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Mittwoch, 15. März 2006 15:43
Da gab es Gelächter
„Ich stellte am Ende der Diskussion die Frage, warum man nicht zuerst den Ursachen des aufgezeigten Desasters auf den Zahn fühlt.“ Von Leonhard Hoffmann, Hamburg.
(kreuz.net) Am 7. Februar 2006 fuhren meine Frau und ich eigens zur Veranstaltung „Hier beginnt die Zukunft – Perspektiven für Ehe und Familie“ nach Berlin.

Aus diesem Anlaß nahmen auch die CDU-Bundesfamilienministerin, Ursula von der Leyen und der Erzbischof von Berlin, Georg Kardinal Sterzinsky, teil.

Wir ahnten nicht, daß es bei der Veranstaltung weniger um die „Zukunft“ als vielmehr wieder nur ums zukünftige Geld gehen würde.

Um es gleich vorwegzunehmen: In diese in Berlin präsentierte Spielart der „Katholischen Kirche“ haben mich meine Eltern nicht hineingetauft.

Beim Kardinal hätte man „Kirche“ draufschreiben müssen. Als Unwissender hätte man bei ihm und seinem Gefolge eher an eine der vielen Vereinsvertretungen auf der politischen Bühne Berlins denken können.

Die schmoren offensichtlich ganz schön im Saft der Berliner Republik.

Frau von der Leyen mag ja guten Willens sein. Doch leider besitzt sie die falschen Rezepte.

Unerschütterlich ist ihr Glaube an die allgemeine „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ – diese breit gehätschelte Lebenslüge, der einst nur familienfeindliche Linke anhingen.

Eine Diskussion um die Rabenmutter einerseits und das Heimchen am Herd andererseits tadelte sie als absurd. Was auch stimmt.

Ihr Versuch durch ein „Bündnis für Erziehung und Familie“ – mit Kardinal Sterzinsky und der Hannoverschen Evangelischen Landesbischöfin Margot Käßmann im Boot – die Zukunft Deutschlands zu sichern, wird sich unfehlbar als Flopp erweisen.

Diese Idee mag vielleicht dem Kardinal und vor allem seinem Gefolge der Deutschen Bischofskonferenz schmeicheln. Aber zu retten ist bei einer so oberflächlichen Therapie nicht viel.

Ich stellte am Ende der Diskussion die Frage, warum man nicht zuerst den Ursachen des aufgezeigten Desasters auf den Zahn fühle, um wirklich heilen zu können. Als Beispiele erwähnte ich den Verhütungsunterricht an den Schulen oder die Frage, warum es so viele alleinerziehende Mütter gebe.

Das erzeugte Heiterkeit, als ob ich direkt von hinter dem Mond angereist oder meine Frage keiner Diskussion würdig wäre.

Deshalb sattelte ich noch einen drauf und erzählte, daß ich meinen Hamburger CDU-Parteifreunden wieder nahelege, endlich die Tugend der Keuschheit zu pflegen.

Da gab es unter den 120, meist hauptamtlichen Besuchern, erst recht Gelächter.

Doch der Moderator Dr. Peter Frey, ein praktizierender Katholik und Korrespondent des ‘Zweiten Deutschen Fernsehens’, gab meine Frage an die Ministerin weiter.

Diese nahm sie durchaus ernst und verwies sogleich auf den überraschten Kardinal. Dieser murmelte dazu verlegen etwas von der Seelsorge, in der man sich ja bemühe.
Ein eher peinlicher Abschluß des Abends!

Meine Frau fragte ihn nach der Veranstaltung, warum gelacht worden sei, als das Wort „Keuschheit“ fiel. Er habe nicht gelacht.

Ich benützte auch die Gelegenheit, dem Kardinal zu erzählen, daß ich der Großneffe von Pfarrer Bernhard Kleineidam sei, den er vor einigen Jahren beerdigt hätte.

Dieser schreibgewandte Ostberliner Diaspora-Pfarrer, der 1935 geweiht wurde, schrieb – schon über 90jährig – am Anfang seines letzten größeren Rundschreibens:

„Wenn man älter wird, kommt einem öfters der Gedanke: Vergiß nicht, an die vier letzten Dinge des Lebens zu denken: an Tod, Gericht, Himmel und Hölle. Bald wirst auch du dich vor deinem Schöpfer und Erlöser verantworten müssen über all dein Denken, Reden und Tun.

Er belohnt die Guten mit dem Himmel und bestraft die Bösen mit der ewigen Verdammnis in der Hölle.

Vergiß nicht, täglich daran zu denken, daß wir alle hineingestellt sind in den Kampf zwischen Gott und dem Teufel, dem gefallenen Engel, der uns fanatisch haßt und der seine ganze Kraft einsetzt, um uns von Christus und seiner Kirche loszureißen.

Schauen wir, wie das Böse heute die Zeit beherrscht. Satans Kunstgriff besteht darin, seine eigene Todesanzeige in die Zeitung zu setzen, damit die Menschen nicht mehr an ihn glauben, und so kann er gut im Trüben fischen.“
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 13 Lesermeinungen:
Mittwoch, 22. März 2006 08:39
Hrodgar: @ Ansgar
Nun ja, privilegieren ist immer so eine sache.
Ich stimme damit überein, daß Familien entlastet gehören, denn sie leisten etwas für den Fortbestand der Gemeinschaft. Andere sollten diese Leistung in anderer Weise abgelten.
Aber ich denke, das es die Familie ist, die gefördert gehört, nicht das religiöse Eheverständnis einer Glaubensgemeinschaft. Welche sollte man dann auch nehmen? Katholen? Protestanten? Moslames?

Zur Ein-Ehe:
Sie ist das einzig würdige, wenn ich von der Gleichwertigkeit von Mann und Frau spreche.
Die Germanische Gesellschaft hat sich da ziemlich rausgehalten, jedoch der Frau das Recht zugebilligt, unter Herausgabe der wirtschaftlich sehr bedeutsamen Mitgift die Scheidung zu erklären, wenn ihr Mann sich als „nicht ehrerbietig“ gezeigt hat. Faktisch ist das die Ein-Ehe… denn in der Gegend rumpoppen ist sicher nicht ehrerbietig.
Schon Tacitus berichtet den römischen Lesern über die hohe Stellung der Frau. Diese passt mit Polygamie nicht zusammen. Insofern stehe ich hier ganz nahe bei Ihrer Auffassung.
Freitag, 17. März 2006 15:58
Ansgar: @ Hrodgar
Grundsätzlich mal eine gute Stellungnahme, Hrodgar!
Allerdings muß der Staat die Prtnerschaft von Mann und Frau doch priviligieren, weil nur sie Kinder und stabile Erziehung garantiert, und daran ist ein Staat interessiert, will er sich erhalten. Dazu kommt aus christlicher Sicht das sakramentale Gebot der Ehe. Dies wird selbst von Nichtchristen als kultur-pragmatisch sinnvoll angesehen. Auch bei den Germanen herrschte die Ein-Ehe vor.
Freitag, 17. März 2006 07:18
Hrodgar: Unfruchtbar?
Zitat:
Auch die Förderung unfruchtbarer Partnerschaften, die nicht gesellschaftsrelevant sind, war ein politischer Fehler und ein falsches Signal.

Nun, was ist unfruchtbar?
Ich selbst habe 4 Kinder, nur um es vorwegzunehmen.
Dennoch: Die Förderungswürdigkeit einer Partnerschaft (ich verstehe hierunter „Schutzwürdigkeit“, denn de facto ist es das, was der Staat mit Partnerschaften tut) von dem Potential oder der Manifestation der Nachwuchszeugung abhängig zu machen sehe ich als einen Schritt in staatliche Bevormundung, überspitzt gesagt, Diskriminierung bestimmter Lebensansätze.
Als Demokrat bin ich dagegen, habe ich Angst vor einem Staat, der seinen Reglementierungsanspruch so weit ausdehnt, bis in mein Bett hinein.

Die Berücksichtigung der Kinderzahl bei der Rente halte ich dagegen für einfach nur Fair. Ich reiß mir den A*** auf mit meinen Vieren, derweil ein Juppi die Sause macht. Und der lebt später von meinen Kindern? neee.
Das ist das Natürlichste der Welt: Früher war es eben so: Wer Kinder hat versorgt erst seine Eltern, und später wird er von seinen Kindern versorgt.
Wer keine Kinder hat, muß nicht für Kinder zahlen, dafür was zurücklegen fürs Alter…
Freitag, 17. März 2006 00:13
Beobachterin: Schon erstaunlich …
… was ein „Methusalix“ sich da zusammenreimt.

Mit dem von mir Gesagten hat das nichts zu tun.
Donnerstag, 16. März 2006 10:20
Krzyszek: Familienfördeung
„Ihr Versuch durch ein „Bündnis für Erziehung und Familie“ die Zukunft Deutschlands zu sichern, wird sich unfehlbar als Flopp erweisen.“

Was macht Herrn Hoffmann da so sicher? Lediglich die Tatsache, dass ein solches Bündnis nicht seinen konservativen Vorstellungen entspricht?

„Sie entlastet die berufstätigen Frauen in keiner Weise, denn nach Feierabend heißt es für die Frau, die ja einen vollen Arbeitstag hinter sich hat: Zuhause weitermalochen – mit dem Haushalt. Das bedeutet: Null Freizeit für die betroffenen Frauen.“ (Beobachterin)

Wieso muss denn die Mutter zu Hause allein den Haushalt machen? Wäre es nicht mal an der Zeit, dass sich endlich auch alle Männer daran gewöhnen, selbstverständlich ihren Teil dazu beizutragen?

„Auch die Förderung unfruchtbarer Partnerschaften, die nicht gesellschaftsrelevant sind, war ein politischer Fehler und ein falsches Signal.“ (Beobachterin)

Schließt das nun auch die Ehen ein, die (gewollt oder ungewollt) kinderlos bleiben? Sollten wir dann nicht doch besser die Familien mit Kindern (steuerlich) fördern/entlasten statt die Ehe? Egal ob es sich dabei um die traditionelle christliche Familie handelt oder um Familien mit einem alleinerziehenden Elternteil oder gar mit zwei gleichgeschlechtlichen Eltern? Ist nicht Familie da, wo Kinder sind? Das wäre doch der Ansatz, mehr Kinderfreundlichkeit (= Familienfreundlichkeit) zu schaffen.
Donnerstag, 16. März 2006 09:14
methusalix †: Sie merken schon, Frl. Ilse
der Beobachterin geht es primär nicht um Frauen, Kinder und Familien, sondern um die Unterstützung der Ideologie der katholischen Kirche in Sachen Ehe und Familie. Nur eine auf katholischen Vorgaben aufgebaute Ehe verdient Unterstützung und gesetzlichen Schutz. Nur Kinder, die in einer „katholischen Ehe“ aufwachsen sind gute und für den Staat „wertvolle“ Kinder. Kinder, die in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften oder, aus welchen Gründen auch immer, nur bei einem Elternteil aufwachsen, dürften nach katholischer Ideologie eigentlich gar nicht existieren und sollten weniger bis gar nicht unterstützt werden.
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