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Freitag, 10. März 2006 15:49
Was, Kinder haben wollen Sie auch?
Die deutschen Katholiken werden vermutlich schon bald verstehen, warum die Kirche erwerbstätige verheiratete Frauen früher als „begründungspflichtigen Sonderfall“ betrachtet hat.
(kreuz.net, Berlin) Wer meine, das Ideal der Mutter, die als Familienfrau zu Hause bleibe und sich um ihre Kinder kümmere, während der Mann sich um das Einkommen sorge, gehöre zum Wertesystem der katholischen Kirche, hat sich geirrt, berichtete die ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’ am 10. Februar 2006.

Drei Tage vorher war der Erzbischof von Berlin, Georg Kardinal Sterzinsky, in der Berliner ‘Katholischen Akademie’ auf Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) getroffen.

Kardinal Sterzinsky ist der Vorsitzende der „Kommission Ehe und Familie“ der Deutschen Bischofskonferenz.

Ein „zielsicherer Einwurf“ des Laienvertreters der deutschen Katholiken, Hans Joachim Meyer, habe den Kardinal bei dieser Gelegenheit aus der Reserve gelockt.

Meyer beklagte, daß die Kirche erwerbstätige Frauen viel zu lange als „begründungspflichtigen Sonderfall“ behandelt habe. Darum sei vielen Frauen das Wahlrecht zwischen Berufstätigkeit oder reiner Familienarbeit verwehrt geblieben.

In seiner Antwort habe sich Kardinal Sterzinsky gar nicht erst bemüht, dem Vorsitzenden des ‘Zentralkomitees der deutschen Katholiken’ zu widersprechen.

Zwar sei „das alte Modell“ über Generationen verbreitet worden, und sehr viele hätten sich damit wohlgefühlt, meinte der Kardinal nach Angaben der ‘Frankfurter Allgemeinen’.

Doch die Kirche habe nicht erst mit dem Auftreten der personifizierten Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Gestalt von Frau von der Leyen eine andere Position bezogen.

Kardinal Sterzinsky zitierte aus dem Stand ein Sozialwort der deutschen Bischöfe aus dem Jahr 1996.

Darin wird die Freiheit von Vätern und Müttern gefordert, Beruf und Familie nach eigenen Vorstellungen zu verbinden: „Ob sich das schon ausreichend herumgesprochen hat, weiß ich nicht“, fügte der Kardinal hinzu.

Für die Erfüllung der familiären Pflichten bot der Kardinal eine einfache Lösung. Auf die Ehepartner bezogen meinte er: „Die sollen das teilen, wie sie wollen.“

Selbst Betreuung vom ersten Lebensjahr an müsse „gar nicht schlimm“ sein.

Da blieb sogar der Familienministerin die Spucke weg.

An Kardinal und Publikum gerichtet meinte sie, daß achtzig Prozent der Frauen zwischen 25 und 40 Jahren inzwischen erwerbstätig seien:

„Es wird nicht die Frage sein, ob Frauen arbeiten, sondern nur, ob Kinder Teil ihres Leben sind oder nicht.“

Eine offensichtliche Schlußfolgerung, mit welcher der aufgeschlossene Kardinal aber vielleicht trotzdem nicht gerechnet hat.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 14 Lesermeinungen:
Montag, 13. März 2006 17:51
miroguh: @Stimme
Entschuldigung!
Montag, 13. März 2006 14:54
Kath.Net beschränkt wohl die Zeichenanzahl, …
(bitte die beiden Zeilen zusammenfügen, kath.net hat wohl auch eine Zeilenbegrenzung)


Bitte nicht immer „kath.net“ schreiben, wenn kreuz.net gemeint ist. Es besteht keinerlei Identität zwischen den beiden Internet-Webseiten.
Montag, 13. März 2006 14:20
miroguh: an Abu
Kath.Net beschränkt wohl die Zeichenanzahl, deswegen kompletter Artikel unter
http://www.wikiwelt.de/index.php/
Was%2C_Kinder_haben_wollen_Sie_auch
(bitte die beiden Zeilen zusammenfügen, kath.net hat wohl auch eine Zeilenbegrenzung)

Abu schrieb:
„„Uff“, muß ich erst einmal rufen, denn hier ist ja eine fröhliche Mehrheit beisammen, die den Kindern ihre Mama wünscht und nicht verschiedene Abstellgleise!“

Ich verstehe nicht ganz, worauf Du hinaus willst. Ich denke, jeder vernünftige Mensch ist für eine Kindererziehung, die den Kindern eine möglichst große Entfaltungsmöglichkeit und Chancengleichheit liefert. Nur, wie dies zu erreichen ist – darüber darf es natürlich verschiedene Meinungen geben.

„@miroguh: Die Folgen v.a. der kollektiven Fremdbetreuung kann man nachlesen bei Christa Meves, und zwar nicht i. S. eines Pamphletes aus reaktionärer Gesinnung, sondern gestützt von der empirischen Forschung. Selbst die FAZ hat in einem Leitartikel jüngst auf diese Erkenntnisse verwiesen. Kurz: Es schadet.“

Meinst Du diese Christa Meves?: http://www.christa-meves.de/
Auf ihrer Webseite konnte ich leider keinen Link zu einem anerkannten refereed Journal erkennen. Möglicherweise findet sich dies in ihren Büchern – die sind mir aber leider nicht zugänglich. Ich würde jetzt aber mal vermuten, daß es extrem schwierig sein dürfte, solche Thesen zu belegen. Du kennst nicht zufällig Untersuchungen in der Richtung?
Montag, 13. März 2006 10:44
Abu: @miroguh: Fremdbetreuungsfolgen
„Uff“, muß ich erst einmal rufen, denn hier ist ja eine fröhliche Mehrheit beisammen, die den Kindern ihre Mama wünscht und nicht verschiedene Abstellgleise!

@miroguh: Die Folgen v.a. der kollektiven Fremdbetreuung kann man nachlesen bei Christa Meves, und zwar nicht i. S. eines Pamphletes aus reaktionärer Gesinnung, sondern gestützt von der empirischen Forschung. Selbst die FAZ hat in einem Leitartikel jüngst auf diese Erkenntnisse verwiesen. Kurz: Es schadet.

Meines Erachtens muß ein Kind sich zu artikulieren wissen und es muß das wollen, bevor man es in andere Hände gibt. Und die Eltern haben die Pflicht zur Erziehung, nicht Deligierte. V.a. sollte man sein innerstes Gefühl nicht wegdrücken, das einem sagt: Das kleine Menschlein braucht Mama und Papa, Zuwendung, Vertrautheit, Fürsorge – Liebe.
Sonntag, 12. März 2006 16:27
miroguh: @Elendster Sünder
Elendster Sünder schrieb: „[…] Das Leben solcher Kinder endet nicht selten in Bahnhofstoiletten mit einer Spritze im Arm.“

Du kannst natürlich auf zitierfähige Untersuchungen verweisen, die
* nachweisen, wieviele Kinder um 14 Uhr ihr Mittagessen alleine einkaufen,
* zeigen, daß diese Kinder in Familien mit berufstätigen Müttern leben und
* die Wahrscheinlichkeit, daß diese Kinder drogenabhängig werden, signifikant höher ist als die anderer Kinder, darlegen.

Wenn Du Verweise hierzu hast, dann nenne bitte die Quellen. Ansonsten solltest Du Dir solche Zitate für den Stammtisch aufheben.

Viele Grüße,
Miroguh
Samstag, 11. März 2006 23:53
Pius X.: @Kardinal Sterzinsky
Im Herbst 1992 hat er in der Berliner Morgenpost ein von ihm kontrolliertes Interview gegeben, daß er das Frauenpriestertum bald wünscht. In der Folgeausgabe korrigierte er wohl wegen Einspruch Roms, er sei falsch zitiert worden: Er wolle das Frauenpriestertum erst ab 2000, im übrigen seien die Dogmen der kath. Kirche ja nicht glaubensverpflichtend.
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