Kurie
Und was ist der nächste Streich?
Die jüngsten Maßnahmen des Papstes scheinen nur der Beginn einer schon lange notwendigen Reform der Römischen Kurie zu sein.
(kreuz.net, Vatikan) Papst Benedikt XVI. ist offenbar entschlossen, seiner Kurie in der diesjährigen Fastenzeit eine Abmagerungskur zu verordnen.

Erst am vergangenen Samstag hat der Papst den ‘Rat für den interreligiösen Dialog’ und den Migrantenrat de facto abgeschafft.

Jetzt werden auch die übrigen Päpstlichen Räte unter die Lupe genommen. Das berichtete die konservative römische Tageszeitung ‘Il Tempo’ am Sonntag.

Das Hauptanliegen der Kurienreform bestehe offiziell darin, die Zusammenarbeit zwischen diesen Räten zu verbessern. In Wirklichkeit dürfte es auch darum gehen, die häufig leerlaufende kuriale Bürokratie, die in den letzten Jahrzehnten ins Kraut geschossen ist und sinnloses Papier produziert, zu redimensionieren.

Ein nächster Reformschub könnte den Päpstlichen Rat ‘Cor Unum’ betreffen, der eine Art vatikanisches Hilfswerk ist und gegenwärtig vom deutschen Kurienerzbischof Joseph Cordes (71) geleitet wird.

Erzbischof Cordes könnte auf einen neuen Posten befördert und sein bisheriger Arbeitsbereich dem Päpstlichen Sozialrat eingegliedert werden. Dieser befaßt sich mit Fragen der katholischen Soziallehre und wird vom rührigen italienischen Kurienkardinal Renato Raffaele Martino geleitet.

In den Wind der Reformen werden vermutlich auch der Laienrat, der Familienrat, der Gesundheitsrat sowie der Medienrat geraten.

Besonders bei den vatikanischen Medien und Pressebüros bedarf es der Straffung und Zusammenfassung. Das könnte die Pressestelle, das Fernsehzentrum, die Tageszeitung ‘L’Osservatore Romano’ und Radio Vatikan betreffen.

Das vatikanische Radio dürfte um einschneidende Reformen nicht herumkommen. Es gilt im Zeitalter der elektronischen Medien als völlig überdimensioniert und ist außerdem für den Vatikan eine schwere finanzielle Belastung.

Der Wunsch nach einer Straffung der Römischen Kurie ist kein Privatanliegen des Papstes. Bereits während der Kardinalsversammlungen im Präkonklave des vergangen Aprils seien entsprechende Vorschläge zu hören gewesen.

Jetzt schreitet der Papst zur Tat. Er geht dabei offenbar schrittweise und vorsichtig – aber mit Methode – vor.

Es heißt auch, daß er die bisherigen und zukünftigen Maßnahmen mit den Leitern der vatikanischen Dikasterien besprochen habe.
      
6 Lesermeinungen
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#6   Dr. Otterbeck   06:52:51 | Mittwoch, 22. März 2006
Der Rheinische Merkur
meldete in einem Artikel von ex-WJT-Sprecher Kopp eine genau entgegengesetzte Vereinigung der Räte: Kultur gehe im interreligiösen Dialog auf, Iustitia etc. in der Migrantenpastoral (RM 16.3., S. 29). Wer irrt denn da?
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#5   Breze   18:39:08 | Mittwoch, 15. März 2006
@ Hrodgar & Benedikt 78
Danke, das sind mal erfreuliche Zeilen, das tut gut zu lesen… :-))
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#4   Benedikt78   11:25:15 | Mittwoch, 15. März 2006
Endlich
Unser geliebter Vater Papst Benedikt XVI. geht mit deutscher Gründlichkeit vor. Ich hoffe, dass nun bald frischer Wind durch die Hallen des Vatikans weht und der Verwaltungsapparat noch weiter verkleinert wird. Der Mittelpunkt darf nicht das drehen um sich selbst, sondern die Verkündung des Evangeliums und die Mission sein! Wir können wohl noch Grosses erwarten.
Das einzige, was sinkt, ist das Niveau gewisser Forenteilnehmer. Die Kirche ist und bleibt grossartig! :-)
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#3   Hrodgar   09:40:14 | Mittwoch, 15. März 2006
@ eine lange ersehnte Klarstellung
der Rat für Interreligiösen Dialog wird der Abteilung „Kulturschaffende“ zugeordnet.
Statt des „dialogen“ also des Zwiegespräches mit anderen Religionen betrachtet man diese Fortan alsein Art Künstler.
Man spricht nicht MIT ihnen, sondern ÜBER sie.
Danke Herr Ratzinger, das ist Ihr stil gewesen und wird Ihr Stil bleiben.
Ganz der alte.
Die Bedeutung für die Kirche heißt aber: „Wir sind eh die einzig Wahren, was sollen wir mit anderen Reden?!“.
Von außen betrachtet heißt das, daß die Kirche geneigt ist Feindbilder zu reaktivieren, um deren Abbau sich JPII so sehr bemüht hat.
Die Glaubwürdigkeit als Religion des Liebenden Gottes, der sich an alle liebend wendet, erreicht einen neuen Tiefpunkt.
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#2   Seminarist   18:39:18 | Dienstag, 14. März 2006
Auch in der Kurie muss gespart werden.
Der Grund für die Abmagerungskur in der Kurie ist weniger ein irgendwie ideologisch, als vielmehr pragmatisch gearteter: Durch die weniger werdenden Zuschüsse aus der Weltkirche (v. a. aus Deutschland und den USA) werden die Mittel knapp, in Rom auswuchernde Dikasterien zu unterhalten.
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#1   Dr. Otterbeck   14:42:05 | Dienstag, 14. März 2006
Cor unum,
wage ich zu prognostizieren, wird bleiben. Dass auch der Vatikan selbst tätige Caritas übt, ist doch durch die Enzyklika bekräftigt worden. Richtig ist, dass nicht für jedes neue pastorale Bedürfnis ein „päpstlicher Rat“ eingerichtet werden muss. Wenige, konstante Räte mit breitem Themenspektrum könnten sich jeweils auf veränderliche Dienststellen („Ministerien“) stützen.
Ob aber in Rom auch jemand darüber nachdenkt, ob die Zuordnung einzelner Kongregationen zu den kirchlichen „Ständen“ überhaupt noch sinnvoll ist (Bischöfe, Klerus, Religiosen)? Vorstellbar wäre auch da eine „thematische“ Ordnung; aber so ausgreifend wird die Reform wohl nicht werden.
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