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Sonntag, 12. März 2006 10:56
Steht der Religionsunterricht an den Berliner Schulen vor dem Aus?
Die rot-rote Koalition und andere Linke wollen in der Bundeshauptstadt ein Pflichtfach Ethik einführen. Doch die Kirchen trauen ihren Schäfchen die richtige Wahl nicht zu.
(kreuz.net, Berlin) Die rot-rote Koalition möchte an den Berliner Schulen einen obligatorischen Ethikunterricht einführen. Ein entsprechender Gesetzentwurf soll noch vor Ostern im Parlament durchgebracht werden. Unterstützung wird das Vorhaben von den ‘Grünen’.

Keine Freude an diesem Projekt hat der Erzbischof von Berlin, Georg Kardinal Sterzinsky: „Ich fürchte, das gibt einen ganz großen Reinfall.“

Nichts von dem, was man sich von diesem Unterricht erwarte, werde man erreichen, erklärte der Kardinal nach Angaben der Freitagsausgabe der Tageszeitung ‘Die Welt’

Den „maßlosen Erwartungen“ an das Fach stehe eine völlig unzureichende Ausbildung der künftigen Ethik-Lehrer gegenüber.

Mit der Einführung des neuen Pflichtfaches werde der Religionsunterricht, der nach dem Willen des Senats weiterhin freiwillig besucht werden kann, de facto aus der Schule gedrängt, sind sich die Kirchen ferner einig.

Offensichtlich wissen sie, daß ihre Schäfchen nur noch mit Unterstützung der Staatsgewalt in den Religionsunterricht getrieben werden können.

Ein Schüler, der schon zwei Stunden Ethik besuchen müsse, raffe sich nicht noch auf, um am Nachmittag zusätzlich Religionsunterricht zu besuchen.

Dazu komme, daß die Oberschüler durch die Verkürzung der Schulzeit von 13 auf 12 Jahre einen deutlich volleren Stundenplan bekämen.

Auf Anfrage erklärte ein Kenner der Kirche in Berlin, daß die Anstrengungen von Kardinal Sterzinsky grundsätzlich zu begrüßen seien. Auch seine Kritik am Ethikunterricht sei realistisch.

Es sei eine Illusion zu glauben, daß man sich in einem staatlichen Ethikunterricht auf sogenannte Werte einigen könne, die über Homosexualität, Abtreibung und Euthanasie hinausgingen.

Mit dem gewollten Ethikunterricht würden die Schüler somit dazu verurteilt, ein weiteres Schwatzfach abzusitzen, das den Stundenplan sinnlos fülle.

Doch für die Kirchen würde das Problem tiefer liegen:

„Das Niveau des Religionsunterrichtes ist seit Jahren so miserabel, daß es völlig egal ist, ob Kinder den katholischen Religionsunterricht, einen staatlichen Ethikunterricht oder gar nichts besuchen.“

Es sei auch sinnlos, Kinder unterrichten zu wollen, deren Anwesenheit im Religionsunterricht nur durch die Zwänge des Schulsystems zu erklären sei.

„Pädagogisch ist es äußerst problematisch, ein Kind zu unterrichten, welches die erste Gelegenheit benützt, um diesem Unterricht zu entkommen.“

Dieser Zustand werfe zunächst ein schiefes Licht auf die inhaltliche und pädagogische Qualität des gegenwärtigen Religionsunterrichtes.

„Wenn die Kirche so sehr am eigenen Religionsunterricht oder an den katholischen Kindern zweifelt, darf sie sich nicht hinter dem Status Quo und der hohlen Fassade der Staatsreligion verstecken, sondern muß mit einer echten Aufbauarbeit anfangen, die klein beginnt und endlich zur Sache redet.“
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 54 Lesermeinungen:
Donnerstag, 16. März 2006 12:57
Hrodgar: @ benedikt
Werter Herr,
Die Fragen der Hist Forschung sind eigentlich klar. Doch stellt sich die frage nach der anwendung der jeweiligen Forschungsmitteln und der jeweiligen Metawissenschaft. Lesen Sie bitte mal bei Brezinka nach.
Die theologische Forschung, sobald sie sich der Hermeneutik bedient, stellt selbst die Frage nach dem Charakter der Wundererzählungen. Sind diese wahr in dem heutigen sinne einer Reportage, oder sind sie wahr in dem Sinne, daß die Menschen hier in Bilder das verpackt haben, was sie damals authentisch wahrnahmen?
Die Antwort kann uns nur die Synopse mit nicht-christlichen Quellen geben. Warum sind viele Wunder nicht bei römischen Schreibern berichtet? Klar, die Römer waren Feinde. Aber ich das der ganze grund? Oder wurden diese Dinge ausschließlich von (Früh-)Christen so wahrgenommen? Ich weiß die Antwort auch nicht. aber diese Frage verdient Beachtung. Dadurch kommt die moderne Theologie eben zu dem Schluß, daß vieles nicht wörtlich zu nehmen ist. Aber diesen Streit mögen Christen unter sich ausmachen.
Wir Heiden gehen so mit unseren Quellen um. Was uns zählt ist eh die direkte Kommunikation, die Begegnung mit den lebendigen Göttern. Ohne diese Erfahrung wären wir Darsteller, Schauspieler… Wir glauben, was wir erleben, nicht was wir lesen.
Donnerstag, 16. März 2006 12:44
Filia_Nocte: Sollte nicht herausgerissen wirken
Sie haben mein Zitat über die kath Kirche so aus dem Zusammenhang gerissen, dass es scheint, ich hätte behauptet die kath Kirche sei gar keine Religion. Ich bitte Sie, derartiges künftig zu unterlassen.

Ich konnte leider nicht den ganzen Absatz mit einbringen, weil die Anzahl der Zeichen hier begrenzt ist und ich fast 700 Zeichen mehr hatte als möglich. Deswegen ja auch die drei Punkte damit man zumindenst nachlesen konnte, auf welchen Absatz es sich bezog. Ich wollte es aber keinesfalls aus dem Absatz herausreißen.
Donnerstag, 16. März 2006 12:20
Benedikt: @ Filia
Meinetwegen können Sie den Satz auch umformulieren: Gott kann es verschmerzen, wenn die Heiden glauben, es gäbe mehrere Götter. Der Grundsinn ist der gleiche, darauf kam es mir an.

Wieso klappt das dann bei anderen Christen??? Ich habe Toleranz verlangt, wie auch wir sie gegenüber den Christen bringen. Oder müssen dass nur alle anderen und ihr nicht?

Was klappt auch bei anderen Christen? Toleranz können Sie verlangen, nicht aber, dass ein anderer Christ seinen Glauben verleugnet. Und nach diesem Glauben gibt es nur einen Gott, warum soll ich das nicht sagen dürfen, wovon ich überzeugt bin?

Moment mal. Forscher haben doch herausgefunden, dass Jesu gelebt hat

Ja, das hat man. Anders wäre die ganze Geschichte sowieso nicht erklärbar. Aber auch bei diesen Beweisen müssen Sie auf die Wahrheit gewisser Dinge vertrauen. Wenn Sie den Mt. Everest vermessen und kommen auf 8846 m, dann haben Sie den Beweis erbracht, dass der Berg so hoch ist. Sie mussten allerdings dabei darauf vertrauen, dass Ihre Geräte auch richtig funktionieren. So ist es auch bei historischer Forschung.

Die Wahrscheinlichkeit kann so hoch sein, dass sie an Sicherheit grenzt. Die absolute Sicherheit kann jedoch nur ein Augenzeuge haben.

Sie haben mein Zitat über die kath Kirche so aus dem Zusammenhang gerissen, dass es scheint, ich hätte behauptet die kath Kirche sei gar keine Religion. Ich bitte Sie, derartiges künftig zu unterlassen.
Donnerstag, 16. März 2006 11:57
Hrodgar: @ Ritter
1)Um ehrlich zu sein, ich halte es nicht einmal für ausgeschlossen, daß Euer Gott identisch mit einem der unseren ist, oder daß die Frage nach EIN oder MEHRERE in der nichtstofflichen Welt für eine Lachnummer der Menschen gehalten wird, weil es die Zahl dort garneicht gibt.
Vielleicht treffen wir beide uns dereinst an einer Stelle, wo Sie auf dem „Weg zum Himmel“ hinfinden und ich von Walkyren geleitet werde.

2) Diese Deutungen der Wunder war nicht als „so ist es“ gemeint, sondern gibt eine häufig diskutierte Ansicht wieder.

3)Der Einrede gegen den Arianismus muß ich dagegenhalten, daß alles, wenn man es übertreibt, schlimm ausgeht.
Reden wir vom Arianismus, dürfen wir nicht die Wirkung des HEUTIGEN Islam zum Maßstab wählen.

4)Der Trend zu mehr gleichberechtigung der Frau durch Jesus ist bekannt. Doch dieser Trend wurde auf dem Stand von Paulus nahezu eingefroren. Noch heute wird die Stelle:„Das Weib schweige in der Versammlung“ gegen die Prieserschaft der Frau angeführt.
Nach meinem Empfinden waren damals die Heiden schon weiter, als es die Kirche heute ist.
Donnerstag, 16. März 2006 11:50
Filia_Nocte: @ Kreuzritter
,Augenzeugen der Wunder Jesu die vom Tollkirschenessen so high waren, das sie Realität und Einbildung nicht mehr auseinanderhalten können.

Das hat nicht Hrodgar geschrieben sondern ich. Also wenn du denjenigen „zusammenfalten“ willst dann geht das auf mich und nicht auf jemanden, der es nicht geschrieben hat.
Donnerstag, 16. März 2006 11:15
Kreuzritter: @ Hrodgar
Eine Relativierung / Nivilierung kann intolerant sein, wenn ich z.B. sage das euer Wodan eigentlich der Dreieine Gott ist ihr ihn aber nicht in seiner Fülle erkennt. Ihr glaubt nicht an die Wunder Jesu, in Ordnung, nur redet dann bitte nicht von auferweckten Scheintoten ,Augenzeugen der Wunder Jesu die vom Tollkirschenessen so high waren, das sie Realität und Einbildung nicht mehr auseinanderhalten können.
Im Orient war nicht nur die Witwenverbrennung gegen die Frau gerichtet, die Frau hatte so gut wie keine Rechte, sie war meistens der Willkür der Männer ausgesetzt, dieses hat das Christentum geändert. Im Katholizismus wurde kein Mensch so hoch erhoben wie die hl. Jungfrau Maria.
Den Arianismus auf die Spitze getrieben ergibt den Islam, da fällt es mir schwer von gesunder Toleranz gegenüber dem Christentum/Katholizismus zu sprechen.
Die Naturverbundenheit geht leider in der modernen Welt verloren und ich freue mich über jeden der den Bezug zur Natur wieder herstellt, den zu einem der mit offenen Augen durch die Natur wandert, zu dem sprechen die Engel.
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