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Montag, 13. März 2006 10:03
„Der Papst hat den Notstand in der Kirche de facto anerkannt“
Der Generalobere der Piusbruderschaft verriet kürzlich weitere Details über seine Papstaudienz im vergangenen August: „In Rom gibt es mehrere Bischöfe, die unsere Meinung vertreten.“
Bischof Fellay bei einer Priesterweihe
Bischof Fellay bei einer Priesterweihe
(kreuz.net, Denver) Der Generalobere der Priesterbruderschaft St. Pius X., Mons. Bernard Fellay, hielt am Sonntag, dem 19. Februar, in der Stadt Denver einen Vortrag.

Denver ist die Hauptstadt des US-Bundesstaates Colorado im Herzen der Vereinigten Staaten.

Am 29. August wurde Bischof Fellay von Papst Benedikt XVI. in einer Privataudienz empfangen. Dabei seien nur vier Personen anwesend gewesen: Papst Benedikt XVI., Dario Kardinal Castrillon Hoyos, Pater Franz Schmidberger und er selber.

Kardinal Castrillon ist der Präsident der Päpstlichen Kommission ‘Ecclesia Dei’. Pater Schmidberger ist der stellvertretende Generalobere der Piusbruderschaft.

Zu Beginn des Treffens habe der Papst dem anwesenden Kardinal das Wort erteilt und gefragt: „Wo stehen wir?“

Kardinal Castrillon habe geantwortet: „Heiliger Vater. Alles ist gut. Alles ist bereit.“ Es liege jetzt am Papst, die Situation der Piusbruderschaft zu bereinigen.

Der Kirchenfürst habe auch mitgeteilt, daß er dem Papst bereits einen Vorschlag einer kirchenrechtlichen Struktur für die Piusbruderschaft unterbreitet habe.

Bischof Fellay erklärte dazu, daß er damals zum ersten Mal von einer bereits vorbereiteten kirchenrechtlichen Lösung gehört habe. Er habe aber keine weiteren Kenntnisse darüber.

Der Papst habe erklärt, die vorgeschlagene Struktur dem Päpstlichen Rat für die Auslegung legislativer Texte übergeben zu haben, um sie auf eine Übereinstimmung mit dem Kirchenrecht zu prüfen.

Bischof Fellay schloß daraus, daß es sich um etwas Neuartiges handeln muß, das höchstens Analogien zu bereits bestehenden Formen besitzt:

„Wenn die Sache bereits existieren würde, müßte der Papst nicht zuerst die Kirchenrechtler befragen.“

Die Struktur sollte die Bruderschaft vor den Diözesanbischöfen beschützen. Das sei alles, was er wisse.

Schließlich habe sich der Papst an ihn – Bischof Fellay – gewandt und gefragt, was er denke. Der Kommentar von Mons. Fellay: „Ich mußte auf die Bremse treten.“

Er habe – wie bei solchen Audienzen üblich – einige Tage vor dem Treffen ein Blatt mit den wichtigsten Punkten eingereicht, welche die Bruderschaft dem Papst vorlegen wollte.

Bei der Audienz sei keiner dieser Punkte besprochen worden.

Das sei aber nicht so wichtig, erklärte Bischof Fellay. Der Papst habe die Notiz mit Sicherheit erhalten und gelesen. Deren Inhalt sei in gewisser Hinsicht zehnmal wichtiger gewesen als die Audienz selber.

Darin werde zu Beginn der Papst selber mit einem Satz zitiert, um die „enorme, dramatische, furchtbare Krise“ der Kirche anzusprechen.

Sodann sei die Rede von der Piusbruderschaft und ihrem Apostolat, welche als Ausweg aus dieser Krise vorgestellt würden.

Bei der Audienz habe Benedikt XVI. drei Ebenen der Schwierigkeit dargelegt.

Zuerst habe er erklärt, daß die Unterwerfung der Bruderschaft unter den Papst sichtbare Konsequenzen haben müsse, um wirklich real zu sein.

Der Papst habe das Argument angesprochen, daß sich die Kirche gegenwärtig in einem Notstand befinde, der die Existenz der Piusbruderschaft rechtfertige. Damit sei die Bruderschaft nicht im Recht, „weil ich versuche, die Probleme zu lösen“.

Bischof Fellay:
„Wir werden das Gift des Zweiten Vatikanums nicht schlucken.“
„Damit haben wir selber aus dem Mund des Papstes gehört, daß es einen Notstand gibt“ kommentierte Mons. Fellay:

„Der Papst anerkennt, daß es gegenwärtig reale Probleme gibt, die noch nicht gelöst sind.“

Benedikt XVI. habe außerdem eingeräumt, daß ein Notstand möglicherweise in Frankreich oder Deutschland bestehe.

Dazu meinte Bischof Fellay, daß er zwischen den beiden vom Papst genannten Staaten und dem Rest der Welt fast keine Unterschiede sehen könne.

Trotz der Feststellung des Papstes, daß die Piusbruderschaft kein Recht habe, sich bei ihren pastoralen Aktivitäten außerhalb der Diözesanstrukturen auf einen Notstand zu berufen, habe Benedikt XVI. – so Mons. Fellay – die Existenz des Notstandes dennoch anerkannt.

Auf einer zweiten Ebene habe der Papst die Annahme des Zweiten Vatikanischen Konzils gefordert.

Benedikt XVI. habe darauf verwiesen, daß der Ehrwürdige – so Mons. Fellay – Erzbischof Lefebvre einen Text unterschrieben hat, in dem er das letzte Konzil anerkannte, sofern es im Licht der Tradition interpretiert werde.

Damit habe der Papst angedeutet, daß die Mitglieder der Piusbruderschaft dasselbe tun sollten.

Dagegen führte Mons. Fellay aus, daß die Texte des Zweiten Vatikanums nicht nur mehrdeutig, sondern – beispielsweise in der Frage der Religionsfreiheit – falsch seien.

Als dritte Ebene habe der Heilige Vater die am Beginn der Audienz angesprochene kirchenrechtliche Struktur genannt.

Bischof Fellay erklärte zur Struktur, daß sie gut sei. Aber man wolle die Bruderschaft gleichzeitig zwingen, das Gift des Zweiten Vatikanums zu schlucken:

„Wir bekommen einen prächtigen Rolls Royce und müssen darin faule Äpfel essen.“ Er bevorzuge seinen Citroen Deux-Chevaux mit guten Äpfeln: „Wir werden das Gift nicht schlucken.“

Mons. Fellay sagte, daß er dem Papst kurz nach der Augustaudienz einen Brief geschrieben habe. Darin habe er sich für das Treffen bedankt und erklärt, daß er mit der Sicht des Heiligen Vaters über das letzte Konzil nicht übereinstimmen könne.

Er habe auch einen Kommentar zum kurz zuvor erschienenen Kompendium des ‘Katechismus der Katholischen Kirche’ hinzugefügt.
Bischof Fellay:
„Vergeßt die Bruderschaft. Löst eure Probleme. Dann sind wir kein Problem mehr. Denn wir sind nicht das Problem.“
Der Papst sei darüber ziemlich sauer gewesen und habe von „Arroganz“ und von „Grenze zum Sektierertum“ gesprochen.

Zusammenfassend erklärte Bischof Fellay, daß der Papst die Situation der Piusbruderschaft schnell regeln wolle. Der Heilige Vater sehe, daß der Zustand der Kirche katastrophal sei und die Lefebvristen gute Früchte hervorbrächten.

Mons. Fellay erinnerte auch an sein Arbeitsessen vom 15. November mit Kardinal Castrillon. Damals habe er dem Kardinal erklärt:

„Vergeßt die Bruderschaft. Löst eure Probleme. Dann sind wir kein Problem mehr. Denn wir sind nicht das Problem.“

Bischof Fellay erklärte während seines Vortrags auch, daß es in Rom mehrere Bischöfe gebe, welche die Meinung der Piusbruderschaft verträten:

„Aber sie wagen nicht, das laut zu sagen.“
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 72 Lesermeinungen:
Donnerstag, 16. März 2006 11:54
Agiafortuni: Dr. Otterbeck: Jetzt reicht’s
Sie gehen entschieden zu weit, wenn Sie behaupten Athanasius treibe keine Christologie sondern Politologie. Warum sagen Sie nicht das gleiche von Rahner’s Christologie?
Mittwoch, 15. März 2006 12:40
Gotthard: Ämter
Es gibt hier Hl. Weihen, keine Ämter.
In unserer Kirche gibt es selbstverständlich Ämter, was denn sonst?
Es gibt Ämter, die per Weihe übertragen werden …
es gibt Ämter, die per Beauftragung übertragen werden …
es gibt Ämter, die per Wahl übertragen werden … (zB das des Abtes oder des Kirchenvorstehers)
Mittwoch, 15. März 2006 12:15
„Athanasius“, ich bin nicht zuständig für diese Fragen und habe auch viel zu viel Zeit auf dieses Forum verwendet, insb. gestern und heute.

Der Papst startet heute eine Katechesereihe mit Gedanken über Christus und die Kirche. Bitte denken Sie darüber nach, was von Christus übrigbleibt, wenn jede/r Seine Präsenz in konkreten Akten der wirklichen Kirche in Abrede stellen darf? Ihr Traditionalismus ist eine Frucht unterentwickelter Christologie, vielleicht sogar gar keine Christologie mehr, sondern „Politologie“.

Haben Sie schon einmal einen barmherzigen Tradi erlebt? Den barmherzigen Samariter gibt es; und er ist, gemäß dem Wort Jesu, ein Leitbild für die Kirche.
Mittwoch, 15. März 2006 09:42
Athanasius: @Ottbeck
Führen Sie hier einen Dialog mit sichselbst? Man weiß hier schon, daß Sie protestantisierende Tendenzen preisen, aber die Einschaltung von Laien in der überlieferten hl. Messe gab es ja längst im Ministrantenamt.

Eine GLEICHHEIT, wie sie häretisch hier von sich geben, im Priestertum gibt es aber nicht. Das Presbyterat ist ein besonderes Priestertum, nämlich Anteilnahme am Hohepriestertum Jesu Christi selbst im hl. Meßopfer.

Aber das finden Sie wahrscheinlich wohl „eine tridentinische Erfindung der alten Kirche“.

Es gibt hier Hl. Weihen, keine Ämter.

Werbung für Ihre Reformen der Liturgie machen Sie besser irgendwo sonst, hier nimmt man Sie nicht ernst.

Alle Christen sind Priester des Lobes und der Ehre Gottes, also wie der alttest. Weihrauchsopfer, aber nur die besonderen Leviten und Priester bringen zusammen das hl. Opfer des Lammes dar!
Mittwoch, 15. März 2006 07:11
Dr. Otterbeck: „Ott…“
allein genügt nicht; „Gott“ sollte in der Dogmatik auch noch zu Wort kommen.

Wenn hier manche kritisieren, dass im Weltkatechismus die Gemeinde als Liturge bezeichnet wurde: Ist denn die Taufe unbeachtlich? (Wie nicht einmal im Luthertum??) „In der Taufe gehören wir Christus an…“ Richtig, die Priesterweihe befugt einen Getauften, vor die Gemeinde zu treten, und in persona Christi zu wirken (insb. im Hl. Messopfer und im Bußsakrament). Aber das lehrt unsere Kirche doch gerade deshalb, weil es die Gleichheit der Getauften im Allg. Priestertum ernst nimmt.

Sinnvoll wäre, im liturg. Bereich die Funktion des Lektors und Akolythen (statt Niederer Weihen) deutlicher hervortreten zu lassen und diese konkrete Teilhabe von Laien (d.h. auch und insb. von Ordensleuten und Familieneltern) gründlicher theologisch zu fundieren und explizit im ordo missae zu positivieren; z.B. der Ruf des Diakons „Mysterium fidei“ würde besser immer vom Nichtzelebranten gesprochen, auch wenn kein Diakon da ist. Und auch die Fürbitten sollte nicht einfach „jede/r“ in den Gemeindemessen „vorlesen“.
Dienstag, 14. März 2006 21:43
Karim: Quo primum sprach nie von „dieser Messe“
An Marcel: Sie scheinen „Quo primum“ und den alten lateinsichen Ritus nicht gut zu kennen. Weder „Quo primum“ noch das „Missale Romanum“ sprechen von „dieser Messe“ oder „die Messe aller Zeiten“ – sondern nur vom „Ritus“ der Messe, in diesem Fall von einem Ritus, nämlich einem des lateinischen Ritusbereichs. Es gab und gibt innerhalb der Katholischen Kirche zig andere Riten. Bevor Sie wieder „Ritus“ und „Messe“ durcheinanderwerfen, sollten Sie doch ein wenig Liturgiegeschichte und Dogmatik konsultieren. Ein gut gemeinter Rat! Übrigens, verzeihen Sie mir den polemischen Hinweis, betreffs Ihres „häresiefreien“ Forums. Eine Identifizierung eines Ritus mit „der Messe“ ist eigentlich häretisch, da dann ja in anderen Riten keine gültige Messe gefeiert werden könnte.
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