende Passus aus der jüngsten Enzyklika bedenkenswert:

„Außerdem darf praktizierte Nächstenliebe nicht Mittel für das sein, was man heute als Proselytismus bezeichnet. Die Liebe ist umsonst; sie wird nicht getan, um damit andere Ziele zu erreichen. Das bedeutet aber nicht, daß das karitative Wirken sozusagen Gott und Christus beiseite lassen müßte. Es ist ja immer der ganze Mensch im Spiel. Oft ist gerade die Abwesenheit Gottes der tiefste Grund des Leidens. Wer im Namen der Kirche karitativ wirkt, wird niemals dem anderen den Glauben der Kirche aufzudrängen versuchen. Er weiß, daß die Liebe in ihrer Reinheit und Absichtslosigkeit das beste Zeugnis für den Gott ist, dem wir glauben und der uns zur Liebe treibt. Der Christ weiß, wann es Zeit ist, von Gott zu reden, und wann es recht ist, von ihm zu schweigen und nur einfach die Liebe reden zu lassen. Er weiß, daß Gott Liebe ist (vgl. 1 Joh 4, 8) und gerade dann gegenwärtig wird, wenn nichts als Liebe getan wird.“ (Benedikt XVI: Deus Caritas est)
Freitag, 10. März 2006 11:09
Ansgar: @ Tradiland
Vielen Dank!
Das meiste an Ihren Beiträgen taugt wieder mal nichts, aber der Hinweis auf die Nobelpreisrede der Seligen hat mir gestern das Herz erfreut (und gleichzeitig schwer gemacht). Ich kannte die Rede bislang nicht. Wer diese berührenden Worte der heiligmäßigen Frau lesen will:

www.dadalos-d.org/deutsch/Vorbilder/ vorbilder/Theresa/nobelpreis.htm
Freitag, 10. März 2006 09:43
Höchst interessante Informationen, die Ihr unten stehendes Posting enthält! Es ist so, wie ich es vermutete: Je mehr man sich mit Mutter Theresa beschäftigt, um so klarer wird ihr subjektivistischer, relativistischer, ökumenistischer, interreligiosistischer und somit letztlich auch modernistischer Glaubensansatz.

Bei Vorhandensein eines Promotor Fidei („Advocatus Diaboli)“ wäre sie sicherlich nicht selig gesprochen worden.
Freitag, 10. März 2006 01:44
Pius X.: Selige?
Mutter Teresa war m.E. eine sehr fromme Frau. Solche Menschen gibt es aber in allen Religionen. Eine Seligsprechung ist nicht Glaubensverpflichtend. In dem Film, der anläßlich des Nobelpreises mit ihr gedreht wurde, sagt sie 2 Mal: Ich möchte ja nicht, daß die Mohamedaner, Hindus und Bhuddisten Christen werden, sondern daß sie bessere Mohamedaner, Hindus und Bhuddisten werden. Man hörte es im englischen Original und in deutscher Übersetzung. Mit Roger Schutz hatte sie bei dessen Besuch in Kalkutta ein Manifest herausgegeben (war im Fels veröffentlicht), wo sie die protestantische Gnaden- und Rechtfertigungslehre vorbrachte. Sie teilte mit eigener Hand die Kommunion aus, obwohl sie auf die Handkommunion schimpfte.
Donnerstag, 9. März 2006 23:26
Gotthard: ach Tradi
Wen du verehrungswürdig findest, ist mir ziemlich wurscht. Unsere Mutter Kirche hat Teresa von Kalkutta selig gesprochen. Punkt!!!!!!!!
Eine ganze nichtchristliche Nation war stolz auf diese Frau … jeder in Indien hat gewußt, dass sie eine Christin war. Jeder in Indien wußte was sie tat – und sie hat NIE ein Hehl aus den Quellen gemacht, aus denen sie gelebt und gehandelt hat… Es gab und gibt keine bessere Missionarin!
Alle Lesermeinungen anzeigen 33 weitere Lesermeinungen
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.
Copyright © 2008 kreuz.net