Kürzlich verzichtete der Papst auf seinen Titel „Patriarch des Abendlandes“. Als Ursache dafür wurden – je nach der theologischen Richtung der Kommentatoren – verschiedene Gründe vermutet.
(kreuz.net, Vatikan) Der Titel „Patriarch des Abendlandes“ wurde erstmals im 5. Jahrhundert verwendet.
Doch in der neuen Ausgabe des Päpstlichen Jahrbuches ‘Annuario Pontificio’, das Anfang März publiziert
wurde, erscheint die Bezeichnung nicht mehr unter den offiziellen Titeln des Papstes.
Der ‘Päpstliche
Rat für die Einheit der Christen’ hat jetzt in einer Stellungnahme erklärt, warum der Papst den Titel
„Patriarch des Abendlandes“ nicht mehr führen will.
Das berichtete ‘Radio Vatikan’ heute Mittwoch. Präsident
des Einheitsrates ist der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper.
Im Text des Einheitsrates wird erklärt,
daß sich die alten Patriarchate des Ostens – die von den Konzilien von Konstantinopel (381) und Chalzedon
(451) festgelegt wurden – auf ein klar umrissenes Gebiet bezogen hätten.
Das sei beim Territorium des
römischen Bischofssitzes nie der Fall gewesen.
Die Konzile des Mittelalters hätten den Papst als den
ersten der damals fünf Patriarchen verstanden. Dabei sei der Titel „Patriarch des Abendlandes“ nie ausdrücklich
gebraucht worden.
Dieser Titel sei vor allem im 16. und 17. Jahrhundert aufgekommen. Damals hätten sich
die Titel der Päpste generell vermehrt. Das Päpstliche Jahrbuch erwähnte die Bezeichnung zum ersten
Mal im Jahr 1863.
Heute lasse der Begriff „Abendland“ an einen kulturellen Kontext denken, der sich nicht
nur auf Westeuropa beschränke, sondern sich über die Vereinigten Staaten bis hin nach Australien und
Neuseeland erstrecke:
Diese moderne Bedeutung des Begriffs beschreibe kein kirchliches Gebiet und könne
darum auch nicht als Definition eines Patriarchal-Territoriums gebraucht werden.
Der Begriff „Patriarch
des Abendlandes“ wäre kirchenrechtlich gesehen nur dann sinnvoll, wenn er die besondere Jurisdiktion
des Bischofs von Rom für die römische, lateinische Kirche beschreiben würde.
Tatsächlich sei der
Titel von Anfang an unklar gewesen und im Lauf der Geschichte weiter obsolet und praktisch nicht mehr
benutzbar geworden: „Es scheint also sinnlos, ihn weiter mitzuschleppen.“
Das gelte umso mehr, als die
lateinische Kirche seit dem Zweiten Vatikanum in den Bischofskonferenzen die kanonische Ordnung gefunden
habe, welche den heutigen kirchlichen Bedürfnissen am besten entspreche.
Die Streichung des Titels „Patriarch
des Abendlandes“ ändere selbstverständlich nichts an der Anerkennung der antiken Patriarchalkirchen,
zu denen Rom nach wie vor gehöre.
Noch weniger bedeute es, neue Ansprüche zu stellen.
„Der Verzicht
auf den Titel will hingegen einen historischen und theologischen Realismus ausdrücken und kann auch einen
neuen Schub für den ökumenischen Dialog mit sich bringen.“
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5 Lesermeinungen
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Kein Patriarch des Abendlandes:Respekt für die Ehrlichkeit Papa Benedetto ist ehrlich:Kein Väterchen,kein
Papa, kein Patriarch der großartig sich als Weltenvater aufspielen will. Kein Problem! Wir haben alle
unseren eigene einfachen Familien-Vater den wir ehren dürfen und sollen,wenn wir das „Vater unser“ beten.
Er darf trotzdem dabei sein,die Jugend liebt ihn und alle die „jung“ geblieben sind ehren ihn und schauen
mit Respekt und voll Hoffnung auf eine friedliche Zeit wo ein weiser Schriftgelehrter einer von uns geworden
ist.Find ich echt nett,nicht so hochnäsig! Trotzdem bleibt Benedetto ein unvergleichlich netter Freund
dem Kinderseelen einfach natürlich zufliegen weil er sie schätzt wie sie sind,das ist seine individuelle
Natur seiner Person.Wenn ich noch ein Kind wäre,oder ein Student wäre,würde ich ihn sehr hochachtunsvoll
aufblicken und mich ganz einfach freuen ihn zu begegnen.Er hat keine unehrliche unnatürliche Freundlicheit,die
aufdringlich erscheint.Ich kann viel von Ihm lernen!
@ Evelin Dieser Papst tut nichts ohne Sinn, den er aus seinem gewaltigen Intellekt und der langen Erfahrung
in Lehramt und Kurie schöpft. Die Wiedereinführung des Camauro, die Abschaffung von Wappen-Tiara und
Titel, das wirkt schwer begreiflich, wird aber bald verstanden werden. Übrigens: Pfarre St. Peter – ich
meine, des Papstes Pfarre müßte St. Giovanni in Laterano sein…
Ein schöner alter Titel Warum gibt man dann nicht „Bischof von Rom“ und „Erzbischof von Latium“ und „Primas
von Italien“ weg, da der Papst doch sowieso „Hirte der universellen Kirche“ ist. Schade eigentlich, denn
gerade die alten Titel – selbst wenn er die Amtsgeschäfte für das historische Abendland, Italien, Rom,
Pfarre St. Peter nicht selbst führt – zeigen eine gewisse Verbundenheit mit kirchlichen Wirklichkeiten.
Quaestiones disputatae Die wirkliche Begründung findet man wohl in Joseph Ratzinger – Karl Rahner: Episkopat
und Primat. Freiburg i.Br. 1961 (Quaestiones disputatae. 11).
der Text wirft die frage auf welche jurisdiktionelen status hasben die bischofskonferenz sie simd doch
laut letzter vatikanischer instruktion beratungsfunktion träumt der gute herr kasper wieder wie er das
bisweilen tut?