Kirchenverkauf
Wie man eine Kirche zusperrt
Der Ritus wurde vollzogen. Das Gotteshaus ist profaniert. Die letzten Kirchenbesucher werden die Abbruchmaschinen sein.
(kreuz.net, Bochum, ) Am Sonntag morgen strahlte in Bochum-Langendreer die Sonne, als rund 200 Gläubige zum letzten Mal zur Heiligen Messe in die dortige Sankt-Thomas-Morus Kirche kamen.

Das Gotteshaus wurde im Gefolge der Sonntagsmesse entweiht. Davon berichtete der ‘Westdeutsche Rundfunk’ am Sonntag auf seiner Webseite.

„Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen“, erzählte Maria Jagow unter Tränen beim Betreten der Kirche. Die 78jährige hat das Gotteshaus vor knapp dreißig Jahren mitaufgebaut.

Eva Bergmann war mit ihren Kindern Jan und Laura gekommen: „Die beiden sind hier getauft. Ich wurde hier getraut. Mir ist zum Heulen zumute.“

Künstlerisch gesehen stellt Sankt Thomas Morus keine Ansprüche. Aber viele Gläubige sind an ihr gehangen. Viele haben mitgeholfen, als in den 70er Jahren der moderne Bau die alte Holzkirche ersetzte.

Heute ist das Gebäude baufällig. Doch für die Reparaturen an den elektrischen Installationen und der Heizung fehlt das Geld.

Schon länger stand die Kirche auf der Kippe. Der Abbau im Bistum Essen gaben ihr jetzt den Rest. Thomas Morus ist die erste von insgesamt 96 Gotteshäuser, die dem gegenwärtigen diözesanen Kirchensterben zum Opfer fallen werden.

Der Schritt sei schwer, aber unvermeidlich, erklärte Pfarrer Wilfried Traude vor dem ‘Westdeutschen Rundfunk’:

„Ehe es drinnen nach Weihrauch und Kerzenwachs duftet und draußen alles verfällt, so daß schon Birken aus den Fallrohren wachsen, haben wir gesagt: Laßt sie uns dicht machen.“

Eine Kirche, die einst von einem Bischof geweiht wurde, muß vor ihrer Schließung auch feierlich entweiht werden. Dieser liturgische Ritus wird Profanierung genannt.

Dazu reiste der Essener Weihbischof Franz Grave nach Bochum. Eine Profanierung hatte er noch nie durchgeführt.

Das sei kein Abschied vom Glauben, sondern nur eine Veränderung der äußeren Verhältnisse, meinte der Weihbischof. Im christlichen Glauben gebe es keine ausweglosen Situationen.

Zuerst zelebrierte Mons. Grave die Sonntagsmesse. Für viele Gläubige ein bewegender Moment. Junge, Alte und viele Kranke waren gekommen.

In seiner Predigt versuchte der Weihbischof zu trösten:

„Wir geben zwar diese Kirche auf. Das schmerzt. Aber wir geben nicht unseren Glauben auf.“ Jetzt bestehe die Herausforderung darin, noch mehr zusammenzuwachsen.

Nach der letzten Sonntagsmesse wurden die Kerzen und Lichter in Sankt Thomas Morus zum letzten Mal und für immer gelöscht. Die Ministranten deckten den Altar ab.

Sankt Thomas war eine relativ kleine Pfarrei. Zuletzt zählte sie nicht einmal mehr Tausend Mitglieder. Von ihnen blieb die große Mehrheit auch der letzten Messe in St. Thomas Morus fern.

Die übriggebliebenen werden an die Nachbarpfarrei angeschlossen.

Gotteshaus und Pfarrzentrum in Bochum-Langendreer werden in den nächsten Monaten abgerissen. An der Stelle soll eine Wohnanlage entstehen.
      
8 Lesermeinungen
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#8   Benedikt   13:46:04 | Montag, 20. März 2006
@ Isidor
In den meisten Gemeinde wird das Sakrament nicht mehr angeboten.
Ich kenne keine Gemeinde, in der das so ist, es sei denn, sie ist vakant. In diesem Fall KANN das Sakrament auch gar nicht angeboten werden. Da die Zahl vakanter Pfarreien zugenommen hat, kann durchaus der Eindruck entstehen, dass Busssakrament werde nirgendwo mehr angeboten. Fakt ist aber eher, dass das Angebot kaum einer in Anspruch nimmt. Man kann von einem Pfarrer, deer sieben Pfarreien zu betreuen hat wohl kaum erwarten, dass er jeden Tag 2 Stunden im leeren Beichtstuhl zubringt. Ein Angebot zeitnah zu den Sonntagsmessen reicht da, da wo ich wohn e wird darauf hingewiesen, dass jederzeit ein Termin mit einem Geistlichen gemacht werden kann. Das halte ich bei den Zuständen heute für das Optimum.
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#7   Isidor   11:23:26 | Samstag, 18. März 2006
Maimilian und Benedict – Beide beziehen offensichtlich Bistumsgehälter
Danke GOTTHARD – Sie haben die Realität auf den Punkt gebracht. Die Formulierungen der beiden oben genannten drücken die Diktion „Eines“ Bistumangestellten aus, wahrscheinlich in hohem Amte.
Umstrukturierung und BAUFÄLLIGKEIT sind die beiden Schlagworte des Bistums Essen. Die Marienkirche Bochum-Mitte galt auch als baufällig, aber dann mußte Propst Hermann Josef Bittern doch Farbe bekennen anhand eines ihm vorliegenden Gutachtens …„die Kirche befindet sich in gutem bis sehr gutem Zustand…!“
Der Klerus sollte in dieses hl. Fastenzeit besonders oft das hl. Sakrament der Beichte in Anspruch nehmen – aber weiß der Klerus noch was das ist!? In den meisten Gemeinde wird das Sakrament nicht mehr angeboten.
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#6   Gotthard   23:06:08 | Freitag, 17. März 2006
neue Organisation
Was zur Zeit im Bistum Essen abläuft, ist ein Armutszeugnis für die deutsche Kirche! Mit Weihbischof Laun kann ich nur sagen: „Die Stärke des Islam ist die Schwäche der Christen“! Wie tief sind wir doch gesunken, dass wir so viele Kirchen aufgeben müssen?
nun jammert man keine Krokodilskränen … eine Kirche aufzugeben ist nichts neues … hat es immer gegeben …genauso wie Kirchenneubauten …
Kirchengebäude sind immer sichtbare Zeichen von Entscheidungen… und von christlichem Leben …
Gab es viele Priester wurden neue Gemeinden gegründet … gab es weniger, wurden sie wieder geschlossen …
gab es viele Christen, wurden neue Kirchen gebaut …gab es weniger, wurden sie wieder geschlossen.
Im 19. Jahrhundert wurden hunderte Kirchen abgerissen, um sie durch Neubauten zu ersetzen … Kirchengebäude-Abriss ist schmerzhaft, aber kein Abbruch des Glaubens.
Die drei in dieser Woche neu ernannten Weihbischöfe mögen mit ihren Titularbistümern mal den Blick auf „Untergang“ und „Abriss“ in der Vergangenheit lenken.
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#5   Benedikt   16:07:42 | Freitag, 17. März 2006
@ Isidor
Baufällig vielleicht nicht, aber der Titel „Dom“ ist bei dieser Art der Selbstabschaffung auf Zeit sicher gefährdet…
Der Grund für die vielen baufälligen Kirchen könnte darin liegen, dass ja in den wohlhabenden 70ern dutzende Kirche zT ohne Sinn und Verstand aus dem Boden gestampft wurden. Diese Bauten sind jetzt über 30 Jahre alt und kommen so langsam in die Jahre.
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#4   Isidor   10:06:31 | Freitag, 17. März 2006
Johannes-Maria – baufällig !
Ich weiss ne Kirche die noch nicht als baufällig attestiert wurde seitens der Experten im Bistum Essen – der Essener DOM ! …aber das kann sich täglich ändern !
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#3   humanitas   21:45:47 | Donnerstag, 16. März 2006
Zugesperrte Kirche
Endlich mal eine freudige Nachricht hier! :-)
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#2   johannes-maria   19:36:20 | Donnerstag, 16. März 2006
Baufällig
So langsam bekommt man den Eindruck, dass es im Bistum Essen nur noch baufällige Kirchen gibt! Offensichtlich erwartet das Bistum bei dieser Argumentation den geringsten Widerstand. Mir ist es ein Rätsel wie eine Kirche nach etwa 30 Jahren baufällig sein kann. Aber es gibt ja auch eine Kirche in Bochum (St. Anna), die wirklich sehr marode ist und die unter Denkmalschutz gestellt worden ist. Seltsamerweise ist da sogar plötzlich Geld für die Sanierung vorhanden.
Wie lange will das Bistum die Gläubigen noch für dumm verkaufen?
Ich werde den Verdacht nicht los, dass die Baufälligkeit der Kirchen im Bistum Essen sehr stark vom Wert des Grundstücks auf dem die Kirche steht abhängt!
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#1   Isidor   11:30:55 | Donnerstag, 16. März 2006
Baufällig ? – aber Herr Pfarrer Traude das 8.Gebot!
Die Aussagen des Herrn Pfarrer Traude sind mehr als gewagt! Die Kirche ist nicht baufällig. Augenscheinlich gibt es nicht genügend Christen in Somborn die diesen Abrissgeistlichen den Zugang zum Heiligtum versperren. Das hätte sogar schon letzten Sonntag mit einer großen Presseaktion passieren können/müssen.
Die Restchristen sollten diese Kirche selbst finanzieren und einen eigenen guten Geistlichen aus den „Kirchensteuern“ (die sie demnächst nicht mehr an den Staat bezahlen sondern auf ein eigenes Konto einzahlen), anstellen. TIP: Es gibt zumindest einen Geistlichen der bei der Bundesarbeitsagentur in Bochum gemeldet ist und von HartzIV leben muß. Ist wohl zu fromm für’s Bistum (?) aber der Staat würde sich zumindest freuen, wenn er einen „Arbeitslosen“ und sogar auch noch geweihten Priester, weniger hat.
Umstrukturierung von der Arbeitslosigkeit in das Seelsorgeamt!
Ora et CERTA !
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