Deutschland
Brot statt Brei
Es allen – vor allem den Mächtigen – recht zu machen, ist heute die erste ungeschriebene pastorale Regel der Kirche. Doch der Kunde will keine Anbiederungen.
(kreuz.net, München) Die Kirche hat in Deutschland einen Bekanntheitswert von traumhaften 100 Prozent, schrieb Christoph Arens am Sonntag in der Tageszeitung ‘Oberbayrisches Volksblatt’.

Dennoch verliert die Kirche weiterhin und zunehmend den Kontakt zu den unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen in Deutschland.

Das ist offenbar die Erkenntnis einer Studie des Sinus-Instituts in Heidelberg. Sie wurde schon im letzten Herbst von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegeben.

Doch ihre Ergebnisse werden bislang nur hinter verschlossenen Türen diskutiert.

Das Sinus-Institut basiert seine Marktforschungen auf einer Einteilung der deutschen Bevölkerung in zehn verschiedene Lebenswelten oder Milieus. Zum Beispiel: „Etablierte“, „Konservative“, „Postmaterielle“ oder „Moderne Performer“.

Diese Einteilung ist nach Angaben des Institutes – das auch für Wirtschaftsunternehmen arbeitet – wichtig, um kundenorientiert vorzugehen.

Die Ergebnisse der Studie ist für die Kirche – wieder einmal – alarmierend.

Von den zehn genannten Lebenswelten stehen der Kirche nur drei eher positiv gegenüber: die „Konservativen“, die „Traditionsverwurzelten“ und die „Bürgerliche Mitte“.

Die „Konservativen“ sind die Repräsentanten des alten Bildungsbürgertums. Sie sehen in der Kirche die Hüterin des Abendlandes und einen Garanten des eigenen sozialen Status. In den Gottesdiensten und Pfarreien zeigen sie sich allerdings nur selten.

Die „Traditionsverwurzelten“ sind jene, die vor allem die Kirchenbänke füllen. Sie gehören zum weniger gut betuchten Kleinbürgertum, das auch die noch vorhandene Volksfrömmigkeit trägt.

Die „Bürgerliche Mitte“ nützt die kirchlichen Angebote wegen der Kinder und der Familie. In der Kirche zeigt sie sich eher fallweise.

Zu den kirchenfernen Lebenswelten gehören die „Modernen Performer“ oder die „Experimentalisten“.

In ihrem Leben kommt die Kirche außer beim Sterben eines Papstes, bei Hochzeiten oder Beerdigungen kaum noch vor.

Die Vertreter dieses Milieus verbinden mit Kirche „Rückständigkeit“, „Unbeweglichkeit“ und „Engstirnigkeit“.

Nahezu flächendeckend wird dort ihre göttliche Legitimität und ihr absoluter Wahrheitsanspruch bestritten. Auch von einer lebenslangen Bindung oder der Teilnahme an Gottesdiensten wollen diese Lebenswelten nichts wissen.

Chancen hat die Kirche bei ihnen trotzdem: als Anbieterin von punktuellen „spiritueller Erfahrungen“, mit künstlerischen oder intellektuellen Angebote und zeitweiser Geborgenheit.

Interesse wecken in diesem Milieu kirchliche Aussteiger, zum Beispiel der alternative Lebensstil von gewissen Ordensgemeinschaften.

Grundsätzlich kommt die Studie zur Erkenntnis, daß „klare Standpunkte“ einen guten Markt besitzen.

Gerade das junge Milieu wolle keine Anbiederung, sondern Echtheit:

„Zeigt uns, wofür ihr steht und sagt die Themen, die ihr als Kirche mit uns besprechen wollt“, beschreibt der Geschäftsführer der ‘Medien-Dienstleistungs-Gesellschaft’, die der Deutschen Bischofskonferenz gehört, die Herausforderung.
      
7 Lesermeinungen
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#7   Ansgar   13:55:28 | Montag, 20. März 2006
Die Mensur…
… ist kein Duell. Es geht darum, daß eine „Schlagende Verbindung“ uninteressant wird und keinen Nachwuchs bekommt, wenn sie sich des wesensstiftenden Elements der Mensur entledigt. Eine „katholische Kirche“ wird uninteressant, wenn sie auf katholische Inhalte und Formen verzichtet.
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#6   Parzifal   13:22:11 | Montag, 20. März 2006
@Ansgar
Sie sollten mal Schopenhauer lesen. In den „Aphorismen zur Lebensweisheit“ äußert er sich sehr ausführlich. Zwar nicht zu Burschenschaften, dafür aber zu beleidigten Offizieren die sich wegen jedem Käse duellieren wollen.
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#5   Maledica   13:03:15 | Montag, 20. März 2006
Schlagende Verbindungen
Katholische Studentenverbindung sind nie schlagend gewesen.
Deshalb konnten diese auch nicht die Mensur aufgeben!
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#4   Yersinia   15:30:25 | Samstag, 18. März 2006
@ansgar: ein etwas seltsamer Vergleich
oder: was hat christliches Handeln mit Waffengewalt zu tun?
wobei sich zusätzlich die wesentliche Frage stellt, welche Männer von solchen Dingen überhaupt angezogen werden?
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#3   Sirilo   11:37:27 | Samstag, 18. März 2006
Historische Anmerkung
„Es allen ? vor allem den Mächtigen ? recht zu machen, ist heute die erste ungeschriebene pastorale Regel der Kirche.“
War es – seit Konstantin dem Großen – nicht schon immer die Strategie der Kirche, es den Mächtigen recht zu machen?
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#2   bonifatius   19:53:08 | Freitag, 17. März 2006
Realitätsferne
Wie entfernt leben unsere Bischöfe von der Realität! Brauchen die glatt ein teuers Institut, um herauszufinden, warum dei Kirchen leerer und die Menschen gottloser werden. O, ihr armen Kardinäle, Bischöfe und Prälaten! Predigt die Wahrheit, so werdet ihr zwar gesteinigt, vielen Menschen aber schließt ihr die Herzen auf und führt sie zu Gott!
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#1   Ansgar   17:59:08 | Freitag, 17. März 2006
Es ist wahr:
Wer sein Profil scharf hält, klare Angebote macht und zu seinen Prinzipien steht, hat langfristig die größeren Überlebenschancen als einerseits Weichspüler oder andererseits Fanatiker. Die Geschichte der Kirche zeigt es wiederholt. Gilt aber auch für andere profilierte Gesellschaftsformen wie etwa die schlagenden Studentenverbindungen: Bünde, die Anfang der 70er die Mensur aufgaben (aus politischem Opportunismus) haben kaum überlebt, prinzipientreue Verbindungen blühen heute noch.
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