Der ehemalige Subregens des Sankt Pöltner Priesterseminars ist nach einem Fenstersturz wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden. Der Priester erinnert sich nach eigenen Angaben nicht mehr an den Hergang der Ereignisse.
(kreuz.net, St. Pölten) Nach einem Sturz aus dem Fenster seiner Privatwohnung am vergangenen Dienstagmorgen
wurde der Ex-Subregens des Priesterseminars von Sankt Pölten, Hw. Wolfgang Rothe, gestern wieder aus
dem Krankenhaus entlassen.
Der Priester kam mit einer Rippenprellung und einem gebrochenen Handgelenk
davon.
Neurologische Untersuchungen ergaben keine psychische Erkrankung oder Hinweise auf Alkoholprobleme,
sondern eine „akute Belastungsreaktion“.
Hw. Rothe war im vergangenen Sommer im Zusammenhang mit den
Ereignissen um das St. Pöltner Priesterseminar in die Schlagzeilen geraten.
Unter dem ehemaligen Diözesanbischof
Kurt Krenn war er Subregens – stellvertretender Leiters – des Priesterseminars sowie Bischofssekretär
und Rechtsberater der Diözese St. Pölten.
Wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautet, ereignete sich
der Unfall folgendermaßen:
Am 6. Dezember um 18.00 Uhr hatte Rothe eine Unterredung mit dem neuen Diözesanbischof
von St. Pölten, Mons. Klaus Küng. Dabei legte ihm der Bischof drei schriftliche Dekrete vor, in denen
die Enthebung aller seiner bisherigen Ämter festgeschrieben war.
Angesichts dieser Zeilen brach der
ehemalige Subregens noch im Bischofshof zusammen.
Mons. Küng, der vor seinem Theologiestudium als Arzt
tätig gewesen war, verabreichte ihm daraufhin eine Tablette, wahrscheinlich ein Beruhigungsmittel.
Nachdem
Rothe nach Hause gebracht worden war, griff er aus Verzweiflung zur Rotweinflasche. Er soll etwa zwei
Gläser Wein konsumiert haben.
Einige Freunde, die sich telefonisch nach dem Gespräch mit Bischof Küng
erkundigten, bemerkten, daß mit Hw. Rothe etwas nicht in Ordnung war, und eilten daraufhin in seine Wohnung.
Als sie dort eintrafen, war der Priester nicht ansprechbar.
Die Freunde blieben bei ihm und wachten
in der Küche. Als sie um vier Uhr morgens Lärm hörten und in seinem Zimmer das offene Fenster sahen,
riefen sie den Rettungswagen.
Hw Rothe hatte zu diesem Zeitpunkt nach Angabe der Ärzte 0,9 Promille
Alkoholanteil im Blut.
Der Fenstersturz sei auf ein Blackout zurückzuführen, das höchstwahrscheinlich
durch die Kombination von Alkohol und Tablette hervorgerufen worden war.
Hw. Rothe selber soll sich an
die besagte Nacht nicht mehr erinnern können.
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7 Lesermeinungen
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@turk Exzellenz Küng ist die beste Wahl, die dem Bistum hätte passieren können. Einige werfen ihm vor,
daß er als Visitator nicht die Berufung zum St. Pöltner Bischof hätte annehmen dürfen, als wäre er
damit aufgestiegen, oder so erst Bischof geworden – das ist ein Schmarrn, denn in Wirklichkeit hat Mons.
Küng um des Papstes und der Kirche willen einen Abstieg in Kauf genommen: vom Bischof des befriedeten
Feldkirch, des sicheren Hafens sozusagen, nun auf den Kriegsschauplatz St. Pölten zu wechseln. Das ist
vergleichbar mit einem Wechsel eines US-Gouverneurs nach Bagdad.
Unterwegs zur vollen Genesung Genesung ist ein Prozeß und eine Chance. Keine psychische Erkrankung? Aber
eine akute Belastungsreaktion ist auch ein psychisches Zeichen. Darum ist Fürsorge angebracht. Welche
drei Dekrete sind das? Der Priester bleibt Priester, wie kann da plötzlich solche Verzweiflung aufkommen?
Was sind 0,9 Promille, viel oder wenig? Es ist gut, daß Krenns Diözese nicht mehr so ist, wie sie unter
ihm war. Denn er hatte sie von Bischof Zak viel gesünder übernommen. Unter Zak hatte man noch Ehrfurcht
vor dem Bischof und kniete mit Ringkuß, Krenn wollte das gar nicht. Und der jetzige Hirte ist die Bescheidenheit
in Person, eine gute Wahl des Papstes. Wann werden sich die Einkehrenden eigentlich entschuldigen – oder
gibt es das Prinzip Verantwortung als Leiter eines geistlichen Hauses nicht?
Pelagius meint: Jeder Epoche ihren Karrierismus. In unseren Tagen tritt neben den progressiven Synodaltyp
verstärkt der „konservative“ Apparatschik: im gepflegten Clergyman (je nach Anlaß auch in Nobelsoutane
oder mit Zivilkollar), den Laptop unter dem Arm, den Kopf angefüllt mit CIC, KKK und den neueren päpstlichen
Rundschreiben, fleißig und effizient bei der Erledigung seiner Arbeiten, naß-forsch und zielbewußt
die Karriereleiter hinaufsteigend. „Konservative“ Bischöfe tun gut daran, bei der Auswahl für wichtige
Ämter nicht nur auf das Parteibuch zu schauen. Und die frommen Gläubigen sollten beim Gebet über den
„armen abgefallenen“ und den zu Unrecht verfolgten Priestern andere nicht vergessen, die es ebenso nötig
haben, obwohl man es vielleicht nicht vermutet.
@marcellus Ich stimme Ihnen insofern zu, als daß er anscheinend wirklich nicht ganz realisiert hatte,
daß ihm da einige von den Mitbrüdern an den hochgestellten Kragen wollten, und bereits sehr genau aufpaßten,
ob er irgendetwas Kritisierbares machen würde. Persönlich hatte ich aber den Eindruck gewonnen, daß
sein demonstratives cooles Auftreten im Proceß eher seine tatsächliche gegenteilige Befindlichkeit cachieren
sollte, nämlich, daß er sich entsetzlich hilflos fühlte. Ich gebe aber zu, daß mir seine tatsächlichen
Motive wohl immer ein Rätsel bleiben werden. Persönlich habe ich ihn stets als sympathischen, humorvollen
und loyalen Gottesmann kennengelernt. Er könnte weiterhin mit nicht nur meinem eigenen Vertrauen rechnen.
Viele fielen deshalb aus allen Wolken, als sie eines Tages die Zeitung aufschlugen, und Krenns Diöcese
nie mehr so sein sollte, wie sie einmal war. Hier hat der Böse Feind mitgemischt, und zwar gehörig.
#3 marcellus 18:35:02 | Sonntag, 12. Dezember 2004
Verzweiflung oder Hochmut? Ob es Verzweiflung war, die Rothe springen ließ oder die fatale Erkenntnis,
daß sein Hochmut ihn zu Fall gebracht hat, wäre eine durchaus diskussionswürdige Frage. Denn noch vor
Gericht hat er durch demonstrativ- überhebliches Lachen den Eindruck erweckt, nichts und niemand könne
ihm was. Und das war Denkfehler Nummer 2 des ehemaligen Subregens- denn viele wollten ihm was- nämlich
was heimzahlen. Und das scheint gelungen zu sein. Angefangen vom Ex-Fasching über Ex-Schrittwieser bis
hin zu vielen unbekannten Heimzahlern haben alle aus mehr oder minder ehrbaren Motiven dazu beigetragen,
Rothe hochgehen zu lassen. Es wäre deshalb von ihm anständig gewesen, sich hinzustellen und mannhaft
seine Fehler einzugestehen im vollem Bewußtsein der daraus resultierenden Konsequenzen. Stattdessen hat
Rothe seinen Bischof, seine Diözese, die Kirche insgesamt und viele gutwillige Gläubige an den Rand
des Abgrunds gebracht. Von einem hochstehenden Charakter zeugt das nicht unbedingt. Es geht nicht einmal
so sehr um den eventuell schwulen Wolfgang R.- es geht um den Machtmenschen Wolfgang R., der eines der
wichtigsten Eignungsmerkmale für einen Priester vergessen hat : DEMUT …
Tiefes Mitleid Laßt uns für diesen armen Priester innig beten. Wie verzweifelt muß jemand sein, welchem
Druck muß er ausgesetzt sein, wenn er so etwas tut – noch dazu als Priester!
Wie im Film Man kommt sich fast vor wie in einer Fernsehserie. Gute Besserungswünsche an diesen armen
Priester! Viele schließen ihn ins Gebet ein, und sein Meister Jesus Christus stehe ihm zur Seite.