Johannes Paul II.
Weiße Bänder
Morgen jährt sich der erste Todestag von Papst Johannes Paul II. Das ist in Polen nicht ein Tag wie jeder andere. Von Przemysław Bentkowski.
(kreuz.net) „Wir alle – Gläubige und Ungläubige – gedenken dieses Tages als Augenblick einer großen Nationaltrauer und zugleich als besondere Lehrstunde der Menschlichkeit und des Christentums – als Moment eines starken Zugehörigkeitsgefühls zur nationalen Gemeinschaft und zur christlichen Welt.“

Mit diesen Worten erinnerte der polnische Sejm – das Parlament des Landes – an den ersten Jahrestag des Todes vom Papst Johannes Paul II.

Am morgigen Sonntag wird es in Polen unzählige Gottesdienste, Andachten und Erinnerungsveranstaltungen für den verstorbenen Papst geben.

Die nationale Gedenkfeier findet am Sonntagabend in Warschau auf dem zentralen Pilsudski-Platz statt. Dort wird der Primas von Polen, Józef Kardinal Glemp, um 21.00 Uhr – in der Todesstunde des Papstes – eine Heilige Messe zelebriert. Es werden Tausende von Menschen erwartet.

Zur gleichen Zeit dürften Hunderttausende Polen im ganzen Land in den Pfarrkirchen zusammenströmen, um für den geliebten Johannes Paul II., für seine Seligsprechung und für die polnische Nation zu beten.

Während der morgigen Sonntagsmesse wird in allen Kirchen des Landes ein Hirtenbrief vorgelesen, in dem die polnischen Bischöfe zum Nachdenken über die Inhalte der Lehren des verstorbenen Papstes anregen und zum Gedenken an seine Person aufrufen.

„Die Erinnernung an diesen großen Zeugen des Evangeliums ist unser Vorrecht und unsere Pflicht, denn er hat mit seinem heiligen Leben und seiner Lehre einen Raum geschaffen, in dem sich unser Glauben stärken, unsere Hoffnung regen und unsere Liebe beleben konnten“ – schreiben die Bischöfe.

Einen besonderen Charakter haben die Gedächtnisfeiern in Krakau, wo der verstorbene Papst vor seiner Wahl als Erzbischof wirkte.

Heutet findet – nach der Eröffnung durch Stanislaw Kardinal Dziwisz – in der Kathedrale am Königsschloss „Wawel“ die feierliche Endsitzung des Krakauer Seligsprechungs-Tribunals statt.

Morgen beten Krakauer Studenten auf den Straßen der Stadt einen Kreuzweg.

Er ist aus Zitaten von Johannes Paul II. zusammengestellt. Zum Schluß ist eine kurze Fernsehübertragung aus dem Vatikan vorgesehen.

Johannes Paul II. im deutschen Fernsehen
Im ZDF-Dokudrama "Karol Wojtyla - Geheimnisse eines Papstes" wird Johannes Paul II. von Michael Mendl verkörpert. Der 60minütige Film wurde am 30. März ausgestrahlt.Der Papst trifft seinen redseligen Gärtner Peppino Mancuso - verkörpert von Mario Adorf - in den Vatikanischen Gärten.Die Produktion zeigt Johannes Paul II. in der Zeit des Niedergangs der kommunistischen Systeme.

"Ziel war es, seine direkte und indirekte Rolle bei der Überwindung von kommunistischen Diktaturen zu zeigen", erklärte Regisseur Gero von Boehm.

Papst Benedikt XVI. wird zu den Gläubigen sprechen, die sich auf dem Petersplatz und vor dem sogenannten Papstfenster im Krakauer Bischofspalais versammelt haben.

Aus diesem Fenster sprach Johannes Paul II. mehrmals zu den Jugendlichen.

Kardinal Dziwisz rief die Gläubigen auf, am Todestag von Johannes Paul II. als Zeichen der Dankbarkeit und Freude – nicht der Trauer – weiße Bänder zu tragen.

Im Gespräch mit dem polnischen Rundfunk erinnerte der Kardinal daran, daß Johannes Paul II. am Vorabend des Barmherzigkeitssonntags gestorben ist – ein Fest, das von ihm selber eingeführt wurde.

Vor Radio Vatikan sagte der Erzbischof von Krakau, daß er sich nach einem Jahr immer bewußter werde, daß der Tod von Johannes Paul II. kein Ende, sondern eher die Krönung eines langen und hoffnungsvollen Dienstes für die Kirche gewesen sei:

„Dieser Tod brachte und bringt weiterhin viele Menschen Gott und Jesus Christus nahe. Johannes Paul II. ist wie ein Weizenkorn, das gestorben ist, um ein neues Leben zu schenken“ – erklärte der Kardinal.

Junge Polen – für die der verstorbene Papst immer besonders warme Worte fand – suchen in diesen Tagen jene Einheit, die vor einem Jahr – in der Zeit der Krankheit und des Todes des Papstes – allgegenwärtig war.

Doch es scheint, daß die heute sozial und politisch so tief gespaltene polnische Gesellschaft diese Einheit nur sehr schwer wiederfinden kann.

Viele Debatten und Konferenzen befassen sich mit der Frage, ob die sogenannte JP2-Generation überhaupt existiert oder ob das, was die Nation vor einem Jahr erlebte, heute noch auf die polnische Jugend und die ganze Gesellschaft einwirken könnte.

Kardinal Dziwisz ist zuversichtlich, daß die Lehre des verstorbenen Papst auch die soziale Ebene positiv beeinflussen kann.

Im Gespräch mit dem polnischen Magazin ‘Ozon’ zeigte er sich überzeugt, daß der mehrmals von Johannes Paul II. wiederholte Appell „Habt keine Angst. Öffnet die Türen für Christus!“ auch in der Demokratie ein Schlüssel zur Lösung gesellschaftlicher und politischer Probleme sein kann.
      
4 Lesermeinungen
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#4   Breze   15:56:23 | Montag, 3. April 2006
@ brandenburgis
„„Da beginnt man glatt denen zu glauben, die Polen die Schuld an WK II geben.““
OH Gott… Was ist hier los???!!!!
Geht’s noch?!
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#3   Brandenburgis   18:32:17 | Sonntag, 2. April 2006
Polnische Demokratie
Die polnische Demokratie zeichnet sich, besonders nach dem Tod des hl. Vaters, besonders durch exzessive chauvinistische Hetze, öonomische Zerrüttung und politische Brandstifterei aus. Da beginnt man glatt denen zu glauben, die Polen die Schuld an WK II geben.
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#2   Breze   21:54:49 | Samstag, 1. April 2006
Danke Gabriel
Ich empfinde grosse Dankbarkeit und Liebe Johannes Paul II gegenüber, und auch ich werde morgen im Gebet seiner gedenken…
Danke Gabriel!!!!
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#1   Gabriel   18:09:07 | Samstag, 1. April 2006
Unser Gedenken für den verstorbenen Heiligen Vater
Wenn morgen zum ersten Mal der Todestag von Papst Johannes Paul II. wiederkehrt, laßt uns seiner gedenken, wie er es wünschte: „Nach meinem Tod bitte ich um Gebete und Heilige Messen!“. So hat er es selbst in seinem Testament niedergeschrieben. Tun wir ihm doch diesen Liebesdienst. Und da er, wie Stanislaw Cardinal Dziwisz in Erinnerung ruft, in der Vigil des ‘Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit’ verstarb, bergen wir den verstorbenen Heiligen Vater, sein Wirken für Kirche und Welt und uns alle in den Strahlen des Heiligsten Herzens Jesu. „O Blut und Wasser, aus dem Heiligsten Herzen Jesu als Quelle der Barmherzigkeit für uns entsrömt: Jesus, ich vertraue auf Dich!“
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