Ein österreichisches Boulevardmagazin setzte vor einer Woche schwere – und ungeprüfte – Anschuldigungen gegen einen Priester aus St. Pölten an die Luft. Dafür muß es nun bezahlen.
(kreuz.net, St. Pölten) Vor einer Woche brachte der vorbestrafte, suspendierte Priester Volker S. schwere
Anschuldigungen gegen den Vizeoffizial der Diözese St. Pölten, Hw. Reinhard Knittel, an die Presse.
Hw. Knittel war bis vor kurzem für den kirchlichen Strafprozeß des suspendierten Priesters verantwortlichen
Das Boulevardmagazin ‘News’ kolportierte die Unterstellungen, ohne sich im geringsten um eine Verifizierung
zu bemühen.
Nun wurde das Magazin zu einer – für es unbedeutenden und dem Schaden unangemessenen –
Entschädigungszahlung verpflichtet. Zusätzlich mußte es in der heutigen Ausgabe eine Gegendarstellung
veröffentlichen.
Darin erklärt Hw. Knittel, daß es sich bei den Anschuldigungen von Volker S. um „Projektionen“
handle: „Der Vorwurf trifft nicht zu.“
Er vermute, daß Volker S. allen Grund habe, den kirchlichen Strafprozeß
gegen ihn durch solche Anschuldigungen zu blockieren.
Er habe schon vor dem öffentlichen Bekanntwerden
der Vorwürfe gegenüber seinem Bischof Klaus Küng die Unwahrheit der Anschuldigungen dargelegt und den
Prozeß abgegeben.
Die Vorwürfe seien bedauerlich und für ihn eine schwere Belastung – so Hw. Knittel.
Aber Bekannte und Gläubige ständen zu ihm: „Sie wissen, daß nicht wahr ist, was mir vorgeworfen wird.“
Hw. Knittel bestätigt, Volker S. die Zelebration der Alten Messe gelehrt zu haben: „Sein Interesse für
den traditionellen Meßritus hielt ich persönlich aber eher für aufgesetzt.“
Er habe seinen Verleumder
nur oberflächlich gekannt, von näherer Freundschaft könne keine Rede sein. Haßgedanken seien ihm als
Priester fern. Er habe Volker S. in seinem Herzen verziehen.
Hw. Knittel erklärt weiter, daß ihm nicht
klar sei, wieweit dieser in der Angelegenheit Täter oder Mißbrauchter sei.
Während der Apostolischen
Visitation im Sommer 2004 gab es eine anonyme Anzeige gegen Hw. Knittel. Die Anzeige wurde von der Polizei
untersucht und dann von der Staatsanwaltschaft eingestellt.
Der Verleumder Volker S. könne von etwaigen
Details der anonymen Anzeige nur durch Mitteilung anderer erfahren haben: „Die Auswahl dafür ist klein.
Dazu kommen weitere gewichtige Hinweise, die auf einen Mitbruder deuten, der im Rahmen der Priesteraffäre
ins Gerede kam.“
Weitere rechtliche Schritte wird sich Hw. Knittel in präziser Absprache mit Bischof
Küng überlegen.
Email-Adressen der Empfänger
8 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Dogmatisch gefährlich finde ich nicht Hw. DDr. Knittels Predigten, die ich nicht höre und deswegen nicht
beurteilen kann, sondern, wenn ein tridentinisch anmutendes Zeremoniell den NOM einem Überlieferten Ritus
der Kirche „kosmetisch“ so annähert, daß die dogmatischen Unterschiede „zugedeckt“ werden. Bei den Anglikanern
gibt es teilweise Gottesdienste, die ein Christkönigsinstitut nicht tridentinisch-barocker gestalten
könnte. Die subjektive Frömmigkeit mag dadurch sogar befruchtet werden. Aber was nützt es in den Kategorien
der objektiv-sakramentalen Gnadenordnung? Ist hier der Schaden nicht größer als der Nutzen? So möchte
ich mein „zunehmend dogmatisch gefährlich“ verstanden wissen. Übrigens geht es immer um den Ritus der
Kirche. Insofern kann auch ein Bi- oder Multiritualismus niemandes persönliche Sache sein.
@Tridentinus Vermutlich soll hier suggestiver Hinweis von wegen ‘dogmatisch gefährlich’ hier (auch und
vor allem) für Hw. DDr. Knittel gelten. Jedenfall ist Ihnen sein Biritualismus ein Dorn im Auge. Sie
können versichert sein, dass sie weithin keine so dogmatisch sicheren Predigten finden werden wie bei
Knittel! Sein Biritualismus ist (wie bei vielen entsprechenden anderen Fällen) seine Sache. Unbeschadet
aller Vorzüge des überlieferten Ritus’ gilt: Wenn überall so gepredigt u. (wohl nur sonntags) NOM gefeiert
würde wie in der St. Pöltens Prandtauerkirche od. Militärkathedrale v. Wiener Neustadt, wäre die kirchl.
Situation dogmat. u. liturg. weitaus besser!
Sog. Pressefreiheit muß voll erhalten bleiben S. g. Herr „F. D.“! Wo ist der Skandal für Sie? Auch Sie
können da und dort anrufen. Aber Sie und jene, die berichten, tragen dann Verantwortung. Da es eine Rechtsordnung
gibt, kann sich jeder zu Unrecht Angegriffene auch legitim wehren. Die Auswahl der (wirksamen) Gegenschritte
wird der Priester im besten Fall in Übereinkunft mit seinem Bischof treffen. Der obige Fall ist insofern
interessant, als die Rechtsschritte schon am nächsten oder sogar selben Tag zur Löschung verleumderischer
Artikel im Internet geführt haben. Und das Gegen-Interview ist zwar nicht in der Folgenummer erschienen,
aber zeigt eben auf, daß die ganze Geschichte sich bisher als reine Phantasie herausgestellt hat. Gott
sei Dank! Doch jeder Einzelfall ist genau anzusehen, es gibt eben solche und solche Fälle, unabhängig
von jeglichem sinnlosen Lagerdenken.
Ein unglaublicher Skandal Es könnte also jeder beliebige Verleumder bei News anrufen und einen Priester
eigener Wahl anschütten, und die drucken dann eine zweiseitige Skandalstory darüber. Praktisch wird
damit die Judikative des Staates außer Kraft gesetzt. @Tridentinus Mit dem Meßbuch hat der Skandal wenig
zu tun.
#1 Tridentinus 12:14:30 | Donnerstag, 6. April 2006
Aufgesetzt Wie tief verwurzelt ist die Beheimatung eines Priesters im Überlieferten Römischen Ritus,
aus dessen Gottesdienstordnung eine ganz besondere liturgische Gleich-Gültigkeit spricht? Messe nach
dem Ritus von 1962, 1965, 1967,1970. Da hilft auch ein gleichbleibend starker tridentinischer Phänotypos
nichts. Im Gegenteil: Er ist zunehmend gefährlich. Dogmatisch ohnehin, aber auch moralisch riskant: So
zieht man Leute an, deren Ästhetizismus eine ganz besondere Wurzel hat. Die wollen dann eben mehr als
bloß Zelebrationsunterricht. Tragisch für Hw. Knittel, aber vielleicht auch eine heilsame Kur gegen
zu große liturgische Flexibilität eigener Art.