[ « 315 316 317 318 319 » ]
Montag, 27. März 2006 18:39
Besitzen Tiere eine Seele?
Das Ableben eines geliebten Hundes kann eine tiefe Traurigkeit und bei alten und einsamen Tierbesitzern sogar den Tod hervorrufen. Von Hw. Dr. theol. Adolf Fugel.
(kreuz.net) Unsere Welt ist gegenüber der Tierwelt, die in den letzten Jahrzehnten arg dezimiert wurde, empfindlich geworden. Das ist berechtigt.

Einige Tierschützer gehen allerdings über eine berechtigte Sorge wesentlich hinaus. So gibt es ein esoterisches Gedankengut, das dem Tier nach dem Bild des Menschen sogar eine unsterbliche Seele zusprechen möchte.

Die Frage, was die menschliche Seele ist und ob eine ähnliche Seele dem Tier zugesprochen werden kann – oder ob man nicht einfach das Leben als solches mit „Seele“ verwechselt – muß geklärt werden.

Immer öfter wird daher gefragt: Haben Tiere eine Seele?

Die biblischen Berichte unterscheiden zwischen der höheren Schöpfung des Menschen und der Schöpfung der Tiere, die das Weltall füllen.

Als Gott bei der Schöpfung die ersten Menschen anhauchte, blies er „den Lebensatem in die Nase des Menschen“. Die Nase ist das eigentliche Atmungsorgan, so wie der Mund zur Nahrungsaufnahme dient.

In diesem Augenblick gab Gott dem Menschen etwas von sich – das Ureigenste –, das aus dem Innern Gottes herauskommt. Gott ist reiner Geist und nichts anderes. Darum kann die Mitteilung seines „Atems“ nur eines enthalten: den göttlichen Geist.

Bei einer näheren Betrachtung des Textes wird klar, daß die Genesis einen Unterschied zwischen „dem Menschen aus dem Ackerboden“ – also der Körperlichkeit – und dem Geist macht, der dem Menschen gegeben wurde.

Körper und Geist gehören wesenhaft zum Menschsein. Das eine kann nicht ohne das andere existieren.

Während der Geist als reine Existenz ohne Körper ein Engel wäre, ist der Körper ohne den Geist Ackerboden. Als „Ackerboden“ kann man auch die Existenz der lebenden, nicht mit dem Hauch Gottes versehenen Lebewesen verstehen.

Die Materie übernimmt lebenswichtige, vom Menschen nicht gesteuerte, unbewußte, so genannte naturhafte oder triebgebundene Funktionen, wie Herzschlag, Lungenfunktion, Verdauung. Diese Funktionen hat der Mensch mit allen Tieren gemeinsam.

Worin unterscheiden sich aber Mensch und Tier? Durch den Geist, das heißt, durch seinen Willen und seine Vernunft. Darum ist der Mensch in der Lage zu denken und zu lernen.

Dagegen bleiben die Tiere auf der Stufe des triebhaften, unbewußten, sich stets wiederholenden Lebens.

Es fehlt den Tieren der Geist. Gäbe es bei den Tieren einen Geist, müßte beispielsweise die kleine Antilope nicht bereits zwanzig Minuten nach ihrer Geburt bereits vor dem Löwen flüchten. Nein. Ihre Mutter hätte sich schon vor der Geburt eine Strategie zum Schutz ihres Neugeborenen ausgedacht.

Ausdenken – das ist ein typisches Tun des geistbegabten Menschen. Denken heißt: Rückschau halten, erinnern – reagieren – für die Zukunft planen können. Das können Tiere nicht.

Wenn Tiere für den Winter Vorrat besorgen, ist das nichts weiteres als ein Überlebenstrieb. Selbst der stärkste aller Triebe – der Arterhaltungstrieb – ist nicht geplant, sondern in Zeit und Auswahl von der Eigenart der einzelnen Tiergruppen abhängig.

Wenn Tiere ein anderes Tier umbringen, um zu überleben, empfinden sie keine Gewissensbisse. Dagegen können Gewissensbisse den Menschen in den Wahnsinn treiben.

Die Antwort auf unsere anfangs gestellte Frage kann darum nur lauten: Nein. Tiere besitzen keine Seele nach der Art des Menschen. Von ihren Instinkten und Trieben gelenkt, verspüren sie zwar sehr wohl Schmerz und können Freude zeigen. Wir geben dem alten Sprichwort recht: „Quäle nie ein Tier aus Scherz, denn es fühlt wie du den Schmerz!“

Wer im Menschen den Unterschied zwischen Geist – Leben – Seele beachtet, der kann dem Tier wohl Leben – sogar eine Seele – zusprechen, ebenso allen Pflanzen, Bakterien, Insekten usw. Doch diese Seele ist im Vergleich zur menschlichen Seele grundsätzlich verschieden.

Der Heilige Thomas von Aquin hat darum die vegetative Seele der Pflanzen, die sensitive Seele der Tiere und die unsterbliche Vernunftseele des Menschen unterschieden.

Darum kann es weder ein Jenseits für Tiere geben noch dürfen einem Tier menschliche Eigenschaften zugesprochen werden.

Vor dem Schöpfer sind wir allerdings zu einem verantwortungsvolle Umgang mit den Tieren verpflichtet.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 20 Lesermeinungen:
Montag, 10. April 2006 09:34
ratzo: Was ist denn ein Mensch?
Ausdenken – das ist ein typisches Tun des geistbegabten Menschen. Denken heißt: Rückschau halten, erinnern – reagieren – für die Zukunft planen können. Das können Tiere nicht.

Babys können das auch nicht, speziell Neugeborene.
Sind Babys und Neugeborene also keine Menschen?
Donnerstag, 30. März 2006 14:14
Hrodgar: Hunde und andere Sippenmitglieder
Mein Hund hat durch geschlossene Türen bemerkt, daß meine Tochter nicht mehr Atmet und hat regelrecht um Hilfe geschrieen! Das war kein Bellen oder Anschlagen…das war pures Entsetzen.
Weil es sooooo schnell ging und er soooo deutlich war konnte ich meine Kleine mit einigen Beatmungsstößen zurückholen.
Jemand der so treu ist, der so sensibel ist, der mitten im Schlaf so wach für seine Sippe ist, von dem darf keiner sagen, er sei „seelenlos“…

Na ja, und Th.v Aquin glänzte ja auch mit solchen „biologischen Erkenntnissen“:

„Der wesentliche Wert der Frau liegt in ihrer Gebärfähigkeit und in ihrem hauswirtschaftlichen Nutzen.“

„Das Weib verhält sich zum Mann wie das Unvollkommene und Defekte (imperfectum, deficiens) zum Vollkommenen (perfectum).“

„Ein männlicher Fötus wird nach 40 Tagen, ein weiblicher nach 80 Tagen ein Mensch. Mädchen entstehen durch schadhaften Samen oder feuchte Winde.“

der perfekte Ratgeber
Mittwoch, 29. März 2006 16:58
Frl.Ilse: @Theologen und Biologen
Vielleicht sollte man zu diesem Thema eher die Biologen und Verhaltensforscher zitieren als Thomas von Aquin – die haben von tieren einfach mehr Ahnung. Es weiß ja sowieso keiner, was die Seele eigentlich ausmacht. Man weiß allerdings, dass viele Tiere lernen können, kommunizieren (allerdings ohne Sprache), sich in komplexen sozialen Gruppen organisieren (Wölfe versorgen alte und kranke Meutenmitglieder mit Futter!), Tiere fühlen. Sie können können Menschen klarmachen, was sie wollen und fühlen, sie trauern. Meine Katze kann einfache folgerichtige Gedankengänge tun und danach handeln, nach dem Motto: Was muss ich bei diesem Menschen tun, damit der mir noch mal Futter gibt, obwohl der andre Mensch das vorhin erst getan hat? Meine Katze träumt, also hat sie auf jeden Fall ein Bewußtsein. Das ist eine ganze Menge, was Tiere können, und in jedem Fall mehr, um nur zu überleben. Also spricht doch nichts gegen die Vermutung, dass auch Tiere als lebende Wesen eine Seele haben. Wir wissen ohnehin nicht genau, woraus dieses bestehen könnte.
Dienstag, 28. März 2006 18:57
Athanasius: Schön…
Bereits der hl. Thomas von Aquin schrieb ja von der ‘anima naturalis’ und der ‘ratio naturalis’ die Tiere besitzen. In dem Sinne muss man auch die Tierfreundlichkeit des hl. Franziskus von Assisi verstehen. Das ist etwas, was auch erklärt wie Tierfreundlichkeit dennoch mit der Konsum von Fleisch zusammengehen kann. Gegenüber der rationi naturali sind wir keinen höheren Respekt verantwortlich als gegenüber Menschen, sondern einen geringeren.

Übrigens haben die katholischen Theologen und Kirchenlehrer auch immer dabei unterschieden zwischen den Lebewesen mit höherer Intelligenz (Hunde, Katzen, Vögel) und den Pflanzen und anderen Organismen.
Dienstag, 28. März 2006 13:40
Filia_Nocte: Tiere fühlen
Aber Tiere fühlen nun mal. Es ist nicht selten der Fall, dass ein Tier um seinen Besitzer trauert indem es nichts mehr frisst z. B.

Das zeugt von Gefühlen, die das Tier empfindet und alles was fühlt, hat auch eine Seele. Wie alles Leben hier auf Erden.
Dienstag, 28. März 2006 13:09
Babar: Intelligenz und Seele
Als Biologe muss ich dem Autor in einem Punkt widersprechen, denn geplantes, zuvor überlegtes Handeln ist nicht nur typisch für Menschen, es kann sowohl bei Menschenaffen, als auch bei „niedereren“ Säugern, im Ansatz schon bei Reptilien, nachgewiesen werden. Schimpansen, die die Taubstummensprache erlent hatten, konnten sogar eindeutig abstrakt zwischen „ich“, „du“ und anderen Individuen unterscheiden. Dies als ein Argument für eine unsterbliche Seele der Tiere zu werten, wäre aber wohl genau so falsch, wie das Fehlen solcher Leistungen als Beweis für das Fehlen einer Seele gelten zu lassen. Ich denke schon, dass die Erlösung die gesamte Schöpfung betrifft, glaube aber nicht an eine dem Menschen vergleichbare Seele beim Tier. Gott schuf den Menschen – getrennt von den Tieren – als sein Ebenbild und gab dem Menschen die Verantwortung über die Schöpfung. Diese theologische Begründung ist mir wichtiger, als Leistungsvergleiche zwischen Mensch und Tier, deren Ergebnisse oft nur graduell und nicht grundsätzlich verschieden sind.
Alle Lesermeinungen anzeigen 14 weitere Lesermeinungen
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.
Copyright © 2008 kreuz.net