12:52:46 | Dienstag, 21. März 2006
Erzbischof Levada erklärte in einem Interview, daß ihm der Heilige Vater sein neues Amt mit einem Lächeln übergeben habe.
(kreuz.net) Kürzlich beantwortete der Präfekt der Kongregation für den Glauben, Mons. William Levada,
dem US-Wochenmagazin ‘Time Europa Magazine’ zehn Fragen.
Dabei ging es um seine Kardinalsernennung, katholische
Abtreibungspolitiker, den Islam und nicht zuletzt um die Homo-Unzucht im Klerus.
Das Interview wurde
am Sonntag auf der Homepage des Wochenmagazins vorab veröffentlicht.
Zur Frage, was er beim Gedanken
an den Kardinalspurpur empfinde, antwortet der Erzbischof, daß er sich selbstverständlich geehrt fühle.
Aber er wolle auch sicher gehen, daß der Hut richtig sitze.
In seine Arbeit habe er sich inzwischen
eingelebt. Den „Augenblick, wo der Hirsch gegen die Wagenscheinwerfer prallt“ – die Einarbeitungszeit –
habe er hinter sich.
Im Augenblick sei der umfangreiche Lesestoff eine große Herausforderung. Er studiere
nicht nur neues Material, sondern lese auch alte Entscheidungen der Glaubenskongregation.
Zum Islam meinte
Mons. Levada, daß ein Religionsvertreter, der zur Gewalt aufrufe, seine Religion mißverstanden habe.
In der Religion gehe es um unsere theologischen Ansichten und die Anbetung Gottes. Dabei sei auch anzuerkennen,
daß wir ein Teil der Familie Gottes seien. Gewalt könne darum kein Hausbewohner der Religion sein.
Ob der Vatikan von seiner absoluten Monarchie abrücken und demokratischer werden solle, wird der Erzbischof
sodann gefragt.
Mons. Levada antwortet, daß die katholische Hierarchie eine offene Diskussion nicht
ausschließe. Der Papst wolle von den sehr wertvollen Erkenntnissen seiner Mitarbeiter erfahren.
Außerdem
sei der absolute Monarch der Kirche aus einer Wahl hervorgegangen.
Der neue Papst sei für offene Debatten
besonders aufgeschlossen. Erzbischof Levada verweist dabei auf die Bischofssynode im vergangenen Oktober.
Damals habe Benedikt XVI. zum ersten Mal freie Diskussionszeiten eingeführt.
Mons. Levada übernahm
diesen Brauch für die Treffen der Mitarbeiter der Glaubenskongregation: „Die Mitarbeiter der Kongregation
wissen das zu schätzen.“
Der Erzbischof wird auch zur Frage der Kommunionspendung an Abtreibungspolitiker
befragt, die in den USA sehr heiß diskutiert wird.
Dazu meinte Mons. Levada, daß es Lehren gebe, die
ein Katholik zu akzeptieren habe:
„Wenn katholische Politiker ein Recht auf Kinderabtreibung unterstützen,
muß man sich wirklich fragen, wie sie dies mit dem eigenen Glauben vereinbaren können.“
Solche Politiker
müßten sich wohl die eigene Unfähigkeit eingestehen, ihren Glauben mit ihrer Tätigkeit als Politiker
zu verbinden.
Das Interview kommt auch auf das Ende November von der Erziehungskongregation veröffentlichte
Homo-Dokument zu sprechen.
Der Text sei inhaltlich sehr klar, stellt der Erzbischof fest. Er besage,
daß sich ein junger Mann mit tiefsitzenden Homo-Tendenzen nicht für das Priesteramt eigne.
Aber der
Weg zum Priestertum stehe ihm trotzdem offen, wenn er nach fünf oder zehn Jahren zeige, zölibatär leben
zu können.
Doch auch dann sei eine spirituelle und psychologische Überprüfung notwendig.
Zur Frage
des Zölibates erklärte Mons. Levada, daß die Ehelosigkeit des Priesters in der kirchlichen Disziplin
begründet sei. Der Zölibat sei auch eine Antwort an den unverheirateten Christus, der zur Nachfolge
einlade.
Heute müsse die Kirche kreativ neue Wege der Berufungspastoral finden. Zudem sei es notwendig,
die Priester besser zu verteilen.
Auf die Frage nach der klerikalen Unzucht mit Jugendlichen verwies
Mons. Levada auf
seine Erfahrungen als Diözesanbischof. Dabei habe er aus dem persönlichen Kontakt mit
den Betroffenen lernen können.
Man könne dann auch sehen, wie sich viele Fälle voneinander unterscheiden.
Bei der Lösung dieser Probleme sei immer auf das zu achten, was die Gerechtigkeit fordere.
Die Frage,
ob er vom Heiligen Vater bei Arbeitsantritt in der Glaubenskongregation Ratschläge für sein neues Amt
erhalten habe, verneinte der Erzbischof lachend:
„Er hat nur geschmunzelt und gesagt: »Packen Sie es
an«.“
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