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Samstag, 11. März 2006 08:56
Das nächste Opfer des Kirchensterbens
Die deutschen Dominikaner sind gezwungen, die Gebäude ihrer ehemaligen Hochschule in Walberberg bei Bonn endgültig aufzugeben. Bilder.
Außenansicht des Klosters Walberberg
Außenansicht des Klosters Walberberg
(kreuz.net, Bonn) In Deutschland fordert das Kirchensterben ein neues Opfer: das berühmte Dominikanerkloster St. Albert in Walberberg.

Der Ort Walberberg gehört zur Stadt Bornheim und befindet sich 15 Kilometer nordöstlich von Bonn.

Das Kloster der Dominikaner – eine ehemalige Burg – war 1924 vom damals blühenden Orden gekauft und seit 1926 zum Studienhaus der deutschen Provinz aufgebaut worden, das sich schnell einen internationalen Ruf erwarb.

Kreuzgang des Klosters
Kreuzgang des Klosters
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in Walberberg die „Kölner Leitsätze“ formuliert, welche die Basis für das erste Parteiprogramm der ‘Christlich Demokratischen Union’ darstellten.

Der Niedergang des Klosters begann nach dem Konzil. Schon in den 1970er Jahren wurde die Philosophisch-Theologische Hochschule wegen des massiven Rückgangs der Berufungen und der vielen Austritte aufgegeben.

Der Orden führte das Kloster als Bildungshaus und Tagungsstätte weiter.

Erst im Jahr 2002 wurden 2,3 Millionen Euro in die Modernisierung der Seminarräume und 100.000 Euro in die Renovierung der Kirche investiert.

Dann tauchten im April 2004 plötzlich Gerüchte auf, daß der Orden plane, den Gebäudekomplex abzustoßen. „Alles Quatsch“, antwortete damals Subprior Bernhard Venzke vor dem ‘Bonner General-Anzeiger’.

Eine Schließung würde 30 bis 60 Arbeitsplätze bedrohen, schätzen die erschreckten Walberberger im Gefolge des Gerüchtes.

Doch jetzt ist es definitiv. Am 9. März veröffentlichte Provinzial Hans-Albert Gunk OP eine Presseerklärung, in der er bekanntgab, daß das Provinzkonzil der Dominikanerprovinz Teutonia als Träger des Klosters Walberberg beschlossen hat, das Kloster Walberberg zum 31. Dezember 2007 zu schließen.

Die Aula des Bildungshauses
Die Aula des Bildungshauses
„Uns ist bewußt, daß damit eine seit den 1920er Jahren bestehende traditionsreiche und bedeutende dominikanische Präsenz zu Ende geht.“

Bis heute sei Walberberg für viele Menschen eine geistige und geistliche Heimat.

Im Hintergrund der Entscheidung steht der anhaltende Rückgang des kirchlichen Nachwuchses und die mangelnde Auslastung des Hauses.

Die Zimmer im Bildungshaus
Die Zimmer im Bildungshaus
Aus eigenen Mitteln sei das Kloster Walberberg mit seinen vielfältigen Gebäuden, Einrichtungen und Aufgaben auf Dauer nicht mehr zu tragen.

„Deshalb muß diese Entscheidung zu unserem großen Bedauern getroffen werden.“

Für die Laienmitarbeiter hofft man, sozialverträgliche Lösungen zu finden.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 18 Lesermeinungen:
Montag, 13. März 2006 15:26
Benedikt: @ Hrodgar
Vielleicht sollten Sie mal daran gehen, die alten Werte der Alten Sitte zu bedenken: Mäßigung

Jemanden wegen einer Philippika gleich mit Freisler gleichzusetzen ist auch nicht unbedingt ein Ausweis für Mäßigung.
Montag, 13. März 2006 11:31
sacerdos helveticus: Traditionalisten als Volksfreunde
Was den in Frage stehenden Text der Enzyklika „Notre charge apostolique“ von 1910 angeht, so hat der Hl. Piux X. in der Tat den Begriff „Traditionalisten“ verwendet.
Hier das Zitat: „car les vrais amis du peuple ne sont ni révolutionnaires ni novateurs, mais traditionalistes.“
Um zu verstehe, was er damit gemeint hat, müsste man den gesamten Text der Enzyklika analysieren.
Immerhin handelt es sich ja um eine päpstliche Verlautbarung über eine politische Angelegenheit und nicht eine Frage der Glaubenslehre.
Montag, 13. März 2006 09:14
Hrodgar: @Benedikt / Beobachterin
Nun, Nachdem ich Ihre Schreibweise deswegen kritisierte, weil sie klare Argumentation durch Verunglimpfung andersdenkender ersetze, haben Sie mir die Bestätigung gleich freihaus geliefert.

Gut, Beobachterin, möchten Sie sich noch inhaltlich auseinandersetzen und meine Aussagen inhaltlich kommentieren?
Ich denke, Sie würden ja gerne, mangels Argumentation können Sie nicht.
Von den 4 Punkten meiner Antwort auf Ihren Beitrag haen Sie zielsicher den unwichtigsten herausgekramt, und mir dessen Richtigkeit durch neuerliche Beschimpfungen bestätigt.

Vielleicht sollten Sie mal daran gehen, die alten Werte der Alten Sitte zu bedenken: Mäßigung, Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit, Würde…

Wie mein Vorredner sagte: Vor dem Gekeife eines verhöhnenden Anklägers nimmt sich Stille (oder ruhige Sachlichkeit) deutlich würdiger aus.
Sonntag, 12. März 2006 12:55
Dr. Otterbeck: Hallo, Benedikt,
wer hat denn diese Titel an F. und H. vergeben? Richterlicher Zynismus ist leider kein Privileg der totalitären Regime. Teile der gegenwärtigen Justiz in Dtld. huldigen einem impliziten Hegelianismus; man müsste allerdings lange forschen, um die ideengeschichtlichen Querverbindungen offenzulegen, die vielleicht zu dem Schluss führen, dass unser deutsches Vaterland keineswegs „säkular“ verfasst ist, sondern seinerseits einer komplexen Zivilreligion den Vorrang vor der Religiosität einräumt. Der „totale Staat“ hat zwar in Dtld. grundgesetzbedingt objektivierte Freiheitsrechte implantiert, doch in dieser demokratischen Gestalt den Totalitätsanspruch nicht aufgegeben. Namhafte Verfassungslehrer wie E.W. Böckenförde kritisieren von diesem Standpunkt aus auch heute noch das kirchliche Selbstverständnis, das mit sich selbst identischer ist (zwischen 1870 und 2005) als angesichts der nur sehr dürftigen zeithistorischen und staatsdoktrinären Kenntnis in Theologie und Kirche hier zur Kenntnis genommen wird. Wesentliche „Traditionalismus“-Probleme wurzeln weniger in der Fehlrezeption des „V 2“ als in der mangelnden Bereitschaft zu einer auch nur kursorischen Kenntnisnahme der Zeitgeschichte seit 1773 (Jesuitenverbot), zumindest seit 1914 (Bürgerkrieg der Monarchien, die diese Staatsidee für alle Zeiten ruiniert haben).
Sonntag, 12. März 2006 12:34
Benedikt: @ Beobachterin
Roland Freisler war der vorsitzende Richter am Volksgerichtshof, der gleichsam eine Art Revolutionstribunal der Nazis war. Er zeichnete sich durch übelste Beschimüfungen und Tirade gegenüber den Angeklagten aus, um diese zu demütigen und bloßzustellen. Neben dem geifernden Blutrichter wirkte die Stille der Angeklagten, den Galgen vor Augen aber würdiger, als sie es selbst jemals hätten sein können. Freisler wurde nach dem Krieg zusammen mit Heydrich mit dem netten Titel „verachtungswürdigster Charakter, den die Welt gekannt hat“ bedacht.

Fazit: Der Vergleich von Hrodgar ist übelster Schwachsinn.
Sonntag, 12. März 2006 09:14
Beobachterin: Nazikeulchen?
Ich kenne keinen Herrn Freisler und schon gar nicht seine Argumentation.

Es gibt allerdings Leute, die gewisse Leute (vermute, Freisler war ein Nazi), zu ihren Argumentationsinstrumenten brauchen.

Schäbig, das. Unterstes Niveau, aber heutzutage eben üblich.
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