17:07:12 | Sonntag, 19. März 2006
In ihrem ‘Gemeinsamen Fastenhirtenbrief’ aus dem Jahr 1956 benützten die Deutschen Bischöfe keine Schaumsprache: „Die praktisch Materialisten glauben, über die Gebote und über Gott selber hinwegsehen zu dürfen. So wird Gott herausgefordert. Wehe uns, wenn sein Zorn gegen uns entbrennen sollte!“
(kreuz.net) Es gibt ein eigenes
Sakrament der Buße, die heilige Beichte. Wer
in schwerer Sünde ist,
muß dieses Sakrament empfangen, ehe er zum Tisch des Herrn treten darf.
Aber wir sollten auch sonst
recht häufig zur heiligen Beichte gehen.
Denn beim Beichten erkennt der Mensch unseren Gott wirklich
als seinen Herrn an, beklagt die Übertretung seines heiligen Willens und versucht im Vorsatz, sein Leben
wieder neu nach den Geboten Gottes auszurichten.
Hier nimmt der Mensch das Gericht Gottes gleichsam vorweg
und beugt sich seinem Urteil.
Die deutschen Bischöfe:
Wir sollten regelmäßig, nach kurzen Abständen,
zum Bußgericht kommen. Das Bußsakrament ist um seiner selbst willen wert, häufiger empfangen zu werden.
Gewiß ist es für den Katholiken, der häufig oder gar täglich die heilige Kommunion empfängt, nicht
notwendig, jedesmal erst zu beichten.
Dennoch sollten wir regelmäßig, nach kurzen Abständen, zum Bußgericht
kommen. Das Bußsakrament ist um seiner selbst willen wert, häufiger empfangen zu werden.
Wir Bischöfe
richten also an unsere Gläubigen die herzliche Bitte und Mahnung, das Sakrament der Buße recht oft und
in wahrer Verdemütigung zu empfangen.
Wer dieser Mahnung nachkommt, ergreift ein wirksames Schutzmittel
gegen das so gefährliche, weil zunächst fast unmerkliche, allmähliche
Abgleiten in den praktischen
Materialismus.
In gleicher Richtung wirken die heiligen Exerzitien. Sie bestehen darin, daß wir uns
für einige Tage zurückziehen, strenges Schweigen beobachten und nach Anleitung eines erfahrenen Priesters
die Wahrheiten von Gott und Ewigkeit betend überdenken.
In einer Generalbeichte wird das Verhältnis
zu Gott neu geordnet. Wer solche Exerzitien im heiligen Ernste durchgeführt hat, kehrt von ihnen wie
ein neuer Mensch beglückt zurück.
Es wäre für Euere Bischöfe ein großer Trost, wenn recht viele
Männer, Frauen und Jugendliche sich entschließen könnten, in diesem Jahre in heiligen Exerzitien sich
aus der Tiefe ihrer Seele neu für Gott und gegen die Götzen unserer Tage zu entscheiden.
Eine andere
klare Absage an den Götzen Genußgier ist das heilige
Fasten. Die Kriegs- und Nachkriegsverhältnisse
haben es mit sich gebracht, daß dieser altehrwürdige christliche Brauch fast ganz aus der Übung gekommen
ist.
Wir Bischöfe mahnen Euch, die Abstinenz am Freitag, dem Todestag des Herrn und Heilandes, wieder
ernst zu nehmen und die wenigen Fasttage, die geblieben sind,
Die deutschen Bischöfe:
Wir wollen vielmehr
in den Zeiten der Buße auch auf das verzichten lernen, was nur der oberflächlichen Unterhaltung oder
dem Vergnügen dient.
streng zu beobachten und Euch nicht leichtfertig dispensieren zu lassen.
Wie aber
die Kirche, wenn sie uns nur zur österlichen Kommunion
verpflichtet, uns doch die häufige heilige Kommunion
herzliche nahelegt, so sollt Ihr auch, über das
vorgeschriebene Maß des Fastens hinaus, Euch ständige
Zucht im Gebrauch von Genußmitteln aller Art auferlegen, besonders in den Bußzeiten der Kirche.
Wir
meinen das Maßhalten und den zeitweiligen Verzicht gegenüber dem Alkohol, dem Nikotin und den Süßigkeiten.
Wir denken aber auch an das weite Gebiet der täglichen Sensation und Unterhaltung. Wir wollen nicht
nur die schlechten Darbietungen und Veranstaltungen meiden. Wir wollen vielmehr in den Zeiten der Buße
auch auf das verzichten lernen, was nur der oberflächlichen Unterhaltung oder dem Vergnügen dient.
Zu den besonderen Bußzeiten rechnen wir die Werktage der Fastenzeit, die Werktage der Adventswochen,
die Vigiltage, nicht zuletzt den Freitag, den Todestag unseres Herrn.
Schon die Kinder wollen wir anleiten,
in ihrer Weise Verzichte zu leisten. Zeitweilige Enthaltung in der Ehe, zu der Ihr Euch gemeinsam entschließt,
kann Ausdruck einer tiefen Liebe zu Christus sein.
Die Buße gehört zum christlichen Lebensstil.
Die
deutschen Bischöfe:
Die deutlichste Kampfansage gegen den Götzen Geld und Genuß ist das Almosengeben.
Allerdings nur dann, wenn es einen spürbaren Verzicht darstellt.
Die deutlichste Kampfansage gegen den
Götzen Geld und Genuß ist das
Almosengeben. Allerdings nur dann, wenn das Almosen in einer Höhe geleistet
wird, die dem Einkommen des Einzelnen und seinem Lebensaufwand entspricht, mit anderen Worten, wenn es
einen spürbaren Verzicht darstellt.
Was damit gemeint ist, macht folgende Begebenheit aus dem Leben
Jesu klar: Als der Herr eines Tages sah, wie reiche Leute viel Geld in einen Opferkasten warfen und eine
Witwe zwei Heller, da sagte er: „Die arme Frau hat mehr hineingelegt als alle anderen; denn alle anderen
warfen von ihrem Überfluß hinein“ (Lk 21,3f; Mk 12,43 f).
Nicht umsonst erklärt der Herr, daß ein
Reicher nur schwer ins Himmelreich eingehen wird, ja bei Menschen sei es unmöglich, aber bei Gott ist
alles möglich (Mt 19,23-26).
Darum seine ernste Mahnung: „Machet Euch Freunde mit dem ungerechten Mammon,
damit sie Euch, wenn es einmal zu Ende geht, in die ewigen Wohnungen aufnehmen!“ (Lk 16,9).
Wer reich
ist und sein privates Jahreseinkommen nach sechsstelligen Zahlen berechnet, überlege, ob er nicht, für
sich allein, Wohnhäuser für kinderreiche Familien baue oder in der Diaspora eine Kirche oder in den
Missionsländern ein Priesterseminar, ein Schwesternhaus, eine Krankenstation.
Wer ein nicht so hohes,
aber doch reichliches Jahreseinkommen hat, überlege, ob er nicht, für sich allein, eine bedrängte Familie
wirtschaftlich mit durchtrage oder aber einem oder mehreren jungen Männern daheim oder in der Mission
den Weg zum Priestertum öffne.
Und wer nicht über so viel verfügt oder große Verpflichtungen hat,
überlege, ob er nicht wenigstens bestehende Einrichtungen kirchlicher oder caritativer Art großherzig
unterstütze.
Und der unverheiratete junge Mensch, der weder seine Angehörigen großmütig unterstützt
noch für die spätere Familiengründung spart, sondern gewohnt ist, den größeren Teil seines Einkommens
für sich persönlich auszugeben, überlege, ob er nicht seiner Haltung nach auch unter das „Wehe den
Reichen“ (Lk 6,24) fällt und um die Rettung seiner armen Seele bangen muß!
Überall gibt es Menschen
in Not, und wer mit den Augen Christi um sich schaut, wird genug Gelegenheit haben, Almosen zu geben.
Die Armen unter uns aber sollen nicht vergessen, daß noch die Witwe zwei Heller gab.
Geliebte Diözesanen!
Es ist unheimlich auf unserer Erde geworden!
Die deutschen Bischöfe:
In der allgemeinen Ratlosigkeit und
angesichts der ungeheueren Bedrohung kann uns nur einer helfen: Gott der Herr.
In der allgemeinen Ratlosigkeit
und angesichts der ungeheueren Bedrohung kann uns nur einer helfen: Gott der Herr.
Aber die Verfechter
des dialektischen Materialismus leugnen ihn, und jene, die praktisch Materialisten sind, wähnen, über
seine Gebote und über ihn selbst hinwegsehen zu dürfen. So wird Gott herausgefordert. Wehe uns, wenn
sein Zorn gegen uns entbrennen sollte!
Wenn wir uns aber vom praktischen Materialismus lösen und in
aufrichtiger Buße, in Gebet, Fasten und Almosengeben zu unserem Herrn und Gott zurückkehren, so wollen
wir damit die flehentliche Bitte, aber auch die vertrauensvolle Hoffnung verbinden, daß Gottes Güte
uns vor dem drohenden Schrecken bewahre.
Der Arm des Herrn ist nicht zu kurz, um zu helfen; sein Ohr
ist nicht taub, um zu hören (Is 59,2). So spricht der Herr: „Des Volkes Heil bin ich; in jeder Not, in
der sie zu mir rufen, will ich sie erhören. Ich will ihr Herr sein ewiglich.“
Und wir antworten: „Auf
Dich, o Herr, habe ich meine Hoffnung gesetzt. Ich werde nicht zuschanden werden in Ewigkeit.“
Die Mutter
Maria aber lasse die Arme nicht sinken, um das Erbarmen Gottes für uns arme Sünder und Büßer zu erflehen.
So segne Euch und allen Eueren guten Willen und Euere Buße der allmächtige und barmherzige Gott, der
Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
Letzter Teil aus dem Hirtenbrief der deutschen Bischöfe zur
Fastenzeit 1956. Onlinebereitstellung durch stjosef.at
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