Ernennungen
Hillenbrand und die Wölfe
Bis vor kurzem sah es so aus, als ob die Ernennung des neuen Bischofs von Eichstätt unmittelbar bevorstünde.
(kreuz.net, Eichstätt) Inzwischen verdichten sich die Anzeichen, daß der neue Bischof von Eichstätt erst nach dem Papstbesuch in Bayern – 9. bis 14. September 2006 – ernannt werden könnte.

Der gegenwärtig unbesetzte Bischofsstuhl ist kein Problem für den Diözesanadministrator Dompropst Johann Limbacher, der sich in seinen Aufgaben von Woche zu Woche wohler fühlt und mit immer größerer Begeisterung zu den Sitzungen der Bischofskonferenz fährt.

Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Erwin Ender, ein Freund von Karl Kardinal Lehmanns, hat nun offenbar – wie aus dem Umkreis des Würzburger Domkapitels bekannt wurde – den Lehmannschüler und Dauerkandidaten für viele deutsche Bischofsstühle, Mons. Karl Hillenbrand, an die erste Stelle des offiziellen Vorschlages für das vakante Bistum Eichstätt gesetzt.

Mons. Hillenbrand ist bekannt für seine gut formulierten Predigten und hat sich dadurch auch Anerkennung über seine Diözese Würzburg hinaus geschaffen.

Kirchenpolitisch wird er häufig als progressiv eingeschätzt. Er selber sieht das etwas anders. Über eine mögliche Beförderung wäre sein gegenwärtiger Bischof, Mons. Friedhelm Hofmann, offenbar nicht unglücklich.

Auch auf den weiteren Plätzen bahnen sich Überraschungen an.

So scheinen auf den Plätzen 2 und 3 auf einmal zwei Wölfe gelandet zu sein, nämlich der in Rom amtierende Abtprimas und als Rock-Gitarrenspieler bekannte Notker Wolf OSB und der im Krisenmanagement bewährte Offizial des Erzbistums München, Mons. Lorenz Wolf.

Die beiden Wölfe scheinen den bisherigen Favoriten – Pater Stefan Haering OSB – gefressen zu haben.

In München rätselt man derzeit, woran die Zurückreihung von Pater Haering liegen könnte. Insider geben die Schuld der zu breit gefächerten Befragung seitens der Nuntiatur.

Doch inzwischen wirft auch ein kommunalpolitisches Ereignis seine Schatten auf den zukünftigen Bischof von Eichstätt: die Wahl des Oberbürgermeisters.

Es geht darum, ob der bisherige volksnahe SPD-Oberbürgermeister weiterregiert oder ob es der CSU-Quereinsteiger und Gegenkandidat in der Stichwahl am kommenden Sonntag, dem 26. März 2006, schaffen wird.

Die Wahl des CSU-Mannes wäre für die Kirche insofern von Bedeutung als dieser ein Doktorat zum Thema: „Die Kirche als Körperschaft öffentlichen Rechtes“ geschrieben hat.

Wenn der Akademiker morgen gewählt wird, müßte in Zukunft vielleicht auch auf dem Bischofsstuhl jemand sitzen, der sich – wenn schon nicht als Professor – so wenigstens als Dozent oder Assistent akademische Lorbeeren verdient hat.

Damit könnten der Bürgermeister oder die in Eichstätt beheimatete Katholische Universität dennoch beim Papst den Ausschlag für die Wahl des neuen Kandidaten geben.

Überraschungen sind also weiterhin nicht ausgeschlossen.
      
9 Lesermeinungen
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#9   Sulpicius   23:08:35 | Montag, 27. März 2006
Na ja…
mit immer größerer Begeisterung zu den Sitzungen der Bischofskonferenz fährt.
…dazu muß man aber echt schon durch eine Gehirnwäsche gegangen sein
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#8   Vinzenz   11:59:45 | Montag, 27. März 2006
Akad. gebildeter Bischof
Wie wär es denn mit Weihbischof, Professor der Moraltheologie Dr. Andreas Laun?
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#7   Romulus   11:04:33 | Sonntag, 26. März 2006
Keiner von denen wird’s
Wollen wir wetten, dass es keiner von den Genannten werden wird?
Kreuz.net fährt da die alte Masche: „Mach mögliche Kandidaten öffentlich, dann werden sie es bestimmt nicht.“
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#6   Toby   10:26:51 | Sonntag, 26. März 2006
Karrieredenken
Der Papst selbst hat noch als Kardinal das kirchliche Karrieredenken beklagt. Es bedarf auch keiner besonderer hellseherischer Fähigkeit, um – wie kreuz.net – feststellen zu können, dass dieses Denken auch und gerade bei Bischofsernennungen eine nicht unerhebliche Rolle spielt.
Mir ist noch der Fall eines Domkapitulars in guter Erinnerung, der vor einigen Jahren aus seiner Enttäuschung keinen Hehl machte, dass er nicht zum Bischof ernannt worden war – so fest hatte er damit gerechnet …
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#5   Schüttel   20:36:43 | Samstag, 25. März 2006
woher weiss es kreuz.net
wenn nicht aus Beobachtungen. Die derzeitige Bischofskonferenz schreit in ihrer Mittelmässigkeit geradezu nach solchen Typen, die ihren Verstand an Kard. Lehmann abgegeben haben. Eichstätt hätte aber besseres verdient als Hillebrand, Wölfe oder Limbächer.
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#4   Horst Eckner †   17:48:45 | Samstag, 25. März 2006
@ Sulpicius:
Ja, KÖNNTE sein. Aber kreuz.net behauptet es zu WISSEN. Im Übrigen ist es nichts Verwerfliches, an Leitung auch Freude zu empfinden. Aber darum geht’s mir gar nicht. Ich möchte nur wissen, woher kreuz.net die Kompetenz zu der getroffenen Aussage besitzt.
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#3   Karl   17:36:51 | Samstag, 25. März 2006
Ernennungen
Der heilige Vater kennt alle oder die meisten Kandidaten und er wird sich letztlich für den entscheiden, den er am fähigsten und besten für dieses Amt erachtet und sich nicht nach Rängen auf irgendwelchen Listen des Nuntius richten wird. Das ist halt ein sehr großer Vorteil an einem deutschstämmigen Papst.
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#2   Sulpicius   17:33:48 | Samstag, 25. März 2006
Dies:
„Dompropst Johann Limbacher, der sich in seinen Aufgaben von Woche zu Woche wohler fühlt und mit immer größerer Begeisterung zu den Sitzungen der Bischofskonferenz fährt.“
könnte sehr gut sein. Schildert es doch plastisch, wie karrieregeil die meisten kirchlichen Funktionäre heute sind.
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#1   Horst Eckner †   16:54:55 | Samstag, 25. März 2006
Woher wissen wir das?
„Dompropst Johann Limbacher, der sich in seinen Aufgaben von Woche zu Woche wohler fühlt und mit immer größerer Begeisterung zu den Sitzungen der Bischofskonferenz fährt.“
Woher weiß kreuz.net das?
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