09:38:05 | Freitag, 10. März 2006
In Eichstätt wartet man auf einen neuen Bischof. Gegenwärtig sind vor allem zwei Kandidaten im Gespräch. Oder sind es vielleicht vier?
(kreuz.net, Eichstätt) Gerüchte verdichten sich, daß die eiserne Regel, wonach jeweils eines der bayrischen
Bistümer von einem Benediktiner geleitet wird, auch dieses Mal eingehalten wird.
Seit dem
Weggang von
Bischof Walter Mixa nach Augsburg, ist die Diözese Eichstätt unbesetzt. Eichstätt ist das einzige Bistum
im deutschen Sprachraum, das eine Katholische Universität besitzt.
Bereits mehrfach hat sich Benedikt
XVI. – in seinem Wappen oder bei den päpstlichen Titeln – über alte Traditionen hingeweggesetzt.
Doch
im Fall von Eichstätt erwarten viele die Ernennung des Benediktiners und Professors für Kirchenrecht
in München, Pater Stephan Haering OSB, zum neuen Bischof.
Auch der Privatsekretär des Papstes, Mons.
Georg Gänswein, der am Kanonistischen Institut in München promoviert hat, sei angeblich klar für den
Benediktiner aus dem bayerischen Kloster Metten.
Ist es darum ein Zufall, daß Pater Haering im letzten
Oktober als direkt vom Papst ernannter Delegierter an der Bischofssynode über die Eucharistie teilnahm?
Diese Perspektiven mögen den Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild und schallenden Prediger, Mons.
Wilhelm Imkamp, nicht besonders freuen. Den promovierten Dogmengeschichtler, der Mitglied der Päpstlichen
Theologenakademie in Rom und wissenschaftlicher Berater der Heiligsprechungskongregation ist, kennt der
Papst noch aus römischen Tagen.
Doch das Blatt könnte sich noch wenden, da Mons. Imkamp am Aschermittwoch
eine überraschende Unterstützung aus dem linken Lager erhielt.
So las man auf den Seiten der
Eichstätter
Sektion des umstrittenen Vereins ‘Wir sind Kirche’ Informationen über den Monsignore, die sich in katholischen
Ohren wie eine Wahlempfehlung anhören.
Der Verein berichtet, daß sich viele Gläubige im Bistum Sorgen
machten, daß der Vatikan ihnen einen neuen, „kompromißlos traditionsorientierten Bischof“ vorsetzen
werde:
„Im Bistum Eichstätt wächst die Sorge, daß nach der Versetzung des stark traditions- und klerikerzentrierten
sowie polarisierenden Bischofs Dr. Walter Mixa ein Mann mit gutem Draht nach Rom zum Nachfolger bestimmt
wird, der dem vorkonziliaren Denken noch stärker verbunden ist.“
In einem Wort: Das Gerücht, daß Mons.
Dr. Wilhelm Imkamp Nachfolger von Bischof Mixa werden könnte, halte sich hartnäckig.
Die linke Wahlempfehlung
fährt weiter:
„Seit 1988 ist Imkamp (Jg. 1951) Wallfahrtsdirektor in Maria Vesperbild im Bistum Augsburg.
Dort macht er nicht nur durch wortgewaltige Predigten mit erhobenem Zeigefinger (‘katholischer Klartext’)
von der Kanzel auf sich aufmerksam, sondern auch durch Meßfeiern ohne Volksaltar aber mit Mundkommunion
und Kommunionpatene.“
Die Gruppe, die sich ‘Wir sind Kirche’ nennt, hat auch einige Presseartikel ausgegraben,
aus denen „etwas von der Persönlichkeit dieses Kirchenmannes“ erkennbar werde.
Das erste Beispiel stammt
aus der – wie sich ‘Wir sind Kirche’ ausdrückt – „rechtsradikalen“ Wochenzeitung ‘Junge Freiheit’ vom
9. April 2004. Dort werde Monsignore mit folgenden Worten gewürdigt:
„Wer in der Mahlfeier ein Gemeinschaftserlebnis
sucht, wer liturgische Selbstdarstellung von Priestern und Laien erleben oder eine aufgeweichte Bibelauslegung
hören will, ist in Maria Vesperbild fehl am Platz. Der Gottesdienst wird in Ehrfurcht und Würde gefeiert,
wobei der traditionellen Volksfrömmigkeit großer Raum zugestanden wird. Die Predigten von Monsignore
Imkamp sind realitätsnah, anschaulich und wortgewaltig. Vor allem aber bringen sie die Lehre der Kirche
ungekürzt zum Ausdruck.“Als nächste Quelle wird der ‘Münchener Merkur’ vom 28. Dezember 2003 zitiert.
Dieser erwähne Mons. Imkamps „gewiefte Wallfahrtsvermarktung“ und seine „wortgewaltige und geschickte“
Kanzelsprache:
„So modern und attraktiv die Verpackung, beim Inhalt kennt Monsignore keine Kompromisse.
»Katholischer Klartext« heißt sein Programm. So verweist er auf die segensreichen Wirkungen eines Ablasses
und empfiehlt immer wieder Beichte und Gebet.“Damit ist die Werbeeinschaltung des Vereins mit dem Namen
‘Wir sind Kirche’ nicht abgeschlossen.
Als nächster Zeuge wird die linkslastige, von den Schweizer Bischöfen
herausgegebene ‘Schweizerische Kirchenzeitung’ bemüht. Dort erschien im Jahr 1999 die Buchbesprechung
einer Konziliengeschichte, für die Mons. Imkamp einen Artikel beigesteuert hat.
Der Autor der Rezension
ist der Kapuzinerpater Nestor Werlen – nicht unbedingt die erste Adresse für jemanden, der ein gediegenes
und solides katholisches Urteil sucht.
Die Beiträge in der Konziliengeschichte zeichneten sich – so
Pater Werlen – durch eine seriöse und emotionslose Darlegung der Themen aus.
Doch mit der seriösen
und emotionslosen Darlegung ist es in dem Augenblick vorbei, als sich Pater Werlen dem Beitrag von Mons.
Imkamps zuwendet:
„Man wäre dankbar, wenn man das auch vom Beitrag von Wilhelm Imkamp über den »Modernismus
in Bayern« sagen könnte. Imkamp situiert die heutige Forschung über den Modernismus irgendwo zwischen
»unkritischer Lehramtsapologetik« und »simpler Rehabilitationshistoriographie«.
Man darf Imkamp bescheinigen,
daß er keineswegs der Versuchung erlegen ist, die Modernisten in Bayern zu »rehabilitieren«. Man hat
den Eindruck, er empfinde besondere Lust daran, diesen Theologen vor allem nachzuweisen, daß sie irgendwann
einmal geheiratet hätten. Es wäre aber ebenso aussagekräftig, wenn Imkamp sich der Frage gestellt hätte,
warum diese von der Kirche nicht immer sehr sanft behandelten Theologen diesen Weg gegangen sind“ – sorgt
sich der Rezensent um seine modernistischen Gesinnungsgenossen.
Anschließend zitiert der Verein ‘Wir-sind-Kirche’
in seinem Werbespot für Mons. Imkamp die in Würzburg erscheinende Zeitung ‘Die Tagespost’.
Diese habe
in der Ausgabe vom 24. Dezember 2003 die Predigten mit dem „erhobenen Zeigefinger“ als eine „Intensivkur
gegen Kirchenverdrossenheit“ hervorgehoben:
„Imkamps Predigten sind ein theologisch schlüssiges Kontrastprogramm
zur Selbstfixiertheit progressiver Theologen, denn sie zielen auf die Prärogative des Herrn im Leben
der Gläubigen ab – ein heikles und seltenes Gut im Mutterland der Reformation“.Dagegen habe sich ‘Die
Tagespost’ vom 3. Januar 2006 kritisch zu einer Stellungnahme von Mons. Imkamp zum Religionsunterricht
geäußert. Dieser soll gesagt haben:
„Wenn die Schüler nach mehreren tausend Religionsstunden über
nichtchristliche Religionen sehr viel wissen, die eigenen sieben Sakramente aber nicht kennen, dann muß
man sich fragen, ob nicht ein ernstes Defizit vorliegt.“
‘Die Tagespost’ fährt weiter:
„In einer Stellungnahme
erklärte der Leiter der Hauptabteilung Schulischer Religionsunterricht, daß nur Gymnasiasten in 13 Schuljahren
auf knapp 1000 Stunden kommen und Imkamp Behauptungen aufstellt, die er nicht belegen kann. Statt sich
zu informieren, diffamiert er die Bemühungen tausender, sich mühender ReligionslehrerInnen.“Nach dieser
ausführlichen Studie zur Person von Mons. Imkamp hält sich die Gruppe ‘Wir sind Kirche’ – niemand weiß,
wie viele Personen es in Wahrheit sind – befugt, die Schlußfolgerung für die Zukunft des Bistums Eichstätt
zu ziehen:
Dieses brauche einen Bischof, der die Zeichen der Zeit von heute und nicht die von vorgestern
erkenne.
Nicht starke Worte – Imkamp: „Klartext“ – seien gefragt, sondern „Verständnis suchen, den Menschen
zuhören und den Dialog praktizieren, nicht abkanzeln“.
Die Menschen suchten „weiterhin Orientierung
an Vorbildern, die von christlichen Tugenden, wie Barmherzigkeit, Bescheidenheit, Glaubwürdigkeit und
Wahrhaftigkeit reden und persönlich danach handeln“.
Der Bischof solle im Sinne des Wortes „Diener sein,
der Brücken baut und nicht als Herrscher polarisiert.“ Die oft zitierte Glaubenskrise der Kirche sei
vor allem eine „Glaubwürdigkeitskrise“.
Wie ein Blick ins Nachbarbistum Regensburg beweise, sei „ein
bekannter Dogmatiker mit guten Beziehungen nach Rom nicht deshalb schon als Bischof geeignet, genau so
wenig ist es ein Dogmenhistoriker und bekannter Wallfahrtsdirektor mit guten Beziehungen nach Rom“.
Die
„personelle Fehlentscheidung im Bistum Regensburg“ habe ‘Wir-sind-Kirche’ zum ungewöhnlichen Schritt
veranlaßt, „offen auf ein personelles Gerücht im Hinblick auf die Bischofsnachfolge zu reagieren“.
Es ist unklar, ob das Rennen mit dieser überzeugenden Analyse von ‘Wir sind Kirche’ entschieden ist.
Gut dialektisch könnte nämlich neben Mons. Imkamp und Pater Haering im Eichstätter Hintergrund ein
Kompromißkandidat auftauchen.
Ein solcher wäre zum Beispiel der Regens des Eichstätter Priesterseminars,
Dr. Josef Gehr, der – wie es heißt – aus vielen Gründen an einer beruflichen Veränderung interessiert
sei.
Hw. Gehr besitzt jedenfalls auch Querverbindungen zum Münchner Kanonistischen Institut und genießt
die Unterstützung des belgisch-österreichischen Säkularinstitutes ‘Das Werk’, das in der Vorarlberger
Ortschaft Thalbach beheimatet ist.
Im Fall, daß diese drei Kandidaten alle durchfallen, könnte sich
ein vierter freuen: der gegenwärtig glücklich regierende Diözesanadministrator, Dompropst Johann Limbacher.
Ihm könnte ein akademisch geschmückter Weihbischof zur Seite gestellt werden.
Damit wäre sowohl dem
pastoralen Anliegen der ländlichen Diözese als auch dem universitären Anspruch des Bischofssitzes Genüge
getan.
Die Kandidaten warten gespannt auf die Entscheidung.
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