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Donnerstag, 6. April 2006 13:29
„Das Problem ist nicht der Ritus“
Mons. Fernando Arêas Rifan, der altrituelle Bischof von Campos in Brasilien, äußerte sich in einem Interview über seine Beziehungen mit der Priesterbruderschaft St. Pius X.
Mons. Rifan bei einer Rosenkranzsühneprozession in London 2004
Mons. Rifan bei einer Rosenkranzsühneprozession in London 2004
(kreuz.net) Bischof Fernando Arêas Rifan von der altrituellen Apostolischen Administratur Campos in Brasilien sprach am 1. April mit der traditionalistischen US-Webseite „Angelqueen“.

In dem Interview erzählt er, daß der Papst mit dem Frieden in Campos – mit dem Frieden zwischen der örtlichen Diözese und der von ihm geführten Apostolischen Administratur – sehr glücklich sei.

Auch Dario Kardinal Castrillon Hoyos – der Präsident der Päpstlichen Kommission ‘Ecclesia Dei’ – habe diese „Einheit in der Verschiedenheit“ als Beispiel gelobt, das die perfekte Koexistenz zwischen einer örtlichen Diözese und einer unabhängigen Administratur mit eigenem Ritus darstelle.

Dieses Beispiel gelungener Ko-Existenz sei – so Mons. Rifan – sowohl für Progressisten als auch Traditionalisten ein wichtiges Zeichen: für die Progressisten, weil sie glauben würden, daß die Einheit der Kirche untergraben werde, wenn sie ihre Tore für die Traditionalisten öffnen, und für die Traditionalisten, weil sie um den Verlust ihrer Identität fürchteten.

Für Mons. Rifan ist eine solche Koexistenz mit liturgischer und disziplinärer Verschiedenheit bei gleichzeitiger Treue zur kirchlichen Lehre kein Problem.

Als katholischer Bischof in voller Einheit mit der Katholischen Kirche pflege er auch gute Beziehungen zu den übrigen brasilianischen Bischöfen. Er nehme zum Beispiel auch an den Versammlungen der Bischofskonferenz teil.

Die brasilianischen Bischöfe würden seine Unabhängigkeit und die Besonderheit seines Ritus respektieren. Aufgrund der guten Beziehung zum brasilianischen Episkopat werde die traditionelle Messe auch in vielen Bistümern außerhalb von Campos erlaubt.

Mons. Rifan sprach auch über seine Beziehung zur Priesterbruderschaft St. Pius X., die vor der Aussöhnung der Diözese Campos mit dem Vatikan sehr gut war.

Während der Gespräche mit dem Heiligen Stuhl zur Regularisierung der kanonischen Situation seines Bistums sei er mit der Piusbruderschaft in Kontakt gestanden:

„Als der Heilige Stuhl uns und ihnen anbot, eine Apostolische Administratur zu errichten, wehrten sie ab. Wir konnten dieses Angebot – oder um es genauer zu sagen, diesen ausdrücklichen Willen des Heiligen Vaters – guten Gewissens nicht abschlagen.“

„Danach begannen sie uns anzugreifen. Sie strichen unsere Meßzeiten von den Listen der weltweiten traditionalistischen Messen. Ich habe den vier Bischöfen der FSSPX eine Einladung zu meiner Bischofsweihe gesandt. Aber sie sind nicht gekommen.“

Bischof Rifan bot der Piusbruderschaft auch seine Hilfe an, deren kanonische Situation zu regeln, aber das Angebot sei nicht angenommen worden.

Während eines März-Besuches in Frankreich habe ein Freund einen der vier Bischöfe der Piusbruderschaft eingeladen, um mit ihm zu sprechen. Doch dieser Bischof habe keine Notwendigkeit zum Gespräch gesehen: „Deshalb werde ich weiterhin für sie beten“, so Mons. Rifan.

In dem Interview wurde Bischof Rifan auch gefragt, was er einem Gläubigen raten würde, der in gleicher Nähe zu einer Kirche des neuen Ritus und einer Kapelle der Piusbruderschaft wohnt.

Für ihn sei natürlich die traditionelle Messe besser als eine Novus-Ordo-Messe, deshalb würde er die Leute anleiten, zur traditionellen Messe zu gehen.

Dennoch sei auch die Messe im neuen Ritus – „natürlich“ – eine gültige katholische Messe, meinte der Bischof. Die Päpstliche Kommission ‘Ecclesia Dei’ habe auch erklärt, daß die Teilnahme an Messen in Kapellen der Piusbruderschaft gültig sei.

Das Problem sei das Umfeld. In der neuen Messe müsse die modernistische Atmosphäre bedacht und in manchen Fällen vermieden werden. Bei der Piusbruderschaft müsse die „anti-römische“ Stimmung bedacht und in manchen Fällen vermieden werden.

Das sei von Fall zu Fall unterschiedlich: „Wie mir jemand in Rom gesagt hat: ‘Das Problem ist nicht der Ritus. Das Problem ist die Predigt!’“

Bischof Rifan nahm auch zu Gerüchten Stellung, wonach er am 8. September 2004 aus Anlaß der Krönung der Patronin von Brasilien, Unserer Lieben Frau von Aparcida, bei einer Messe im Neuen Ritus konzelebriert haben soll.

Er habe an den Feierlichkeiten zwar in bischöflichem Ornat teilgenommen – so Mons. Rifan – jedoch nicht konzelebriert. Er hätte jedoch auch keine Sünde begangen, wenn er konzelebriert hätte, meinte der Bischof.

Er verstehe auch nicht, daß aus diesem Gerücht ein derartiger Skandal gemacht wurde, als hätte er ein großes Sakrileg begangen.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 60 Lesermeinungen:
Sonntag, 9. April 2006 18:06
Marcel: Ein Bischof im Wunderland
Von den Angelqueen’ern gefunden, leider nur in englisch; aber wer es lesen kann, dem sei es empfohlen:

A Bishop’s Wonderland: A Response to Bishop Fernando Areas Rifan, by Thomas A. Droleskey

–-

P.S. Aurelius, Sie langweilen, wie immer.
Samstag, 8. April 2006 12:25
Aurelius: @ Marcel
[Lefebvre] unterschrieb die Anwesensheitsliste, sowie unter deutlich formuliertem Protest an mehreren Konzilstexten 14 von 16; wohl wissend, daß er mit oder ohne Unterschrift nichts mehr aufzuhalten vermochte.

Was soviel bedeutet, daß er sie unterschrieben hat, mit oder ohne Protest.
Freitag, 7. April 2006 15:16
Marcel: Aurelius’ X paßt nicht, wie folgender Passus zeigte
Aurelius: Immerhin hat {Mgr. Lefebvre} auch die Konzilsdokumente mitunterschrieben…

Er unterschrieb die Anwesensheitsliste, sowie unter deutlich formuliertem Protest an mehreren Konzilstexten 14 von 16; wohl wissend, daß er mit oder ohne Unterschrift nichts mehr aufzuhalten vermochte.

die Abmachung mit Kardinal Ratzinger, die er 1988 unterschrieben hatte und kurz darauf in Frage stellte
Da Rom nicht daran dachte, den im unterschriebenen Protokoll vom 5. May 1988 zugesagten Bischof aus den Reihen der FSSPX zu weihen, und Mgr. Lefebvre dies ahnend einen Tag nach der Unterschrift auf einen Weihetermin bestand (im Angesicht seines hohen Alters), war es Mgr. Ratzinger, der das Protokoll als hinfällig bezeichnete!

Der Absatz im vatikanischen Protokoll lautet (laienübersetzt):
… aus praktischen und psychologischen Gründen erscheint die Weihe eines Mitgliedes der Bruderschaft zum Bischof dienlich. Deshalb, im Rahmen der doktrinalen und kanonischen Lösung der Versöhnung, schlagen wir dem Heiligen Vater vor, daß er einen Bischof ernenne, aus der Bruderschaft ausgewählt und von Erzbischof Lefebvre präsentiert… (Abkommens-Protokoll, II, 5.2)

Englische Doku siehe hier.

Dieses Protokoll diente dann als Basis für Ecclesia Dei, deren Gemeinschaften heute noch auf den Traditionsbischof warten, der schon Mgr. Lefebvre versprochen wurde.
Freitag, 7. April 2006 14:08
Athanasius: @Karl Murx
Auch der über den Erdkreis verstreute Episkopat in Verbindung mit dem Papst ist in seiner einmütigen Verkündigung unfehlbar. De Fide laut Vatikanum I.
Schön. Nur ist etwas dazu. Es handelt sich hier nur um die Verkündigung der immer gegeben Wahrheiten.

Oder wollen Sie etwa sagen, daß die Arianerbischöfe Roms und der Welt z.Zt. des Papstes Liberius auch „unfehlbar“ war. Über Neuerungen kann es hier nicht gehen, und es besagt nicht, ein Papst der seine Autorität dazu benutzen würde um zum Irrtum zu führen (wie etwa Johannes XXII. im Mittelalter mit seinen háretischen Reden zur seligen Gottesvision), wäre dann auch unfehlbar!

Ja, ich glaube Dr. Joseph Fessler als Sekretär des Konzils eher in treuer Auslegung, als Kommentatoren. Fesslers Buch trägt Vorwort von Pius IX.
Freitag, 7. April 2006 12:05
Aurelius: @ Marcel: Eine passende Beschreibung Lefebvres
Das Problem ist in der Tat nicht der Ritus, sondern die Unzuverlässigkeit des […] Würdenträgers, der morgen bereits wieder das in Frage stellt, was er heute […] sagt, wenn er sein Gesagtes von gestern in Frage stellt…

Eine sehr gute Beschreibung des exkommunizierten Gründers der nicht in Gemeinschaft mit Rom stehenden Priesterbruderschaft Sankt Pius X, Erzbischof Marcel Lefebvre, die Sie hier abgeliefert haben. Immerhin hat er ja auch die Konzilsdokumente mitunterschrieben… Und dann gab es ja noch die Abmachung mit Kardinal Ratzinger, die er 1988 unterschrieben hatte und kurz darauf in Frage stellte, was er denn mit seiner Unterschrift besiegelt hatte.

Soviel zum Thema Unzuverlässigkeit eines Würdenträgers.
Freitag, 7. April 2006 08:56
Marcel: „Schnee von gestern“ – oder: die Wahrhaftigkeitsschmelze durch Zwiedenken
„Pharaisaic Scandal“ – by Padre Fernando Areas Rifan
(The Angelus, July 1988)

Vielleicht mag es jemand übersetzen, damit die Leser anhand der Gegenüberstellung zur deutschen Kurzzusammenfassung des Angelqueen-Interviews mit Bischof Rifan leichter erkennen mögen, daß sein Wort nichts gilt.

Das Problem ist in der Tat nicht der Ritus, sondern die Unzuverlässigkeit des vom Ungeist des Liberalismus kompromitierten Würdenträgers, der morgen bereits wieder das in Frage stellt, was er heute (in Angelqueen) sagt, wenn er sein Gesagtes von gestern in Frage stellt…

Das sind keine Vorbilder des Glaubens.
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