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Sonntag, 2. April 2006 10:56
„Oh, Zen mag Benedikt, weil der so konservativ ist“
Der Kardinal von Hong Kong erklärte, daß der Vatikan seine derzeitigen diplomatischen Beziehungen mit Taiwan zugunsten von China opfern müsse: „Das ist objektiv gesehen nicht einfach, weil der Heilige Stuhl noch nie einseitig eine befreundete Nation verlassen hat.“
Joseph Kardinal Zen
Joseph Kardinal Zen
(kreuz.net, Vatikan) Am 24. März verlieh Papst Benedikt XVI. im Konsistorium unter anderem dem Bischof von Hong Kong, Mons. Joseph Zen (74), die Kardinalswürde. Im Vorfeld sprach der Kirchenfürst mit ‘Radio Vatikan’ über die Beziehung zwischen dem Heiligen Stuhl und dem chinesischen Regime.

Wie bewerten Sie die Reaktionen der Regierung auf Ihre Ernennung?

Die ersten Kommentare des Regimes waren nicht besonders kritisch. Es handelte sich eher um Routine-Reaktionen. So haben sie mich an die Trennung von Kirche und Staat erinnert. Das ist natürlich nichts Neues. Aber eine offizielle Reaktion hat es nicht gegeben.

Vielleicht, weil sie überrascht wurden. Vielleicht weil sie so sehr mit ihren großen politischen Versammlungen in Peking beschäftigt waren. Vielleicht mußten sie zuerst über eine Strategie nachdenken.

Sogar der Außenminister war zunächst in seiner Reaktion eigentlich gemäßigt. Aber jetzt – in der letzten Zeit – gab es dann sehr böse Stimmen wie jene des Vizepräsidenten der ‘Chinesischen Katholischen Patriotischen Vereinigung’, Anthonius Liu Bainian.

Diese Leute sagten „Oh, Zen mag Benedikt, weil der so konservativ ist“ – was immer das heißen mag. Oder: „Daß der Papst Zen zum Kardinal macht ist ein feindlicher Akt gegen China.“

Dabei wird an Johannes Paul II. und seinen Anti-Kommunismus in Polen gedacht. „Jeder weiß, daß Bischof Zen gegen den Kommunismus ist“, sagen sie: „Wenn alle Bischöfe in China so werden wie er, dann sind wir in Gefahr – wie damals in Polen!“

Das ist allerdings schlicht lächerlich. Darum habe ich das auch entschieden zurückgewiesen.

Was bedeutet Ihre Ernennung für die Bürger der Volksrepublik?

Ich denke, viele freuen sich, weil sie wissen, daß ein Kardinal in engem Kontakt zum Heiligen Vater steht. So hoffen sie, daß ich dem Papst ihre Anliegen vortragen kann. Deshalb freue auch ich mich!

Offenkundig ging es bei der Ernennung nicht um meine Person, sondern um das große Wohlwollen, das Benedikt XVI. für das chinesische Volk besitzt.

Gerade was die Gespräche zwischen dem Heiligen Stuhl und der chinesischen Regierung in Peking anbelangt, hoffe ich, daß ich Benedikt XVI. die Stimme der chinesischen Bischöfe kundtun kann.

Peking knüpft die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl an die Bedingung eines Abbruches der diplomatischen Kontakte mit Taiwan – denn Peking betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz…

Jeder weiß, daß der Heilige Stuhl ohne diplomatische Beziehungen keinerlei Einfluß in China haben kann. Aus pastoralen Gründen – um für die vielen Katholiken in der Volksrepublik da sein zu können – muß der Heilige Stuhl solche Beziehungen aufnehmen.

Damit wird er wohl nicht drum herumkommen, die derzeitigen diplomatischen Beziehungen mit Taiwan zu opfern.

Das ist objektiv gesehen nicht einfach, weil der Heilige Stuhl noch nie einseitig eine befreundete Nation verlassen hat. Aber ich glaube, die Menschen in Taiwan werden das verstehen.

Die taiwanesischen Bischöfe verstehen die pastoralen Gründe. Ich hoffe, daß sie diese Einsicht auch dem Land vermitteln können.

Ich denke, der Heilige Stuhl sollte der Regierung Taiwans die Hintergründe genau erklären, ja sich für diesen aufgezwungenen Schritt sogar entschuldigen.

Wird Ihre Ernennung auch einen positiven Einfluß auf die Situation der Katholiken in Hongkong haben?

Meine Ernennung ist auf jeden Fall eine Ermutigung für die Menschen in Hongkong. Obwohl ich glaube, daß der Papst mehr an China als an Hongkong gedacht hat, ist der Schritt doch eine Anerkennung dessen, was wir in diesen Jahren hier in Hongkong für die Menschenrechte und für die Gerechtigkeit gemacht haben.

Regierungsvertreter haben gesagt, daß Kirchenvertreter sich nicht in die Politik einmischen sollen. Wie sehen Sie in dieser Hinsicht Ihre Zukunft?

Mir sind solche Kommentare egal. Das haben sie schon hunderte von Malen gesagt. Aber sie widersprechen sich selber. Denn sie berufen Religionsvertreter in die Konsultativkonferenz oder den Volkskongreß – das sind politische Organe! Sie drängen uns, zu wählen, auch wenn wir nicht wollen.

Grundsätzlich gesprochen: Es gibt auf der einen Seite die Machtpolitik. Dazu gehört, eine politische Partei zu bilden, sich Wahlen zu stellen oder öffentliche Ämter zu bekleiden.

Daneben gibt es auch Gesellschaftsfragen, die gewiß auch eine politische Dimension haben. Das ist eine Art der Politik, an der jeder teilhaben sollte, der sich für die Gesellschaft interessiert.

So ist doch völlig klar, daß es jedem Bischof erlaubt sein muß, im Rahmen des sozialen Engagements der Kirche zu sozialen Fragen Stellung zu nehmen.
3 Lesermeinungen:
Dienstag, 4. April 2006 19:05
Christin: Verbindliches Zeichen für konservative Freunde
Dieser Heilige Vater kann sehr gut Frieden stiften; und freundschaftliche Zeichen setzen,das kann eine bedeutende Rolle spielen für die zukünftige friedliche politische und kulturelle Zusammenarbeit für Kirche und Staat.
Sonntag, 2. April 2006 14:09
methusalix †: Politik, Politik, Politik und Machtspielchen
damals, wie heute. In China warten über eine Milliarde Menschen auf Bekehrung und aus der BRD kommt das meiste Geld in die Kirchenkassen. Deshalb war damals die DDR und ist heute Taiwan unwichtig.
Sonntag, 2. April 2006 11:57
Romulus: Taiwan – VR China = BRD – DDR
Das ist objektiv gesehen nicht einfach, weil der Heilige Stuhl noch nie einseitig eine befreundete Nation verlassen hat. Aber ich glaube, die Menschen in Taiwan werden das verstehen.

Das ist die alte Cassaroli-Ostpolitik des Vatikan. JP II. hätte nie mit dem kommunistischen China kokettiert wie es momentan passiert. Der obenstehende Satz ist ein Wahnsinn. Man stelle sich vor, der Vatikan hätte die Beziehungen zur BRD abgebrochen, um mit der DDR ins Geschäft zu kommen. Cassaroli hatte Ähnliches auch vor und nur die Wahl JP II. und die Intervention westlicher Politiker konnten den Hl. Stuhl seinerzeit davon abbringen die DDR diplomatisch anzuerkennen.
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