11:08:46 | Donnerstag, 16. März 2006
Der Ritus wurde vollzogen. Das Gotteshaus ist profaniert. Die letzten Kirchenbesucher werden die Abbruchmaschinen sein.
(kreuz.net, Bochum, ) Am Sonntag morgen strahlte in Bochum-Langendreer die Sonne, als rund 200 Gläubige
zum letzten Mal zur Heiligen Messe in die dortige Sankt-Thomas-Morus Kirche kamen.
Das Gotteshaus wurde
im Gefolge der Sonntagsmesse entweiht. Davon berichtete der ‘Westdeutsche Rundfunk’ am Sonntag auf seiner
Webseite.
„Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen“, erzählte Maria Jagow unter Tränen beim Betreten
der Kirche. Die 78jährige hat das Gotteshaus vor knapp dreißig Jahren mitaufgebaut.
Eva Bergmann war
mit ihren Kindern Jan und Laura gekommen: „Die beiden sind hier getauft. Ich wurde hier getraut. Mir ist
zum Heulen zumute.“
Künstlerisch gesehen stellt Sankt Thomas Morus keine Ansprüche. Aber viele Gläubige
sind an ihr gehangen. Viele haben mitgeholfen, als in den 70er Jahren der moderne Bau die alte Holzkirche
ersetzte.
Heute ist das Gebäude baufällig. Doch für die Reparaturen an den elektrischen Installationen
und der Heizung fehlt das Geld.
Schon länger stand die Kirche auf der Kippe. Der Abbau im Bistum Essen
gaben ihr jetzt den Rest. Thomas Morus ist die erste von insgesamt 96 Gotteshäuser, die dem gegenwärtigen
diözesanen Kirchensterben zum Opfer fallen werden.
Der Schritt sei schwer, aber unvermeidlich, erklärte
Pfarrer Wilfried Traude vor dem ‘Westdeutschen Rundfunk’:
„Ehe es drinnen nach Weihrauch und Kerzenwachs
duftet und draußen alles verfällt, so daß schon Birken aus den Fallrohren wachsen, haben wir gesagt:
Laßt sie uns dicht machen.“
Eine Kirche, die einst von einem Bischof geweiht wurde, muß vor ihrer Schließung
auch feierlich entweiht werden. Dieser liturgische Ritus wird Profanierung genannt.
Dazu reiste der Essener
Weihbischof Franz Grave nach Bochum. Eine Profanierung hatte er noch nie durchgeführt.
Das sei kein
Abschied vom Glauben, sondern nur eine Veränderung der äußeren Verhältnisse, meinte der Weihbischof.
Im christlichen Glauben gebe es keine ausweglosen Situationen.
Zuerst zelebrierte Mons. Grave die Sonntagsmesse.
Für viele Gläubige ein bewegender Moment. Junge, Alte und viele Kranke waren gekommen.
In seiner Predigt
versuchte der Weihbischof zu trösten:
„Wir geben zwar diese Kirche auf. Das schmerzt. Aber wir geben
nicht unseren Glauben auf.“ Jetzt bestehe die Herausforderung darin, noch mehr zusammenzuwachsen.
Nach
der letzten Sonntagsmesse wurden die Kerzen und Lichter in Sankt Thomas Morus zum letzten Mal und für
immer gelöscht. Die Ministranten deckten den Altar ab.
Sankt Thomas war eine relativ kleine Pfarrei.
Zuletzt zählte sie nicht einmal mehr Tausend Mitglieder. Von ihnen blieb die große Mehrheit auch der
letzten Messe in St. Thomas Morus fern.
Die übriggebliebenen werden an die Nachbarpfarrei angeschlossen.
Gotteshaus und Pfarrzentrum in Bochum-Langendreer werden in den nächsten Monaten abgerissen. An der
Stelle soll eine Wohnanlage entstehen.
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Benedikt 13:46:04 | Montag, 20. März 2006
#7
Isidor 11:23:26 | Samstag, 18. März 2006
#6
Gotthard 23:06:08 | Freitag, 17. März 2006
#5
Benedikt 16:07:42 | Freitag, 17. März 2006
#4
Isidor 10:06:31 | Freitag, 17. März 2006
#3
humanitas 21:45:47 | Donnerstag, 16. März 2006
#2
johannes-maria 19:36:20 | Donnerstag, 16. März 2006
#1
Isidor 11:30:55 | Donnerstag, 16. März 2006