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Montag, 20. März 2006 18:50
Finstere Aussichten
Die nächste Entwicklung der Abtreibungsgesetzgebung wird einem unwilligen Kindsvater das Recht einräumen müssen, die von ihm geschwängerte Mutter auch gegen deren Willen in den Kinderschlachthof schleifen zu können.
Links: Der Philosoph Robert Spaemann
Links: Der Philosoph Robert Spaemann
(kreuz.net) Der deutsche Philosoph Robert Spaemann (78) kommentierte für die Mittwochsausgabe der ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’ das jüngste Urteil des Europäischen Gerichtshofes in Straßburg zur vorgeburtlichen Kindertötung.

Spaemann war bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1992 ordentlicher Professor an den Universitäten von Stuttgart, Heidelberg und zuletzt in München. Er lebt in Stuttgart im Südwesten Deutschlands.

Anlaß für den Artikel des Philosophen war ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes Anfang März. Das Urteil verwehrte es einer britischen Mutter, ihre im Reagenzglas gezeugten Kinder auch gegen den Willen des Kindsvaters austragen zu können.

Spaemann erklärt, daß dem Vater in dem Urteil das Recht eingeräumt werde, eine bereits bekundete Bereitschaft zum Vaterwerden zu widerrufen und die Ermordung seiner bereits gezeugten Kinder zu verlangen.

Unter diesen Bedingungen gebe es keinen plausiblen Grund, warum ein Kindsvater „das nicht auch verlangen dürfte, wenn er das Kind auf normale Weise gezeugt hätte“.

Dies gelte insbesondere im Fall, wenn der Vater sein Kind gegen die eigene Absicht oder wenn er ein behindertes Kind gezeugt habe – folgert Spaemann:

Vom Straßburger Urteil bis zum sogenannten Recht des Vaters, von der Mutter eine Abtreibung zu verlangen, wenn ihm die Aussicht auf Vaterschaft lästig ist oder er sich mit der Frau überworfen hat, sei es nur ein sehr kleiner Schritt.

Seit Jahrzehnten würden Überlegungen dieser Art – die
Philosoph Robert Spaemann:
Für den Prozeß, der hier im Gang ist, gilt Goethes Wort: „Man geht nie weiter, als wenn man vergessen hat, wohin man geht.“
Sorge vor dem „B“, das man sagen müsse, wenn man „A“ gesagt habe – als Hirngespinst abgetan.

„Und immer, wenn dann der nächste Schritt auf der Tagesordnung steht, geht die Beschwichtigung von vorne los.“ Inzwischen befinde sich die Gesetzgebung längst im Gleiten auf der schiefen Bahn.

Deshalb werde die Reaktion umso nervöser, wenn sich jemand nach dem Ende dieses Prozesses erkundigt.

Die Frage, wann Promotoren dieses Prozesses endlich erklären würden, am Ziel angelangt zu sein, sei politisch unkorrekt und dürfe nicht gestellt werden.

Es gehöre zu dieser Ideologie, daß das Ziel nicht benennbar sei – so Spaemann: Es gebe nämlich in Wirklichkeit gar kein Ziel.

Wohl aber gebe es ein Ende – jenes, das nur Ende und nicht Ziel ist: der Tod.

Wer die Bedingtheit des Lebens beseitigen wolle, müsse das Leben beseitigen. Wer um jeden Preis jedes Leiden beseitigen wolle, müsse die Leidenden beseitigen, resümiert der Philosoph.

Für den Prozeß, der hier im Gang sei, gelte Goethes Wort: „Man geht nie weiter, als wenn man vergessen hat, wohin man geht.“
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 18 Lesermeinungen:
Mittwoch, 22. März 2006 01:08
methusalix †: Lassen Sie uns an Ihrem überirdischen Wissen teilhaben, Bonifaz!
bonifatius: Drum sind diese ja der Schweinerei verfallen. Gell.

Wer sind diese und welche Schweinerei? Die der Kirchenbeamten oder die des misera plebs?
Dienstag, 21. März 2006 21:43
bonifatius: Methusalem:kraftprozende Wortmeierei
MethusalemDas gute ist: auf diesem Gebiet hat sich die katholische Kirche derartig massiv selbst diskreditiert, dass den katholischen Unsinn über Liebe Sex und menschliche Gefühle kein Schwein mehr abnimmt.“
Drum sind diese ja der Schweinerei verfallen. Gell.
Dienstag, 21. März 2006 19:56
Mein Gott, noch einer der von Liebe und Sex keine Ahnung hat, aber gut katholisch das Maul aufreissen muss.

Wenn man mit den erzreaktionären und stockkonservativen Katholiken, die glauben die Weisheit über menschliche Gefühle mit Löffeln gefressen zu haben und überzeugt sind im alleinigen Besitz der seligmachenden, göttlichen Wahrheit zu sein, so umgehen würde, wie diese mit dem Rest der Welt, dann würde ein füfhundertjähriges Bussschweigen zum Thema Liebe und Sexualität, ja überhaupt zum menschlichen Fühlen bei weitem nicht ausreichen.

Das schlechte ist: niemand kann das denen aufzwingen, so wie die katholische Hierarchie das mit missliebigen Personen machen kann und macht.

Das gute ist: auf diesem Gebiet hat sich die katholische Kirche derartig massiv selbst diskreditiert, dass den katholischen Unsinn über Liebe Sex und menschliche Gefühle kein Schwein mehr abnimmt.
Dienstag, 21. März 2006 09:25
wiener: fertiger mensch?
r. spaemann ist zuzustimmen. er denkt – auch wenn es unpopulär sein mag – die konsequenz dieses gerichtsurteils durch.

und hier im forum tritt sich munter wieder die uralte diskussion breit, ab wann ein mensch denn als solcher zu betrachten sei bzw. bis wann nicht.
mir ist bisher noch kein vernünftig nachvollziehbarer punkt nach der verschmelzung der zellkerne von ei- und samenzelle („befruchtung“) genannt worden, der nicht willkürlich gesetzt war.
mit der befruchtung aber beginnt ein linearer zielgerichteter prozess, an dessen ende ein lebensfähiger mensch steht. dieser prozess ist vorher bei weiblicher ei- und männlicher samenzelle nicht gegeben. daher besteht ab der befruchtung ein wesentlicher unterschied zu vorher. ab diesem punkt kann ich daher von einer menschlichen identität sprechen (bis zu diesem punkt kann ich meine lebensgeschichte schlüssig zurück verfolgen).
alle anderen zeitpunkte sind dagegen willkürlich gesetzt: ausbilden der großhirnrinde, verschiedene fähigkeiten (schmerzempfinden etc.), ende der natürlich möglichen zwillingsteilung …

daher: der mensch ist mensch von anfang an, d.h. ab der befruchtung, und ist somit ab diesem zeitpunkt zu schützen.
Dienstag, 21. März 2006 08:56
athanasius1957: der Trugschluß von Methusalix
und aller „rechtgläubigen“ Katholiken liegt darin, jede befruchtete Zelle als fertigen Menschen mit allen Rechten (und Pflichten?) zu sehen, auch wenn er im Morula- oder Blastulastadium verbleibt.
Wenn das so wäre, [fett]
müsste auch jedes männliche Spermium und jede weibliche Eizelle so geschützt werden, da auch dort bereits ein kompletter Chromosomensatz mit der Fähigkeit einen ganzen Menschen zu entwickeln, vorliegt[kursiv].[[fett]kursiv]
Im Spermium sowie in der Eizelle liegt nur ein haploider, d.i. ein einfacher, Chromosomensatz vor.
Die Frage der Personalisation, d.h. Rechte und Pflichten einer Person, wurde durch das Dogma der Unbefleckten Empfängnis endgültig geklärt, da es ja ein Unding gewesen wäre, wäre die Beseelung der allerseligsten Jungfrau erst zu einem späteren vorgeburtlichen Zeitpunkt erfolgt.
Somit ist die Zygote ein einzelliger Embryo, dem folgen die Stadien Morula und Blastula. Mit der Nidation im Uterus wird der Embryo zum Fötus und bleibt es bis zur Geburt.
Dianne N. Irving, ehedem Wissenschafterin am NIH, hat in den letzten Jahren erfolgreich gegen den Huxleyschen Neusprech gekämpft, um insbesondere den wissenschaftlichen Irrsinn des Präembryo (Konzeption bis Nidation), welcher unter Mithilfe des kath. Geistlichen McCormick und des Froschevolutionsbiologen Grobstein geschaffen wurde, zu korrigieren.
Dienstag, 21. März 2006 08:41
mahner: @ methusalix
…von dem er, Kraft Amtes, keinerlei Ahnung haben darf… Genau das hat er mit seiner Enzyklika gemeint… heutzutage wird Liebe mit SEX verwechselt, auch Du Klugsch… begehst den Fehler. Von Liebe hat der hl. Vater sicher mehr Ahnung als Alle Kritiker zusammengenommen
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