16:13:06 | Montag, 10. April 2006
„Ältere Leute, die sterben. Ende.“
Der Generalobere der Piusbruderschaft sprach kürzlich auch über die Beziehungen der Lefebvristen mit den französischen Bischöfen. Diese sehen angeblich vor allem ein Problem.
(kreuz.net, Denver) Am Sonntag, dem 19. Februar hielt der Generalobere der Priesterbruderschaft St. Pius
X., Mons. Bernard Fellay, in Denver
einen zweieinhalbstündigen Vortrag.
Denver ist die Hauptstadt des
US-Bundesstaates Colorado im Zentrum der Vereinigten Staaten.
Am Ende des Vortrags sprach Bischof Fellay
auch über die Situation der Piusbruderschaft in Frankreich.
Im letzten Jahr und besonders in den letzten
Monaten hätten sich die Beziehungen zu einigen französischen Bischöfen sehr entwickelt. Die
Bischöfe
seien freundlicher geworden und wollten mit der Piusbruderschaft reden.
In den Gesprächen sei jedoch
klar geworden, daß sich das Denken der Bischöfe nicht grundsätzlich geändert hätte.
Bischof Fellay
erklärte, daß ihm der Präsident der französischen Bischofskonferenz eine Erklärung für die plötzliche
Freundlichkeit geliefert hätten. Noch vor zehn Jahren hätten die Bischöfe gemeint, daß die Tradition
untergehen würde: „Ältere Leute, die sterben. Ende.“
Inzwischen sähen sich die Bischöfe aber gezwungen,
die Piusbruderschaft in ihren kirchlichen Horizont aufzunehmen.
Die Bischöfe seien sich bewußt, daß
sie mit der Bruderschaft zusammenarbeiten
müßten. Diese sei inzwischen zu stark, um von ihnen ignoriert
zu werden: „Sie können uns nicht mehr auslöschen.“
Bischof Fellay erklärt sich die wachsende Freundlichkeit
der Bischöfe auch mit der speziellen Situation der Kirche in Frankreich, wo die meisten Kirchen dem Staat
gehören und von ihm aus Steuergeldern erhalten werden.
Der Staat sehe, daß viele von ihm finanzierte
Kirchen leerstehen. Da er ein Interesse besitze, daß die Kirchengebäude der Allgemeinheit dienten, drohe
er mit einer Umnutzung.
Einen Markt für leerstehende Kirchen gebe es vor allem bei den blühenden moslemischen
Gemeinschaften, die Interesse für diese Gebäude zeigten.
Deshalb würden sich einige Bischöfe der
Piusbruderschaft annähern. In der letzten Zeit seien darum auch Kirchen für Messen der Bruderschaft
zur Verfügung gestellt worden. Mons. Fellay nannte Pontifikalämter in den Wallfahrtskirchen von Lourdes
und Lisieux.
Der Bischof sieht darin die Früchte eines 20jährigen Kampfes seiner Bruderschaft.
Die
Annäherung bedeute jedoch noch keine Übereinstimmung. Es gehe eher um eine friedlichere Gastfreundschaft:
„Das ist der Fortschritt, den ich in Frankreich feststelle.“
Bischof Fellay verwies abschließend auf
ein weiteres Phänomen in Frankreich.
Die dortigen Bischöfe fürchteten, daß der Vatikan den Ecclesia-Dei-Gemeinschaften
eine eigene Hierarchie geben könnte. Damit würden die Diözesanbischöfe die Kontrolle über den vielleicht
lebendigsten Bereich der Kirche Frankreichs verlieren.
Bisher seien die französischen Bischöfe gegen
alles Traditionelle ungemein scharf vorgegangen: „Jetzt haben sie – um nicht alles zu verlieren – die
Taktik gewechselt.“
Auch Mons. Fellay fürchtet die mögliche Einrichtung einer eigenen Hierarchie für
die Ecclesia-Dei-Gemeinschaften. Wenn diese ihre eigenen Bischöfe erhalten würden, wäre das für sie
eine große Erleichterung.
Das würde die Situation dieser Gemeinschaften gegenüber der Piusbruderschaft
wesentlich verbessern. Die mögliche Einrichtung einer solchen Hierarchie könnte darum auch als Versuch
gedeutet werden, den Lefebvristen Priester und Gläubige wegzunehmen.
In Frankreich merke man langsam,
daß „der Krieg“ zwischen Rom und der Piusbruderschaft auf eine neue Weise geführt werde.
Rom werde
sich in Zukunft teilweise mit guten und teilweise mit schlechten Absichten auf die Lefebvristen zubewegen.
Dadurch werde die Situation für die Piusbruderschaft möglicherweise noch schwieriger.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
#9
Athanasius 17:36:29 | Dienstag, 11. April 2006
#8
Karl Murx 14:34:46 | Dienstag, 11. April 2006
#7
Benedikt 11:20:53 | Dienstag, 11. April 2006
#6
Karl Murx 07:50:14 | Dienstag, 11. April 2006
#5
Athanasius 05:03:26 | Dienstag, 11. April 2006
#4
Karl Murx 22:13:04 | Montag, 10. April 2006
#2
Athanasius 21:39:37 | Montag, 10. April 2006
#1
Karl Murx 18:45:01 | Montag, 10. April 2006