China
Geeinte Kirche in China?
Ein Kardinal, der vor rund 20 Jahren noch offen erklärt hatte, daß sich die chinesische Staatskirche im Schisma befinde, will von seiner Aussage plötzlich nichts mehr wissen.
(kreuz.net, Peking) Die Kardinal-Kung-Stiftung erinnert in der Dezemberausgabe ihres Nachrichtenbriefes an eine Aussage des emeritierten Kurienkardinals Jozef Tomko (81).

Die Stiftung ist das US-amerikanische Sprachrohr der in China in den Untergrund gedrängten Katholischen Kirche.

Kardinal Tomko – ehemaliger Präfekt der Missionskongregation – hatte sich Anfang letzten Jahres vor den US-Bischöfen über die verfolgte chinesische Untergrundkirche und die vom kommunistischen Regime kontrollierte ‘Patriotische Vereinigung’ geäußert: „Die beiden Gruppen in der Kirche von China sind nicht zwei Kirchen, weil wir alle eine Kirche bilden.“

Die sogenannte ‘Patriotische Vereinigung’ ist eine Regierungsorganisation, die versucht, sich anstelle der in den Untergrund gedrängten Katholischen Kirche als „Gegenkirche“ zu etablieren.

Im letzten Oktober erklärte auch der Bischof von Hong Kong, Joseph Kardinal Zen, vor der im Vatikan versammelten Bischofssynode: „Die Kirche in China, die in zwei geteilt zu sein scheint, ist tatsächlich eine einzige Kirche, weil jeder mit dem Papst vereint sein will.“

Die Kardinal-Kung-Stiftung betont zum wiederholten Male, daß diese Aussage falsch ist.

Sie erinnert an Richtlinien des Heiligen Stuhles, welche Mons. Eugene Nugent – der vatikanische Vertreter in Hong Kong – im Juli 2004 veröffentlichte: „Die Patriotische Vereinigung weist offensichtlich die Merkmale eines Schismas auf.“

Mons. Nugent bekräftigte 2004 erneut die China-Richtlinien, die 1988 vom Vatikan publiziert und bezeichnenderweise ausgerechnet von Jozef Kardinal Tomko in seiner Funktion als Missionspräfekt unterzeichnet wurden.

Beide Richtlinien – von 1988 und von 2004 – verwerfen eindeutig die Meinung, daß die Katholische Kirche und die Patriotische Vereinigung eine einzige Kirche seien.

Zudem sei die Rede Kardinal Tomkos von der einen chinesischen Kirche letztlich ein Freibrief, der kommunistischen Staatskirche beizutreten. Er fördere – so die Kardinal-Kung-Stiftung – den Plan des chinesischen Regimes, die Untergrundkirche auszulöschen.

Die Behauptung einer geeinten chinesischen Kirche sei ein Hohn auf die Verfolgung und das Martyrium von Tausenden chinesischen Untergrundkatholiken in den letzten 56 Jahren.

Die Kardinal-Kung-Stiftung verweist auch auf Aussagen von Papst Johannes Paul II., wonach ein Katholik auf das Prinzip der Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri nicht verzichten könne. Der bloße Wille sei nicht ausreichend – besonders, da die ‘Patriotische Vereinigung’ in ihren nach wie vor gültigen Gründungsstatuten die Autonomie von Rom explizit anführt.

Bereits Papst Pius XII. habe im Oktober 1954 in seiner Enzyklika über die kommunistische Patriotengemeinschaft „Ad Sinarum Gentem“ vor der chinesischen Staatskirche gewarnt.

Das chinesische Regime versuche, unter den Katholiken Chinas eine nationale Kirche aufzubauen, die nicht länger katholisch ist, erklärte Pius XII. vor mehr als 50 Jahren. Die ‘Patriotische Vereinigung’ sei die Verneinung der Universalität oder besser der Katholizität, durch welche die von Jesus Christus gestiftete Gemeinschaft über allen Nationen steht und sie alle umfaßt.
      
8 Lesermeinungen
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#8   Marcel   22:55:30 | Montag, 10. April 2006
Aureliussischer Vulgärtraditionalismus? Ihm/Es wird langweilig…
Sedsivakantisten sind keine Traditionalisten, sondern im falschen Empfinden nach Libreralisten…
Mgr. Williamson www.kreuzforum.net/showthread.php?tid=195:
Die sogenannten Sedisvakantisten {…} sind scheinbar die strenggesinnten Gegner der Liberalen, welche eine weiche Linie vertreten. Sie sagen, die Päpste der letzten 20, 30 oder 40 Jahre seien zu liberal gewesen, um echte Päpste zu sein. Indessen ist das tieferliegende Problem der Liberalen und der Sedisvakantisten dasselbe, auch wenn keiner von ihnen dies zugibt: Beide vergessen, daß es alleine im Belieben Gottes steht, wie weit Er es zuläßt, daß Seine Kirche fehlgeht, ohne daß sie deshalb aufhört, Seine Kirche zu sein.
{…}
Wenn ich göttliche und menschliche Elemente in der Kirche nicht auseinanderhalte, so kann dies auf zwei Weisen geschehen. Entweder werde ich das Göttliche auf Kosten des Menschlichen überbetonen, und dann werde ich Menschen mit göttlicher Unfehlbarkeit ausstatten. Ich werde mich an das halten, was die Männer der Kirche verkünden, was immer es auch sei, ich werde blind liberalen Päpsten folgen und liberal werden. Oder ich werde das Menschliche auf Kosten des Göttlichen überbetonen, die makellose Kirche und Braut Christi mit dem Makel fehlbarer Vertreter der Kirche ausstatten und die Braut zurückweisen und die Kirche verlassen, wie es viele Katholiken machten, als sie protestantisch wurden zu Zeiten Martin Luthers, und wie es viele Sedisvakantisten in unserer Zeit machen.
{…}
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#7   Irenäus   21:14:47 | Montag, 10. April 2006
@Aurelius
Ihr Namenspatron Aurelius Augustinus vertrat allerdings den Standpunkt, daß ungerechte Exkommunikationen ungültig sind. Im übrigen ist Ecclesia Dei ziemlich peinlich für Woityla. er kannte anscheinend noch nicht mal sein eigenes Kirchenrecht, obwohl er es selber promulgiert hat.
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#6   Aurelius   20:45:03 | Montag, 10. April 2006
@ Karl Murx
Da hält jemand Mgr Fellay vor, er sei exkommuniziert,
Mgr Fellay wird nicht vorgehalten, er sei exkommuniziert, Mgr Fellay ist exkommuniziert, auch wenn man das auf Planet Stammtisch-Tradi nicht wahrhaben will.
Da sie diesen Akt [die unrechtmäßigen Bischofsweihen vom 30. Juni 1988] trotz des offiziellen Monitums vollzogen, […] sind Msgr. Lefebvre und die Priester Bernard Fellay, Bernard Tissier de Mallerais, Richard Williamson und Alfonso de Galarreta der schweren Strafe der Exkommunikation verfallen, wie die kirchliche Disziplin vorsieht. [Vgl. Can 1382 CIC]
Motu Proprio, Ecclesia Dei www.vatican.va/…ecclesia-dei_ge.html
aber derjenige, der Waisenkinder an homosexuelle Lebensgemeinschaften vermitteln ließ, der ist nicht exkommuniziert.
Auf wen beziehen Sie sich hier? Auf Papst Johannes Paul II., der festgestellt hat, daß Mgr Fellay exkommuniziert ist, oder auf mich, der dieses Faktum aufgegriffen hat? Oder ist Ihr Kommentar einfach nur irrelevant?
Sind es die auf Rosenkreuzer-Niveau gestutzten neuen Riten selbst, die dieses Mileu automatisch nähren?
Eine weitere Illustration dessen, was Dr. Berger kürzlich so treffend mit Vulgärtraditionalismus www.kreuz.net/article.2538.html bezeichnet hat.
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#5   Karl Murx   18:24:54 | Montag, 10. April 2006
Seltsame Verhältnisse
Da hält jemand Mgr Fellay vor, er sei exkommuniziert, aber derjenige, der Waisenkinder an homosexuelle Lebensgemeinschaften vermitteln ließ, der ist nicht exkommuniziert. Mit diesem Vorfall hatte sich ein Bistumsblatt zu Levadas Zeiten sogar gerühmt. Warum eigentlich, zieht dieses postkonziliare Milieu so viele Homos an? Sind es die auf Rosenkreuzer-Niveau gestutzten neuen Riten selbst, die dieses Mileu automatisch nähren?
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#4   Aurelius   15:58:49 | Montag, 10. April 2006
@Karl Murx
Mgr Fellay kann sich auch nur für die Ernennung von Levada in die Kommission Ecclesia Dei bedanken.
Damit muß der exkommunizierte Bischof Fellay nun einmal leben. Er bestimmt bestimmt nicht den Kurs, sondern wäre gut beraten, das Entgegenkommen Roms auf seine irgendwie-schismatische-aber-dann-auch-wieder-nicht Gruppierung in Demut und Dankbarkeit zu erwarten.
Jedoch scheinen die Wörter Demut und Dankbarkeit für Lefebvristen Fremdwörter zu sein…
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#3   Karl Murx   11:05:53 | Montag, 10. April 2006
Zum Heulen!
Mgr Fellay merkt gar nicht, daß er durch das Verhalten Benedikt XVI. mit dem Chef der Staatskirche auf eine Stufe gestellt wird. Da ist jetzt niemand mehr Schismatiker, sondern im Sinne des Neo-Anglikanismus repräsentiert Fellay eine Art Hochkirche, in der er bleiben darf. Jeder gehört dann irgendwie zur Kirche.
Mgr Fellay kann sich auch nur für die Ernennung von Levada in die Kommission Ecclesia Dei bedanken. Da wollte Benedikt XVI. ihm bestimmt keinen Gefallen tun.
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#2   sttn   21:47:38 | Sonntag, 9. April 2006
Wann ist eine Kirche eine Kirche …
und wann ist ein Katholik ein Katholik?
Ich denke das definiert sich zuallerst aus dem Glauben an Jesus, so das FSSPXler genauso der Weg zu „Kirche Jesus Christus“ offensteht wie den Katholiken die der „offiziellen“ Chinesischen Kirche angehören. Es müssen beide Seiten nur wollen – dann findet sich schon ein Weg „nach Hause“.
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#1   Aurelius   21:03:44 | Sonntag, 9. April 2006
Klasse!
„Die beiden Gruppen in der Kirche von China sind nicht zwei Kirchen, weil wir alle eine Kirche bilden.“
Ist doch toll.
Der eine Kardinal sagt, daß man bei der FSSPX nicht von einem formellen Schisma reden könne und, und der andere sagt ähnliches über diese Gruppierung in China.
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