Schweiz
Selbstreinigung
Sechs von sieben weiblichen Mitgliedern eines Rates der Schweizerischen Bischofskonferenz warfen kürzlich das Handtuch.
(kreuz.net, Freiburg) Die sechs Damen waren Mitglieder der ‘Kirchlichen Frauenkommission’. Diese wird als Stabskommission der Schweizer Bischofskonferenz bezeichnet.

Unter den Zurückgetretenen befindet sich auch Schwester Uta Teresa Fromherz, die zur Kongregation der Schwestern vom Heiligen Kreuz in Menzinger – Innerschweiz – gehört.

Zwei Vertreter der Bischofskonferenz sind ebenfalls Mitglieder der Kommission: der Abt von Einsiedeln, Mons. Martin Werlen, und der Noch-Generalsekretär der Bischofskonferenz, Hw. Agnell Rickenmann.

Der Rücktritt der sechs Mitglieder wurde am 14. Februar in einem Brief an alle amtierenden Schweizer Bischöfe und Äbte mitgeteilt.

Grund für den Rücktritt ist die seit Jahren offensichtliche progressistisch kirchenfeindliche Grundhaltung der zurückgetretenen Mitglieder.

Die Zurückgetretenen gaben als Grund für ihren Schritt eine Enttäuschung an, die sich in den letzten Monaten und Jahren angestaut habe.

Unter den gegebenen Bedingungen wollten sie die Arbeit in der ‘Frauenkommission’ nicht mehr weiterführen.

Konkret werden verschiedene Gründe aufgeführt.

So sei die Kommission mit sieben Mitgliedern seit Jahren zu klein. Statt den gegenwärtigen sieben Mitgliedern würden die Statuten 10 bis 15 Mitglieder fordern.

Auf mögliche Neumitglieder, die aus den Reihen der Kommission vorgeschlagen wurden, sei die Bischofskonferenz „unverhältnismäßig lange“ nicht eingegangen und habe sie schließlich abgelehnt.

Unter den Kandidatinnen der Bischofskonferenz hätten sich „vor allem sehr konservativ denkende Frauen“ befunden.

Die Bischofskonferenz habe der ‘Frauenkommission’ auch seit Jahren keine Aufträge mehr gegeben und keine Anfragen an sie gerichtet.

Darum wurde die ‘Frauenkommission’ selber aktiv und behandelte Themen wie die Weihe von Frauen zu Diakoninnen, die Freiwilligenarbeit oder die Würde des sterbenden Menschen.

Auch gab sie Stellungnahmen zu vatikanischen Dokumenten ab.

Doch das interessierte die Bischofskonferenz – nach Angaben der Frauenkommission – kaum. Die Arbeit sei ohne Echo geblieben.

Der Vorschlag der ‘Frauenkommission’, die sogenannte feministische Theologie als Pflichtfach im Theologiestudium anzuordnen, sei ebenfalls abgelehnt worden. Grund: Die feministische Theologie sei längst automatisch in alle Fächer integriert und deshalb als eigenes Fach überholt.

Auch der Noch-Generalsekretär der Bischofkonferenz, Hw. Agnell Rickenmann, bleibt im Brief nicht ungeschoren.

Er sei in den vergangenen Monaten zwar regelmäßig und leutselig bei den Versammlungen dabeigewesen. Doch habe er sich „so dominant“ verhalten, als ob er die Diskussion habe beherrschen wollen.

Im Dezember 2004 stellt die Frauenkommission ihre theologische Kompetenz sogar dem damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, Joseph Kardinal Ratzinger, zur Verfügung.

In einem kurzen Brief, der von Sr. Fromherz unterschrieben war, kommentierte die Kommission das Schreiben der Glaubenskongregation über die „Zusammenarbeit von Mann und Frau in der Kirche und in der Welt“:

„Wir fanden darin vieles, was wir begrüßen, einiges, was wir nicht verstehen, und manches, worin wir Ihnen und Ihrem sicher in Zusammenarbeit mit mehreren Mitarbeitern geschaffenen Text nicht zustimmen können.“

Einen empörenden Tiefpunkt erreichte die Kommission, als sie sich im April 2002 im Schweizerischen Abstimmungskampf um die Fristenlösung nicht durchringen konnte, eine eindeutige Position gegen die Fristentötung ungeborener Kinder zu beziehen.

Als im Jahr 2000 eine Frau zur altkatholischen Priesterin ordiniert wurde, nahm das die ‘Frauenkommission’ mit großer Freude zur Kenntnis.

Nach Ansicht von Beobachtern ist der Rücktritt der sechs Mitglieder eine Chance und für die Schweizer Bischöfe ein Grund zum Aufatmen.

„Die Trauer über den Verlust hält sich in Grenzen“, meinte ein in der Schweiz tätiger Ordensmann auf Anfrage.

Hw. Rickenmann erklärte am Mittwoch in einer Stellungnahme vor der Schweizerischen Nachrichtenagentur ‘Kipa’, daß die Beziehung zwischen der Bischofskonferenz und der Frauenkommission „keine einfache“ gewesen sei. Die Kommission sei eher fordernd als beratend gewesen.

Es komme hinzu, daß die Frauenkommission habe merken müssen, daß es Fragen gebe – wie die geforderte Weihe von Frauen zu Diakoninnen –, die nur auf weltkirchlicher Ebene „zu lösen“ seien. Viele Erwartungen der Kommission seien völlig unrealistisch gewesen und hätten Enttäuschungen ausgelöst.
      
9 Lesermeinungen
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#9   wolfgang e.   15:44:11 | Donnerstag, 30. März 2006
@ Parzifal
In einigen Punkten hast Du durchaus recht, es stimmt schon, dass die Kirche eine menschliche Seite, und dadurch auch menschl. Fehler (auch sehr krasse) hat, die immer wieder korrigiert werden müssen.
Es gab in der Geschichte große Kritiker, die sehrwohl in die Kirche integriert wurden, und neben dem hl. Franziskus waren das vor allem große Frauengestalten, die einen immensen Einfluss auf die Kirche hatten und haben, während die Päpste jener Zeit oft schon vergessen sind.
Beschäftige Dich vielleicht einmnal mit Catharina von Siena, mit Theresa von Avila, Brigitte von Schweden, oder in jüngerer Zeit z.B. Edith Stein.
Es gibt auch heute einflussreiche Frauen in der Kirche, z.B. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, von der Benedikt XVI offenbar einige Anregungen für seine Enzyklika übernommen hat. (Sehr empfehlenswert: Ihre Aufsatzsammlung „Eros, Glück, Tod“, gibt’s auf Amazoon)
Meines Wissens gibt es auch mehr heiliggesprochene Frauen als Männer in dieser Kirche, es kann also nicht behauptet werden, Frauen wären hier unbedeutend.
Es stimmt auch, das Kritik und Aushalten von Kritik notwendige Sachen sind, aber damit Kritik fruchtbar ist, muss sie auch eine berechtigt sein. Manche Kritiker sind leider über die zunächst berechtigte Kritik weit hinausgegangen und haben damit die Kirche verlassen.
Auch dein SU-Vergleich ist keine berechtigte Kritik, sondern eine maßlose Übertreibung.
Die Kath. Kirche ist übrigens die einzige Weltkirche, nicht irgendeine von vielen.
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#8   Parzifal   13:57:30 | Donnerstag, 30. März 2006
@ Wolfgang e.
Es gibt eigentlich keinen Grund, die Kirche zu verändern zu wollen, denn alle geforderten Veränderungen sind in anderen Konfessionen verwirklicht.
Richtig und es waren solche Begründungen die erst dazu geführt haben dass andere Konfessionen gegründet wurden. Heute ist die Kirche nur noch eine unter vielen, hätte man von anfang an versucht Kritiker zu integrieren, gäbe es heute vielleicht ein paar Konfessionen weniger und die Kirche wäre etwas stärker als sie heute ist.
Wir haben also die Wahl: entweder ich anerkenne, das die katholische Kirche von Gott stammt, dann ist…
Es gibt innerhalb der Kirche Dinge die von Gott stammen und unveränderbar sind und es gibt Dinge die von Menschen stammen und die veränderbar sind. Diese Dinge müssen den Gepflogenheiten der jeweiligen Zeit angepasst werden.
Was würden sie mit einem Mitabeiter machen, der ihnen Notorisch widerspricht?
Die Katholische Kirche ist keine Firma in der es Mitarbeiter gibt über die ein Chef entscheiden könnte.
Menschen die sich in der Kirche engagieren, wurden von Gott zu dieser Aufgabe berufen. Widerspruch und Kritik gehören zum gegenseitigen Miteinander und wer keine Kritik vertragen kann ist für Führungsaufgaben nicht geeignet.
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#7   wolfgang e.   13:35:48 | Donnerstag, 30. März 2006
Lieber Parzifal
Die Kirche versteht sich nicht als eine Konfession von vielen, sondern als die wahre Kirche, die von Christus gegründed wurde. Wenn aber jemand mit der Lehre der Kirche nicht übereinstimmen kann oder will, dann hat er heute leicht die Möglichkeit, sich eine Konfession zu suchen, die genau das lehrt, was er selber meint. Es gibt eigentlich keinen Grund, die Kirche zu verändern zu wollen, denn alle geforderten Veränderungen sind in anderen Konfessionen verwirklicht.
Wir haben also die Wahl: entweder ich anerkenne, das die katholische Kirche von Gott stammt, dann ist aber die logische Konsequenz, dass ich auch ihre Lehre akzeptiere, oder ich kann die Lehre der Kirche nicht akzeptieren, dann muss ich auch den göttlichen Ursprung in Zweifel ziehen, und dann gibt es eigentlich keinen Grund, in der Kirche zu bleiben.
Entzug der Lehrerlaubnis heisst übrigens: Der Betreffende darf weiterhin ungehindert Lehren, aber nicht im Namen der Kirche (siehe Hans Küng). Ist es nicht das Recht und die Pflicht der Kirche, festzustellen, das jemandes Lehrtätigkeit, nicht mit der kirchlichen Lehre übereinstimmt? Was würden sie mit einem Mitabeiter machen, der ihnen Notorisch widerspricht?
Über die Glaubenskongregation und das Opus Dei sollten sie sich einmal genauer Informieren (ein Tipp: „Sakrileg“ ist keine sehr zuverlässige Quelle.) Ist ihnen schon aufgefallen, das der „Geheimbund“ sogar eine Website hat?
Manche vergleichen Ratzinger mit Hitler, andere die Kirche mit der SU.
Jo mei!
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#6   Parzifal   13:12:09 | Donnerstag, 30. März 2006
@ Wolfgang e.
Es ist doch ein Zeichen von Armseligkeit wenn die „alleinseligmachende Kirche“ sich heute nur noch als eine Konfession unter beliebig vielen versteht unter denen der Gläubige quasi nach belieben auswählen kann.
Wenn in Deutschland Unrecht herrschen würde, würde ich auch nicht einfach nach Frankreich emigrieren sondern erst versuchen das Unrecht zu beseitigen. Die Katholische Kirche sollte für ihre Gläubigen eine Art geistig-religiöses Vaterland sein und jemanden bei der kleinsten Regung zu raten er möge sich doch eine andere Konfession suchen ist ziemlich kleinkariert und borniert gedacht.
Innerhalb der Kirche gibt es sehr wohl Strukturen und Organisationen die man mit der Stasi und ihren Methoden vergleichen kann. Ein Beispiel ist die Nachfolgeorganisation der Inquisition, die Glaubenskongregation, oder der Geheimbund Opus Dei der weitgehend ohne Kontrolle agieren kann. Verschiedenste Kirchenkritiker wurden systematisch mundtot gemacht, abgeschoben oder bekamen Berufsverbote. Die Kirche hat dabei auch den Kontakt zu menschenvarchtenden Regimen bspw. in Südamerika nicht gescheut und interne Kritiker (Befreiungstheologie) regelrecht niedergemäht.
Dass Frauen auch heute noch innerhalb der Kirche in eine Weise diskriminiert werden, die man eigentlich nur aus Saudi Arabien kennt und jetzt auf dieser Pius Bruderschaftshomepage auch noch mit Schmutz und Dreck verglichen werden rundet dieses Bild nur ab.
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#5   wolfgang e.   10:59:29 | Donnerstag, 30. März 2006
Aber lieber Parzifal
es stimmt schon, die Berichterstattung auf kreuz.net grenzt manchmal schon an Menschenverachtung. Aber die Kirche mit der SU oder Saudi Arabien zu vergleichen, ist das nicht eine grandiose Verharmlosung der Sowjetunion? Wie mundtot sind denn Kirchenkritiker, wo sind den die Armeen des Papstes, oder die Vatikan-Stasi, wo werden Christen von der Kirche verfolgt, eingesperrt, gefoltert, hingerichtet, in Arbeitslager gesteckt? Wie hat denn die Kirche z.B. den notorischen Nörgler Hans Küng unterdrückt? Augenscheinlich geht es ihm ja noch recht gut. Und wieviele Morddrohungen hat Dan Brown für seine krude Phantasie bekommen?
Ok., die Kirche hat einen Standpunkt, das kommt manchem, der keinen hat, etwas seltsam vor. Und sie ist der Meinung, dass Frauen nicht Priester werden können. Na und? Wenn eine Frau Priesterin werden will gibt es in der Welt genug Möglichkeiten dafür, sie braucht nur altkatholisch, protestantisch, anglikanisch zu werden. Wo ist also die Diskriminierung? Sie muss sich nur einen anderen Arbeitgeber suchen.
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#4   Benedikt78   10:17:38 | Donnerstag, 30. März 2006
Jetzt ist die Gelegenheit
Wenn schon sechs von sieben Mitglieder dieser Kommission zurückgetreten sind, kann man diese doch gleich auflösen!
Wenn man den Bericht durchliest, dann gibt es doch einen interessanten Punkt. Die Vertreterinnen dieser Kommission haben sich darüber beklagt, dass ihre Vorschläge für Neumitglieder lange nicht beantwortet und dann abgelehnt würden UND (!) auf der anderen Seite nur konservative Frauen vorgeschlagen wurden.
Ja, wer soll sich denn hier beschweren? Das sektiererische Frauengrüppchen, das unter Ihresgleichen bleiben wollte oder die Bischofskonferenz, deren Vorschläge offensichtlich allesamt von der Kommission abgelehnt wurden.
Der Dieb schreit: Haltet den Dieb!
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#3   Parzifal   08:38:13 | Donnerstag, 30. März 2006
Verhältnisse wie in Saudi Arabien!
Innerhalb der Kirche herrschen Verhältnisse wie sie vom fundamenatalistischen Islam nicht schlimmer vertreten werden könnten.
Schon die Überschrift „Selbstreinigung“ ist menschenverachtend, erst recht wenn man das Bild gesehen hat. Frauen werden hier offenbar mit Schmutz assoziiert. In der Kirche herrschen Verhältnisse die man nur mit der Sowjetunion vergleichen kann. Kritiker werden abgeschoben, abgehorcht und mundtot gemacht. Die Frage ist wie lange dieses himmelschreiende Unrecht noch bestand haben kann, bevor das unterdrückte Kirchenvolk sich endlich erhebt und den Diktatoren in Rom klar erklärt dass es so nicht weitergehen kann.
Man regt sich hier (zu recht sogar) über Abtreibung auf. Glauben Sie mit solchen Bildern und Überschriften werden sie auch nur eine einzige Frau, die noch einigermaßen unabhängig denken kann von ihrer Sache überzeugen?
Es kann keine Gerchtigkeit geben so lange die Hälfte des Kirchenvolks von allen Stellen der Macht systematisch vertrieben und ferngehalten wird.
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#2   Wolfgang Kugler   20:38:15 | Mittwoch, 29. März 2006
Frauen als Priester?
Bravo, Rocky, genauso ist es!
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#1   Rocky   20:22:50 | Mittwoch, 29. März 2006
Lösung auf „Weltebene“
Das ist schlicht und ergreifend eine Arroganz sondergleichen und eine dogmatische Unkenntnis, zur Dummheit gesteigert dazu, wenn man solche Argumente bringt. Es wäre einfacher – nicht den „Standpunkt“ – sondern die Lehre der Kirche offen zu vertreten: Frauen können NICHT gültig zum Priester geweiht werden!
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