Katechismusklasse
Man wird mich dreiteilen
Die Seele eines Gerechten der vorchristlichen Zeit wandert in der Vorhölle nervös auf und ab. Eigentlich sollte er zufrieden auf den Abstieg des Messias zu den Toten warten. Aber davon ist ihm nichts anzumerken.
(kreuz.net) Die unruhige Seele gehört dem altehrwürdigen Propheten Jesaja, der seit Tagen im feuerroten Höllenmorast kreisförmige Bahnen zieht.

Die Laufspur des ausgetretenen Pfades reicht dem weisen Gottesmann – sozusagen – bereits bis zu den Seelenknien.

Da kommt der Prophet Jeremia vorbei und sagt: „Du solltest Dich im Schoße Abrahams besser gelassen zurücklehnen und auf die Höllenfahrt Jesu Christi warten, der uns den Himmel öffnen wird.“

Der Prophet Jesaja blickt verstört auf. Er habe es nicht nötig, von Jeremia an das Kommen Christi erinnert zu werden: „Ich bin nicht weniger ein Prophet als Du und diesbezüglich voll im Bild.“

Er werde nicht von Zweifeln am Kommen des Messias bedrückt, sondern von Ereignissen, die sich noch in der entfernteren Zukunft der Menschen abspielen würden.

So habe er aus gut unterrichteter Quelle erfahren, daß man auf Erden – in der Endzeit der Kirche – sein prophetisches Werk zerschnippseln wolle:

„Sogar dreiteilen will man mich.“

Jeremia rollt erstaunt mit den Augen: „Was? Dreiteilen? Ist Dein Leichnam oben auf der Erde nicht schon lange eine Beute der Motten geworden und in Tausend Staubkörner zerfallen?“

Doch Jesaia schüttelt energisch den Kopf:
Prophet Jesaja:
„Man wird behaupten, daß meine Schriften nicht von mir, sondern von anderen, ja sogar von mehreren Autoren stammen.“
„Nein, nein, Du verstehst mich nicht. Man wird behaupten, daß mein Werk – das Buch des Propheten Jesaja – nicht von mir, sondern von einem Rattenschwanz anderer Autoren geschrieben worden sei.“

Um diese Phantasien als Wahrheit zu verkaufen, werde man sich auf angebliche sprachliche und stilistische Beobachtungen berufen und daraus einen Beweis zusammenschustern.

Freilich werde jeder Autor, der dies behauptet seine eigene Theorie erfinden und auch in der Verteilung der Texte auf verschiedene Verfasser werde man sich in keiner Weise einig sein.

Es gebe für ihn nur einen Trost: Daß das unfehlbare Lehramt der Römischen Kirche seine Autorenschaft verteidigen werde.

„Wenn man sich unter den Schriftgelehrten einmal davon überzeugt hat, daß es mich als Verfasser meines Buches gar nie gegeben hat, wird man mein schönes Werk zerpflücken wie einen Heuhaufen.“

Der Prophet Jerermia schaut seinen bedrückten Berufskollegen ungläubig an. Doch Jesaja fährt unbeirrt weiter:

Man werde lehren, daß seine Weissagungen keine wirklichen Prophezeiungen seien, sondern aufgeschrieben wurden, nachdem die prophezeiten Ereignisse schon geschehen seien.

„Außerdem wird man den Leuten erzählen, daß es in meinen Weissagungen nur um die damalige Politik Palästinas, aber in keiner Weise um die Ankunft des Messias und die Vollendung der Zeiten in Christus ging.“

„Ruhig Blut, lieber Jesaja“, schaltet sich plötzlich König Salomon ins Gespräch ein. Er hatte den zweien unbemerkt zugehört: „Das ist nichts Neues unter der Sonne und sollte dich in der Unterwelt nicht länger quälen.“

Er habe erst kürzlich mit Mose gesprochen, der sich vor ihm auf ganz ähnliche Weise beklagt habe. Angeblich werden Zeiten kommen, wo man die Tatsache leugnen wird, daß Mose die fünf Bücher des Moses geschrieben hat.

„Mose hat mir auch gesagt, daß man die ersten drei Kapitel des Buches Genesis über die Schöpfung und den Sündenfall als Ammenmärchen betrachten wird.“

Stattdessen werde man von Sagen, Mythologien und Kosmogonien der alten Völker sowie von Gleichnissen und Symbolen daherreden – um sich anschließend dem Fernseher – einem Kasten, der auf der Vorderseite bunte Bilder zeigt und vor sich herredet – und der Freizeitunterhaltung zuzuwenden.

Jetzt starrten die Augen des Jesaja nicht weniger ungläubig als die des Jeremia.

Soviel Dummheit hätten die beiden Unheilspropheten dem zweifellos sehr störrischen Menschengeschlecht trotz allem nicht zugetraut.

Da flog unvermittelt eine kleine Seele vorbei, landete in ihrer Mitte und sagte: „Ich komme gerade vom Bibelstudium“.

„Was habt ihr denn heute Schönes durchgenommen“, fragte Jesaja, um vom bisherigen Thema abzulenken und die bibelstudierende kleine Seele nicht zu verwirren.

„Wir haben in Deinem Buch gelesen“, antwortete die kleine Seele schnell.

Das hörte die große Seele des Propheten nicht ohne geschmeichelt zu sein. Gerne hätte er sich zufrieden über den Bart gestrichen, wäre der nicht immer noch auf Erden im Staub gelegen: „Und welchen meiner Texte habt ihr heute behandelt?“

„Einen schwierigen Brocken“, antwortete die kleine Seele etwas entmutigt. Sie habe die Sätze auswendig gelernt, ohne viel zu kapieren:

„Hören werdet ihr mit den Ohren und nicht verstehen. Sehend werdet ihr sehen und nicht erkennen. Denn verstockt ist das Herz dieses Volkes. Schwer hören sie mit ihren Ohren, und ihre Augen haben sie geschlossen, damit sie nicht etwa sehen mit ihren Augen und mit den Ohren nicht hören, und mit dem Herzen nicht verstehen und sich bekehren, damit ich sie heile.“

Da gingen auch dem Jesaja die Augen auf.
      
5 Lesermeinungen
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#5   Sirilo   22:46:29 | Montag, 10. April 2006
Nicht Vorhölle, sondern Himmel!
Die obige Legende hat einen schweren Fehler: Da die beiden Propheten von der katholischen Kirche zu den Heiligen gezählt werden, können sie sich nicht mehr in der Vorhölle befinden. St. Jeremias hat seinen Festtag übrigens am 1. Mai; ihm ist zum Beispiel die Kirche San Geremia in Venedig gewidmet, während St. Jesaias z.B. über die Kirche San Isaia in Bologna verfügt.
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#4   centesimus annus   14:04:27 | Montag, 10. April 2006
@parzifal
das ist gut, dieses posting …
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#3   Parzifal   13:18:12 | Montag, 10. April 2006
Verschwörungstheorie
kreuz.net bleibt dran! Gnadenlos wird die Verschwörung der Juden u. Schwulen gegen d. Kirche aufgedeckt!
Endlich nach so vielen Jhdr. Lug und Trug erfährt man endlich die Wahrheit! Die Erde ist gar keine Kugel! Sie ist eine Scheibe. Fotos oder Videos die etwas gegenteiliges behaupten sind von den Juden getürktes Propagandamaterial. Die Erde ist nur in Hollywood eine Kugel! In Wahrheit natürlich eine Scheibe! Es kann doch gar nicht anders sein! Man würde doch auf der Unterseite von der Kugel fliegen, nur ein Dummkopf kann sowas glauben. Genauso verhält es sich mit der Mondlandung. Logisch hat die nur in einem Filmstudio stattgefunden. Und Saurierknochen wurden in Israel von den Zionisten künstlich hergestellt und dann der Welt als Sensation verkauft um die Herrschaft der Juden und Freimaurer über die Welt weiter zu festigen. Wo doch der Mythos der im Namen des Holocaust geschaffen wurde dafür nicht ausreicht!
Aber nun kommt die Stunde der Wahrheit! Man kann Gott gar nicht genug danken für die Weisen und Heiligen die kreuz.net herstellen! Endlich kommt die Wahrheit ans Licht. Die Welt wurde vor 5000 Jahren von Gott geschaffen. Der Allmächtige hat Adam und Eva mit seinen Händen aus Lehm geformt! Das Weltall ist keine Billionen Lichtjahre groß wie das Judengesindel behauptet sondern nur ein paar tausend Kilometer. Und die Sterne hängen wie Lampen am Firmament. Gott selbst hat sie da aufgehängt! Gott sei dank gibt es kreuz.net!
Endlich kommt es wieder das Mittelalter!
Juhu!
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#2   ratzo   09:31:07 | Montag, 10. April 2006
was soll das?
steht da oben nicht „katholische Nachrichten“?
Was hat ein Artikel wie dieser mit Nachrichten zu tun?
War etwa jemand in der vorhölle und hat mit denen gesprochen bzw. zugehört?
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#1   virOblationis   18:35:54 | Sonntag, 9. April 2006
Namensform
Wenn schon Moses statt Mose, dann bitte auch Isaias und Jeremias statt Jesaja und Jeremia.
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