17:44:08 | Samstag, 11. März 2006
„Wir haben Vaterschaft, Autorität und Jüngerschaft abgelehnt, weil wir geglaubt haben, daß das unvereinbar ist mit der Würde des aufrechten Menschen.“
(kreuz.net, Wien) Im Februar des vergangenen Jahres
verstarb in Mailand Mons. Luigi Giussani.
Mons. Giussani
wurde als Gründer der Bewegung ‘Comunione e Liberazione’ – Gemeinschaft und Befreiung – zu einer führenden
Gestalt des italienischen Katholizismus.
Anläßlich des ersten Todestages von Mons. Giussani versammelten
sich Wiener Mitglieder seiner Gemeinschaft zu einem Gottesdienst. Er fand am 25. Februar in der Andreaskapelle
des Erzbischöflichen Palastes statt und wurde von Christoph Kardinal Schönborn zelebriert.
Am Anfang
seiner Predigt verglich Kardinal Schönborn Mons. Giussani mit dem Propheten Elia. Wie dieser habe er
in einer Zeit, als der Himmel geschlossen schien, den Regen der Gnade wieder erbeten.
Der Kardinal spielte
damit auf das reiche Apostolat von Mons. Giussani in der schwierigen Zeit nach dem Zweiten Vatikanum an.
Don Giussani habe viele junge Menschen zur Umkehr geführt. Aus dieser Umkehrbewegung seien viele vom
Tod der Seele erlöst worden.
In einem Grußwort zum Jahrestag des Todes von Mons. Giussani habe der
Papst kürzlich zu den Mitgliedern von ‘Gemeinschaft und Befreiung’ gesprochen:
„Es ist die Aufgabe seiner
geistigen Kinder, auf seinen Spuren weiterzugehen, seiner Lehre zu folgen und stets in Gemeinschaft mit
den Bischöfen und den anderen Gliedern der Kirche zu bleiben.“
Der Ausdruck „geistige Kinder von Don
Giussani klinge nicht sehr emanzipiert“ – kommentiert Kardinal Schönborn.
Doch Christus sage im Evangelium:
Laßt die Kinder zu mir kommen. Hindert sie nicht daran! Dieses „erschütternde Wort“ müsse der Kirche
stets im Herzen brennen.
„Papst Benedikt nennt euch die geistigen Kinder von Don Giussani. Für mich
als Alt-Achtundsechziger, der die 68er Generation selber gelebt hat, wäre das unmöglich gewesen, damals
so d’accord zu sein“ – so der Kardinal:
„Wir haben Vaterschaft, wir haben Autorität, wir haben Jüngerschaft
abgelehnt, weil wir geglaubt haben, daß das unvereinbar ist mit der Würde des aufrechten Menschen. Wir
wollten Brüder sein, und haben vergessen, daß es keine Brüder und Schwestern ohne Eltern gibt.“
Doch
Gott sei Dank habe der Herr in der Kirche Menschen erweckt, „die uns gezeigt haben, daß wir Brüder sein
können und Schwester sein können, wenn wir Väter haben.“
Er habe viele Jugendliche während der Aufbahrung
von Johannes Paul II. in Rom gefragt, warum sie bis 15 Stunden gewartet hätten um dann kurz am toten
Papst vorbeizuziehen.
Er habe immer wieder die Antwort gehört: „Wir haben einen Vater verloren. Er hat
uns so viel gegeben, geholfen, und wir wollen ihm noch einmal danken.“
Er dürfe diese Vaterschaft in
der Form eines ganz persönlichen Bekenntnisses mitteilen, predigte Kardinal Schönborn weiter:
„Als
junger Student in den 60er Jahren war für mich das, was der Geist der Ideologie uns eingeimpft hat, das
Mißtrauen gegen jede Autorität. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich noch im Studium war. Augustinus:
Vorsicht. Thomas von Aquin: Vorsicht. Eingeimpftes Mißtrauen gegen Autorität, verständlich aus der
Nazizeit, der Mißbrauch der Autorität.“
Doch er sei dadurch zu einem Punkt geführt worden, wo er gemerkt
habe, daß er nicht erwachsen werden oder Vaterschaft lernen könne, wenn er geistige Vaterschaft nicht
annehme.
Mit Menschen wie dem Schweizer Theologen Hans Urs von Balthasar, Kardinal Joseph Ratzinger oder
verschiedenen Dominikanern habe er damals entdeckt, wie wunderbar es sei, sich einem Meister, einem Vater
anzuvertrauen und diese innere Resistenz aufzugeben, nicht um unmündig zu sein, nicht um naiv zu sein:
„Das war immer unsere Angst.“
Es sei für ihn auch ideologisch eine Wende gewesen zu lernen, daß er
vertrauen könne: „Ich kann wirklich vertrauen. Ich kann mich hingeben. Ich kann mich von jemandem prägen
lassen und ich verliere dadurch nicht meine Freiheit, sondern ich werde selber sehen lernen, verstehen
lernen, bereichert.“
„Und es waren Menschen wie Hans Urs von Balthasar und Kardinal Ratzinger, die uns
damals das Vertrauen zurückgeschenkt haben.“
Er sei Mons. Giussani nur zwei Mal begegnet. Aber ein Mal
sei es besonders unvergeßlich gewesen:
„Im Cortile San Damaso, im Hof des Päpstlichen Palastes kommt
mir ganz allein ein etwas schwergehender älterer Priester entgegen. Es war Don Giussani. In der Mitte
haben wir uns kurz gegrüßt.“
Don Giussani sei von einer Audienz mit dem Papst gekommen:
„Er hatte
dieses kindliche Vertrauen dem gegenüber, dem er wie einem Vater vertraute. Aus diesem kindlichen Vertrauen
heraus konnte er für viele Vater sein.“
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