Kurie
Aufprall mit den Autoscheinwerfern überlebt
Erzbischof Levada erklärte in einem Interview, daß ihm der Heilige Vater sein neues Amt mit einem Lächeln übergeben habe.
(kreuz.net) Kürzlich beantwortete der Präfekt der Kongregation für den Glauben, Mons. William Levada, dem US-Wochenmagazin ‘Time Europa Magazine’ zehn Fragen.

Dabei ging es um seine Kardinalsernennung, katholische Abtreibungspolitiker, den Islam und nicht zuletzt um die Homo-Unzucht im Klerus.

Das Interview wurde am Sonntag auf der Homepage des Wochenmagazins vorab veröffentlicht.

Zur Frage, was er beim Gedanken an den Kardinalspurpur empfinde, antwortet der Erzbischof, daß er sich selbstverständlich geehrt fühle. Aber er wolle auch sicher gehen, daß der Hut richtig sitze.

In seine Arbeit habe er sich inzwischen eingelebt. Den „Augenblick, wo der Hirsch gegen die Wagenscheinwerfer prallt“ – die Einarbeitungszeit – habe er hinter sich.

Im Augenblick sei der umfangreiche Lesestoff eine große Herausforderung. Er studiere nicht nur neues Material, sondern lese auch alte Entscheidungen der Glaubenskongregation.

Zum Islam meinte Mons. Levada, daß ein Religionsvertreter, der zur Gewalt aufrufe, seine Religion mißverstanden habe.

In der Religion gehe es um unsere theologischen Ansichten und die Anbetung Gottes. Dabei sei auch anzuerkennen, daß wir ein Teil der Familie Gottes seien. Gewalt könne darum kein Hausbewohner der Religion sein.

Ob der Vatikan von seiner absoluten Monarchie abrücken und demokratischer werden solle, wird der Erzbischof sodann gefragt.

Mons. Levada antwortet, daß die katholische Hierarchie eine offene Diskussion nicht ausschließe. Der Papst wolle von den sehr wertvollen Erkenntnissen seiner Mitarbeiter erfahren.

Außerdem sei der absolute Monarch der Kirche aus einer Wahl hervorgegangen.

Der neue Papst sei für offene Debatten besonders aufgeschlossen. Erzbischof Levada verweist dabei auf die Bischofssynode im vergangenen Oktober.

Damals habe Benedikt XVI. zum ersten Mal freie Diskussionszeiten eingeführt.

Mons. Levada übernahm diesen Brauch für die Treffen der Mitarbeiter der Glaubenskongregation: „Die Mitarbeiter der Kongregation wissen das zu schätzen.“

Der Erzbischof wird auch zur Frage der Kommunionspendung an Abtreibungspolitiker befragt, die in den USA sehr heiß diskutiert wird.

Dazu meinte Mons. Levada, daß es Lehren gebe, die ein Katholik zu akzeptieren habe:

„Wenn katholische Politiker ein Recht auf Kinderabtreibung unterstützen, muß man sich wirklich fragen, wie sie dies mit dem eigenen Glauben vereinbaren können.“

Solche Politiker müßten sich wohl die eigene Unfähigkeit eingestehen, ihren Glauben mit ihrer Tätigkeit als Politiker zu verbinden.

Das Interview kommt auch auf das Ende November von der Erziehungskongregation veröffentlichte Homo-Dokument zu sprechen.

Der Text sei inhaltlich sehr klar, stellt der Erzbischof fest. Er besage, daß sich ein junger Mann mit tiefsitzenden Homo-Tendenzen nicht für das Priesteramt eigne.

Aber der Weg zum Priestertum stehe ihm trotzdem offen, wenn er nach fünf oder zehn Jahren zeige, zölibatär leben zu können.

Doch auch dann sei eine spirituelle und psychologische Überprüfung notwendig.

Zur Frage des Zölibates erklärte Mons. Levada, daß die Ehelosigkeit des Priesters in der kirchlichen Disziplin begründet sei. Der Zölibat sei auch eine Antwort an den unverheirateten Christus, der zur Nachfolge einlade.

Heute müsse die Kirche kreativ neue Wege der Berufungspastoral finden. Zudem sei es notwendig, die Priester besser zu verteilen.

Auf die Frage nach der klerikalen Unzucht mit Jugendlichen verwies Mons. Levada auf seine Erfahrungen als Diözesanbischof. Dabei habe er aus dem persönlichen Kontakt mit den Betroffenen lernen können.

Man könne dann auch sehen, wie sich viele Fälle voneinander unterscheiden. Bei der Lösung dieser Probleme sei immer auf das zu achten, was die Gerechtigkeit fordere.

Die Frage, ob er vom Heiligen Vater bei Arbeitsantritt in der Glaubenskongregation Ratschläge für sein neues Amt erhalten habe, verneinte der Erzbischof lachend:

„Er hat nur geschmunzelt und gesagt: »Packen Sie es an«.“
      
3 Lesermeinungen
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#3   Dr. Otterbeck   06:28:23 | Mittwoch, 22. März 2006
Deer-in-the-lights-phase
Vielleicht wird es sich noch als besonderer Glücksfall erweisen, dass jetzt ein „U.S. prelate“ prominent mitredet. Wer das TIME-interview las, wird bemerkt haben, dass die Antworten sehr treffsicher waren. Die kreuz.net-Übersetzung gibt das leider nicht gut wieder.
Ob man hier je aus der deer-in-the-lights-phase rauskommt??
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#2   Benedikt78   16:28:20 | Dienstag, 21. März 2006
Genau das!
Genau das wollte ich auch schreiben!
Zum Islam meinte Mons. Levada, daß ein Religionsvertreter, der zur Gewalt aufrufe, seine Religion mißverstanden habe.
Vielleicht hat Mons. Levada „die andere“ Religion missverstanden. Er gibt aber zu noch viel lesen zu müssen. Es bleibt zu hoffen, dass ihm auch einige Bücher über das Leid der verfolgten Christen in islamischen Ländern in die Hände fallen!
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#1   Dr. Christoph Heger   15:19:05 | Dienstag, 21. März 2006
Kardinal Levada zum Islam
Zum Islam meinte Mons. Levada, daß ein Religionsvertreter, der zur Gewalt aufrufe, seine Religion mißverstanden habe.
Das hat der Kardinal aber sehr diplomatisch gesagt! Selbstverständlich haben die Dschihad-Prediger ihren Islam sehr gut verstanden.
MfG
Christoph Heger
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