14:14:04 | Donnerstag, 9. März 2006
Verhütung und Abtreibung sind in Deutschland immer noch zwei unantastbare heilige Kühe. Doch auf ihren Hörnern wird der Staat in den sozialen Notstand transportiert.
(kreuz.net) Frank Schirrmacher (46) – Mitherausgeber der ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’ – veröffentlichte
jüngst ein Buch mit dem Titel: „Minimum. Vom Vergehen und Neuentstehen unserer Gemeinschaft“.
Es geht
darin um Ursachen und Folgen des Geburtenrückgangs, um die Mitschuld der Politik und um die Chancen der
immer weniger werdenden Deutschen, ihre Identität zu wahren.
Schirrmacher glaubt, daß sich die sozialen
Beziehungen der Deutschen zukünftig auf ein Minimum reduzieren und Frauen bei der Umorganisation der
Gesellschaft eine „alles entscheidende Rolle“ spielen werden.
Am Montag begann Schirrmacher mit einem
Vorabdruck und einem mehrseitigen Interview im Hamburger Wochenmagazin ‘Spiegel’ die Vermarktung seines
Buches.
Im Gespräch mit dem ‘Spiegel’ fragt Schirrmacher, wo das Geld geblieben ist, das sich Deutschland
dadurch gespart hat, daß weniger Kinder geboren wurden.
Die Antwort: „Es wurde in mehr Urlaub investiert,
in die Verringerung der Arbeitszeit, in den Konsum.“
Die damit verbundene Botschaft – Der Siegertyp ist
einer, der nicht teilt; wer abgibt, ist der blöde – sei ein verheerendes Signal:
„Menschen sind bereit,
Opfer zu bringen, aber sie sind nicht bereit, dann auch noch für objektiv blöd gehalten zu werden.“
Die heutigen Kinder würden jene, die im Alter von ihnen leben wollten, einmal zur Kasse bitten – vermutet
Schirrmacher:
„Wir haben mit einer der Urverfassungen der menschlichen Natur herumgespielt und aus dem
Kinderkriegen, das eigentlich eine tiefgreifende, elementare, menschliche und ganz individuelle Frage
ist, eine ökonomisch und lebenspraktische Vorteilsabwägung gemacht.“
Daß Menschen Kinder bekommen,
sei nur so lange ein Naturgesetz, wie die Zahl der Kinder, Geschwister, Cousins, Cousinen und gleichaltrigen
Freunde im Verlauf der Sozialisation des Kindes nicht unter ein bestimmtes Minimum sinke. Doch genau das
sei jetzt geschehen.
Frank Schirrmacher:
Wir wurden umprogrammiert. Das neue Programm heißt: „Weniger
Kinder!“
In Regionen mit wenigen Kindern bekämen solche Kinder auch wiederum weniger Kinder.
Das sei
ein staunenswerter Vorgang, der womöglich sogar einer biologischen Umprogrammierung entspreche: „Wir
haben jetzt ein völlig neues Programm im Kopf, das wir weitergeben, und das heißt: Weniger Kinder!“
Es gehe in der umprogrammierten Generation nicht mehr um eine Wertefrage. Vielmehr sei etwas verlernt
worden. Das werde Folgen haben.
„Wir lasten diesen wenigen nicht nur unsere Schulden auf, wir lassen
sie auch verwandtschaftlich allein, sie haben immer weniger Geschwister und Cousins, um sich die Lasten
zu teilen.“
Sie würden mit einer alternden Gesellschaft mit vielen Menschen konfrontiert sein, die nie
Kinder geboren haben und plötzlich Hilfe brauchen.
Diese Generation werde Schulden materieller und emotionaler
Art übernehmen müssen, die sie nicht gemacht hat. Sie sei dazu bestimmt, als wenige für die vielen
Alten zuständig zu sein.
Das bedeute, daß sie sich mindestens vierzig Lebensjahre lang Abhängigen
zu widmen habe: zuerst den eigenen Kindern, dann den Eltern.
Schirrmacher fragt sich, woher der dafür
nötige Altruismus kommen soll:
„Vor allem, da der nächste Verwandte dieser Kinder 30 Jahre älter sein
wird.“
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Kuni 23:14:06 | Freitag, 10. März 2006
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Ansgar 16:50:29 | Freitag, 10. März 2006
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Ansgar 13:18:28 | Freitag, 10. März 2006
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Sirilo 18:01:37 | Donnerstag, 9. März 2006
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Evelin 15:57:49 | Donnerstag, 9. März 2006
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MK28 15:47:46 | Donnerstag, 9. März 2006
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MK28 14:44:18 | Donnerstag, 9. März 2006