Orden
Thomas von Aquin: Vorsicht
„Wir haben Vaterschaft, Autorität und Jüngerschaft abgelehnt, weil wir geglaubt haben, daß das unvereinbar ist mit der Würde des aufrechten Menschen.“
(kreuz.net, Wien) Im Februar des vergangenen Jahres verstarb in Mailand Mons. Luigi Giussani.

Mons. Giussani wurde als Gründer der Bewegung ‘Comunione e Liberazione’ – Gemeinschaft und Befreiung – zu einer führenden Gestalt des italienischen Katholizismus.

Anläßlich des ersten Todestages von Mons. Giussani versammelten sich Wiener Mitglieder seiner Gemeinschaft zu einem Gottesdienst. Er fand am 25. Februar in der Andreaskapelle des Erzbischöflichen Palastes statt und wurde von Christoph Kardinal Schönborn zelebriert.

Am Anfang seiner Predigt verglich Kardinal Schönborn Mons. Giussani mit dem Propheten Elia. Wie dieser habe er in einer Zeit, als der Himmel geschlossen schien, den Regen der Gnade wieder erbeten.

Der Kardinal spielte damit auf das reiche Apostolat von Mons. Giussani in der schwierigen Zeit nach dem Zweiten Vatikanum an.

Don Giussani habe viele junge Menschen zur Umkehr geführt. Aus dieser Umkehrbewegung seien viele vom Tod der Seele erlöst worden.

In einem Grußwort zum Jahrestag des Todes von Mons. Giussani habe der Papst kürzlich zu den Mitgliedern von ‘Gemeinschaft und Befreiung’ gesprochen:

„Es ist die Aufgabe seiner geistigen Kinder, auf seinen Spuren weiterzugehen, seiner Lehre zu folgen und stets in Gemeinschaft mit den Bischöfen und den anderen Gliedern der Kirche zu bleiben.“

Der Ausdruck „geistige Kinder von Don Giussani klinge nicht sehr emanzipiert“ – kommentiert Kardinal Schönborn.

Doch Christus sage im Evangelium: Laßt die Kinder zu mir kommen. Hindert sie nicht daran! Dieses „erschütternde Wort“ müsse der Kirche stets im Herzen brennen.

„Papst Benedikt nennt euch die geistigen Kinder von Don Giussani. Für mich als Alt-Achtundsechziger, der die 68er Generation selber gelebt hat, wäre das unmöglich gewesen, damals so d’accord zu sein“ – so der Kardinal:

„Wir haben Vaterschaft, wir haben Autorität, wir haben Jüngerschaft abgelehnt, weil wir geglaubt haben, daß das unvereinbar ist mit der Würde des aufrechten Menschen. Wir wollten Brüder sein, und haben vergessen, daß es keine Brüder und Schwestern ohne Eltern gibt.“

Doch Gott sei Dank habe der Herr in der Kirche Menschen erweckt, „die uns gezeigt haben, daß wir Brüder sein können und Schwester sein können, wenn wir Väter haben.“

Er habe viele Jugendliche während der Aufbahrung von Johannes Paul II. in Rom gefragt, warum sie bis 15 Stunden gewartet hätten um dann kurz am toten Papst vorbeizuziehen.

Er habe immer wieder die Antwort gehört: „Wir haben einen Vater verloren. Er hat uns so viel gegeben, geholfen, und wir wollen ihm noch einmal danken.“

Er dürfe diese Vaterschaft in der Form eines ganz persönlichen Bekenntnisses mitteilen, predigte Kardinal Schönborn weiter:

„Als junger Student in den 60er Jahren war für mich das, was der Geist der Ideologie uns eingeimpft hat, das Mißtrauen gegen jede Autorität. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich noch im Studium war. Augustinus: Vorsicht. Thomas von Aquin: Vorsicht. Eingeimpftes Mißtrauen gegen Autorität, verständlich aus der Nazizeit, der Mißbrauch der Autorität.“

Doch er sei dadurch zu einem Punkt geführt worden, wo er gemerkt habe, daß er nicht erwachsen werden oder Vaterschaft lernen könne, wenn er geistige Vaterschaft nicht annehme.

Mit Menschen wie dem Schweizer Theologen Hans Urs von Balthasar, Kardinal Joseph Ratzinger oder verschiedenen Dominikanern habe er damals entdeckt, wie wunderbar es sei, sich einem Meister, einem Vater anzuvertrauen und diese innere Resistenz aufzugeben, nicht um unmündig zu sein, nicht um naiv zu sein: „Das war immer unsere Angst.“

Es sei für ihn auch ideologisch eine Wende gewesen zu lernen, daß er vertrauen könne: „Ich kann wirklich vertrauen. Ich kann mich hingeben. Ich kann mich von jemandem prägen lassen und ich verliere dadurch nicht meine Freiheit, sondern ich werde selber sehen lernen, verstehen lernen, bereichert.“

„Und es waren Menschen wie Hans Urs von Balthasar und Kardinal Ratzinger, die uns damals das Vertrauen zurückgeschenkt haben.“

Er sei Mons. Giussani nur zwei Mal begegnet. Aber ein Mal sei es besonders unvergeßlich gewesen:

„Im Cortile San Damaso, im Hof des Päpstlichen Palastes kommt mir ganz allein ein etwas schwergehender älterer Priester entgegen. Es war Don Giussani. In der Mitte haben wir uns kurz gegrüßt.“

Don Giussani sei von einer Audienz mit dem Papst gekommen:

„Er hatte dieses kindliche Vertrauen dem gegenüber, dem er wie einem Vater vertraute. Aus diesem kindlichen Vertrauen heraus konnte er für viele Vater sein.“
      
15 Lesermeinungen
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#15   Dr. Otterbeck   08:39:28 | Dienstag, 14. März 2006
Demokratie und Autorität
Man wird der Autorität nicht mehr so folgen können wie vor 1914. Der epochale Bruch ist zu schwerwiegend. Das Problem allein an 68 festzumachen ist zu kurz gedacht. Denn dieses Jahr kam nicht aus dem Nichts, sondern ist eine späte Reaktion auf das Neuheidentum der Nazizeit, das in Dtld. noch fortdauert. Auch in Frkr. und Spanien geht dem Katholizismus die Unklarheit der polit. Verquickungen aus der 1. Hälfte des XX. Jh. noch nach, in milderer Weise in Italien. Man wird den Begriff der Autorität klären müssen: welche führt, welche verführt?
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#14   Frl.Ilse   16:19:40 | Montag, 13. März 2006
@Autroität und Vaterschaft?
Steht nicht bei Matthäus, dass Jesus seinen Jüngern verbietet, übereinander zu herrschen und Hierarchien auszubilden?
Steht nicht bei Matthäus an selbiger Stelle auch, sie sollen sich nicht mit „Vater“ anreden lassen, den dies gebühre nur Gott?
Habe ich die falsche Bibel – oder ist Jesus eigentlich eher auf der Seite der autoritätsskeptischen „68er“ zu finden?
Übrigens äußert sich Jesus in meinem Matthäus sehr kritisch über den „Tempelgroschen“ („Kirchensteuer“), diese Stelle wurde offenbar bislang schamhaft verschwiegen.
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#13   Dr. Otterbeck   13:20:10 | Sonntag, 12. März 2006
Mai 68
Zu Unrecht verteidigen die Tradi auf ihren Barrikaden Charles de Gaulle gegen den Zug der Zeit.
Sie müssten das Vatikanum II gegen seine Feinde verteidigen. Denn Roncalli und seine Nachfolger lehren, wie die Autorität des Evangeliums gelebt werden kann, obwohl die schlichte Autorität der überlieferten Obrigkeit als Vertrauensbasis der Gesellschaft 1914 von den Monarchien und 1939 ff. vom Totalitarismus für alle Zukunft delegitimiert wurde. Wir werden weder Charles de Gaulle exhumieren können und auch nicht Charles Maurras zur Ehre der Altäre erheben. Für Papst „Karol d.Gr.“ und ambrosianische Priester wie Don Luigi wird es aber bald so weit sein, dass ihr Charisma auch von Fernstehenden immer mehr anerkannt wird.
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#12   Sulpicius   22:38:32 | Samstag, 11. März 2006
@brandenburgis
Wer 1968 sich gegen die Autorität positionierte, stellte sich selbst unmittelbar in die Nazi-Tradition, die ja ebenfalls die Autorität angegriffen haben und beseitigten.
Ein sehr guter Gedankengang. Sollte man noch weiterverfolgen. Klar, die meisten 68er hatten Nazi-Väter. Von daher gibt es da eine gewisse Tradition…
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#11   jolie   22:34:05 | Samstag, 11. März 2006
es scheint mir auch
so zu ein, dass man sich auf den bischöflichen stühlen gerade so gibt, wie es mehrheitsfähig ist: mal antiautoritär, mal kindlich-fromm, mal 68er-kritisch.
wer durchschaut diesen schwindel?
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#10   Sulpicius   22:14:07 | Samstag, 11. März 2006
Genau
„Wir haben Vaterschaft, Autorität und Jüngerschaft abgelehnt, weil wir geglaubt haben, daß das unvereinbar ist mit der Würde des aufrechten Menschen.“
Das ist nach wie vor das Glaubensbekenntnis der meisten deutschsprachigen „Politiker“.
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#9   Gotthard   21:40:51 | Samstag, 11. März 2006
Hoffnung
Wenn Du Dich denn mal meditierend diesen brandenburgischen Größen öffnen würdest, hätte ich noch Hoffnung… aber nur so!
Ohne dieses Reifen an historischen Größen solltest Du Dich geschlossen halten.
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#8   Brandenburgis   20:55:13 | Samstag, 11. März 2006
Brandenburg
Zum Beweis dafür, daß Brandenburg keinesfalls unfruchtbar ist, habe ich gerade eine Passionsmeditation von Paul Gerhard hier eingestellt. Es soll keine Drohung sein, aber ich könnte mit derartigen brandenburgischen Qualitätsveröffentlichungen bis zum Jüngsten Tag fortfahren.
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#7   Gotthard   20:49:25 | Samstag, 11. März 2006
Brandenburg
War Brandenburg nicht die „Streusand-Büchse“ des heiligen römischen Reiches deutscher Nation?
Die Beiträge eines gewissen Herrn diesen nicks sind genauso unfruchtbar…
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#6   FioreGraz   20:49:20 | Samstag, 11. März 2006
@ottaviani
Da gebe ich dir mal recht, mir ist er auch zu schleimig.
LG
Fiore
PS: Ich halte König für einen der Größten
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#5   Brandenburgis   20:16:28 | Samstag, 11. März 2006
@wiener
Das finde ich sehr unhöflich. Ich bin betrübt!
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#4   ottaviani   20:13:56 | Samstag, 11. März 2006
der beschwichtigungshofrat im wiener erzbischöflichen palais
der beschwichtigungshofrat der zur zeit den stuhl des wiener oberhirten besetzt hält erzähl jedem was er hören möchte ich lebe hier in der erzdiözese der gute kardinal hat ein großes heilligtum seine ruhe er will nur mit jedem gut sein
der mann ist umso gefährlicher wenn er hier den irrlehrer hans wurst von altersheim-pardon- hans urs von balthasar der seine ganze mystik auf eine hysterikerin aufbaute,
als gut katholisch anpreißt da hätte man fast lieber den freimaurer freund kardinal könig zurück
ich dachte nicht daß ich das jemals schreiben würde
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#3   wiener   19:56:51 | Samstag, 11. März 2006
@ brandenburgis: gesülze?
Schönborns Gesülze von Vertrauen ist keinen Heller wert. Es ist eitles Gewäsch.
was die worte brandenburgis’ sind, verbietet die höflichkeit zu benennen.
aber eins sind sie auf jeden fall: unnötig, despektierlich und entbehrlich. bitte verschonen sie und künftig.
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#2   Brandenburgis   19:27:20 | Samstag, 11. März 2006
Vertrauen
Die Spinnereien der „68er“ hatten mit der Nazizeit und der „Schuld der Väter“ tatsächlich überhaupt nichts zu tun. Wer 1968 sich gegen die Autorität positionierte, stellte sich selbst unmittelbar in die Nazi-Tradition, die ja ebenfalls die Autorität angegriffen haben und beseitigten. Ihre Hetze gegen die „Reaktion“ und Kirche, das heißt die angestammten Autoritäten belegt das eindeutig. Sie konnten allerdings, wie üblich, auf den Vorleistungen der Demokraten aufbauen, die den NS-Verbrecher wunderbar den Weg gebahnt hatten. Noch in letzter Stunde war die Reichswehr bereit, den braunen Spuk zu stoppen, sie durften es dank SPD-Verhinderung nicht. Schönborns Gesülze von Vertrauen ist keinen Heller wert. Es ist eitles Gewäsch.
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#1   Giovanni   18:03:32 | Samstag, 11. März 2006
Apropos Vertrauen
Auf Wunsch von Kardinal Schönborn befindet sich seit dem 2. Febr. dieses Jahres im Stephansdom beim Franziskusaltar (im unmittelbaren Eingangsbereich) das Bild des „BARMHERZIGEN JESUS“ mit dem Schriftzug „Jesus ich vertraue Dir“
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