Polen
Die Nase voll von den Christdemokraten
Muß man gegen die Abtreibung so wie gegen Nazismus und Kommunismus oder wie gegen Umweltverschmutzung und Schwarzarbeit kämpfen? – Also mit oder ohne Anspruch auf eine wirkliche Beendigung des Zustandes?
(kreuz.net, Berlin) Im vergangenen Herbst sprach der christdemokratische italienische Kulturminister Rocco Buttiglione (57) mit der rechtskonservativen deutschen Wochenzeitung ‘Junge Freiheit’.

Buttiglione wurde international bekannt, als eine Front von EU-Linksfundamentalisten seine Nominierung zum EU-Justizkommissar im November 2004 verhinderte.

Im Gespräch mit der ‘Jungen Freiheit’ ging es auch um die politische Rolle der Christdemokraten.

Junge Freiheit: Verstehen Sie, daß viele europäische Bürger damit unzufrieden sind, daß die Christdemokraten seit dreißig Jahren ständig in der Defensive sind?

Buttiglione: Die Europapolitik der Christdemokraten war bis vor zehn Jahren ausgesprochen erfolgreich.

Junge Freiheit: Außenpolitisch ja, aber innenpolitisch ist man seit 1968 im Niedergang begriffen,
Rocco Buttiglione:
„Denken Sie auch einmal an die andere Seite, denken Sie zum Beispiel an die Seele der europäischen Jugend, in die das Beispiel und das Zeugnis Papst Johannes Pauls II. tief eingedrungen ist.“
Sie haben doch selber von einer „linken Hegemonie“ in Europa gesprochen.

Buttiglione: Doch denken Sie auch einmal an die andere Seite, denken Sie zum Beispiel an die Seele der europäischen Jugend, in die das Beispiel und das Zeugnis Papst Johannes Pauls II. tief eingedrungen ist. Es stimmt, daß es viel Finsternis gibt, aber auch viel Licht. Einen Sieg der einen oder der anderen Seite wird es erst am Ende der Zeiten geben.

Junge Freiheit: Sie werden allerdings zugeben, daß es Zustände gibt, die finsterer sind als andere. Etwa die Epochen im 20. Jahrhundert, in denen rassische oder soziale Minderheiten ermordet wurden. Für wie finster halten Sie eine Epoche, in der noch mehr Menschen durch Abtreibung getötet werden?

Buttiglione: In der Tat, dagegen muß man ohne Unterlaß kämpfen.

Junge Freiheit: So wie gegen Nazismus und Kommunismus oder wie gegen Umweltverschmutzung und Schwarzarbeit? – Also mit oder ohne Anspruch auf eine wirkliche Beendigung des Zustandes?

Buttiglione: Die Abtreibung ist ein inakzeptabler Zustand. Aber das Problem ist viel größer, dazu gehört auch die Gefahr des Klonens. Und da haben wir schon einige Erfolge erzielt.

Junge Freiheit: Weil gegen das Klonen Allianzen mit der Linken geschlossen werden können. In der Frage der Abtreibung ist das nicht möglich. Ergo wird sich am „Europa der Abtreibung“ nichts ändern.

Buttiglione: Eine sehr bedrückende Aussicht.

Junge Freiheit: Für die die Christdemokraten, die die Abtreibungsfrage im Wahlkampf meist gar nicht mehr thematisieren, mitverantwortlich sind.

Buttiglione: Ich weiß, daß diejenigen, die die Abtreibung ablehnen, in Europa politisch in der Minderheit sind. Aber was falsch ist, bleibt auch dann falsch, wenn es politisch verwirklicht wird. Wir brauchen einen langen Atem.
      
13 Lesermeinungen
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#13   rudolfsohn   14:35:42 | Samstag, 8. April 2006
an Rodolfo und Laurentius2
Volle Zustimmung! Ihr beide habt echten Durchblick und die Zeichen der Zeit erkannt …
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#12   Laurentius2   21:45:54 | Freitag, 7. April 2006
@Rudolfo
Wenn so ein lieber, harmloser aber prinzipientreuer Mann schon diffamiert und ausgegrenzt wird, dürfte jedem klar sein, was echte Anti-68er in der Politik zu erwarten haben …
Aber der Liberal-Sozialismus hat seinen Zenit überschritten, bald wird eine neue Jugend aufstehem, die die Lügen ihrer Lehrer satt hat, spätestens nach dem nächsten Wohlstandserdrutsch, der sich jetzt schon andeutet werden sie die „nackte Existenz“ vor „68er Dogmatik“ (Abtreibungsrecht, die bösen Deutschen, es gibt keinen Gott u.s.w) setzen und revoltieren !
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#11   Rodolfo Panetta   14:51:24 | Freitag, 7. April 2006
Buttiglione geht nicht weit genug!
Das von Moritz Schwarz geführte Interview mit Rocco Buttiglione hatte ich seinerzeit in der JF im vollen Wortlaut gelesen und auch einen Leserbrief dazu geschrieben. Buttiglione stellte die Politik der Christdemokraten verharmlosend dar. Insbesondere hielt er auf Kohl und Merkel große Stücke. Doch die ganzen Lebenslügen von Abtreibung bis Multi-Kulti sind ebenso ein Werk der Christdemokraten wie der anderen sogenannten „demokratischen“ Parteien.
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#10   Benedikt78   17:17:35 | Mittwoch, 5. April 2006
@ rudolfsohn
Ja, das Mail ist angekommen. Sehr gut. Danke! Nun kann ich mir das Interview in voller Länge zu Gemüte ziehen! :-)
@ all
Das Forum zu diesem Bericht ist richtig toll! Bis jetzt hat noch kein Zyniker gestört und blöde Sprüche gemacht. Freut mich! Bis jetzt kann ich wirklich alle Einträge unterschreiben!
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#9   rudolfsohn   16:54:55 | Mittwoch, 5. April 2006
an maledica und benedikt78
Grüss Gott, maledica. Volle Zustimmung! Die CDU bis auf ein paar Nuancen nichts anderes als eine schwarze SPD, die wiederum – auch mit ein paar Abstrichen – eine rote CDU ist.
benedikt78: Ist meine E-Mail komplett durchgekommen? Ich freu mich, dass ichs gefunden habe …
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#8   Laurentius2   15:35:29 | Mittwoch, 5. April 2006
CDU = Kleineres Übel ?
Es gibt die kath.Morallehre, daß wir im Zweifel das geringere Übel zu wählen haben. Doch die prinzipienlose CDU-Führungsclique setzt auf diese katholische „Bank“ und führt gleichzeitig 68er Dogmen mit etwas verlangsamtem Tempo ein:
Bsp.
1. Die liberal-sozialistische Anti-Familienpolitik wird im Grunde fortgesetzt: ja, vorblidliche Familienmütter bezahlen demnächst noch die längst gescheiterten Selbstverwirklichungsträume ihrer „emanzipierten“ Altersgenossinnen.
2. Kulturpolitik: Die Union verwaltet ihre diesbezügliche Totalabsenz, obwohl landauf landab viele Künstler längst die 68er Dogmen ablehnen. Sie müßten nur einmal entschieden und eben an den meist verbeamteten Fleischtopfvergebern der 68er vorbei gefördert werden. Doch dazu fehlt sowohl die charakter- wie auch die intelligenzmäßige Fähigkeit …
3. Geschichtspolitik: Historische Fakten, die Hohmann nannte, bleiben ganz nach dem Diktat der 68er unter Verschluß. Damit behält 68 den Knüppel der „bösen Deutschen“ fest in der Hand und kann 2 Fliegen mit einer Klappe schlagen: a. Ablenkung von den Hekatomben unschuldiger Opfer ihrer eigenen Idole wie Marx, Lenin, Ho-Chi-Min etc. und
b.das schon in den Schulen äußerst bewußtseinsprägende Draufhauen auf alles, was nicht auf Seiten der glorreichen Roten Armee war …
Genial einfache Strategie. Von unzähligen Denkern unserer Zeit wie J.Groß, A. Bahring oder B. Strauss längst erkannt – aber als Nasenring für die materialistisch-blöde CDU noch für Jahrzehnte gut genug !
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#7   Maledica   13:25:34 | Mittwoch, 5. April 2006
@Benedikt 78
Sozialisten?
Sie meinen wohl die Rot-Faschisten, welche mit der Faschismuskeule alles diffarmieren, was auch nur den Anschein von konservativ erweckt, diese werden dann mit faschistoiden Methoden denunziert.
Seit der 68er-Revolution ist auch die CDU nicht mehr wählbar, denn diese unterscheidet sich nicht mehr von der SPD. Diese Wirtschaftspartei hat auch nicht eine einzige Stimme als kleineres Übel verdient. Christliche Werte haben dort keine Chance!
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#6   rudolfsohn   10:20:10 | Mittwoch, 5. April 2006
an benedikt78
Genauso schauts aus, lieber benedikt, Sie sprechen mir aus der Seele!
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#5   Benedikt78   10:02:15 | Mittwoch, 5. April 2006
@ rudolfsohn
Ja, die Junge Freiheit bringt immer wieder sehr gute Artikel, die auch per E-Mail weit herum verschickt werden.
Aber Achtung, ich komme wieder mit der alten Leier! Die Junge Freiheit gilt für das System auch als rechtsextrem. Genauso wie Pro Köln und die FPÖ! Was will ich damit sagen? Diese Organisationen sind genauso rechtsextrem, wie ich schwul! Aber dieses Totschlagargument dient europaweit als Mittel um ungeliebte Meinungen zu unterdrücken. Die Sozialisten diffamieren damit alle Gruppierungen, die ihrem Kurs nicht entsprechen oder zur Mehrheitsbeschaffung nötig sind. Darüber müssen wir mal nachdenken!
Welche Parteien arbeiten NICHT mit den Sozialisten zusammen? Wir könnten eine kleine Liste machen. Erstaunlicherweise werden genau diese Gruppierungen als rechtsextrem verschrien! Ein Schuft der böses denkt!
Also Augen auf bei solchen Anschuldigungen. Da ist meistens nichts dran! Pro Köln, die FPÖ oder auch die Junge Freiheit leisten sehr gute Arbeit. Daran können auch die dreckschmeissenden Sozialisten und Gutmenschen nichts ändern!
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#4   rudolfsohn   09:21:33 | Mittwoch, 5. April 2006
Junge Freiheit
Ich habe mich sehr gefreut, dass das Interview mit Prof. Rocco Buttiglione hier wenigstens teilweise abgedruckt wurde. Da ich Abonnent der Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT bin, kannte ich es schon seit Monaten in voller Länge. Ich kann jedem Katholiken nur empfehlen, diese von den grossen Verlagshäusern unabhängige Zeitung regelmässig zu lesen. Hier fühle ich mich als wertkonservativer Christ, der Ehe und Familie hochhält, und eine auf höchstem intellektuellen Niveau stehende Informationsquelle schätzt, seit Jahren bestens aufgehoben. www.junge-freiheit.de
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#3   Benedikt78   08:38:09 | Mittwoch, 5. April 2006
Kraftlose Christen
@ Murx
Der Link ist wirklich sehr gut. Aber irgendwie kann ich mich einfach mit ihrem Namen nicht anfreunden…
Zum Text
Obwohl ich es Buttiglione hoch anrechne, dass er zu seiner Meinung stand und immer noch steht, zeigt mir das Interview doch sehr stark auf, wie kraft- und saftlos die Christen doch geworden sind. Buttiglione betonte immer wieder, dass wir doch viel erreicht hätten. Eigene Leistungen? Zukunftsperspektiven? Langfristige Planung? Nichts! Absolute Fehlanzeige!!! Und der Sieg bei der Gentechnik. Der kam nur im Verbund mit den Sozialisten zustande. Diese Typen findet man aber nie in der Kirche! Gleichzeitig werden die Gläubigen dadurch vor den Kopf gestossen. Anstatt dauernd den Sozialisten nachzurennen, sollte die Kirche sich als eigenständige Kraft präsentieren. Als Gegengewicht zum Liberalismus und Sozialismus! Es scheint aber, dass dazu die Kraft fehlt! Woher soll sie auch kommen? Die meisten politisch aktiven Theologen sitzen für die Linken und Grünen in den Parlamenten.
Wo bleibt hier die unabhängige Kraft? Mittlerweile stellt sich die Kirche nicht einmal mehr gegen die Homo-Ehen oder Abtreibung!
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#2   Breze   19:07:38 | Dienstag, 4. April 2006
@ Karl Murx
Vielen Dank für den Link zu dem wirklich lesenswerten Artikel
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#1   Karl Murx   18:51:18 | Dienstag, 4. April 2006
Nachrichtenagentur Nowosti: Wer schützt das Christentum?
de.rian.ru/…060404/45185592.html
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