20:43:34 | Donnerstag, 23. März 2006
St. Pölten
Heute hat ein österreichisches Boulevardmagazin schwere – und ungeprüfte – Anschuldigungen gegen den Vizeoffizial der Diözese St. Pölten, Hw. Reinhard Knittel, an die Luft gesetzt. Doch dieser wehrt sich. Die Stellungnahme des Priesters im Wortlaut.
(kreuz.net, St. Pölten) In der heute erschienenen Ausgabe von ‘News’ Nr. 12/2006 werden auf den Seiten
48-49 unter dem Titel „Krenns Skandalpriester“ völlig unwahre Vorwürfe gegen mich kolportiert beziehungsweise
publiziert.
Der suspendierte St. Pöltener Diözesanpriester Volker S. beschuldigt mich in einem den
Medien zugespielten Schreiben, ihn als Kaplan Anfang der 90er-Jahre massiv sexuell belästigt zu haben.
‘News’ hat diesen Brief ohne Gegenprüfung auf meiner Seite verwendet und versucht, daraus eine Skandalgeschichte
zu machen. Inhaltlich stellen diese Beschuldigungen eine haltlose Lüge dar, die folgenden Hintergrund
hat:
Der Anschuldiger, Mag. Volker S., ist ein Priester, über dessen unseliges Treiben ‘News’ bereits
in Nr. 4/1997 selber berichtet hatte. Hätte ‘News’ im Zuge sorgfältiger journalistischer Recherche in
sein eigenes Archiv geschaut, hätte es dort also nachlesen können, daß Volker S. wegen Drogenkonsums
und wegen ausschweifenden homosexuellen Treibens für den priesterlichen Dienst untragbar geworden war.
Er wurde im März 1997 vom Kreisgericht Krems zu einer 12jährigen Haftstrafe wegen schwerer Körperverletzung
und versuchten Mordes an einem Strichbuben verurteilt und wurde vor wenigen Wochen auf Bewährung aus
der Haft entlassen.
Derzeit befindet er sich in psychotherapeutischer Behandlung in Deutschland zur Vorbereitung
seiner Wiedereingliederung in ein ziviles Leben.
Gegen Volker S. wurde nach seiner Haftentlassung ein
innerkirchliches Strafverfahren – Disziplinarverfahren – eingeleitet, da noch die kirchenrechtlichen Konsequenzen
seines bisherigen Verhaltens abzuarbeiten sind.
Am Prozeßverlauf war ich in meiner Eigenschaft als Vizeoffizial
des St. Pöltener Diözesangerichtes erst ab Jänner 2006 beteiligt. In diesem Verfahren hat er gegen
mich eine „Befangenheitseinrede“ erhoben und diese mit den eingangs geschilderten unwahren Vorwürfen
begründet.
Diese Vorwürfe sind meiner Meinung nach psychotische Projektionen eigenen sittlichen Versagens,
aber gleichzeitig wohl der infame Versuch, die kirchlichen Gerichtspersonen, die über ihn zu richten
haben
Hw. Reinhard Knittel:
„‘News’ hat unter schwerer Verletzung jeder journalistischen Sorgfalt diese
Vorwürfe ungeprüft wiedergegeben und zu einem vermeintlichen neuen »St. Pölten-Skandal« aufgeblasen.“
werden, durch „persönliches Anpatzen“ auszuschalten und so den Lauf der innerkirchlichen Verfahren gegen
ihn weiter zu blockieren.
Ich habe sofort nach dem Einlangen dieser Beschuldigungen am 1. März 2006
gegenüber dem hochwürdigsten Herrn Diözesanbischof DDr. Klaus Küng eine ausführliche Stellungnahme
abgegeben und die Haltlosigkeit der frei erfundenen Vorwürfe dargetan.
Bischof Küng hat dies zur Kenntnis
genommen und mangels namentlich genannter Zeugen keinen Grund zum Einschreiten gegen mich gesehen.
Im
Einvernehmen mit dem Bischof habe ich allerdings die richterliche Funktion in der Strafsache Volker S.
abgegeben, da unter den gegebenen Umständen eine objektive Amtsführung nur noch schwer möglich wäre.
In weiterer Folge hat Volker S. dieses als „Befangenheitseinrede“ betitelte Verleumdungsschreiben an
verschiedene Medien versandt.
Der Hintergrund dieser Medienaktion ist noch nicht klar, vermutlich wurde
er dazu von Personen angestiftet, die im Zuge der Diözesanvisitation 2004 wegen ihrer sittlichen Verfehlungen
Konsequenzen zu tragen haben werden und sich damit bis heute nicht abfinden können.
‘News’ hat unter
schwerer Verletzung jeder journalistischen Sorgfalt diese Vorwürfe ungeprüft wiedergegeben und zu einem
vermeintlichen neuen „St. Pölten-Skandal“ aufgeblasen.
Da ich mir derart rufschädigende Anschuldigungen
oder Veröffentlichungen um meiner Person, aber mehr noch um des Rufes der Kirche Christi willen, auch
nicht im geringsten bieten lasse, habe ich noch am Tag des Erscheinens von ‘News’ einen Rechtsanwalt damit
beauftragt, alle medienrechtlichen Schritte einzuleiten.
Mittlerweile liegt bereits eine mündliche Entschuldigung
der ‘News’-Redaktion vor, die aber zur Wiedergutmachung des angerichteten Schadens noch nicht ausreichen
wird.
Gerade in der Fastenzeit sollten wir alle, Priester und Laien, besonders um die Gabe der Unterscheidung
der Geister beten.
Ich strecke meine Hand zur Versöhnung jenen entgegen, die mich durch diese Aktion
in meiner priesterlichen Existenz schwerwiegend verletzen wollten und bitte alle in der Diözese St. Pölten,
auch weiterhin ihr volles Vertrauen dem gegenwärtigen Hirten DDr. Klaus Küng entgegenzubringen, der
wirklich in allen Vorwürfen und Problemfällen den gebotenen Fragestellungen nach bestem Gewissen nachgeht.
Allen Gläubigen, die mich persönlich kennen, versichere ich, daß ich Sie auch weiterhin in meinem
in meinem kirchlichen Dienst in Einheit mit dem Heiligen Vater und dem Ortsbischof so gut wie möglich
nicht enttäuschen werde.
Eine gesegnete Fastenzeit und gute Karwoche wünscht Ihnen allen schon heute
Ihr Vizeoffizial Dr. Dr. Reinhard Knittel, Kirchenrektor
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