Kirchenverkauf
Aufbruch durch Abbruch
Im Bistum Essen beginnen sich die Pfarreien auf den beschlossenen Abbau auszurichten. Dieser wird – nicht ohne Zweckoptimismus – Aufbruch genannt.
(kreuz.net, Gelsenkirchen) Der vorgesehene massive Abbau kirchlicher Strukturen im Bistum Essen macht sich gegenwärtig durch eine Vermehrung von Sitzungen bemerkbar.

In Gelsenkirchen treffen sich im Laufe dieser Woche gleich zwei Ausschüsse zum ersten Mal. Sie werden die Gründung der geplanten Großpfarrei St. Augustinus in die Wege leiten.

Die Stadt Gelsenkirchen befindet sich im Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen.

Die zwei Gremien sind der Koordinierungsausschuß für den Pastoralplan und der Koordinierungsausschuß ‘Personal, Finanzen, Liegenschaften’.

Bei den Beratungen geht es um eine Bestandsaufnahme, um die Planung und Verteilung der Arbeit sowie um die Festlegung der nächsten Schritte bis zur Gründung der neuen Großpfarrei St. Augustinus.

Diese wird neben der Gelsenkirchener Altstadt und Neustadt die umliegenden Bereiche Bulmke, Hüllen, Ückendorf, Rotthausen und den Düppel umfassen.

Dazu kommen Personalgemeinden italienischer, spanischer und kroatischer Sprache. In der neuen Großpfarrei gibt es auch polnische und portugiesische Messen und Treffen sowie ein Zentrum für Jugendpastoral.

Die neue Großpfarrei St. Augustinus soll bis Ende 2007 Wirklichkeit werden. Auf ihrem Boden leben gegenwärtig 27.483 Katholiken.

Zum Vergleich: Das 1997 von Papst Johannes Paul II. gewünschte Erzbistum Vaduz umfaßt 25.730 Katholiken.

Die Großpfarrei St. Augustinus wird aus der Asche von sechs zusammengelegten Gemeinden entstehen und sieben Gotteshäuser besitzen.

Drei weitere Kirchen dürften im Zusammenhang mit den Maßnahmen profaniert werden. Zu ihnen gehören die architektonisch bekannte Kirche Heilig Kreuz und die stadtbildprägende Kirche St. Georg.

Für die Planung der Zukunft hat das Bistum einige dialektische Grundsätze vorgegeben.

So soll eine Wertschätzung des Vorhandenen bestehen, aber keine Bewahrung um jeden Preis angestrebt werden. Man möge auf Vielfalt, aber nicht auf Beliebigkeit achten. Angebote sollen sich gegenseitig ergänzen, nicht konkurrenzieren.

Im betroffen Gebiet solle die zukünftige demographische Entwicklung berücksichtig werden. Auch die verbindliche Zusammenarbeit und die Nutzung vorhandener Ressourcen wird betont.

Die Entscheidung zur neuen Pfarreienstruktur der Diözese wurde am 15. Januar vom Bischof von Essen, Mons. Felix Genn, bekanntgegeben.

Danach werden die bislang 259 Pfarrgemeinden im Ruhrbistum zu 42 Großpfarreien zusammengelegt. 254 Kirchen sollen weiterhin als Gottesdienstorte genutzt, 96 Kirchen aufgegeben werden.

Die komplette Umsetzung der neuen Pfarreienstruktur erfolgt schrittweise und wird bereits bis Ende 2008 abgeschlossen sein.

Die Pfarrei St. Augustinus in Gelsenkirchen stellt ihr „Bemühen um eine Pastoral unter veränderten Bedingungen“ unter ein Wort des Jesuiten und Konzilstheologen Karl Rahner aus dem Jahre 1972:

„Je kleiner die Herde Christi im Pluralismus der heutigen Gesellschaft wird, um so weniger darf sie sich eine Mentalität des Ghettos und der Sekte leisten, um so offener muß sie nach außen sein.“
      
9 Lesermeinungen
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#9   Perfugium   17:29:50 | Donnerstag, 16. März 2006
Es darf nicht sein…
Kirchen werden im Bistum Essen abgebrochen,verkauft,
zweckentfremdet…!!
Nur der „Petrusbruderschaft“ wird es laut Bischof Genn nicht
erlaubt werden können solch eine Kirche zu übernehmen !!
Es lebe der Zeitgeist !!!!
Perfugium
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#8   Isidor   10:14:47 | Donnerstag, 16. März 2006
97 – igste Kirche könnte mit Zustimmung der Abrissbischöfe fallen!
Sich des Glaubens zu bedienen und diesen sinnvoll zu vertreten ist nicht sündhaft, sondern diesen profitgierig auszuschlachten – ist es!
Wann wird endlich der Essener Dom abgerissen? Ob er nun baufällig ist, oder die Elektrik marode, oder ob er noch andere Macken hat – kann ich nicht beurteilen. Dafür gibt es im Bistum genügend Experten die etwas finden werden/könnten.
Der Verkauf des städtischen Grundstücks wäre sehr profitabel, die Bischöfe und anderen könnten dann in die leerstehenden Pfarrhäuser einziehen und dort leisten, was sie ihrem Bischof vor dem Angesicht Gottes versprochen haben – Glauben zu bringen! Mit dem Gewinn könnte man zudem noch einige Kirchen retten – die abgerissen werden sollen.
Der Dom besitzt schließlich keine Gemeinde (wenn dann nur eine ganz kleine Herde) – die „Veranstaltungen“ werden dort zumindest immer von einigen Schaulustigen besucht, die die Reihen mehr oder schlecht füllen. Das lohnt sich nicht mehr in unserer fortschrittlichen Welt der Umstrukturierung im Bistum Essen.
Der Verkauf des Inventares und der Domorgel würde noch zusätzliche „Sicherungseinnahmen“ für die Erhaltung von Arbeitsplätzen, auch außerhalb der hohen Geistlichkeit bedeuten.
Gott sei Bischof Dr. Felix Genn und seinen „Abriss-/Aufbruch-Confratres“ mehr als gnädig – betet für diese.
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#7   r.ruhrgebietler   07:09:50 | Donnerstag, 16. März 2006
Gelebter Multi-Kulti
Mal ganz ernst: das ist gelebter Multi-Kulti. Von röm. kath. keine Spur, denn die die Kirchen weihen (Gott auf ewig?!) profanisieren sie – „Gott läßt seiner nicht spotten“ heißt es. Wie dramatisch wird es sein wenn Gott jeden einzelnen fragen wird!
Ich möchte wirklich nicht Felix heißen und den Job als Bischof dazu…
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#6   Benedikt   21:35:16 | Mittwoch, 15. März 2006
@ Fabianus
Vorbildlich, was Ihre Pfarrei da leistet. Und überaus merkwürdig, das dem BO so eine Eigeninitiative nicht passt. Kann denen doch ganz egal sein, aber eher sollte es sie freuen.
@ Steffen
Welchen Sinn macht es, dass ehemalige Pfarrer nun als Hilfspiester in Großpfarreien mitwirken?
Keinen.
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#5   Athanasius   18:28:08 | Mittwoch, 15. März 2006
Lieber Hrodgar
Ich bin zumindest mit der roemisch-katholischen Kirche absolut zufrieden, da sie unvergaenglich ist.
Eben wie Sie schrieben, Rueckgang und Abbau bedeutet noch laengst keinen Untergang. Meine Aussagen waren aber gegen die Vernichtungen der liturgischen und theologischen ‘Erneuerung’ gerichtet.
Vertrauen habe ich. Und Restaurierung sehe ich auch. Aber der glorreichen Auferstehung geht ein blutiger Kreuzweg bevor.
Mit mirselbst bin ich weder zufrieden noch unzufrieden. Es kann immer besser, aber auch weit schlechter.
Und mit der Welt, ach, das ueberlasse ich der Hand Gottes. Keiner kann sie tragen, denn Atlas ist nur ein Mythos, sowie Odin etwa.
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#4   Hrodgar   17:32:35 | Mittwoch, 15. März 2006
LieberAthanasius
Sie hören sich für mich zutiefst verletzt und mit sich und der Welt im Unfrieden an.
Haben Sie Vertrauen in Ihren Gott?
Sehen Sie, über tausend Jahre lang hat man uns verboten Offen nseren Glauben zu leben. Und wir sind immernoch da!
Ich denke, wenn Ihre Kirche sich etwas verkleinert, dann entspricht das der sinkenden Zahl der praktizierenden Katholiken, nicht mehr.
Sie können doch die Leute nicht zwingen. Also: Worauf wollen Sie warten? Daß die Kirchensteuer erhöht wird und mehr Geld in die Bausanierung / erhaltung fließt als in die Verkündigung?
Tragen Sie es mit Fassung. Denn tragen Müssen Sie es eh.
Aber, um etwas zu sticheln *zwinker*: Die Kirche könnte ja eine Kirche rückbauen und einen Heiligen Hain pflanzen, und den als Zeichen der Versöhnung den Heiden stiften.
So ein Hain muß nicht beheizt werden, braucht keinen Strom, das Wasser spenden die Götter…ist doch echt praktisch, oder?
(Nicht zu ernst nehmen…bin grad einfach gut drauf…ja?)
Lieber Gruß
Hrodgar
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#3   Athanasius   16:39:17 | Mittwoch, 15. März 2006
Hört sich an wie…
…durch Kotz zum Sieg.
Und wo bleibt bei all dieser Zerbombung und Zerstörung konziliarer Gebetsstätten und römisch-katholischer Kultstätten die geheime V.2-Wunderwaffe die ja 40 Jahre (länger also als von 1944-45) lang versprochen wurde?
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#2   Fabianus   14:45:26 | Mittwoch, 15. März 2006
Info zu St.Georg Gelsenkirchen
Da ich aus der Pfarrei St. Georg komme, kann ich einen ergänzenden Beitrag leisten. Ich weiß nicht, in wie weit es bekannt ist. Der KV der St. Georgsgemeinde hat vor 4 Wochen einen Förderverein gegründet, welcher bereits über 60 Mitglieder hat. Dieser Verein wurde aus der Intrention heraus gegründet, dem Bistum unser Entgegenkommen zu dokumentieren, was zukünftige Kosten betrifft. Diese sollen und werden zum Teil gedeckt werden aus den Mitgliedsbeiträgen.www.st-georg-gelsenkirchen.de. Hier erfährt man mehr. Die Vereinsgründung ist offiziell vom Finanzamt bestätigt worden. Das Bistum,dh der Herr Bischof reagierte reserviert auf die Nachricht der Gründung und tat sie in einem Antwortschreiben als nur geringfügig wichtig ab. Dennoch bin ich stolz auf meine Gemeinde, dass wir uns dies nicht haben gefallen lassen und jetzt wieder am Tisch sitzen.
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#1   Gotthard   12:30:22 | Mittwoch, 15. März 2006
Entschärfung
Zum Vergleich: Das 1997 von Papst Johannes Paul II. gewünschte Erzbistum Vaduz umfaßt 25.730 Katholiken.
Dieses Erzbistum ist so überflüssig wie ein Kropf. Seine Gründung entsprach keiner pastoralen Notwendigkeit, sondern einzig der gesichtswahrenden Ablösung von Bischof Haas, um die von ihm angezettelte unhaltbar gewordene Situation im Bistum Chur zu entschärfen.
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