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Samstag, 18. März 2006 17:30
Prostitution oder Passionsspiel?
Wenige Monate vor dem Papstbesuch in Istanbul gibt es in der Türkei besorgniserregende Überfalle auf Geistliche und noch bedenklichere Berichte darüber in den Medien.
Links oben: Kathedrale St. Antonius in Mersin Rechts: P. Hanri Leylek
Links oben: Kathedrale St. Antonius in Mersin
Rechts: P. Hanri Leylek
(kreuz.net, Mersin) Der jüngste Vorfall ereignete sich am vergangenen Samstag um 19.00 in der katholischen Pfarrei der türkischen Stadt Mersin.

Die Stadt Mersin befindet sich im Süden der Türkei an der Mittelmeerküste.

Die Pfarrei wird von Kapuzinern betreut, die in einem Konvent leben, der direkt an die Pfarrei angeschlossenen ist.

„Wir übten mit den Jugendlichen im Saal des Konventes für ein Passionsspiel“, schrieb der Pfarrer, Pater Hanri Leylek, in einem Bericht für den Nachrichtendienst ‘AsiaNews’.

„Da erschien ein etwa 22jähriger Bursche an der Eingangstüre zum Saal und mischte sich unter die Pfarrjugend. Dann drängte er sich nach vorne.“

Im Saal befanden sich etwa 25 Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren.

„Einer der Burschen rief mich und erklärte, daß es einen Fremden gab, der Schwierigkeiten machte und mit einem Priester reden wollte“, erklärt der Geistliche.

Pater Leylek verließ daraufhin den Saal und begann, mit dem Fremden im Korridor zu sprechen:

„Als ich bemerkte, daß er unzusammenhängende Dinge von sich gab und Drohungen aussprach, fordert ich ihn auf, wegzugehen“ – so Pater Leylek.

Der Eindringling weigerte sich und stieß noch mehr Drohungen und Verwünschungen aus.

In der Zwischenzeit waren auch die Jugendlichen in den Korridor geströmt. Die Situation war so angespannt, daß der Pater beschloß, die Polizei zu rufen.

Dazu begab er sich in eine Telefonkabine, die sich ebenfalls im Korridor befand:

„Ich nahm den Hörer ab und wählte die Nummer der Polizei. Da sah ich plötzlich, wie die Jugendlichen auseinander rannten und der fremde Bursche mit einem 80 bis 90 Zentimeter langen Kebab-Messer, das er hinter seinem Rücken versteckt hatte, auf mich zukam und mich bedrohte.“

Er habe sofort den Hörer niedergelegt und versucht, den Angreifer zu beruhigen. Es sei ihm auch gelungen aus der engen Telefonzelle herauszukommen.

In der Zwischenzeit betrat ein zweiter Kapuziner, Pater Robert, den Korridor. Der Angreifer wandte sich diesem Pater zu und bedrohte ihn. Pater Robert versuchte ebenfalls, den Angreifer zu beruhigen.

Pater Leylek: „Es gelang mir, mich aus dem Haus zu schleichen und zur Polizeistation in der Nähe der Kirche zu gehen.“

In der Zwischenzeit ließ der Angreifer von Pater Robert ab und begab sich zurück in den Saal, wohin sich die Jugendlichen geflüchtet hatten.

Er öffnete die von den Jugendlichen zugesperrte Türe, indem er mit seinem Messer deren Glasfenster zerbrach. Im Saal durchstöberte er die dort aufgehängten Jacken und stahl ein Mobiltelephon.

Zu diesem Zeitpunkt hatten die Jugendlichen den Saal bereits durch andere Ausgänge verlassen und sich in Zimmer und Toiletten geflüchtet.

Der Angreifer schrie und drohte weiter.

„Nach fünf Minuten kehrte ich mit drei oder vier Polizisten ins Kloster zurück“ – setzt Pater Leylek seinen Bericht fort:

„Die Vollzugsbeamten trafen den Burschen im Treppenhaus des Klosters. Er bedrohte auch die Polizisten, die versuchten, ihn zu beruhigen.“

In der Zwischenzeit erreichten Journalisten und ein Dutzend Polizisten die Szene.

Nach einem ungefähr 15minütigen Hin und Her mit der Polizei ergab sich der Messerträger schließlich. Er wurde in Gewahrsam genommen und später wieder freigelassen.

Nicht weniger bedrohlich als der Angriff ist die Art, wie türkische Medien über den Zwischenfall berichteten.

Für einige Fernsehstationen bestand die Hauptmeldung darin, daß der Bursche den Konvent betreten habe, um der Kirche vorzuwerfen, Jungen und Mädchen, die zur Kirche kommen, miteinander zu verkuppeln. Der Messerangriff wurde bei dieser Art von Berichterstattung unterschlagen.

Nach Angaben der Kapuziner gibt es in der Türkei Stimmen, die den Leuten erzählen, daß die Kirche Moslems konvertiere und eine Gefahr für sie darstelle.

So berichtete die Tageszeitung ‘Vatan’ nur einen Monat nach der Ermordung des italienischen Priesters, Don Andrea Santoro, daß dieser Dollars verteilt habe, um Jugendliche in die Kirche zu locken.

Hinter solchen Meldungen scheint ein politischer Kampf religiöser Gruppen zu stehen, die gegen den EU-Beitritt der Türkei Stimmung machen.

Bereits vor zwei Monaten war die katholische Pfarrei in Mersin Schauplatz eines Besuchs durch einen Vandalen geworden, der ebenfalls von der Polizei verhaftet wurde.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 27 Lesermeinungen:
Montag, 20. März 2006 14:24
Erlauben Sie mal: Murx nennt doch Roß und Reiter. Jetzt ist es an den Pius-Brüdern, die Enthüllungen als falsch zu widerlegen. Eine voreingenommene Anti-FSSPX-Position, die nur auf Argumente von sedisvakantistischer Seite gewartet hätte, können Sie mir nicht vorwerfen. Ich habe vielmehr immer wieder ungläubig nachgefragt.

Sie meinen, die FSSPX ist verpflichtet, auf Zurufe aus einem Diskussionsforum zu reagieren? Ganz logisch, darum antworten ja auch der Hl. Vater und die V2-Bischöfe immer auf diesem Forum…

Roß und Reiter kann ich nicht erkennen. Roß wäre der Grund für eine – allfällige – Wiederweihe eines Priesters; Reiter der weihende Bischof. Beweise wurden ohnedies nicht genannt.
Montag, 20. März 2006 14:16
Benedikt: Halb…
Überaus wirksam ist auch: „Nein, du bist kein Halbidiot…“ War früher beliebt unter uns Schülern. Genug aber von der Kunst der Beleidigung.

Im übrigen kann es die bedingungsweise Wiederholung eines an sich nur einmaligen Sakraments geben(…)

Z.B. hat die bedingungsweise Wiedertaufe von Calvinern Tradition in der kath. Kirche.


Das mag sein. Aber die Calviner gehören auch nicht zur Kirche, im Gegensatz zur FSSPX. Das mindeste, was die Bruderschaft haben muss ist das gleiche Sakramentsverständnis und die Anerkennung, dass durch die approbierten Bücher gültig geweiht wird. Daran Zweifel zu säen hat ganz sicher schismatische Tendenzen.
Montag, 20. März 2006 13:00
Marcel: Halb…
Das Etikett „halbkonservativ“ ist mir noch nie aufgeklebt worden
Wenn im deftigen Allemannischen jemand jemanden einen Dackel nennt, so wird dies nur noch überboten dadurch, daß jemand jemanden einen Halbdackel nennt.
(Es soll auch noch „Grasdackel“ geben. Allerdings hörte ich noch nie von Graskonservativen.

Man sieht: „halb“ kann manchmal auch doppelt so viel meinen. Die ambivalenten Verwandschaften zwischen dem Germanischen und dem Angel-Sächsischen…
Montag, 20. März 2006 11:53
matti110: Belege der FSSPX
Belege: Pater Janetti, auf einem Foto, in einem Mitteilungsblatt der Piusbruderschaft, letzten Jahres (glaub Berichte aus dem Leben der Bruderschaft), in Winona/USA, bei einer Diakonatsweihe, als einziger geweihter Neupriester? mit Bischof…
Montag, 20. März 2006 11:41
Josefus: „sub conditione“
Wenn es solche Nachweihen gegeben hat, sind sie mit Sicherheit „sub conditione“ erfolgt, dass heißt, sie sind nur gültig unter der Bedingung, dass die für die Piusbruderschaft in manchen Fällen nicht ganz sichere Spendung beim erstenmal ungültig wäre. Dies habe ich schon bei Nachfirmungen der Piusbruderschaft erlebt. Und meines Wissens erfolgt dies bisweilen auch bei der Konversation von Protestanten bestimmter Richtungen, deren Taufritus nicht immer ganz zweifelsfrei ist, bisweilen auch in der „modernen“ katholischen Kirche und war jedenfalls in der Kirche schon lange vor Gründung der Piusbruderschaft immer üblich. Es wird also in keinem Fall das Sakrament ein zweites Mal gespendet, sondern es wäre beim 2.mal nur gültig, wenn es beim 1.-mal nicht korrekt vollzogen worden wäre. Daran kann in der heutigen Kirche bisweilen Zweifel angebracht sein, z. B. wenn ohne Not ein Regionaldekan das Sakrament der Firmung spendet anstatt ein Bischof oder Weihbischof wie in meinem Fall und dies ohne wenigstens die Anordnungen der heutigen Kirche im Vollzug des Ritus dazu genau zu beachten und die Firmlinge auf die Bedeutung des Sakramentes überhaupt vorzubereiten.
Montag, 20. März 2006 10:51
Ansgar: @ Tradiland
Erlauben Sie mal: Murx nennt doch Roß und Reiter. Jetzt ist es an den Pius-Brüdern, die Enthüllungen als falsch zu widerlegen. Eine voreingenommene Anti-FSSPX-Position, die nur auf Argumente von sedisvakantistischer Seite gewartet hätte, können Sie mir nicht vorwerfen. Ich habe vielmehr immer wieder ungläubig nachgefragt.

Das Etikett „halbkonservativ“ ist mir noch nie aufgeklebt worden; ich fasse es als Beleidigung auf.

Der Hinweis auf Reformierten-Neutaufen ist hingegen interessant.
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